E-Book, Deutsch, 224 Seiten
Ritzhaupt Das Herz der Geschichte
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-96122-167-7
Verlag: Gerth Medien
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die Geschichte Gottes mit uns besser verstehen.
E-Book, Deutsch, 224 Seiten
ISBN: 978-3-96122-167-7
Verlag: Gerth Medien
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Fred Ritzhaupt war Pastor der 'Freien evangelischen Gemeinde' Schalksmühle. Nach 25 Jahren als Jesuit führte ihn die Heirat mit seiner jetzigen Frau aus dem Orden, zunächst in die Arbeit als Verlagslektor, später dann in den pastoralen Dienst einer evangelischen Gemeinde bei Frankfurt. Während seiner Arbeit als Jugendseelsorger entstand in Ravensburg die katholische Gemeinschaft Immanuel. Ritzhaupt ist Übersetzer der NT-Ausgabe 'Willkommen daheim'.
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Kapitel 1
Der Anfang vom Anfang
Die Schöpfung, die Sintflut und der Turmbau
Am Anfang schuf Gott
den Himmel und die Erde.
1. Mose 1,1
Schöpfung
Er kann es einfach nicht lassen – der Mensch. Seit Jahrtausenden stellt er sich die Frage, wie die Welt wohl entstanden ist. Was war ganz am Anfang, lange, bevor es uns Menschen überhaupt gab? Vielleicht entstand die Erde, weil sich einige Himmelsgötter fürchterlich gestritten haben (beim Blick auf unsere Welt könnte man versucht sein, den Ursprung unserer Erde so zu erklären …). Einer der großen Weisen der Antike, Platon, meinte, am Anfang müsse wohl eine Art Super-Handwerker gestanden haben. Viel weiter sind wir auch heute noch nicht, spricht man seit einigen Jahren doch gerne vom „Intelligent Designer“.
In den Hochkulturen in der Nachbarschaft des Völkchens der Israeliten gab es götterreiche Mythen, wie es zu dieser Welt kam. Manche Wissenschaftler weisen mit Genuss auf altbabylonische und assyrische Texte hin, die zeigen sollen, wie sehr der biblische Schöpfungsbericht doch nur ein Plagiat der viel älteren Schöpfungsmythen darstellt. Keine Frage, dass es da Parallelen gibt, aber ebenso faszinierende Eigenheiten. Denn im Alten Testament ruft Gott einfach durch sein Wort alles ins Dasein (das hebräische Wort bara ist allein für das „Schaffen“ Gottes reserviert). Gerne leiteten die Theologen daraus die „Creatio ex nihilo“ ab, die „Schöpfung aus dem Nichts“. Gott brauchte kein Material, das er bekneten und gestalten musste. Offensichtlich haben die gläubigen Juden das Schöpfungswerk Gottes so verstanden, wie sich in dem spät entstandenen biblischen Buch 2. Makkabäer 7, Vers 28* zeigt.
Aber auch sonst „entmythologisiert“ die Bibel konsequent alles Geschaffene. Sonne, Mond und Sterne werden nicht zu untergeordneten Gottheiten erhoben, sondern zu Lampen degradiert. Und das, obwohl in dem nahe gelegenen Ägypten ein ausgeprägter Sonnengott-Kult herrschte!
So nüchtern und in manchen Punkten auch faszinierend nah an den wissenschaftlichen Erkenntnissen unserer Zeit der Schöpfungsbericht der Bibel auch ist, eines kann keiner leugnen: Es war niemand dabei, als die Welt entstand! In einer Rückschau – man könnte sie durchaus „prophetisch“ nennen – haben inspirierte Männer (sorry, nur die konnten damals schreiben …) das Unvorstellbare des Anfangs beschrieben, und zwar in dem Verständnis ihrer Zeit, aber auch in ihrer tiefen Erkenntnis von Gott.
Das ist bei Weitem mehr, als wenn man die mühsamen und aufwendigen Versuche der modernen Wissenschaft betrachtet, an den Anfang des Anfangs zu gelangen. Weil sich das Universum ausdehnt, lässt sich rein rechnerisch ein Zeitpunkt annehmen, an dem es sich – von einem einzigen Energieknubbel ausgehend – in einem „Big Bang“ ausbreitete (vor etwa 13,8 Milliarden Jahren). Da ist er, der Anfang von allem. Bleiben nur ein paar Fragen: Woher kam denn der Energieknubbel und was brachte ihn dazu, nicht mehr länger nur ein Punkt sein zu wollen? Mittlerweile gibt es auch schon eine Antwort darauf: Es gab vorher schon mal ein Universum, das sich nach seiner Ausdehnungsphase wieder auf einen Punkt zusammenzog. Um dann wieder zu explodieren. Was die erste Frage jedoch nur um ein paar Hundertmilliarden Jährchen nach hinten verschiebt.
Noch eine Frage, auf die bisher eine Antwort fehlt: Warum gab es nur einen Urknall? Wenn von allein eine so ungeheuerliche Kettenreaktion in Gang gesetzt wurde, warum urknallt es nicht die ganze Zeit im Universum? Ein antikes Allroundgenie wie Aristoteles, der auf der einen Seite die Erschaffung aus dem Nichts ablehnte („Von nix kommt nix“ – schwäbische Version), könnte hier einen hilfreichen Tipp geben. „Jede Bewegung“, so sagt er, „braucht einen Beweger, der selbst nicht bewegt wird.“ Eine Billardkugel bleibt bis zum Jüngsten Tag auf ihrem grünen Filz liegen, wenn niemand sie anstößt. Irgendwie leuchtet das ein.
Gerade weil kein Mensch am Anfang des Anfangs dabei war, können wir heute sagen: Die Urknalltheorie ist mitsamt ihren bisher gewonnenen Erkenntnissen bewegend und erweitert unseren Blick auf die Großartigkeit der Schöpfung!
Am Anfang schuf Gott einen Punkt im Nichts und sprach zu ihm: „Entfalte deine Energie und dehne dich zu unendlichen Räumen aus!“ Und so entstanden Raum, Zeit und Materie. Und Gott sah, dass es sehr, sehr gut war …
(zu: „Die Geschichte“, S. 17)
Menschenskinder
So wenig unsere geistgeführten Schriftsteller (gerne auch „Hagiographen“ – heilige Schreiber – genannt) bei der Schöpfung der Welt dabei waren, so waren sie auch keine Augenzeugen der Erschaffung des Menschen. Wie sollten sie auch, da es ihre Spezies ja noch gar nicht gab … Spätestens bei ihren unterschiedlichen Berichten wird uns deutlich, dass es ihnen nicht um eine historische Dokumentation über das Ehepaar A. und E. ging, sondern um grundsätzliche Aussagen über den Menschen überhaupt – und damit auch über uns.
Das ist ihnen in ihrer Lehrerzählung mehr als gelungen.
Erinnern wir uns: Nach dem großartigen Schöpfungshymnus, in dem Gott immer wieder sein Werk begutachtete und es Tag um Tag für gelungen hielt, am letzten „Schöpfungstag“ sogar für sehr gut, standen unsere Hagiographen vor der Frage, wie sie ihren Zeitgenossen die Misere der gegenwärtigen Welt erklären sollten, wenn doch alles „sehr gut“ war. Noch heute fragen Hobby-Atheisten gerne, wieso die Welt so ist, wie sie ist, wenn Gott doch angeblich gut ist und sie nur gut geschaffen haben soll.
Und die Antwort liegt in Gottes „unverantwortlicher“ Risikofreude. Er hätte es so schön haben können: Er hätte bloß ein Wesen schaffen müssen, das auf ihn programmiert ist, das zu allem lächelnd Ja und Amen sagt und sich pflegeleicht (aber ein bisschen beschränkt) im Garten Eden tummelt. Es gibt tatsächlich Menschen, nach deren Vorstellung Gott es auch eigentlich so gewollt hat. Aber dann sei ja der böse Sündenfall dazwischengekommen, das heißt unter diesem Blickwinkel: Die Marionette hat ihre Fäden selbst abgeschnitten. Kein Wunder, dass sie in sich zusammenklappte …
Eines aber zeigt uns die ganze Heilige Schrift: Gott schuf sich keine Marionetten, er wollte von Anfang an ein echtes Gegenüber. Ein freies Gegenüber. Mit allen Konsequenzen für ihn selbst und dieses Geschöpf.
Das müssen die inspirierten Schreiber erkannt haben, denn um allen moraltriefenden Auslegungen des sogenannten Sündenfalls zuvorzukommen, lassen sie wenige Zeilen später Gott sagen (übrigens interessanterweise in der Mehrzahl): „Jetzt ist der Mensch wie unsereins!“ Und wir können frei hinzufügen: „Und für dich, mein freies Geschöpf, wird nichts mehr so sein wie vorher. Für mich allerdings auch nicht.“ Als die Menschen dann irgendwann zwischen Gut und Böse unterscheiden konnten, begann auch der Leidensweg Gottes. Denn diesen „undankbaren Zweibeiner“, den er aus Liebe in diese Welt gesetzt hat, würde er von da an umwerben und von ihm nur zu oft die kalte Schulter gezeigt bekommen. Dieses Risiko ist Gott mit seiner Menschheit eingegangen, und wenn man die Geschichte anschaut, war es ein extrem hohes Risiko. Aber die mögliche freie Zuwendung seines Geschöpfes zu ihm scheint ihm sein Leiden – bis hin zu dem, was Jesus am Kreuz aus Liebe zu uns auf sich nahm – wert zu sein. Aber davon später mehr.
So erzählen die Hagiographen in der Geschichte von Adam – dem Menschen – und Eva – der Mutter aller Lebenden – unsere eigene Geschichte: Hoffentlich können Sie zustimmen, dass Ihre Kindheit etwas „Paradiesisches“ hatte, Sie lebten in einem ungebrochenen Vertrauen zu Ihren Eltern, hatten nicht die Lasten des Erwachsenenlebens zu tragen und so weiter. Doch irgendwann erlebten Sie einen Bruch, Sie „durchschauten“ die Erwachsenenwelt, die Pflicht wurde stärker und die Verantwortung drückender. Gleichzeitig begann die Auseinandersetzung bzw. Absetzung von Ihren Eltern, schmerzlich und doch notwendig, um eine eigene Persönlichkeit zu entwickeln. Sie erhielten immer mehr Freiheiten und mussten öfter erleben, dass Ihre eigenen Entscheidungen ziemlich harte Konsequenzen nach sich zogen. Einerseits erleben Sie die Freiheit als etwas Großartiges, aber auch als etwas, das Sie mehr und mehr herausfordert.
Wundert es uns da, dass viele Angst vor der Freiheit haben, die Gott ihnen zumutet? Sie ziehen sich lieber ein enges Korsett aus religiösen Regeln und Vorschriften an, das ihnen Halt zu geben verspricht. Sie passen sich den Erwartungen der Gruppe an, in der sie gerade sind, und meinen, dass Gott genau das von ihnen erwartet. Aber die Sehnsucht Gottes geht in eine völlig andere Richtung. Seit es Menschen mit Herz und Verstand auf dieser Erde gibt, wartet er auf den einen Satz, den er sich nicht selbst sagen kann: „Du bist mein Vater, ich liebe dich und bin glücklich, zu dir zu gehören!“
(zu: „Die Geschichte“, S. 19ff.)
Wassermassen
Eigentlich sollten wir einem Forscher für seine unglaubliche Fleißarbeit danken: Johannes Riem, der Anfang des vorigen Jahrhunderts 268 Sintflutberichte von Völkern aller Erdteile gesammelt und untersucht hat. 157-mal löschten darin Wassermassen alles Leben aus. Wie gesagt: in den Mythen der unterschiedlichsten Völker....




