E-Book, Deutsch, Band 1717, 160 Seiten
Reihe: Romana
Roberts Lockende Sterne der Karibik
1. Auflage 2007
ISBN: 978-3-86349-314-1
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 1717, 160 Seiten
Reihe: Romana
ISBN: 978-3-86349-314-1
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Auf der Trauminsel Curaçao begegnet Athena dem Abenteurer Dylan Harris und spürt sofort, dass ihr der attraktive Mann unter die Haut geht. Die kühle Engländerin und der verwegene Kapitän eines Charterboots kommen sich schnell näher. Doch die romantischen Gefühle müssen warten - Athena will mit Dylans Hilfe einen wertvollen Schatz heben. Gemeinsam tauchen sie im kristallklaren Wasser, bis ein Sturm sie zwingt, auf eine einsame Insel zu flüchten. Am samtschwarzen Himmel der Karibik locken die Sterne zu einer Nacht der Liebe ...
Hinter Penny Roberts steht eigentlich ein Ehepaar, das eines ganz gewiss gemeinsam hat: die Liebe zum Schreiben. Schon früh hatten beide immer nur Bücher im Kopf, und daran hat sich auch bis heute nichts geändert. Und auch wenn der Pfad nicht immer ohne Stolpersteine und Hindernisse war - bereut haben beide ihre Entscheidung, das Hobby zum Beruf zu machen, nie. Denn was kann es Schöneres geben, als mit der Kraft der eigenen Fantasie immer wieder neue Geschichten zu erzählen?
Autoren/Hrsg.
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1. KAPITEL
Hupend und wild gestikulierend lenkte der dunkelhäutige Taxifahrer seinen Wagen durch die engen und verwinkelten Straßen von Willemstad, wirkte dabei aber so fröhlich, als ob ihm dieser Teil seines Berufs ganz besonders großen Spaß bereitete.
Athena hingegen konnte seine Begeisterung nicht teilen.
Obwohl sie die Seitenscheibe heruntergekurbelt hatte, war es unerträglich stickig und heiß im Inneren des Fahrzeugs. Kein Wunder, denn die Temperatur auf Curaçao betrug im Augenblick weit über dreißig Grad, und auch die Luftfeuchtigkeit war um einiges höher als zu Hause in London. Athenas dunkler Hosenanzug und die hochgeschlossene Bluse mochten für das englische Schmuddelwetter durchaus angemessen erscheinen, für karibisches Klima war diese Kombination jedoch tödlich. Die Haut unter dem Stoff fühlte sich feucht und klebrig an, und Athena sehnte sich nach einer eiskalten Dusche, die sie, wie es im Augenblick schien, aber nicht so bald bekommen würde.
Seufzend lehnte sie sich auf der durchgesessenen Rückbank des Wagens zurück und blickte aus dem Seitenfenster. Das Taxi bog in eine breite, mit Palmen gesäumte Straße ein. Häuser, deren farbenprächtige Fassaden im gleißenden Sonnenschein erstrahlten, zogen an ihr vorüber. Doch trotz der beeindruckenden Kulisse fragte Athena sich, nicht zum ersten Mal seit Antritt ihrer Reise ins Unbekannte, ob sie vielleicht einen Fehler begangen hatte. Einen schrecklichen Fehler sogar.
Im Grunde war sie alles andere als ein impulsiver Mensch. Niemals traf sie eine Entscheidung, ohne sich zuvor über alle Konsequenzen informiert zu haben. Und doch hatte sie nicht gezögert, sich in das nächste Flugzeug nach Curaçao zu setzen. Und hier war sie nun.
Verrückt! Ich muss den Verstand verloren haben! Einfach nur verrückt! Sie schüttelte den Kopf. Was war bloß in sie gefahren, einfach so entgegen ihrer eigenen Natur zu handeln? Miles Tate, so viel stand fest, wäre stolz auf sie gewesen. Athena war sich der Tatsache schmerzlich bewusst, wie sehr sie sich von ihrem Vater unterschied – und was das für eine Enttäuschung für ihn gewesen sein musste. Und James? Unwillkürlich fragte sie sich, was er wohl zu ihrer überraschenden Wandlung sagen würde. Ob er es überhaupt glauben würde?
Doch es war müßig, über James oder ihren Vater nachzudenken. Jetzt war wirklich nicht der richtige Zeitpunkt dafür. Es gab im Augenblick ganz andere Probleme, um die sie sich zu kümmern hatte.
„Da sind wir“, verkündete der Taxifahrer und deutete auf ein himmelblau getünchtes Gebäude. Sein Englisch wies einen stark holländischen Akzent auf. Holländisch war die offizielle Sprache der Niederländischen Antillen, zu denen auch Curaçao gehörte. Zu Athenas Glück sprachen die meisten Einheimischen jedoch auch recht gut Englisch. „Das Palace Hotel.“
Das mulmige Gefühl, das Athena schon bei ihrer Ankunft auf Curaçao beschlichen hatte, verstärkte sich, als der Wagen an den Straßenrand fuhr. Dies war bereits das achte Hotel, bei dem sie es versuchte. Doch im Augenblick schien es auf der ganzen Insel wirklich schwierig – wenn nicht gar unmöglich – zu sein, ein freies Zimmer zu bekommen. Selbst schuld. Was hast du dir auch dabei gedacht, einfach abzureisen, ohne zuvor ein Hotelzimmer zu reservieren? Und das ausgerechnet in der Hauptsaison!
„Warten Sie bitte einen Moment auf mich?“, bat sie den Fahrer, der jedoch nur unwillig zustimmte, und das auch erst, nachdem Athena sich bereit erklärt hatte, die bisher angefallenen Fahrtkosten zu begleichen. Sie waren nun schon eine ganze Weile unterwegs, und wahrscheinlich fragte er sich, ob Athena überhaupt in der Lage war, eine Weiterfahrt zu bezahlen – sie konnte es ihm nicht einmal verdenken.
Nachdem das Finanzielle geklärt war, stieg sie aus dem Wagen und trat durch zwei breite Flügeltüren ins Foyer des Hotels.
Wie sie bereits befürchtet hatte, wirkte hier alles sehr exklusiv und luxuriös – mit anderen Worten: unglaublich teuer. Trotzdem trat sie an die Rezeption, hinter der eine elegant gekleidete Blondine gerade am Computer beschäftigt war. Als sie Athena bemerkte, lächelte sie. „Herzlich willkommen im Palace Hotel. Was kann ich für Sie tun?“
„Ich brauche ein Zimmer“, erklärte Athena zaghaft. „Für unbestimmte Zeit.“
Die Empfangsdame schüttelte den Kopf. „Es tut mir leid, Madam, aber augenblicklich kann ich Ihnen nur eine unserer Suiten anbieten, aber das wäre …“
„Ein sehr kostspieliges Vergnügen.“ Athena seufzte. „Danke für Ihre Bemühungen.“
Sie wollte sich gerade abwenden, als die Empfangsdame sie noch einmal ansprach. „Hören Sie, wenn Sie nach einer kostengünstigen Unterkunft in Willemstad suchen, sollten Sie es einmal im „De Nederlandse“ versuchen. Das ist eine kleine Pension in der Nähe des Hafens, die bei Studenten sehr beliebt ist.“
Athena bedankte sich und trat durch die Flügeltür hinaus in den prallen Sonnenschein. Blinzelnd beschattete sie die Augen mit der Hand – und atmete scharf ein. „Das kann doch nicht wahr sein!“, rief sie und hastete die Stufen der breiten Vortreppe hinunter. Am Straßenrand stand ihre Reisetasche, und von ihrem Taxi war weit und breit nichts zu sehen. Der Fahrer hatte sich einfach aus dem Staub gemacht!
Sie nahm ihre Tasche auf und blickte sich um. Obwohl sie sich direkt an einer viel befahrenen Straße befand, schienen freie Taxen Mangelware zu sein. Athena überlegte noch, ob sie zurück ins Hotel gehen sollte, um die Empfangsdame zu bitten, ihr einen Wagen zu rufen, als sie plötzlich einen heftigen Stoß in den Rücken bekam.
Athena schrie erschrocken auf und begann, mit den Armen zu rudern, um nicht zu stürzen. Sie schaffte es tatsächlich, doch ihre Tasche hatte weit weniger Glück. Hart prallte sie auf dem Boden auf, der Reißverschluss platzte auf, und Athenas gesamte Habseligkeiten ergossen sich über den staubigen Asphalt.
„Das kann doch nicht wahr sein!“ Bereit, ihren Frust an demjenigen, der hierfür verantwortlich war, auszulassen, wirbelte sie herum. „Können Sie denn nicht aufpassen, wo Sie hinlaufen? Sehen Sie nur, was Sie angerichtet haben!“
Sie hatte noch so viel mehr sagen wollen, doch dann erblickte sie die Person, von der sie soeben angerempelt worden war, und ihre Stimme versagte. Was für ein Mann! war alles, was sie in diesem Moment denken konnte.
Er war sehr groß – mindestens einen Kopf größer als Athena, die mit ihren eins sechsundsiebzig selbst schon nicht gerade klein war –, und er hatte so breite Schultern, dass sich das verwaschene schwarze Shirt bedenklich über seiner Brust spannte. Seine Bluejeans waren mit Ölflecken übersät, und er trug derbe Arbeitsstiefel, an deren Spitze die Stahlkappen durch das Leder schimmerten. Doch das alles nahm Athena nur am Rande war, denn sie war wie gefesselt von seinem Gesicht, das – liebe Güte! – männlicher wirklich nicht hätte sein können.
Der Fremde war unrasiert, und sein etwas zu langes dunkelbraunes Haar hatte er mit einem Lederband im Nacken zusammengebunden. Daran war im Grunde nichts Ungewöhnliches, doch ihn ließ es irgendwie verwegen aussehen, fast ein bisschen wie den Piraten aus diesem Film, den sie erst kürzlich im Kino gesehen hatte. Und dann diese außergewöhnlich dunklen Augen, die alles in ihrer Umgebung zu erfassen schienen – und die sie in diesem Moment verärgert anfunkelten.
„Jetzt halten Sie aber mal die Luft an, Lady, ich habe Sie ganz sicher nicht absichtlich angerempelt“, empörte sich der Pirat. „Außerdem waren Sie doch die, die mit ihrer Reisetasche den halben Bürgersteig blockiert hat. Wenn sich also jemand entschuldigen müsste, dann sind Sie das.“
Selbst wenn er, wie jetzt im Augenblick, aufgebracht war, klang seine Stimme ausgesprochen angenehm, schön tief und leicht rauchig. Es dauerte einen Moment, ehe Athena wirklich erfasste, was er gesagt hatte, doch dann holten seine Worte sie abrupt in die Gegenwart zurück.
„Wie bitte?“ Sie glaubte, sich verhört zu haben. „Was bilden Sie sich eigentlich ein? Sie denken wohl, sich alles erlauben zu können, wie?“ Sie warf ihm einen bitterbösen Blick zu und begann, ihre verstreuten Kleidungsstücke vom Boden aufzusammeln. Als er sich mit einem Seufzen anschickte, ihr dabei zu helfen, hob sie abwehrend die Hände. „Fassen Sie bloß nichts an, verstanden? Mit Ihren ölverschmierten Fingern machen Sie höchstens alles noch schlimmer!“
Ihr Gegenüber brummte etwas Unverständliches, das entfernt wie „arrogante Ziege“ klang. Athena zog es vor, ihn zu ignorieren. Unfassbar, dass sie diesen ungehobelten Grobian noch vor ein paar Minuten angestarrt hatte, als wäre er der attraktivste Mann auf Erden!
Gerade streckte sie die Hand nach ihrer dunkelblauen Seidenbluse aus, als ein kräftiger Windstoß das Kleidungsstück geradewegs auf die Fahrbahn beförderte. Ohne auch nur eine Sekunde nachzudenken oder auf den Verkehr zu achten, trat Athena auf die Straße, um ihr Eigentum zurückzuholen. Das heißt, sie wollte auf die Straße treten, doch der Pirat hinderte sie im letzten Moment daran.
Sie holte schon Luft, um ihn wegen dieser erneuten Unverschämtheit zurechtzuweisen, als sie beobachtete, wie ihre Bluse vom linken Vorderrad eines Pick-ups überrollt und einige Meter weit mitgeschleift wurde. Erst jetzt wurde ihr klar, dass sie kurz davor gewesen war, eine riesige Dummheit zu begehen. Einfach blindlings auf die Straße zu laufen – lieber Himmel! Selbst kleine Kinder wussten, dass man das niemals tun durfte.
Zerknirscht musste...




