E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
Rivers Zärtliche Küsse in Venedig
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7515-1352-4
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
ISBN: 978-3-7515-1352-4
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ihre Liebe währte nur ein halbes Jahr - und traf sie mitten ins Herz. Bis heute hat Lily den reichen italienischen Unternehmer Vito Salvatore nicht vergessen können. Als er sie jetzt nach Venedig in seinen Palazzo entführt, fühlt sie sich sofort wieder zu ihm hingezogen ...
Natalie Rivers wuchs in der malerischen Landschaft von Sussex auf. Schon als Kind liebte sie es sich in einem guten Buch oder beim Spielen ihrer zügellosen Fantasie hinzugeben und sich darin zu verlieren. Sie ging zur Universität von Sheffield, wo sie gleich in der ersten Woche des ersten Halbjahres ihren Mann kennenlernte. Es war Liebe auf den ersten Blick und seitdem waren sie immer zusammen. Nach ihrem Abschluss zogen die Beiden nach London, heirateten und bekamen zwei wundervolle Kinder. Nach der Universität arbeitete Natalie in einem Labor für gemeinnützige medizinische Forschung. Später schulte sie zur Grundschullehrerin um. Jetzt schätzt sie sich glücklich ihre beiden Lieblingsbeschäftigungen, Vollzeitmutter und das Schreiben von leidenschaftlichen Romanen vereinen zu können.
Weitere Infos & Material
2. KAPITEL
Lily stieg aus dem schwarzen Taxi und blieb zögernd auf dem breiten Londoner Bürgersteig stehen. Wie gebannt blickte sie auf das imposante Gebäude aus Stahl und Glas, das L&G Enterprises beherbergte – eine Tochtergesellschaft des Salvatore-Imperiums. Ein Schauer rann ihr über den Rücken bei der flüchtigen Vorstellung, dass Vito sich in dem Gebäude aufhalten könnte. Aber das war höchst unwahrscheinlich. Andernfalls hätte sie den Auftrag niemals angenommen.
Sie holte tief Luft, umfasste fest den Griff der schweren Aktentasche und betrat das Gebäude. Ungehalten strich sie sich eine lange Locke, die ihr vor den Augen tanzte, hinter das Ohr. Sie hatte verschlafen und daher die Haare nicht wie sonst gestylt, sondern nur zu einem lockeren Knoten im Nacken verschlungen.
Es war äußerst wichtig, dass sie eine ordentliche Präsentation abgab. Trotz verzweifelter Suche und dringender Notwendigkeit hatte sie bisher noch keine Dauerstellung gefunden. Aber mit etwas Glück gelang ihr an diesem Morgen der Durchbruch.
Mike, ihr früherer Chef in der Londoner Softwarefirma, bei der sie vor der Bekanntschaft mit Vito gearbeitet hatte, war nun bereit, ihr eine Chance zu geben. Wenn sie es schaffte, das von seiner Firma entwickelte Web-Konferenzsystem an L&G zu verkaufen, erhielt sie nicht nur eine stattliche Provision, sondern auch eine Festanstellung.
Und so kam es, dass sie nun eine Firma besuchte, die Vito Salvatore gehörte – dem Mann, der sie aus seinem venezianischen Haus einfach hinausgeworfen hatte, weil sie unbeabsichtigt schwanger geworden war.
Sechs lange Wochen waren seit jenem furchtbaren Tag im März vergangen, aber Lily war noch immer schockiert über sein Verhalten. Hatte sie ihr Glück, mit einem so wundervollen Mann liiert zu sein, doch kaum fassen können. Es lief ja auch alles gut zwischen ihnen. Bis er sie auf diese schmähliche Art abserviert hatte, als sie seine Unterstützung dringend brauchte. Tatsächlich war er alles andere als wundervoll.
Entschieden verdrängte sie die Erinnerungen an Vito und seinen grausamen Verrat an ihr und seinem ungeborenen Kind. Denn sie musste sich ganz auf diese Präsentation konzentrieren, um den Job zu bekommen. Dann konnte sie sich endlich eine Wohnung nehmen und musste ihrer Freundin Anna, bei der sie gnädigerweise untergekommen war, nicht länger zur Last fallen.
Sie ging zur Rezeption und stellte sich und die Firma vor, die sie repräsentierte.
„Wir erwarten Sie bereits“, sagte die Rezeptionistin, ohne eine Miene zu verziehen. Sie legte ein Besucherabzeichen auf die Theke. „Samuel wird Sie zum Konferenzsaal bringen.“
„Danke.“ Lily lächelte strahlend und heftete sich das Schildchen an das Jackett ihres hellbeigen Leinenkostüms.
Dann drehte sie sich um und sah einen jungen Mann mit düsterem Gesichtsausdruck nahen. Er schien nicht zum Plaudern aufgelegt. Also folgte sie ihm stumm zum Fahrstuhl und hinauf in die Chefetage.
Vito hatte ihr L&G als ein kleines und bescheidenes Unternehmen beschrieben – eines seiner unzähligen Geschäftsinteressen. Doch der verglaste Konferenzsaal, in den sie geführt wurde, war weder klein noch bescheiden eingerichtet.
Das wird kein Kinderspiel, dachte sie, während sie den imposanten Rauchglastisch musterte, der von zahlreichen schwarzen Ledersesseln umgeben war.
Sie baute gerade die Geräte für die Vorführung auf, als eine Stimme hinter ihr fragte: „Miss Smith, nehme ich an?“
Lily legte ein Lächeln auf, drehte sich um und erblickte einen kleinen Mann mit schütterem Haar in dunklem Anzug. Sie erkannte ihn von dem Foto auf der Website der Firma. Er war das Oberhaupt der Unternehmenskommunikation. „Nein. Wir haben kurzfristig umdisponiert. Ich bin Lily Chase.“ Sie reichte ihm die Hand. „Es freut mich sehr, Sie kennenzulernen, Mr. D’Ambrosio.“
„Man hat wohl entschieden, die ganz großen Geschütze aufzufahren, wie?“ Anzüglich musterte er sie aus kleinen runden Augen und hielt ihre Hand viel zu lange in seiner, bevor er an dem riesigen Tisch Platz nahm.
„Das könnte man sagen.“ Sie lächelte tapfer weiter. Eine Grundregel in ihrer Branche besagte, stets Frohsinn und Zuversicht auszustrahlen, auch wenn ihr etwas gegen den Strich ging. Sie zog die Hand zurück und widerstand dem Drang, sie an dem Kostüm abzuwischen. „L&G ist ein potenziell wichtiger Kunde, und man ist der Ansicht, dass ich die nötige Erfahrung besitze, um unser Produkt vorzustellen.“
Eine Schar leitender Angestellter in formeller Kleidung trat ein. Eine Frau, die auf gefährlich hohen Absätzen hereintrippelte, redete unablässig in ihr Handy. Ein junger Mann öffnete seinen Laptop und scrollte ungerührt durch seinen Posteingang, kaum dass er sich auf einen Stuhl geflegelt hatte.
Mr. D’Ambrosio drängte: „Dann lassen Sie uns beginnen.“
Lily blickte in die Runde und fragte sich, ob sie warten sollte, bis die Frau das Telefonat beendet hatte. Es war ein arroganter Haufen, der sich da eingefunden hatte. Aus Erfahrung wusste sie nur zu gut, dass keine Höflichkeit zu erwarten war. Wenn es ihr nicht gelang, ganz schnell die Aufmerksamkeit dieser Personen zu fesseln, dauerte es nicht lange, bis alle mit ihren Handys und Laptops spielten.
In Gewitterstimmung stürmte Vito Salvatore durch das Gebäude. Wider Willen spukte ihm der letzte Besuch bei seinem Großvater im Kopf herum.
Giovanni Salvatore – jahrzehntelang das unangefochtene Oberhaupt der Familie, voller Triebkraft, ein überaus bedeutsames Rollenvorbild und nach dem Unfalltod von Vitos Eltern eine verlässliche Vaterfigur – war nun ein sterbenskranker alter Mann, der sich mit aller Kraft an die letzten Monate seines Lebens klammerte.
„Mach mich glücklich, bevor ich sterbe“, hatte er verlangt.
Vito hatte die Hand seines Großvaters ergriffen, die erschreckend kraftlos und zittrig wirkte. „Nonno, du weißt, dass ich alles für dich tue, was in meiner Macht steht.“
„Du bist zweiunddreißig Jahre alt. Es ist an der Zeit, dass du zur Ruhe kommst. Du verschleißt Frauen wie andere Männer Hemden. Aber du musst damit aufhören und an die Zukunft denken. Meine Tage sind gezählt. Bevor ich sterbe, will ich wissen, dass mein Urenkel unterwegs ist.“
Nun, das stand nicht in Vitos Macht, doch ihm war nichts anderes übrig geblieben, als zu versichern: „Alles wird gut, nonno.“ Denn wie konnte er dem alten Mann das Herz brechen durch die Eröffnung, dass der Name Salvatore zum Aussterben verdammt war?
Er verdrängte die Erinnerung und stürmte weiter durch die Chefetage. Er war nicht in der Stimmung, sich mit dem Direktorium von L&G auseinanderzusetzen, wollte sich aber die Vorstandssitzung nicht entgehen lassen.
Vor dem Konferenzsaal blieb er abrupt stehen und starrte entgeistert durch die Glaswand. Er traute seinen Augen nicht.
Lily Chase.
Ihr Anblick versetzte ihm einen schweren Schlag, denn ihre Untreue war noch immer wie eine kaum verheilte Wunde, die nun wieder aufbrach. Mit pochendem Herzen ballte er die Hände zu Fäusten.
Niemand betrügt mich und kommt damit durch!
Doch Lily Chase war es offensichtlich gelungen. Wie um Salz in die Wunde zu reiben, bewies sie ihm nun, dass sie auf die Füße gefallen war. Denn da stand sie, ohne mit der Wimper zu zucken, und brachte eine Präsentation dar, als hätte sie keine einzige Sorge auf der Welt.
Er musterte sie von Kopf bis Fuß, suchte automatisch nach Anzeichen für eine Schwangerschaft, aber ihr war nichts anzusehen. Im Gegenteil. Sie sah unglaublich dünn aus in dem Leinenkostüm, das ihr viel zu weit war, und der Knoten im Nacken wirkte unvorteilhaft in seinen Augen.
Auch wenn sie ein wenig erschöpft aussah, konnte Vito den Blick nicht von ihr lösen. Mit dem blonden Haar und der hellen Kleidung wirkte sie wie ein Sonnenstrahl in dem düsteren Saal voll dunkel gekleideter Geschäftsführer.
Warum hat sie mir das angetan?
Er biss die Zähne zusammen und verdrängte entschieden diesen Gedanken. Er war stets Herr der Lage. Er allein hatte das Sagen, im Privatleben wie im Geschäft.
Alle Frauen in seinem Leben begriffen, wie es bei ihm ablief: keine dauerhaften Beziehungen, keine Haken und Ösen, aber absolute Treue auf beiden Seiten, solange es andauerte. Er war Manns genug für jede Frau.
Außer für Lily.
Mit halb zusammengekniffenen Augen musterte er sie durch die Glasscheibe. Anscheinend war sie wieder in ihrem alten Beruf tätig und verkaufte Software. Obwohl sie blass und müde aussah, wirkte sie ruhig und gelassen. Und doch wusste er, dass sie dieser Meute nicht gewachsen war. Er mochte den Chef der Unternehmenskommunikation von L&G nicht, der mit Sicherheit nicht in ein neues System investieren wollte, auch wenn es noch so nötig war, um die Firma in das einundzwanzigste Jahrhundert zu katapultieren.
Warum hat sie mich betrogen?
Die Frage ging ihm unablässig im Kopf herum.
Es war gut gelaufen zwischen ihnen, im Schlafzimmer und auch außerhalb. Die gemeinsam verbrachte Zeit war für ihn ein wundervoller Kontrapunkt zu seinem stressigen Berufsleben. Und in sexueller Hinsicht verstanden sie sich geradezu überwältigend gut.
Sie hatte ihm ihre Jungfräulichkeit geopfert, was er als ganz besonderes Geschenk erachtete. Gerade deshalb war es umso schockierender, dass sie so schnell in einem fremden Bett gelandet war.
Der Gedanke an Lily mit einem anderen...




