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E-Book

E-Book, Deutsch, 408 Seiten

Riesen Engineered Minds


2. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7407-9667-9
Verlag: TWENTYSIX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 408 Seiten

ISBN: 978-3-7407-9667-9
Verlag: TWENTYSIX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Bringen Sie meine Tochter in Sicherheit. Was nach leicht verdientem Geld für den urbanen Söldner Alexei Polianov klingt, wird plötzlich zum Albtraum. Der Auftraggeber ist tot, die junge Gemma erinnert sich an kaum etwas aus ihrem Leben und Alexei weiß noch nicht einmal, wohin er sie eigentlich bringen muss. Gnadenlos durch die größte Metropole der Schweiz gejagt, benötigt es sein ganzes Können, am Leben zu bleiben und gleichzeitig die schmutzigen Machenschaften seiner Verfolger aufzudecken ... Nominiert für den SERAPH 2021 als bester Independent-Roman!

Martin Riesen wurde 1979 bei Zürich geboren und zog sich schon als Kind gerne in die Welt der Bücher zurück. Seit seinem fünfzehnten Lebensjahr schreibt er Geschichten, doch erst 2014 erschien mit "Aussergewöhnliche Automatons" sein erster eigener Roman, dem inzwischen vier Fortsetzungen folgten. Als selbsternannter Punk-Autor schreibt er nicht nur Cyberpunk, sondern auch verwandte Genres wie Steampunk, Skypunk und Dungeonpunk. Martin Riesen lebt mit seinen zwei Katzen im Zürcher Oberland in der Schweiz.

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Kapitel 1: Das Ende
Der wummernde Bass folgte Alexei durch die Tür und an der auf Eintritt wartenden Menschenmenge vorbei auf die regennasse Straße. Selbst nachdem der Eingang wieder geschlossen war, konnte er den Lärm noch problemlos hören. Normalerweise machte es ihm nichts aus, er mochte die rhythmischen Nu-Goth-Beats, aber heute hatte es ihn schon nach kürzester Zeit genervt. Obwohl das After Dark nur ein kleiner Hinterhofclub war, wartete wie üblich ein gutes Dutzend finster gekleideter Gestalten auf Einlass. Schwarzgewandete Oldschool-Goths standen neben in schillernden Farben leuchtenden Emopunks, in Lack und Leder gehüllten Fetischfreaks und weiteren, schwer zu definierenden Typen. Alexei schloss sich dem bunten Kostümreigen nicht an. Er betrachtete sich als Teil keiner Szene außer seiner eigenen. Trotzdem hatte er als Stammgast nie Probleme bekommen. Er selbst würde sich nicht als auf irgendeine Art beeindruckend oder gar herausragend bezeichnen. Er war weder besonders groß noch auf den ersten Blick überdurchschnittlich kräftig. Seine Haare waren unmodisch regelmäßig kurz geschnitten und ebenso dunkelbraun wie seine Augen. Am Kragen seiner gepanzerten Jacke vorbei, schimmerten die obersten Ausläufer eines blaugrün schimmernden Neon-Tattoos, das sich über Schultern und Rücken fortsetzte und einen stilisierten Phönix bildete. Die Jacke war weit genug geschnitten, um eine Pistole verstecken zu können und der in einem aggressiven Rotton blinkende Abgelehnt-Schriftzug auf dem Rücken nicht etwa eine politische Aussage, sondern nur das Markenzeichen des Herstellers. Alexei war kein Straßenpunk oder Szenenhopser und an den etwas breiten Gesichtszügen gut als Angehöriger der in diesem Viertel weit verbreiteten russischen Schicht zu erkennen. Er sah nicht zurück, während er sich vom größten Trubel entfernte. Eigentlich hatte er sich nur ein paar Bier genehmigen wollen, um den Kopf freizukriegen, doch es war in die Hose gegangen. Der Alkohol hatte die Erinnerungen eher geweckt statt verdrängt. Im Nachhinein hätte er wahrscheinlich besser einen neuen Ort gewählt, um zu trinken, oder wäre noch besser gleich zu Hause geblieben, wo ein Besäufnis sowieso billiger war. Er seufzte. Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem man nicht vertrieben werden kann, hatte Neri ihm einmal gesagt. Vielleicht hatte sie damit nicht unrecht, doch zu schnell konnte es auch zu einem Gefängnis werden, das man nicht verlassen konnte. „Na Süßer, suchst du Gesellschaft?“, säuselte eine Stimme zu seiner Linken. Noch bevor Alexei den Kopf drehte, ahnte er schon, was er gleich sehen würde. Eine Straßenhure, vermutlich kaum alt genug, um legal zu sein, und übermäßig schwarz geschminkt, um der Clubklientel zu gefallen. Er musterte sie. Beinahe richtig. Sie war älter als erwartet, aber ansonsten wirkte sie wie das Klischee eines Oldschool-Goths. Schwarzer Lippenstift, übertriebener Eyeliner, schwarz lackierte Fingernägel, nur ihre Haare passten nicht ganz. Diese trug sie, der aktuellen Mode entsprechend, links kurz geschoren und rechts erstaunlich lang, beinahe bis auf die Hüfte fallend. Immerhin waren sie ebenfalls schwarz gefärbt. Ihre Kleidung sollte aufreizend sein, aber sexy war sie nicht, zumindest wenn es nach Alexeis Geschmack ging. Es war zu knapp und zu billig. Er ignorierte sie, auch das Urod, das sie ihm hinterherrief. Vielleicht mochte er ein Bastard sein, wie sie es ihm auf Russisch sagte, aber er war noch nicht tief genug gefallen, um für Sex zu bezahlen. Die Hände in den Jackentaschen versenkt, ging er weiter. Das Viertel hatte seine besten Tage schon lange hinter sich, falls es diese überhaupt jemals gehabt hatte. Die Häuser um ihn herum waren heruntergekommen und die meisten standen offiziell seit Jahren leer. Jedes, das irgendwie aufgebrochen werden konnte, war besetzt worden. Bezahlbarer Wohnraum war auch hier knapp, weshalb sich viele mit illegalen Methoden halfen. Gopniks tummelten sich in den schmutzigen, faulig riechenden Nebengassen und verstummten für kurze Zeit, wenn Alexei an einer von ihnen vorbeiging. Diese zumeist jugendlichen Straßenbanden waren die wahren Punks, weit vom Zusammenhalt der Besetzerkommunen entfernt und normalerweise bedeuteten sie Ärger. Alexei fürchtete sich jedoch nicht vor ihnen. Man kannte ihn, er war hier aufgewachsen und selbst einer von ihnen gewesen, bis er sich zu etwas Besserem hatte mausern können. Die meisten Gopniks würden ihm bei dieser Meinung vermutlich widersprechen, sahen sie ihren anarchistischen Weg doch als den einzig Wahren, aber für Alexei war es eine Offenbarung gewesen, nicht mehr ständig in Angst leben zu müssen, gleich ein rostiges Messer in den Rücken gerammt zu kriegen. Die gelegentliche Furcht, erschossen zu werden, war nicht viel besser, aber es war ein Anfang. Sein Zuhause war nur einige Querstraßen vom Club entfernt, eine ehemalige Lagerhalle, die er ganz legal gemietet und nicht ganz so legal umgebaut hatte. Solange niemand das ganze Viertel aufkaufte und alles für einen neuen Mega-Wohnkomplex niederriss, würde ihn dort allerdings auch sicher niemand stören. Er aktivierte den Overlay, als er die Gasse betrat, die zu seiner Wohnung führte. Die Welt strahlte auf, während sich die erweiterte Realität in seinen Augen öffnete und ihn mit zusätzlichen Informationen versorgte. Der Overlay war omnipräsent, eine Schnittstelle zwischen Realität und Virtualität, und ein wichtiger Bestandteil des Lebens der meisten Menschen. Er ermöglichte einen sofortigen Informationsaustausch, ohne dabei auf einen Bildschirm blicken zu müssen und überlagerte wo immer nötig die Realität nahtlos und unaufdringlich, zumindest in der Theorie. Im Gegensatz zu vielen anderen benutzte Alexei den Overlay nur, wenn er ihn wirklich brauchte. Der ständige Informationsfluss verursachte ihm Kopfschmerzen, auch in einer der kaum überlagerten Gegenden wie dieser. In der Innenstadt des nahen Zürichs war es gefühlte tausend Mal schlimmer und erfüllt von plärrenden Werbeanzeigen – hier jedoch veränderte sich die Welt kaum. Das eigentliche Dateninterface konnte nicht einfach ausgeschaltet werden, glich dafür aber mehr der Arbeitsoberfläche eines altmodischen Computers. Es war die Schnittstelle zum HeadMem, einem Speicherchip in seinem Hirn, und versorgte ihn absolut unaufdringlich mit allen wichtigen Informationen, von der Uhrzeit bis zum Puls, falls benötigt. In den Gassen vor seinem Zuhause wirkte alles ruhig. Alexei hatte sein Reich mit ein paar semi-intelligenten Helferlein geschützt, die ihn vor Eindringlingen warnen würden. Zudem rieten einige nur im Overlay sichtbare Gangsymbole Kleinganoven davon ab, hier einbrechen zu wollen und ein öffentliches Mietdokument verriet SprawlSec, die in der Gegend als Polizei fungierte, dass er ganz legal hier wohnte. Die Menschheit war weit gekommen, von Höhlenmalereien über Filme und das erste, primitive Internet des späten zwanzigsten Jahrhunderts zu einer omnipräsenten erweiterten Realität, die ihnen angeblich das Leben erleichtern sollte. Zumindest denen, die keine Kopfschmerzen davon kriegten. Während er nähertrat, erschienen weitere Informationen in seinem künstlichen Auge. Es war nicht sein einziges Implantat, aber sein neuestes. Er hatte lange mit der Entscheidung gekämpft, eines seiner völlig gesunden Augen aus dem Körper schneiden und durch ein elektronisches Bauteil ersetzen zu lassen. Der Gedanke allein konnte für ein mulmiges Gefühl sorgen, dennoch waren die Vorteile nicht von der Hand zu weisen, weshalb er sich schließlich nach langem Zaudern doch auf den Operationstisch gelegt hatte. Cyberaugen waren absolut nichts ungewöhnliches mehr. Er hatte sich für ein Basismodell entschieden, das nur mit einem Retinadisplay für den Overlay ausgestattet war. Immerhin war es dadurch nicht mehr nötig, ständig Kontaktlinsen oder eine dieser unsäglichen Displayvisoren zu tragen, die eigentlich völlig veraltet und seit einigen Monaten wieder in Mode gekommen waren. Cyberretro war in und seiner Meinung nach absolut bescheuert. Sein Auge war von außen nicht von einem echten zu unterscheiden; ein Meisterwerk der Technik, wartungsfrei mit einer garantierten Funktionsdauer von über hundert Jahren. Die Tür besaß weder Schloss noch Klinke und war nahtlos in der Wand versenkt. Ein Magnetriegel versiegelte den Zugang stabil genug, dass die einfachste Möglichkeit, einzudringen, direkt durch die Wand war. Für ihn war es dagegen ein Kinderspiel, die Tür zu öffnen. Das Schloss war an seine ID gekoppelt und öffnete sich auf einen einfachen mentalen Impuls. Sobald der Overlay erkannt hatte, dass sich Alexei im Gebäude befand, fütterte er ihn mit weiteren Informationen. Der Kühlschrank meldete, welche Produkte kurz vor dem Haltbarkeitsdatum waren, die Kaffeemaschine wollte gereinigt werden, zwei Mails warteten auf ihn, der Tank seines Autos war halbvoll ... Zu viel Mist. Er blendete die Symbole aus. Die moderne Elektronik war manchmal nerviger als ein digitaler Hund. Ständig wollte sie etwas, schrie nach...



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