Ritter | Die Welt der Hedwig Courths-Mahler 612 | E-Book | www2.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 612, 64 Seiten

Reihe: Die Welt der Hedwig Courths-Mahler

Ritter Die Welt der Hedwig Courths-Mahler 612

Geben ist seliger denn nehmen
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7517-3618-3
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Geben ist seliger denn nehmen

E-Book, Deutsch, Band 612, 64 Seiten

Reihe: Die Welt der Hedwig Courths-Mahler

ISBN: 978-3-7517-3618-3
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Schluchzend und um Fassung ringend steht Hedwig von Lassen vor den schwelenden Trümmern ihres kleinen Häuschens in der Heide, in dem sie mit ihrem Sohn wohnt. Die Dorfbewohner haben es in ihrem Hass niedergebrannt, um sie zu vertreiben. Dieses 'Fräulein mit Kind', das keinen Mann hat, ist ihnen schon lange ein Dorn im Auge.
Pfarrer Mehrens kommen selbst die Tränen, als er sieht, was seine frommen Schäfchen angerichtet haben, und sie zeigen nicht einmal Reue. Welch eine Großmut beweist hingegen Hedwig, die keine Anzeige erstatten will. Pfarrer Mehrens aber ist nicht bereit, die Sache auf sich beruhen zu lassen. Er will dieses dickköpfige Volk in die Knie zwingen, und er hat auch schon eine Idee, wie ihm das gelingen könnte ...

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Geben ist seliger denn nehmen

Ein zu Herzen gehender Schicksals- und Liebesroman

Schluchzend und um Fassung ringend steht Hedwig von Lassen vor den schwelenden Trümmern ihres kleinen Häuschens in der Heide, in dem sie mit ihrem Sohn wohnt. Die Dorfbewohner haben es in ihrem Hass niedergebrannt, um sie zu vertreiben. Dieses »Fräulein mit Kind«, das keinen Mann hat, ist ihnen schon lange ein Dorn im Auge.

Pfarrer Mehrens kommen selbst die Tränen, als er sieht, was seine frommen Schäfchen angerichtet haben, und sie zeigen nicht einmal Reue. Welch eine Großmut beweist hingegen Hedwig, die keine Anzeige erstatten will. Pfarrer Mehrens aber ist nicht bereit, die Sache auf sich beruhen zu lassen. Er will dieses dickköpfige Volk in die Knie zwingen, und er hat auch schon eine Idee, wie ihm das gelingen könnte ...

In ohnmächtigem Zorn ballte Birger von Lassen die Fäuste.

»Kommt einzeln, dann werde ich euch schon verhauen.«

Ein Johlen der Schulkameraden war die Antwort. Dieter Dahm schlich sich leise hinter ihn und ließ seinen Griffelkasten auf den Kopf des Knaben herabsausen.

Freudenschreie der anderen belohnten seine »tapfere« Tat. Birger war zusammengezuckt. Er fühlte, wie ihm Tränen in die Augen schossen, Tränen der Wut.

Er schnellte herum und ging auf den heimtückischen Jungen los. Seine Fäuste zuckten hoch und landeten klatschend in dem dicken Gesicht des Klassenkameraden. Birger kannte sich selbst nicht mehr. Immer wieder schlug er zu und bemerkte gar nicht, dass die anderen Kameraden versuchten, ihn von Dieter Dahm fortzuziehen.

Erst das Eingreifen des Lehrers, der zum Beginn des Unterrichts die Klasse betreten hatte, ließ den Lärm jäh verstummen. Aus der Nase Dahms rann Blut.

»Was hat es gegeben?« Der Lehrer, Herr Hornburg, griff nach dem Rohrstock und ließ ihn spielerisch durch die Hände gleiten.

Birger von Lassen senkte seinen blonden Kopf. Er wusste, dass der böse Klassenkamerad die Prügel redlich verdient hatte, aber trotzdem durfte er den Grund nicht sagen.

Der Lehrer ließ den Blick von einem Jungen zum anderen gleiten.

»Wird es bald? Hast du angefangen, Birger?«

Der Junge schüttelte den Kopf und schaute dem Lehrer offen in die Augen.

»Nein.« Mehr sagte er nicht.

Herr Hornburg ließ seinen abschätzenden Blick über Dieter Dahm gleiten, der sich mit dem Handrücken die Tränen aus den Augen wischte. Der Junge sagte nichts.

»Der Birger hat keinen Vater, deshalb ...« Einer aus der Bankreihe erhob sich und wies auf den Klassenkameraden, der ihn trotzig anfunkelte.

Lehrer Hornburg runzelte die Stirn.

»Was für einen Unsinn redest du da, Peter?«

»Ist doch wahr«, verteidigte sich der Junge. »Birger hat doch keinen Vater, nur eine Mutter, und als wir das gesagt haben ... Er wird dann immer so schrecklich wütend.«

Der Lehrer ging langsam zu seinem Pult zurück. Es war doch immer dasselbe mit diesen Kindern. Kaum witterten sie irgendwo etwas Ungewöhnliches, da schossen sie wie die Habichte auf das hilflose Opfer los.

Birger von Lassen war ihm sein liebster Schüler. Schon rein äußerlich ragte er inmitten der runden Bauerngesichter durch seinen langen schmalen Schädel hervor. Seine Kleidung war auch einfach, aber immer tadellos sauber.

Im Benehmen war er ganz anders als seine Kameraden. Seine Zurückhaltung war ihm angeboren; auch seine Sprechweise unterschied ihn sehr von den anderen Kindern.

»Ich hoffe, dass sich dieser Vorfall in Zukunft nicht wiederholen wird«, sagte Lehrer Hornburg streng und wusste doch, dass es vergeblich war, gegen die Bosheit der Kinder anzukämpfen.

Wenn es ihm vielleicht auch gelang, das Verhalten der Jungen in der Schule zu beeinflussen, so würden sie sich dafür auf dem Heimweg schadlos halten.

Nur gut, dass Birger kräftige Fäuste hatte und sich seiner Haut zu wehren verstand.

Nachdenklich blickte der Lehrer den Kindern nach, als sie zwei Stunden später das Schulgebäude verließen. Diesmal zerstreuten sie sich nicht wie sonst schon am Eingang, sondern blieben gruppenweise zusammen.

Sie erwarteten jemanden.

Birger von Lassen wurde bleich, als er in die hämischen Gesichter der Jungen sah, die sofort still waren, als er durch das Portal trat.

Sie folgten ihm. Birger packte seinen langen Stock, der ihn auf dem weiten Schulweg zu begleiten pflegte, fester.

Da waren sie auch schon! Wie hungrige Wölfe umstellten sie ihn.

»Deine Mutter ist ein Fräulein!« Ein johlendes Geheul und Gelächter folgte den Worten des Anführers der Schar.

Birger verkrampfte die Finger um den Stock.

Kräftige Bauernfäuste packten eine Erdscholle. Das Wurfgeschoss ging um Haaresbreite an Birgers Kopf vorbei. Diesmal noch.

Mehr als ein Dutzend Jungen standen um Birger herum. Wenn sie erst begannen, ihn mit Erdklumpen, vielleicht auch mit Steinen zu bewerfen ...

Er hatte diesen Gedanken kaum gedacht, da traf ihn ein Stein am Hinterkopf. Der Schmerz ließ ihn in die Knie sinken. Wie ein Hagelschauer prasselten andere Wurfgeschosse auf ihn nieder.

»Ihr solltet euch schämen! Feiglinge seid ihr, ganz gemeine Feiglinge. Pfui über euch!«

Der Klang der hellen Mädchenstimme ließ Birger den Kopf heben. Waltraut Hofmann lächelte ihm ermunternd zu.

»Mit zwölf gegen einen, das könnt ihr. Komm her, Birger, diese Schakale sollen nach Hause gehen.«

»Birger versteckt sich hinter einer Mädchenschürze!« Dieter begann, um den Knaben herumzutanzen, die anderen ahmten sein Beispiel nach.

Birger von Lassen hatte einen dunkelroten Kopf bekommen. Das, was die Steinwürfe nicht vermocht hatten, das brachten diese Worte fertig. Er stürzte mit einem wahren Panthersatz auf den nächsten Jungen zu und ließ seinen Stock mit voller Wucht auf dessen Kopf niedersausen. Mit Geheul suchte der Junge das Weite.

Als noch drei Jungen mit Birgers Stock Bekanntschaft gemacht hatten, war er mit dem Mädchen auf dem Feldweg allein.

»Du bist stark!« Bewundernd trat Waltraut ein paar Schritte näher. »Die sind ja gelaufen wie die Hasen.«

»Die haben nur Mut, wenn sie mit vielen sind.« Die offensichtliche Bewunderung des Mädchens tat Birger wohl. »Ich möchte diesen Dieter nur einmal allein erwischen! Er hat meine Mutter beleidigt! Und wer das tut, den verprügele ich!«

Das Mädchen haschte nach seiner Hand und drückte sie.

»Das ist richtig. Deine Mama ist doch so lieb.«

»Sie ist die beste Mutter!« So klein Birger auch noch war, erkannte er doch schon die viele Arbeit und die Mühsal, die seine Mutter hauptsächlich seinetwegen auf sich nahm.

Mit blitzenden Augen blieb Birger vor Waltraut stehen.

»Warum sagen sie nur immer solch böse Sachen von ihr?«

»Weil du keinen Papa hast. Mein Opa sagt aber, das ist gar nicht so schlimm, wenn die Mutti nur lieb ist. Und Opa weiß das.«

Birger strahlte bei den Worten seiner kleinen Begleiterin.

»Dein Opa hat recht«, stimmte er ihr zu.

???

Ein Schatten ging über das Gesicht Hedwig von Lassens, als Birger später als sonst nach Hause kam. Wie sah das Kind wieder aus!

»Es tut mir leid, Mutter.« Birger senkte den Kopf und fasste verlegen an die Knöpfe seiner zerrissenen Jacke.

»War das denn nötig? Jetzt muss ich wieder den ganzen Nachmittag sitzen und die Risse stopfen.«

Birger rieb seine Wange an der der Mutter.

»Nicht böse sein, Muttchen.«

»Lass sich doch die anderen hauen und halte dich zurück.« Seufzend stellte Mutter Hedwig die Suppenterrine auf den Tisch und füllte die Teller. Birger war eben ein rechter Junge, und die prügelten sich nun einmal gern, das glaubte sie zu wissen.

Mutter Hedwig schaute auf den gesenkten Kopf Birgers, der sich die Suppe schmecken ließ. Er war Hanfried wie aus dem Gesicht geschnitten und ähnelte seinem Vater auch vom Wesen her sehr.

Später am Nachmittag, als Birger unter dem großen Birnbaum seine Schularbeiten beendet hatte, schaute er versonnen auf das in der Sonne liegende Häuschen, in dem die Mutter schaltete und waltete. Wie schon so oft in der letzten Zeit kam ihm die Frage nach dem Vater.

Alle Kinder in der Klasse hatten einen, und wenn er nicht mehr lebte, dann war auf dem Friedhof ein Grab, in dem er lag.

Er war der Einzige, der keinen Vater hatte. Weshalb war das so? Ob er die Mutter einmal danach fragte?

»Deine Jacke ist fertig!« Frau Hedwig schwenkte das gestopfte Kleidungsstück.

Birger rannte zur Mutter hin.

»Prima«, freute er sich. »Du, Mutter ...« Seine Hand schmiegte sich in die Frau Hedwigs.

»Ja, was gibt es? Hast du irgendetwas ausgefressen?«

Der Junge schüttelte den Kopf.

»Nein, das ist es nicht. Ich ...« Er zögerte erneut. Doch dann riss er sich zusammen. »Warum habe ich keinen Vater?« Nun war es heraus.

Als Birger sah, dass seiner Mutter Tränen in die Augen schossen, bereute er seine Frage sofort.

»Musst nicht traurig...



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