E-Book, Deutsch, 200 Seiten, Format (B × H): 204 mm x 135 mm
Ringger Pharma fürs Volk
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-85869-973-2
Verlag: Rotpunktverlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Risiken und Nebenwirkungen der Pharmaindustrie
E-Book, Deutsch, 200 Seiten, Format (B × H): 204 mm x 135 mm
ISBN: 978-3-85869-973-2
Verlag: Rotpunktverlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Beat Ringger, 1955 geboren, lebt in Windisch bei Brugg. Er war Systems Engineer bei IBM, Zentralsekretär der Service-public-Gewerkschaft VPOD und Geschäftsführer des Schweizer Thinktanks Denknetz. Ringger hat neben vielen Artikeln und Reportagen mehrere Bücher veröffentlicht, zuletzt mit Cédric Wermuth Die Service Public Revolution. Corona, Klima, Kapitalismus - eine Antwort auf die Krisen unserer Zeit 2020 im Rotpunktverlag.
Autoren/Hrsg.
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1.Big Pharma und die Blockbuster
Die großen Pharmakonzerne präsentieren sich gern als fortschrittliche Kraft im Dienst der Menschheit. So lässt Novartis verlauten: »Was uns antreibt: Wir denken Medizin neu, um Menschen zu einem besseren und längeren Leben zu verhelfen. Mit innovativer Wissenschaft und modernster Technologie gehen wir einige der größten Probleme der globalen Gesundheitssysteme an. Wir erforschen und entwickeln bahnbrechende Therapien und finden neue Wege, sie möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen. Dabei wollen wir auch jene belohnen, die ihre finanziellen Mittel, ihre Zeit und ihre Ideen in unser Unternehmen investieren.« (Novartis 2021, S. 3)
Die realen Praktiken der Pharmakonzerne sprechen eine andere Sprache. Laut einer im renommierten (JAMA) publizierten Studie hat Novartis in den Jahren 2003 bis 2016 in den USA wegen illegaler Aktivitäten elf Bußen mit einer Gesamtsumme von 1,198 Milliarden US-Dollar bezahlen müssen. Der Konzern steht damit nicht allein. Die Gesamtsumme der Bußen, die über die 26 großen Pharmakonzerne im selben Zeitraum in den USA verhängt wurden, beläuft sich auf 33 Milliarden US-Dollar. (Arnold u. a. 2020) Und von den 26 untersuchten Pharmakonzernen sind 22 straffällig geworden. Bei allen straffälligen Firmen, bis auf eine Ausnahme, haben sich die illegalen Machenschaften über mindestens vier Jahre hingezogen. Sidney Wolfe, Arzt und Mitbegründer der US-amerikanischen Verbraucherschutzorganisation Public Citizen, wertet das Inkaufnehmen hoher Bußen als Teil ihres Geschäftsmodells. Das heißt, die Konzernleitungen planen mit illegalen Praktiken und rechnen allfällige Bußgelder von vornherein in ihre Kalkulationen mit ein. (Lingner, Siegert 2014)
Wie kommt es, dass Konzerne, die über eine sehr solide finanzielle Basis verfügen, so oft mit illegalen Machenschaften, Skandalen oder exorbitant hohen Arzneimittelpreisen in der Presse stehen? Warum geht es dabei auch immer wieder um beträchtliche gesundheitliche Risiken, Schäden bis zu Todesfällen? Das lässt sich nicht nur mit einer besonders ausgeprägten Gier und Skrupellosigkeit des Managements erklären. Es geht nicht nur um einige schwarze Schafe, sondern um allgemein vorherrschende Praktiken. Das lässt strukturelle Gründe vermuten. Deshalb will dieses Buch die Charakteristika dessen erkunden, was als Big Pharma bezeichnet wird.
Die dominierenden Pharmakonzerne
Wer im Internet nach den weltweit größten Pharmaunternehmen sucht, stößt auf eine Vielzahl von Ranglisten. Sie stimmen nicht immer überein, auch dann nicht, wenn dasselbe Kriterium für die Auflistung gewählt wird wie zum Beispiel der Umsatz. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass die Abgrenzung des Pharmabereichs innerhalb der Konzerne, die auch in anderen Sparten tätig sind, also etwa auch Nahrungsergänzungsmittel oder Ähnliches produzieren, nicht immer einfach zu eruieren ist. Dennoch sind es im Großen und Ganzen dieselben Firmen, die auf den vorderen Plätzen rangieren. Diese Konstanz ist in einer Branche, die sehr stark von den Umsatzergebnissen einzelner Produkte abhängt, erstaunlich.
Die bis im Sommer 2022 verfügbaren Listen beziehen sich noch auf das Jahr 2020. Die Umsätze mit Covid-19-Impfstoffen und -Medikamenten fallen erst ab 2021 ins Gewicht. Sie werden die Ranglisten zweifellos verändern; Pfizer wird wohl die Spitze übernehmen, und möglicherweise werden Moderna und Biontech in den Top 20 auftauchen. Doch auch das eingerechnet, bleibt eine bemerkenswerte Konstanz erhalten.
Die folgende Tabelle stützt sich auf eine Zusammenstellung der US-Zeitschrift (2021, S. 26 ff.).
Tabelle 1
Umsatzstärkste Pharmakonzerne 2020
| Firma | Pharma-Umsatz | Hauptsitz |
| Roche | 47,492 | Schweiz |
| Novartis | 47,202 | Schweiz |
| AbbVie | 44,341 | USA |
| Johnson & Johnson | 43,149 | USA |
| Bristol Myers Squibb | 41,903 | USA |
| Merck & Co | 41,435 | USA |
| Sanofi | 35,802 | Frankreich |
| Pfizer | 35,608 | UK |
| GlaxoSmithKline | 30,585 | England |
| Takeda | 27,896 | Japan |
| AstraZeneca | 25,518 | UK |
| Amgen | 24,098 | USA |
| Gilead Sciences | 23,806 | USA |
| Eli Lilly | 22,646 | USA |
| Novo Nordisk | 19,444 | Dänemark |
| Bayer | 18,995 | Deutschland |
| Böhringer Ingelheim | 16,456 | Deutschland |
| Astellas Pharma | 11,515 | Japan |
| Viatris | 11,495 | USA |
| Teva Pharmaceutical Industries | 11,009 | Israel |
Anders sieht die Reihenfolge aus, wenn die Rangliste aufgrund der EBIT-Marge (Earnings Before Interest and Taxes, Profitrate vor Steuern und Zinsen) erstellt wird. Die Reihenfolge ändert sich, allerdings bleiben die Firmennamen weitgehend dieselben. Die Unternehmensberatungsfirma EY hat dazu für 2019 und 2020 folgende Zahlen publiziert (EY 2021).
Tabelle 2
Ertragsstärkste Pharmakonzerne 2019 und 2020
| Firma | EBIT-Marge 2019 | EBIT-Marge 2020 |
| Gilead Sciences | 41,6 | 45,8 |
| Novo Nordisk | 43,8 | 42,9 |
| Amgen | 41,6 | 36,7 |
| Biogen | 50,6 | 34,6 |
| AbbVie | 41,2 | 34,3 |
| Roche | 34,0 | 33,4 |
| Merck & Co | 31,9 | 32,7 |
| Eli Lilly | 26,9 | 30,8 |
| Johnson & Johnson | 25,6 | 24,2 |
| Novartis | 23,4 | 24,2 |
| GlaxoSmithKline | 23,4 | 24,2 |
| Pfizer | 20,3 | 24,2 |
| Böhringer... |




