E-Book, Deutsch, Band 123, 64 Seiten
Reihe: Lore-Roman
Ritter Lore-Roman 123
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7517-2612-2
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Niemals werd ich dir gehören
E-Book, Deutsch, Band 123, 64 Seiten
Reihe: Lore-Roman
ISBN: 978-3-7517-2612-2
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Es ist nicht die himmelsstürmende Liebe, die Schwester Martina und Professor Hartmann Mende hat zusammenfinden lassen. Doch aus dem Bewusstsein heraus, in der Nähe eines lieben, gütigen Menschen geborgen zu sein, gibt die einsame Martina dem bedeutend älteren Arzt ihr Jawort und ist gewillt, es zu halten.
Selbst dann, als ihr die erschreckende Erkenntnis kommt, dass neben der Zuneigung zu dem Arzt ein anderes, wärmeres Empfinden für einen jüngeren Mann sich in ihrem Herzen regt, will sie ihr Eheversprechen nicht brechen und lieber auf das Glück der jungen Liebe verzichten. Gewaltsam will sie die Stimme ihres Herzens zum Schweigen bringen, vermag es jedoch nicht ...
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Niemals werd ich dir gehören
Ein fesselnder Liebesroman um das Herz der schönen Martina
Von Ina Ritter
Es ist nicht die himmelsstürmende Liebe, die Schwester Martina und Professor Hartmann Mende hat zusammenfinden lassen. Doch aus dem Bewusstsein heraus, in der Nähe eines lieben, gütigen Menschen geborgen zu sein, gibt die einsame Martina dem bedeutend älteren Arzt ihr Jawort und ist gewillt, es zu halten.
Selbst dann, als ihr die erschreckende Erkenntnis kommt, dass neben der Zuneigung zu dem Arzt ein anderes, wärmeres Empfinden für einen jüngeren Mann sich in ihrem Herzen regt, will sie ihr Eheversprechen nicht brechen und lieber auf das Glück der jungen Liebe verzichten. Gewaltsam will sie die Stimme ihres Herzens zum Schweigen bringen, vermag es jedoch nicht ...
Professor Hartmann Mende war völlig erschöpft, als er sich unter dem Strahl der Wasserleitung die Hände wusch. Während er automatisch das Stückchen Seife in seinen Händen hin und her gleiten ließ, musterte er sein Gesicht in dem Spiegel über dem Waschbecken. Er sah eigentlich alt aus, seine Wangen waren plötzlich eingefallen, die Schläfenadern etwas hervorgetreten. Besonders aber die Augen blickten müde und glanzlos.
»Na ja, man ist auch nicht mehr der Jüngste«, seufzte er, drehte den Hahn zu und trocknete sich die Hände mit dem Handtuch ab. Sein Blick ging in den Raum zurück, in dem die Schwestern die benutzten Instrumente säuberten und die Laken zur Seite legten.
Schwester Martina hatte sich wieder einmal prachtvoll gehalten. Ihr schienen die mehr als sechs Stunden, in denen sie ihm die benötigten Instrumente gereicht hatte, nichts auszumachen.
»Nun werden Sie sich doch bestimmt erst mal ein Stündchen hinlegen«, meinte er, als er beim Hinausgehen an ihre Seite trat und ihr höflich die Tür öffnete. »Auch Sie müssen abgespannt sein nach dieser Hetze.«
Martina von Broken, hier nur als Schwester Martina bekannt, schüttelte den braunlockigen Kopf.
»Es ist nicht so schlimm, Herr Professor, schließlich bin ich ja noch jung.«
»Ja, Sie sind noch jung«, wiederholte der berühmte Chirurg der bekannten Privatklinik nachdenklich.
»Sie tun gerade so, als wären Sie ein alter Mann. Entschuldigen Sie, bitte, meine vorlaute Bemerkung«, fuhr sie hastig fort, »aber sie ist mir direkt gegen meinen Willen herausgerutscht.«
»Sie brauchen sich nicht zu entschuldigen, Kind. Schön wäre es, wenn Ihre Worte tatsächlich stimmten, aber ...« Professor Hartmann seufzte. Automatisch strich er sich durch sein volles, an den Schläfen ergrautes Haar.
»Sie können es noch mit jedem Jungen aufnehmen!«, behauptete Schwester Martina mit großer Bestimmtheit. »Ich bewundere Sie, dass Sie so lange im gleichen Tempo operieren können.«
Der Oberarzt Alex Pauly, der an ihrer anderen Seite ging, warf ihr einen verbissenen Blick zu. Er empfand diese Worte der Schwester als persönlichen Hieb gegen sich.
Ein brennender Ehrgeiz nagte in seiner Brust. Der Chef des Hauses war ein Vorbild, das er selbst wohl niemals würde erreichen können. Auch er war ein begabter Chirurg, aber ihm fehlte die intuitive Sicherheit, das Ahnungsvermögen, das aus Professor Mende eine internationale Größe gemacht hatte.
Hartmann Mende ging schnell mit gesenktem Kopf den langen Gang hinab. Die Worte der jungen Schwester, die so spontan und ehrlich gekommen waren, hatten ihm sehr zu denken gegeben.
Manchmal fühlte er sich alt, sehr alt. Seitdem seine Frau vor ungefähr zehn Jahren gestorben war, schien die Zeit mit Riesenschritten weitergeeilt zu sein. Seine Tochter war nun schon fast erwachsen, seine Villa häufig leer. Leer und einsam wie auch sein Herz.
Seitdem die junge Schwester in dieses Haus gekommen war, hatten seine Gedanken sich schon mehr als einmal mit ihr beschäftigt und durchaus nicht immer in einer Weise, die durch den Dienstbetrieb gerechtfertigt war.
Er straffte seine Gestalt, als wolle er die Gedanken von sich abschütteln, nickte seinen Begleitern nur kurz zu und verschwand dann hinter der Tür seines Arbeitszimmers.
Schwester Martina blickte ihm bestürzt nach. Hatte sie etwas Falsches gesagt? War ihr verehrter Chef gekränkt? Dabei waren ihre Worte ganz spontan gekommen, sie hatte nur gesagt, was sie meinte!
Oberarzt Pauly schaute sie mit schiefem Grinsen von der Seite an.
»Kein geeignetes Objekt zum Anhimmeln?«, fragte er grimmig.
»Mehr als mancher andere!«, wies Martina ihn kurz zurecht und ging eilends weiter; denn die Gegenwart dieses Menschen bedrückte sie. Es ging etwas Falsches von ihm aus, seine übertriebene Höflichkeit dem Chef gegenüber widerte sie geradezu an.
In ihrem Zimmer ging Martina zum Fenster und schaute hinaus. Sie wohnte hoch oben unter dem Dach in einer Mansarde; aber trotz der geneigten Decke war der Raum ganz ungewöhnlich gemütlich und anheimelnd. Doch heute freute sie sich nicht über ihr kleines Heim.
Wie mochte Hartmann Mende leben? Es wurde selbstverständlich viel über ihn gesprochen, und obwohl sie allem Klatsch abhold war, konnte sie doch nicht verhindern, dass sie das eine oder andere gehört hatte.
Witwer. Eine Tochter, die sehr verwöhnt sein sollte und ihrem Vater etwas auf dem Kopf herumtanzte ... Ob er niemals daran gedacht hatte, seiner Frau eine Nachfolgerin zu geben? Vielleicht konnte er sie nicht vergessen, weil er sie noch immer liebte ...
»Was geht das mich an?«, rief sie sich zur Ordnung. Seit wann kümmerte sie sich um das Privatleben fremder Menschen?
Martina strich sich über ihr volles braunes Haar und zwang sich gewaltsam, ihre Gedanken auf etwas anderes zu konzentrieren. Sie war schließlich nur eine kleine Schwester, die er, der große Chirurg, gewiss nur als Helferin betrachtete.
Und außerdem auch viel zu jung, dachte Hartmann Mende, als sein Wagen ihn zu seinem Heim fuhr. Mit geschlossenen Augen lehnte er sich in die Polster zurück.
Viel zu jung, und trotzdem hatte er sich schon sehr oft dabei ertappt, dass seine Gedanken sich mit dieser Schwester beschäftigten, die in ihrem Wesen völlig anders war als ihre Kolleginnen. Träume nicht, Hartmann, riss er sich in die Gegenwart zurück. Er hätte ja fast ihr Vater sein können, war bestimmt doppelt so alt wie sie, und trotzdem ...
Ja, und trotzdem dachte er in einer Art und Weise an Schwester Martina, die durchaus nicht nur väterlich war, wie er sich früher einmal einreden wollte.
Das große Haus war leer und tot. Trat er in den Flur, so war kein Laut zu vernehmen. Alles tot, alles still.
Seine Tochter, die kleine Constanze, war um diese Zeit meistens noch in der Schule oder bei einer Freundin, um mit ihr zusammen die Hausarbeiten zu machen. Sie hing an ihm, gewiss, aber in seinem Herzen wusste der Professor, dass ihre Liebe nicht genügte.
Er war noch nicht alt, sein Blut schwieg noch nicht, er wollte noch nicht resignieren und sich bescheiden. Schließlich war er ein Mann – und seine Frau seit zehn Jahren tot.
Seine Gedanken gingen sprunghaft. War würde Martina sagen, wenn er sie fragte ...
Hartmann Mende hatte die Stirn gekraust, einen fast verbissenen Zug um den Mund, als er den Wagen verließ und seinen Chauffeur aufforderte, ihn in einer Stunde wieder abzuholen.
Er war alt genug, um keine Torheiten mehr zu machen. Schließlich konnte er es sich nicht erlauben, zum Gespött der Menschen zu werden.
Ungewohnt lange blieb er heute vor dem Spiegel stehen. Eigentlich sah er doch wirklich noch nicht so alt aus. Ganz bestimmt nicht, niemand würde ihm seine fünfzig Jahre ansehen. Ein sehr nachdenklicher Zug war in seinem Gesicht, als er schellte und die eintretende Haushälterin anwies, ihm das Essen zu servieren.
Aber vielleicht war sie gar nicht mehr frei? Ein Mädchen in ihrem Alter mochte sicher schon einen Menschen gefunden haben, der glücklich war, sie später einmal heimführen zu können.
»Das Telefon, Herr Professor.« Die Schüsseln auf dem Tablett haltend, wies die Haushälterin mit einer Kopfbewegung nach draußen.
Sofort dachte Hartmann an diesen Unfall, den er zuletzt operiert hatte. Ob irgendwelche Komplikationen aufgetreten waren?«
»Mende«, meldete er sich.
»Hier ist Schwester Martina. Der Unfallverletzte hat stärkeres Fieber bekommen, ich kann ihn kaum im Bett halten. Darf ich ihm eine Beruhigungsspritze geben? Der Fall macht mir Sorgen.«
Hartmann krauste die Stirn. »Ich komme selbst, Schwester Martina. Unternehmen Sie bis dahin nichts.«
Ganz spontan war er zu diesem Entschluss gekommen. Im Grunde seines Herzens stand allerdings der Wunsch, diese braunhaarige Schwester einmal ohne Zeugen zu sehen und zu sprechen.
Während ihm seine Haushälterin brummig nachschaute – denn sie liebte es durchaus nicht, wenn das Essen kalt wurde –, fuhr er mit halsbrecherischer Geschwindigkeit zur Klinik zurück. Er hatte die versäumte Mahlzeit ganz vergessen und war voller Erwartung, als er mit schnellen Schritten in das Einzelzimmer des Unglücksraben ging.
Sein erster Blick galt allerdings nicht dem Verletzten, sondern der Schwester, die am Bett...




