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E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 180 Seiten

Reihe: Temek

Risse Temek

Die Prophezeiung
1. Auflage 2026
ISBN: 978-3-6951-6972-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Die Prophezeiung

E-Book, Deutsch, Band 1, 180 Seiten

Reihe: Temek

ISBN: 978-3-6951-6972-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Temek und sein Vater sind auf dem Weg zu einem der Außenposten an der Grenze Ghalwaras. Doch die Reiter gelangen in einen Hinterhalt und Temek wird von seinem Vater getrennt. Nun ist Temek auf sich alleine gestellt und es beginnt eine Reise, auf der er erkennen muss, dass er Teil einer Prophezeiung ist. Sein Schicksal führt ihn zu Xavon, dem Herrscher des Waldes, Skaliga, der Hexe, und Gobo, vom Volke der Molins. Für die Verbündeten beginnt ein langer Weg, durch Weiten Emborias. Ein Weg, voller Gefahren und Abenteuer. Schnell erkennen Temek und seine Gefährten, dass die Welt, die sie einst gekannt hatten, nicht mehr die selbe ist. Dunkle Mächte strecken ihre Finger nach ihr aus und das Wohl Emborias ist in Gefahr. Nun ist es an ihnen, sich der Bedrohung entgegen zu stellen und dem Bösen Einhalt zu gebieten.

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Die Luft war bitterkalt und weiße Nebelschleier, die sich zwischen den Bäumen hindurchschlängelten, tauchten den Wald in ein gespenstiges Licht. Vorsichtig richtete Temek sich auf und ließ sich mit seinem Rücken gegen die Baumscheibe fallen, während er seinen Blick umherschweifen ließ, in der Hoffnung, etwas Trostspendendes zu entdecken. Doch da war nichts außer Wald. Niemand, der ihn hätte trösten können, niemand, der ihm hätte helfen können.

Es musste wohl bereits Mittag sein, ging es ihm durch den Kopf, als er die hellgraue Silhouette der hochstehenden Sonne durch die Nebelschwaden betrachtete. Er hatte keine Ahnung, in welche Richtung er gehen sollte, doch etwas in seinem Inneren sagte ihm, dass er jetzt losziehen müsse, und so kroch er vorsichtig aus seinem Unterschlupf hervor, und machte sich auf den Weg.

Es dauerte nicht lange und er kam an eine kleine Lichtung, eingerahmt von zerklüfteten Felswänden, durch deren Risse und Spalten sich immer wieder kleine Rinnsale ihren Weg nach unten bahnten. Nachdem er einen größeren Strauch umrundet hatte und sein Blick nun frei war, hielt er erschrocken inne. Nicht weit von ihm entfernt, erkannte den Kadaver eines Pferdes. Gleich daneben lag auch schon der dazugehörige Reiter. Immer mehr tote Pferde und ihre einstigen Besitzer kamen zum Vorschein. Es waren alles Männer aus der Leibwache seines Vaters. Die meisten der Leichen waren bereits von Wölfen und Krähen übel zugerichtet worden und nur wenige der Toten waren noch wiederzuerkennen.

Mit einem Mal kam es ihm vor, als würde all sein Mut, all seine Hoffnung aus seinem Herzen weichen. Doch dann fiel sein Blick auf einen der Toten, der nicht weit von ihm, zwischen zwei kleineren Bäumen, lag. Behutsam setzte er einen Fuß vor den anderen, bis er schließlich in Denwirs Gesicht schaute. Es war bleich und seine leeren Augenhöhlen starrten unheilvoll in den Himmel. Ob seine Seele wohl nun bei Awahnis war, überlegte er kurz. Doch sogleich spürte er, wie sein Magen sich verkrampfte und tiefe Trauer in ihm aufstieg.

Erst jetzt bemerkte er den Griff eines Dolches, der aus Denwirs Brust ragte. Sekunden später kniete er über Denwirs Oberkörper und legte seine zitternden Hände feste um den Griff des Messers. Ein fester Ruck und er hielt es in seinen Händen.

»Entschuldige, Denwir, doch ich werde es vielleicht benötigen«,

flüsterte er mit zitternder Stimme und legte liebevoll seine Hand auf die Stirn des Toten. Auch wenn es ihm schwerfiel, so entschied er, dass es wohl besser sei, auch die anderen Leichen nach brauchbaren Gegenständen zu untersuchen.

Während er so über dem Leichnam kniete, bemerkte Temek jedoch, dass etwas nicht stimmte, und er griff sich erschrocken an seinen Hals. Er griff ins Leere. – Wo ist das verdammte Amulett, das Vater ihm von seiner Reise mitgebracht hatte? –, überlegte er voller Entsetzen. Eilig begann er damit, nach dem Geschenk seines Vaters zu suchen, doch so sehr er sich auch bemühte, er konnte es nicht finden. Nachdem er schließlich seinen Suchradius um ein Vielfaches vergrößert hatte und seine Hände sich zwischen unzähligen Grashalmen hindurchgewühlt hatten, musste er sich völlig erschöpft eingestehen, dass es tatsächlich weg war. Stattdessen begab er sich wieder daran, auch bei den anderen Leichen, nach brauchbaren Gegenständen zu suchen.

Einige Zeit später war Temek schließlich im Besitz einiger hilfreicher Gegenstände, die er vor sich auf dem Boden ausgebreitet hatte. Darunter befanden sich neben einem Lederbeutel mit Feuerstein und einem Feuerschläger, ein Stück Dörrfleisch, ein leerer Trinkschlauch, sowie ein Stück schimmeligen Käses. Des Weiteren war er nun im Besitz einer ranzigen Decke, die durch ein einfaches Lederband zusammengehalten wurde.

Ein leises Geräusch ließ ihn zusammenzucken. Die Augen zusammengekniffen, versuchte er, die Quelle des Geräusches ausfindig zu machen, wobei er vorsichtig in die Richtung schritt, aus der es gekommen war. Er war noch keine zehn Schritte vorangekommen, da vernahm er das Brechen von Ästen im Unterholz, und ein prächtiger Zwölfender bahnte sich den Weg aus dem dichten Gehölz. Temek machte einen Satz zur Seite und duckte sich hinter einen Strauch.

Mit Erstaunen stellte er fest, dass das Fell des Tieres komplett weiß zu sein schien. Noch ungewöhnlicher, war jedoch die Tatsache, dass es so aussah, als würde sich das strahlende Weiß in wellenden Bewegungen immer wieder neu, im Fell des Hirsches, anordnen und dabei so heftig glänzen, dass es ihn beinahe blendete. Einen Steinwurf entfernt blieb das imposante Tier stehen und hob erhaben seinen Kopf in den Himmel.

So schnell alles begonnen hatte, so schnell war es auch wieder vorbei und das Geschöpf war wieder im Dunkel des Waldes verschwunden. Temek runzelte verwundert seine Stirn und überlegte etwas verwirrt, ob er all das nur geträumt habe. Dann drehte er sich ein letztes Mal zu der Stelle um, an der das Böse über seine Familie gekommen war, verstaute seine Habseligkeiten in seinem Lederbeutel und machte sich schließlich auf den Weg.

Ohne ein bestimmtes Ziel vor Augen irrte er durch den Wald, vorbei an mächtigen, knochigen Eichen, welche mit ihren gewaltigen Ästen nach ihm zu greifen schienen. Überall schlängelten sich kleine Bäche durch das Moos, welches den Waldboden wie ein großer, grüner Teppich überzog. Unaufhaltsam, dem Lauf der Zeit folgend, formte sich die Landschaft um ihn herum zu einem immer größer werdenden Schatten, ohne Konturen und ohne Hoffnung, bis die Sonne schließlich zur Gänze hinter einem der Gipfel verschwunden war, und sich der Vorhang der Nacht langsam um ihn herum ausbreitete. Völlig erschöpft ließ er sich an einem größeren Felsen nieder. Nach oben hin bildete dieser einen leichten Überhang, weshalb Temek beschloss, die Nacht an diesem Ort zu verbringen.

Der Nebel hatte sich bereits vor einiger Zeit verzogen und das Funkeln der Sterne drang durch die Baumwipfel zu ihm herab, als diese sich im Wind bedächtig hin und her wiegten. Unaufhaltsam kroch die Kälte unter sein Wams und seine Fingerkuppen waren bereits steif gefroren. Kurze Zeit später brannte ein kleines Feuer zu seinen Füßen, an dem er sich ausgiebig wärmte. Temek rieb den Schimmel von dem Stück Käse, welches er gefunden hatte, und aß etwas davon.

Das leise Knistern des Feuers beruhigte ihn, und während es die bösen Geister der Erinnerung aus ihm vertrieb, füllte es sein Herz mit einem Gefühl der Hoffnung. Schließlich war es dunkel um ihn herum, als auch die letzte Glut erloschen war und die Nacht endgültig vom Wald Besitz ergriffen hatte. Temeks Gedanken lösten sich schwebend aus seinem Kopf und malten Bilder von seiner Familie in die Dunkelheit.

Er sah seine kleine Schwester, sah ihre großen, braunen Augen, die ihn liebevoll anblickten, und seine Mutter, wie sie ihn anlächelte. Es schien, als riefe sie ihm etwas zu, doch eine unendliche Stille schien jedes ihrer Worte zu verschlingen und wie ein Sog in die Tiefen der Einsamkeit herabzuziehen. Mit zittrigen Händen zog er sich die Decke bis unters Kinn und fiel in einen unruhigen Schlaf.

Er wusste nicht, wie lange er bereits geschlafen hatte, als ihn ein leises Geräusch aufhorchen ließ. Im ersten Moment dachte er, noch etwas schlaftrunken, es wäre seinem Traum entsprungen, doch das Geräusch gewann immer mehr an Lautstärke, bis es schließlich so klang, als stünde etwas direkt neben ihm. Angst überkam ihn und er traute sich nicht, die Augen zu öffnen. Er spürte, wie sein Herz wild in seiner Brust anfing zu schlagen, so als wolle es zerspringen und in winzig kleine Splitter zerfallen. Nachdem er mit angehaltenem Atem, dem Treiben gelauscht hatte, war es plötzlich wieder still. Nur das Zwitschern einiger Vögel, welche der Nacht zu trotzen schienen, war noch zu hören, und erneut übermannte ihn die Müdigkeit. Als Temek, völlig erschöpft, aus seinem Schlaf erwachte, lugte er vorsichtig unter seiner Decke hervor und rieb sich gähnend den Schlaf aus den Augen. Sogleich drangen die Ereignisse der Nacht in sein Bewusstsein zurück und so schaute er sich vorsichtig um.

Doch da war nichts. Zumindest nichts, was das Geräusch in der Nacht hätte erklären können. Es war bereits hell. Nebelschwaden schlängelten sich, wie die körperlosen Hüllen längst verstorbener Seelen, zwischen den Bäumen hindurch, und tauchten den Wald abermals in ein diffuses Licht. Nachdem er sich schließlich aufgerichtet hatte, die Decke noch um seine Schultern geschwungen, fand er sich in einem Meer von Blättern wieder. Ein Teppich aus Rot-, Gelb- und Brauntönen breitete sich über seinem Lagerplatz aus und sein Atem bildete kleine Wolken vor seinem Gesicht.

Der Herbst hatte über Nacht die farbenfrohen Kronen der meisten Bäume nun in gespenstige Gerippe verwandelt. Er griff unter seine Decke und zog seinen Trinkbeutel darunter hervor. Nachdem er einen Schluck eiskaltes Wasser getrunken und ein Stück vom Dörrfleisch gegessen hatte, befreite er seine Decke von Blättern und...



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