E-Book, Deutsch, Band 3, 624 Seiten
Reihe: Planetenkrieg
Ringo Planetenkrieg - Das letzte Tor
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-641-10083-4
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman
E-Book, Deutsch, Band 3, 624 Seiten
Reihe: Planetenkrieg
ISBN: 978-3-641-10083-4
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der Krieg um die Erde und der Kampf gegen die außerirdischen Eindringlinge erreicht seinen Höhepunkt: Die Raumstation Troy und ihre todesmutige Besatzung sind die letzte Bastion, die sich den Tyrannen aus dem All entgegenstellt. Denn nicht nur das Schicksal der Erde steht auf dem Spiel. Wenn die Außerirdischen siegen, wird die ganze Galaxis für Jahrtausende zerstört sein und in tiefer Finsternis versinken ...
John Ringo, 1963 in Florida geboren, war Spezialist bei der Army, Meeresbiologe und ist Autor zahlreicher Science-Fiction-Romane sowie der weltweit erfolgreichen Military-SF-Serien „Die Nanokriege“ und „Invasion“.
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1
Hinweg mit dir in die Finsternis, feiger Spross,
dorthin, wo vor Hass der Eurotas nicht fließt,
nicht einmal für das furchtsame Reh.
Unnützer, wertloses Stück, hinweg in die Hölle.
Hinweg! Dieser Spartas unwürd’ge Sohn war niemals der meine.
Anonyme, einer Spartanischen Mutter zugeschriebene Worte
»Bitte Platz nehmen und anschnallen«, wiederholte die Öffentlichkeitsreferentin. »Wir wollen doch alle so schnell wie möglich in den Weltraum, oder?«
»Ziemlich nerviger Job zum Abschluss«, meinte Coxswain’s Maat Second Class Dana Parker und sah zu, wie die Passagiere sich in ihren Myrmidon-Shuttle drängten.
Zu behaupten, dass die Grenzen zwischen Zivilem und Militärischem allmählich immer undeutlicher wurden, wäre eine starke Untertreibung. In der letzten Schlacht am Tor hatte die Troy trotz ihrer eineinhalb Kilometer dicken Wände zahlreiche Verluste erlitten. Das 142. Bootsgeschwader hatte fünf Shuttles samt Mannschaft und in einem Fall eine ganze Ladung Marines verloren. Insgesamt waren beinahe zweitausend Angehörige der Navy und der Marines gefallen, hauptsächlich bei dem Entermanöver, bei dem zwei Rangora-Raumdocks und deren Supportschiffe erobert worden waren.
Auf der anderen Seite hatten die zivilen Reparaturtrupps von Apollo Mining während der Reparaturarbeiten mitten in der Schlacht über zweihundert Opfer hinnehmen müssen.
Als daher der Eigentümer von Apollo, oder zumindest jemand weit genug oben in der Hierarchie, dass er in seinem Namen hatte handeln können, die Navy gefragt hatte, ob sie so freundlich wäre, Apollo einen Myrmidon-Shuttle zu leihen, um eine Gruppe Weltraum-Touristen abzuholen, hatte die Navy dem mit dem größten Vergnügen zugestimmt. Für die Navy bedeutete das eine gute Presse. Und Tyler Vernon einen Gefallen zu tun, war immer eine gute Idee.
Troy, die neun Kilometer durchmessende Kampfstation, die zusammen mit ihrer Schwesterstation Thermopylae gerade eine Rangora-Flotte zu Klump geschossen hatte, war dem Gehirn des Aufsichtsratsvorsitzenden von Apollo entsprungen. Und außerdem war die Station so etwas wie sein zweites Zuhause. Der Finanztycoon verließ sein Quartier an Bord der Station nur höchst selten. Und wenn er das tat, dann in dem nach seinen Wünschen umgebauten Shuttle, der Starfire, die man häufig im Haupthangar oder bei der Beaufsichtigung irgendwelcher Außenarbeiten an der Kampfstation beobachten konnte.
Man fragte sich oft, wer auf der Troy wirklich das Kommando innehatte, Rear Admiral Jack Kinyon, der offizielle Kommandeur, oder der einsiedlerische Tycoon.
Der Einsatz, der an Dana hängen geblieben war, war Teil eines Wettbewerbs zur Findung eines Namens für Kampfstation Drei. Die acht Kilometer große Nickeleisenkugel war auf dem Weg systemeinwärts aus dem Asteroidengürtel und sollte sich dort der Thermopylae und der Troy anschließen und am Grtul-Tor, der Verbindung der Menschheit mit den Sternen, Wache halten. Nicht dass es in Danas Leben bisher an Ärger und Problemen gemangelt hätte. Ihre erste Erinnerung betraf ihre Flucht aus dem brennenden Los Angeles nach einem Bombardement der Horvath mit genetischen Waffen.
Bei ihrem letzten Besuch in Los Angeles, und inzwischen hatte es eine ganze Menge solcher Besuche gegeben, hatte sie dort eine weitere Shuttleladung Rangora-Gefangene abgesetzt. Die Überlebenden der letzten Schlacht hatten sich den mehr als Zehntausend angeschlossen, die sich bereits in dem inmitten all der Verwüstungen gebauten Lager befanden. Die drei Meter großen Echsen, die nicht für militärische Arbeiten eingesetzt werden durften, sollten den Trümmerschutt aus dem Gelände entfernen. Da die gewaltigen Brände das ganze Land von Glendale bis Pomona und Irvine in Schutt und Asche gelegt hatten, war dies auch ein geeigneter Ort, um sie unterzubringen.
Bei ihrem ersten Trip nach L. A. waren ein paar schlimme Erinnerungen in ihr aufgekommen. Ein posttraumatisches Stresssyndrom zu haben, gehörte inzwischen fast zur Normalität, trotzdem war es für sie ein Schock gewesen, an ihren Geburtsort zurückzukehren. Inzwischen war Los Angeles allerdings nicht viel mehr als eine weitere zerstörte Stadt. Eine Stadt, die von Rangora-Gefangenen wimmelte, die freilich bei Weitem nicht die Supermänner waren, als die sie zunächst erschienen waren, als sie noch geglaubt hatten, die Erde sei eine leichte Beute.
Dieser Ausflug war einfacher. Die jungen Leute gehörten zu den Tausenden, die für die neue Kampfstation Namen vorgeschlagen hatten. Bedingung war gewesen, dass der Name eine historische Schlacht bezeichnete, in der eine Gruppe von weit in der Minderzahl befindlichen Verteidigern den Angreifern tapferen Widerstand geleistet hatte, gleichgültig, ob sie die Schlacht am Ende gewonnen oder verloren hatte. Jeder Teilnehmer hatte zur Begründung seiner Wahl einen Aufsatz liefern müssen. Die Gewinner waren dann unter den Verfassern besonders gut gelungener Aufsätze ausgelost worden.
Dreißig Kids zwischen sechs und zwölf waren ausgewählt worden. Sechs Zivilisten und zwei Öffentlichkeitsreferenten begleiteten sie, das entsprach der für achtunddreißig Personen ausgelegten Ladekapazität des Myrmidon.
»Und wir sind voll«, erklärte Engineer’s Mate First Class »Thermo« Hartwell.
Thermo war ihr Boss gewesen, als Dana der 142. als Engineer Trainee zugewiesen worden war. Während einer ihrer ersten Schlachten hatten mehrere Coxswains auf dem Rückflug von der Erde das Pech gehabt, sich in einem zivilen Shuttle zwischen der Erde und der Troy zu befinden, als die Rangora durchgekommen waren – einem Shuttle, den die Rangora während der Schlacht manövrierunfähig geschossen hatten. Und deshalb war die 142. zu einer Zeit, wo sie besonders dringend gebraucht wurden, knapp an Piloten gewesen.
Dana war als eine der Engineer’s Mates mit guten Prüfergebnissen in »Flug-Cross-Ausbildung« ausgewählt worden, einen Shuttle zu steuern. Da sie ein völliger Neuling war, hatte Thermo sie unter seine Fittiche genommen. Sie waren die letzten zwei Jahre Partner gewesen, aber das würde in drei Tagen vorbei sein. Dana hatte einen Versetzungsbefehl auf die Thermopylae zum 143. Geschwader bekommen.
»Tür überprüfen«, sagte Dana und sah den Öffentlichkeitsreferenten dabei zu, wie sie die Kinder einwiesen. Das lief nicht besonders gut, da die weltraumverrückten Kleinen wie mexikanische Springbohnen herumhüpften. »Ich bin ganz und gar nicht scharf darauf, diesen Raum im Orbit evakuieren zu müssen.«
»Ja, das wäre tatsächlich schlimm«, pflichtete Thermo ihr bei und stemmte sich aus seinem Sitz.
Normalerweise gab ein Petty Officer Zwo einem Petty Officer Eins keine Befehle. Thermo war zwar sozusagen der »Eigentümer« von Shuttle Sechsunddreißig, aber Dana war für das gesamte Geschehen während des Flugs verantwortlich. Thermo würde die Luke wahrscheinlich ohnehin checken, aber Dana hatte nicht schon so lange im Weltraum überlebt, indem sie sich auf irgendetwas verließ. Der Weltraum war ein kalter, gnadenloser Mistkerl, und sie hatte keinen Bock darauf, dass in ihrer Akte später einmal der Eintrag »dreißig Kinder umgebracht« stand.
Dana verfolgte auf den Innenmonitoren, wie Thermo sich nach vorne arbeitete. Hie und da musste er stehen bleiben, um Fragen der hyperaktiven Kinder im Abteil zu beantworten, aber schließlich schaffte er es doch zurück aufs Flugdeck.
»Mann!«, schnaufte er, verriegelte seine Luke und lehnte sich dagegen. »Das war schlimmer als ein heißer Kampfeinsatz! Die Kids drehen echt durch.«
»Dann sollten wir zusehen, dass wir sie schnell zur Troy bringen.« Dana kicherte. Sie hasste diese Angewohnheit, aber auf Stresssituationen reagierte sie nun einmal mit Kichern. Bis jetzt hatte sie schon genügend solcher Situationen überlebt, um darüber hinwegzukommen. Und in der 142. sagte niemand auch nur einen Ton über »Komets Kichern«. Dazu hatten sie es zu oft gehört, wenn die Kacke echt am Dampfen war.
»Bitte bereithalten zum Start«, sagte Dana über die Sprechanlage. Soweit sie sich erinnern konnte, war es das erste Mal, dass sie diese Anlage benutzte. Die meiste Zeit beförderte sie Marines, und die hatten Implants, um solche Durchsagen zu empfangen. Und die meiste Zeit war der Laderaum auch luftleer, damit die Marines schneller raus konnten.
Das erinnerte sie daran, sich zu vergewissern – zum vierten Mal übrigens –, dass sämtliche Öffnungen dicht waren und die Luftumwälzung im Passagierraum funktionierte. Formal gesehen war das Thermos Aufgabe. Sie hatte auch gesehen, wie er das getan hatte, nachdem er sich an ihrer Steuerbordseite niedergelassen hatte. Aber das hieß noch lange nicht, dass sie das nicht dreimal checken würden. Und ein viertes Mal. Sie zog den Shuttle hoch und mit schwachem Schub in einen leichten Bogen. Falls sie ihre Passagiere relativen drei g Andruck hätte aussetzen wollen, hätte sie mit bis zu...




