Rivers | Wenn das Leben neu beginnt | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 232 Seiten

Rivers Wenn das Leben neu beginnt


1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-95609-400-2
Verlag: el!es-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 232 Seiten

ISBN: 978-3-95609-400-2
Verlag: el!es-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Nach ihrer Entlassung aus der Army kommt Sergeant Tyne Monroe einer letzten Pflicht nach: Sie überbringt Shannon Wells, der Witwe eines gefallenen Kameraden, etwas Persönliches von ihm. Und ehe sie es sich versieht, hat sie einen Job bei Shannons Vater in dessen Baufirma und eine Unterkunft in Shannons Haus.

Während Tyne sich in der neuen so familiären Umgebung leicht unwohl fühlt, beginnt Shannon, nach ihrer Trauerzeit wieder aufzublühen. Etwas wächst zwischen ihnen, wovor Tyne die Flucht ergreifen will, während Shannon nicht weiß wohin mit ihren neuen Gefühlen.
Doch dann holt Tyne ein dunkles Kapitel ihrer Vergangenheit ein, und ihr neues Leben scheint vorbei, kaum dass es begonnen hat. Tyne will Shannon beschützen, ohne alles zu offenbaren – doch für Shannon ist es alles oder nichts ...

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6


Warum hatte sie das gesagt? Und warum fühlte sie sich danach so komisch?

Zu Freundinnen sagte man doch oft, sie sähen gut aus. Selbst, wenn es nicht stimmte. Es war nichts dabei. Unter Frauen war das schließlich total üblich.

Dennoch fühlte sie sich, als hätte sie das gerade nicht zu einer Frau, sondern zu einem Mann gesagt. Und da war es nicht so üblich. Hatte eine Bedeutung. Für Männer eine ganz klare.

Vielleicht lag es daran, dass Tyne nicht so die übliche Art von Frau war. Keine, wie sie einem ständig über den Weg lief.

Ja, es gab Frauen, die etwas . . . robuster waren. Burschikos. Die Frau des Metzgers beispielsweise. Die zerhackte Schweinehälften wie ein Mann und sah auch so aus.

Trotzdem hatte sie drei Kinder, und da ihr Mann anscheinend nichts an ihrem Aussehen auszusetzen fand, führten sie zumindest von außen betrachtet offenbar sogar eine sehr glückliche Ehe.

Ein Mann, der eine Frau nicht nur nach Äußerlichkeiten beurteilte, musste aber auch eine Ausnahme sein.

Der Beruf des Metzgers war vielleicht nicht der attraktivste, aber Shannon hatte immer gefunden, dass Ned ein durchaus attraktiver Mann war. Oder in seiner Jugend gewesen sein musste, denn er war nun ja schon in mittleren Jahren wie ihr Vater. Sie waren zusammen zur Schule gegangen.

Warum machte sie sich jetzt Gedanken über Ned Bailey, den Metzger, und seine Frau Irene?

Wegen Tyne. Tyne gab ihr diese Gedanken ein. Selbstverständlich ohne es zu wollen. Es waren Shannons Gedanken, die aber durch Tyne ausgelöst wurden.

Vielleicht war diese Einladung in ihr Haus überstürzt gewesen. Aber es war so, wie Shannon gesagt hatte. Sie hatte sich sehr allein gefühlt in diesem Haus. Einsam.

Trotz ihrer ganzen Familie drumherum, die sie jeden Tag sah. Aber die eigene Familie, das kleine Nest, das sie sich hier mit Ken hatte bauen wollen, war doch immer wichtiger.

Und der Traum war wie eine Luftblase zerplatzt.

Wieder strich sie sich mit einer Hand über den Bauch, wie sie es in letzter Zeit so oft tat. Es war nichts zu sehen und auch nichts zu spüren, aber sie wusste, dass ein Kind in ihr wuchs. Und das machte sie auf eine Art glücklich.

Auf eine andere Art machte es sie unglücklich, weil Ken dieses Kind nie sehen würde. Weil er noch nicht einmal gewusst hatte, dass er auf dem Weg war, Vater zu werden, bevor er starb.

Die Traurigkeit ergriff sie wieder. Die Traurigkeit, die sie so lange gefangengehalten hatte. Die ihr fast schon zur Gewohnheit geworden war.

Diese Gewohnheit hatte Tynes Ankunft unterbrochen. Sie hatte Shannon herausgerissen aus dem Kreisel in ihrem Gehirn, der sich immer nur in eine Richtung drehte, immer nur um dasselbe Zentrum.

Was sollte jetzt werden, da Ken tot war? Wie sollte sie ohne ihn weiterleben?

Sie hörte, wie Tyne ins Bad ging, und hob den Kopf. Es war wieder jemand im Haus. Das Rauschen der Dusche bedeutete zwar nicht, dass Ken darunterstand, aber jemand. Tyne.

Die ohne Uniform bestimmt genauso aussah wie mit. Gut. Sehr attraktiv.

Wie Ned Bailey. Groß und breitschultrig und mit einem freundlichen, Zuverlässigkeit ausstrahlenden Gesicht.

Kein hartes Gesicht, aber auch kein weiches. Ein Gesicht mit Charakter und einem entschlossenen Kinn.

Jetzt war Tyne nackt, kam Shannon in den Sinn. Niemand duschte angezogen.

Erneut spürte Shannon diese Wärme in den Wangen, die anzeigte, dass sie rot wurde.

Warum wurde sie rot, wenn sie sich eine nackte Frau unter der Dusche vorstellte? Sie hatte oft genug mit ihren Freundinnen gemeinsam geduscht in der Highschool oder im Schwimmbad.

Da waren sie alle nackt gewesen, und niemand hatte sich daran gestört. Das wäre ihnen niemals eingefallen.

Warum auch? Schließlich waren sie alle Frauen.

Aber es gab eben Frauen und . . . Frauen. Frauen wie Tyne, die so gar nichts mit den Frauen gemein hatte, die Shannon kannte. Allein diese Muskeln . . .

Eine Soldatin. Der einzige Soldat, den Shannon je persönlich getroffen hatte, war Ken gewesen. Und Ken hatte nicht viel Soldatisches an sich gehabt. Sie hatte ihn nicht als Soldaten betrachtet, sondern eben als Ken, nur in einem anderen Anzug. Nichts weiter.

Bei Tyne war es etwas anderes. Shannon hatte sie in Uniform kennengelernt. Und ihre stramme Haltung, wie sie vor ihrem Vater gestanden hatte . . . So etwas hatte Ken nie zustandegebracht.

Tyne war die Personifizierung von dem, was man sich unter einem Soldaten, männlich oder weiblich, vorstellte.

Wollte sie, Shannon, so etwas im Haus haben? Da war sie sich immer noch nicht sicher.

Vor allem diese merkwürdigen Reaktionen, die das in ihr auslöste, verunsicherten sie.

Wahrscheinlich freute sie sich nur, nicht mehr allein zu sein. Sie freute sich, dass sie nicht allein hier in diesem Haus auf die Geburt des Kindes warten musste.

Aber es war nicht Tynes Kind.

Das wäre ja auch absurd gewesen.

Und sie war absolut nicht allein. Sie hatte ihre Familie.

Im selben Augenblick trat jemand durch die Tür ins Haus.

»Wie geht es dir, meine Kleine?«, fragte ihre Tante Amanda, die älteste Schwester ihres Vaters.

Wie immer hatte sie einen Topf mit Essen dabei, den sie Shannon nun reichte.

Automatisch griff Shannon danach. »Du weißt doch, dass mein Kühlschrank voll ist, Tante Mandy«, meinte sie jedoch seufzend. »Und ich kann auch selbst kochen.«

»In deiner Situation –«, setzte Mandy Ryan an, stoppte aber sofort. »Wobei . . .«, sie strich sich über die Nase, »daran hat sich ja etwas geändert, wie ich gehört habe.«

Natürlich. Deshalb war sie gekommen. Sie war ja ein lieber und guter Mensch, ihre Tante Amanda, aber sie war auch grenzenlos neugierig.

Shannon nickte, drehte sich um und brachte den Topf in die Küche, die nur durch eine Durchreiche und eine Schwingtür vom Wohnzimmer getrennt war. So konnte man sich ohne Probleme weiter unterhalten.

»Ja, daran hat sich etwas geändert«, bestätigte sie, während sie einen Platz im Kühlschrank suchte, wo sie diesen Topf noch unterbringen konnte. Dazu musste sie alles herausholen und neu stapeln.

»Deine neue Mitbewohnerin ist . . . nicht da?« Forschend blickte Amanda sich um.

»Doch«, sagte Shannon. »Sie steht gerade unter der Dusche. Glaube ich. Habe das Wasser gehört.«

»Aha.« Amanda Ryans Neugierde war damit natürlich noch lange nicht befriedigt.

Shannon hatte den Topf untergebracht und richtete sich wieder auf. Amanda stand direkt vor der Durchreiche, und ihre Nase schien sogar noch darüber hinauszuwachsen, sodass sie beinah mit den Köpfen zusammengestoßen wären.

»Sie hat einen Job bei Dad angenommen«, erklärte Shannon, obwohl sie sich ausrechnen konnte, dass ihre Tante das schon wusste. »Und da sie gerade aus der Army kommt, hat sie noch keine Wohnung. Da habe ich ihr das zweite Schlafzimmer im Haus angeboten. Steht ja sowieso leer und ist am praktischsten für den Anfang. So hat sie es nicht weit zur Arbeit.«

Die ganzen Erklärungen hätte sie sich allerdings sparen können, denn ihre Tante war an etwas ganz anderem hängengeblieben.

»Army. Ja. Das habe ich gehört.« Amandas Stirn runzelte sich. »Sie trägt eine Uniform.«

»Nicht mehr«, sagte Shannon. »Vorhin ist sie nach hinten gegangen, um sich umzuziehen. Dad fand die Uniform zu fein, um darin zu arbeiten.«

»Mag sein«, murmelte Amanda. So etwas interessierte sie nicht.

Lieber hätte sie etwas darüber gehört, wer Tyne war und wo sie herkam. Am besten ihre ganze Lebensgeschichte.

Aber damit konnte Shannon nicht dienen. Sie wusste ja selbst nichts darüber. Und hätte es ihrer Tante auch nicht gleich alles erzählt. Schließlich war das Tynes Leben.

»Ist es in Ordnung, wenn ich –« Tyne war aus dem Gang in den Rahmen der Wohnzimmertür getreten, unterbrach sich aber selbst, als sie sah, dass es nicht Shannon war, zu der sie sprach, sondern eine für sie fremde Frau.

»Das ist meine Tante Amanda«, rief Shannon aus der Küche. »Sie hat Essen gebracht.« Leicht schmunzelnd fügte sie hinzu: »Das ich gerade noch mit Mühe und Not in meinem Kühlschrank untergebracht habe. Hast du Hunger?«

»Ähm . . . ja.« Tyne schien überrumpelt.

»Dann können wir zumindest etwas davon gleich vernichten.« Shannon trat wieder aus der Küche. »Gut, dass wir jetzt zu zweit sind.«

Etwas herausfordernd warf sie einen Blick auf ihre Tante.

Die sah sie aber gar nicht an, sondern starrte fasziniert mit leicht geöffnetem Mund auf die große, breitschultrige Gestalt, die im Türrahmen stand.

»Sehr erfreut«, sagte Tyne, kam auf sie zu und streckte ihr die Hand hin. »Ich bin Tyne Monroe. Ken und ich waren in derselben Einheit.«

Nur zögernd nahm Amanda ihre Hand, ließ sie aber gleich wieder los. »Das . . . hörte ich.« Ein Räuspern befreite ihre Stimme, die etwas rau geklungen hatte. »Amanda Ryan«, stellte sie sich vor. »Shannons Tante.«

»Das sagte ich schon, Tante Mandy«, teilte Shannon ihr etwas amüsiert mit. »Tyne ist nicht taub.«

»Sie . . .« Da war es wieder, das Räuspern. »Sie werden hier wohnen?« Amandas Blick zeigte nicht nur Neugier, sondern auch eine leichte Verwirrung. Es war offensichtlich, dass sie nicht wusste, was sie davon halten sollte.

Tyne nickte. »Shannon . . .«, sie warf einen Blick zu Shannon hinüber, »hat mich netterweise eingeladen. Ich bin sehr dankbar dafür, gleich ein Zuhause zu haben. Bis ich etwas Eigenes gefunden habe«, schob sie für Shannon...



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