Ringger | Pharma fürs Volk | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 200 Seiten, Format (B × H): 204 mm x 135 mm

Ringger Pharma fürs Volk

Risiken und Nebenwirkungen der Pharmaindustrie
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-85869-973-2
Verlag: Rotpunktverlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Risiken und Nebenwirkungen der Pharmaindustrie

E-Book, Deutsch, 200 Seiten, Format (B × H): 204 mm x 135 mm

ISBN: 978-3-85869-973-2
Verlag: Rotpunktverlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Zwei Dutzend große Pharmakonzerne beherrschen die globale Pharmaindustrie. Sie entscheiden darüber, welche neuen Wirkstoffe bis zur Marktreife entwickelt werden und welche nicht. Maßgeblich sind dabei die Gewinnaussichten. Die Ziellatten für Profitraten liegen weit höher als in anderen Branchen. Aktuell werden bakterielle Krankheitserreger gegen die heute verfügbaren Antibiotika resistent, aber die Pharmaindustrie entwickelt wegen der zu geringen Profitmargen keine neuen Antibiotika. Und patentgeschützte Medikamente sind maßlos überteuert. Wir brauchen neue Regeln, eine Gesundheitspolitik, die die Grundversorgung der Bürger und Bürgerinnen garantiert und schützt. Die Politik muss das Zepter wieder in die Hand nehmen, Transparenz und Kooperation durchsetzen. Die Pharmamonopole müssen aufgebrochen werden. Die Preise von Medikamenten, Vakzinen und medizinischen Geräten sollten auf der Basis ausgewiesener Kosten festgelegt werden. Alles, was mit öffentlichen Geldern oder in öffentlichen Institutionen entwickelt wird, kann mit offenen Patenten für die Gesellschaft gesichert werden. Die teuren klinischen Studien sollten in Absprache mit der WHO international koordiniert und mit Sondersteuern finanziert werden. Die Aufgabe, kommende Gesundheitskrisen solidarisch zu meistern, und die Frage nach der Zukunft der menschlichen Zivilisation hängen eng zusammen. Eine 'Pharma fürs Volk' ist deshalb von großer Dringlichkeit.

Beat Ringger, 1955 geboren, lebt in Windisch bei Brugg. Er war Systems Engineer bei IBM, Zentralsekretär der Service-public-Gewerkschaft VPOD und Geschäftsführer des Schweizer Thinktanks Denknetz. Ringger hat neben vielen Artikeln und Reportagen mehrere Bücher veröffentlicht, zuletzt mit Cédric Wermuth Die Service Public Revolution. Corona, Klima, Kapitalismus - eine Antwort auf die Krisen unserer Zeit 2020 im Rotpunktverlag.
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Autoren/Hrsg.


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1.Big Pharma und die Blockbuster


Die großen Pharmakonzerne präsentieren sich gern als fortschrittliche Kraft im Dienst der Menschheit. So lässt Novartis verlauten: »Was uns antreibt: Wir denken Medizin neu, um Menschen zu einem besseren und längeren Leben zu verhelfen. Mit innovativer Wissenschaft und modernster Technologie gehen wir einige der größten Probleme der globalen Gesundheitssysteme an. Wir erforschen und entwickeln bahnbrechende Therapien und finden neue Wege, sie möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen. Dabei wollen wir auch jene belohnen, die ihre finanziellen Mittel, ihre Zeit und ihre Ideen in unser Unternehmen investieren.« (Novartis 2021, S. 3)

Die realen Praktiken der Pharmakonzerne sprechen eine andere Sprache. Laut einer im renommierten (JAMA) publizierten Studie hat Novartis in den Jahren 2003 bis 2016 in den USA wegen illegaler Aktivitäten elf Bußen mit einer Gesamtsumme von 1,198 Milliarden US-Dollar bezahlen müssen. Der Konzern steht damit nicht allein. Die Gesamtsumme der Bußen, die über die 26 großen Pharmakonzerne im selben Zeitraum in den USA verhängt wurden, beläuft sich auf 33 Milliarden US-Dollar. (Arnold u. a. 2020) Und von den 26 untersuchten Pharmakonzernen sind 22 straffällig geworden. Bei allen straffälligen Firmen, bis auf eine Ausnahme, haben sich die illegalen Machenschaften über mindestens vier Jahre hingezogen. Sidney Wolfe, Arzt und Mitbegründer der US-amerikanischen Verbraucherschutzorganisation Public Citizen, wertet das Inkaufnehmen hoher Bußen als Teil ihres Geschäftsmodells. Das heißt, die Konzernleitungen planen mit illegalen Praktiken und rechnen allfällige Bußgelder von vornherein in ihre Kalkulationen mit ein. (Lingner, Siegert 2014)

Wie kommt es, dass Konzerne, die über eine sehr solide finanzielle Basis verfügen, so oft mit illegalen Machenschaften, Skandalen oder exorbitant hohen Arzneimittelpreisen in der Presse stehen? Warum geht es dabei auch immer wieder um beträchtliche gesundheitliche Risiken, Schäden bis zu Todesfällen? Das lässt sich nicht nur mit einer besonders ausgeprägten Gier und Skrupellosigkeit des Managements erklären. Es geht nicht nur um einige schwarze Schafe, sondern um allgemein vorherrschende Praktiken. Das lässt strukturelle Gründe vermuten. Deshalb will dieses Buch die Charakteristika dessen erkunden, was als Big Pharma bezeichnet wird.

Die dominierenden Pharmakonzerne


Wer im Internet nach den weltweit größten Pharmaunternehmen sucht, stößt auf eine Vielzahl von Ranglisten. Sie stimmen nicht immer überein, auch dann nicht, wenn dasselbe Kriterium für die Auflistung gewählt wird wie zum Beispiel der Umsatz. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass die Abgrenzung des Pharmabereichs innerhalb der Konzerne, die auch in anderen Sparten tätig sind, also etwa auch Nahrungsergänzungsmittel oder Ähnliches produzieren, nicht immer einfach zu eruieren ist. Dennoch sind es im Großen und Ganzen dieselben Firmen, die auf den vorderen Plätzen rangieren. Diese Konstanz ist in einer Branche, die sehr stark von den Umsatzergebnissen einzelner Produkte abhängt, erstaunlich.

Die bis im Sommer 2022 verfügbaren Listen beziehen sich noch auf das Jahr 2020. Die Umsätze mit Covid-19-Impfstoffen und -Medikamenten fallen erst ab 2021 ins Gewicht. Sie werden die Ranglisten zweifellos verändern; Pfizer wird wohl die Spitze übernehmen, und möglicherweise werden Moderna und Biontech in den Top 20 auftauchen. Doch auch das eingerechnet, bleibt eine bemerkenswerte Konstanz erhalten.

Die folgende Tabelle stützt sich auf eine Zusammenstellung der US-Zeitschrift (2021, S. 26 ff.).

Tabelle 1

Umsatzstärkste Pharmakonzerne 2020

Firma

Pharma-Umsatz
in Mrd. US$ 2020

Hauptsitz

Roche

47,492

Schweiz

Novartis

47,202

Schweiz

AbbVie

44,341

USA

Johnson & Johnson

43,149

USA

Bristol Myers Squibb

41,903

USA

Merck & Co

41,435

USA

Sanofi

35,802

Frankreich

Pfizer

35,608

UK

GlaxoSmithKline

30,585

England

Takeda

27,896

Japan

AstraZeneca

25,518

UK

Amgen

24,098

USA

Gilead Sciences

23,806

USA

Eli Lilly

22,646

USA

Novo Nordisk

19,444

Dänemark

Bayer

18,995

Deutschland

Böhringer Ingelheim

16,456

Deutschland

Astellas Pharma

11,515

Japan

Viatris

11,495

USA

Teva Pharmaceutical Industries

11,009

Israel

Anders sieht die Reihenfolge aus, wenn die Rangliste aufgrund der EBIT-Marge (Earnings Before Interest and Taxes, Profitrate vor Steuern und Zinsen) erstellt wird. Die Reihenfolge ändert sich, allerdings bleiben die Firmennamen weitgehend dieselben. Die Unternehmensberatungsfirma EY hat dazu für 2019 und 2020 folgende Zahlen publiziert (EY 2021).

Tabelle 2

Ertragsstärkste Pharmakonzerne 2019 und 2020

Firma

EBIT-Marge 2019
in % des Umsatzes

EBIT-Marge 2020
in % des Umsatzes

Gilead Sciences

41,6

45,8

Novo Nordisk

43,8

42,9

Amgen

41,6

36,7

Biogen

50,6

34,6

AbbVie

41,2

34,3

Roche

34,0

33,4

Merck & Co

31,9

32,7

Eli Lilly

26,9

30,8

Johnson & Johnson

25,6

24,2

Novartis

23,4

24,2

GlaxoSmithKline

23,4

24,2

Pfizer

20,3

24,2

Böhringer...



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