Riesen | Die Zukunft der Welt | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 360 Seiten

Riesen Die Zukunft der Welt


3. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7357-0735-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 360 Seiten

ISBN: 978-3-7357-0735-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Offenburg, 1875, in einer alternativen Vergangenheit... Besuchen Sie London und bestaunen Sie die Zukunft der Welt! Die Weltausstellung soll ein Moment des Triumphs für Johanna und Professor Geich werden, die dort ihren mechanischen Hund einem breiten Publikum vorstellen wollen. Doch verhängnisvolle Ereignisse nehmen im Hintergrund ihren Lauf, als ein geheimnisvoller Franzose den Professor zwingt, eine Kiste mit unbekanntem Inhalt zum Kristallpalast zu schmuggeln. Am Eröffnungstag gerät schliesslich alles ausser Kontrolle und Johannas übermässig neugieriger Leibwächter hat bald alle Hände voll damit zu tun, sie vor einem ominösen Agenten zu schützen... Die Zukunft der Welt ist der zweite Band der Steampunk-Reihe Steamforged Empires und führt die Ereignisse von Aussergewöhnliche Automatons in derselben von Science-Fiction durchzogenen alternativen Vergangenheit fort.

Seit seinem fünfzehnten Lebensjahr schreibt Martin Riesen gerne Geschichten. Mit "Aussergewöhnliche Automatons" erschien 2014 sein erster Roman, der inzwischen mehrere Fortsetzungen erhalten hat. Martin Riesen lebt mit zwei Katzen im Zürcher Oberland in der Schweiz. www.storycorner.ch
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1


Beinahe starr vor Angst saß Johanna in der bequemen Mietkutsche, die sie durch Offenburg zur Kaserne fuhr. Sie spürte weder das sanfte Schaukeln der Kabine, noch hörte sie das rhythmische Klappern der Hufe auf dem Kopfsteinpflaster der Hauptstraße. Ihr Kopf war angefüllt mit furchtbaren Visionen, die ihre nähere Zukunft zeigten. Sie fühlte sich wie ein Lamm auf dem Weg zur Schlachtbank.

Nervös rieb sie sich die Schläfen, um den aufflammenden Kopfschmerz dahinter zu vertreiben. Nein, es gab eigentlich keinen Grund für sie, solche Angst zu haben. Was hatte sie schon zu befürchten? Sie würde nur ihren Liebsten, ihren Ludwig, abholen und danach zu ihm nach Hause fahren. Absolut nichts konnte schiefgehen, wenn sie seine Eltern zum ersten Mal treffen würde.

Verzweifelt schlug sie die Hände vor dem Gesicht zusammen und stützte ihre Ellbogen auf die Knie. Warum nur hatte sie diesem gemeinsamen Abendessen zugestimmt? Sie war keine feine Dame! Garantiert würde sie sich furchtbar blamieren und dann würden seine Eltern der Beziehung niemals zustimmen.

Während sie noch tief in Gedanken versunken war, kam die Kutsche vor der Kaserne zum Stehen. Johanna atmete tief durch, nachdem der Kutscher die Tür geöffnet hatte, und stieg die zwei angeschraubten Metalltritte hinunter auf den vom Aprilregen immer noch etwas feuchten Boden.

Johanna Geich, geborene Bilse, war durch Adoption in den Bürgerstand gekommen und ursprünglich ein Arbeiterkind gewesen. Wegen ihres fast schon unheimlichen Talents im Stanzen von Lochkartenprogrammen, das zur Fertigung eines semi-intelligenten Automatons geführt hatte, war sie von ihrem Meister, dem bekannten Professor Ernst Geich, adoptiert worden.

Sie hatte immer noch Mühe, sich als Bürgerin zurechtzufinden. Unsicher stand sie da; eine zierliche, junge Frau in einem modisch geschnittenen violetten Kleid mit beigen Applikationen. Sie hatte ihre langen, dunkelblonden Haare sorgfältig hochgebunden und mit einer weißen Seidenschleife verziert. Wie üblich trug sie keine Kopfbedeckung, auch wenn sich dies eigentlich nicht gehörte. Die Schleife ließ sie jünger erscheinen, als sie tatsächlich war. Ihr siebzehnter Geburtstag näherte sich schnell und es wurde von ihr streng genommen erwartet, sich wie eine Frau zu kleiden, auch wenn ihr das nicht zusagte.

Einer gigantischen, mittelalterlichen Festung gleich ragte die Kaserne vor ihr auf. Die massiven Betonwände waren mit grob gehauenen Natursteinen verkleidet worden, um der Anlage die Schwere zu nehmen und sie weniger militärisch wirken zu lassen. Die Größe der Garnison war nicht übertrieben. Das von den Briten besetzte Straßburg war nicht weit entfernt und ein Angriff in diesen unsicheren Zeiten nie vollständig auszuschließen.

Ludwig Geulinger war bereits aus der Kaserne getreten und wartete auf sie. Sehnsüchtig sah Johanna zu ihm. Er würde nur für ein paar Tage zur Verfügung stehen, bevor er wieder zurück zu seiner Einheit musste. Mit langen Schritten kam er auf sie zu. Er war ein hochgewachsener, schlanker Mann und einen Kopf größer als die feingliedrige Johanna. Seine dunkelblaue Uniform mit den roten Ärmelumschlägen saß wie angegossen und zeugte von einer schneidigen Autorität, die Johanna mehr als nur ein bisschen anziehend fand. Unter der hohen Schirmmütze, die er bei informellen Anlässen auf dem Kopf trug, zeigte sich sein kurzgeschnittenes, dunkelbraunes Haar, das sein markantes, etwas kantiges Gesicht ein wenig weicher machte. In seinen warmen, rehbraunen Augen konnte sich Johanna verlieren. Ihr Herz schlug schneller, noch bevor er bei ihr angekommen war.

„Schön, dich endlich wiederzusehen“, flüsterte er, nahm ihre dargebotene Hand, die in einem dünnen, weißen Handschuh steckte, und hauchte einen sanften Kuss darauf.

„Ebenso, Herr Premierleutnant“, murmelte sie lächelnd. Er war erst vor wenigen Tagen befördert worden, was nicht nur ihn, sondern auch Johanna mit Stolz erfüllte.

„Du sollst mich doch nicht so nennen“, mahnte Ludwig.

Sie kicherte. Er mochte es nicht, von ihr mit dem Rang angesprochen zu werden, doch manchmal tat sie es trotzdem, nur um ihn zu necken. Er sah in ihre tiefen, dunkelbraunen Augen, was ausreichte, um ihre Knie weich werden zu lassen. Sie sehnte sich nach einem Kuss, wusste aber, dass sie darauf noch etwas warten musste. Als Mitglied des Offizierskorps wurde von ihm erwartet, sich in allen Lebenslagen korrekt zu verhalten. Seine Liebste in aller Öffentlichkeit zu küssen, wäre ein Bruch des Protokolls, wie er ihr einmal erklärt hatte.

Er wandte sich der Kutsche zu und half Johanna galant beim Einsteigen in die hoch über dem Boden schwebende Kabine. Bevor er selbst dazu stieg und sich neben Johanna setzte, gab er dem Kutscher die Anweisung, sie in die Weingartenstraße zu fahren, wo das bescheidene Haus seiner Eltern stand.

„Du siehst fantastisch aus“, sagte er stolz, nachdem sich die Kutsche in Bewegung gesetzt hatte.

„Danke“, antwortete sie errötend. „Du siehst ja immer gut aus in deiner Uniform.“

Lächelnd zog er die kleine Gardine am Kutschenfenster zu, beugte sich zu ihr und küsste sie zögerlich. Es war deutlich zu lange her, seit sie seine Lippen auf den ihrigen gespürt hatte. Sie hatte schon fast vergessen, wie gut sich dies anfühlte. Lächelnd dachte sie an ihre letzten Küsse zurück und konnte sich an jeden einzelnen erinnern. Viele waren es ja nicht gewesen. Einen neben der Maschinenfabrik, nachdem der Automaton ausgebrochen war, zwei in seinem Quartier nur zwei Tage danach und den vierten am Tag seiner Abreise nach Orléans. , dachte sie frustriert und beugte sich zu ihm, um einen weiteren einzufordern. Dieses Mal zögerte er nicht und ein Prickeln fuhr durch Johannas Körper.

Die Anwesenheit Ludwigs reichte, um ihre Nervosität zumindest ein bisschen zu brechen. Es tat so gut, ihn wiederzusehen. Beinahe sechs Monate zuvor hatten sie sich auf dem Jahrmarkt kennengelernt, doch seit den schrecklichen Ereignissen im letzten Monat hatte sie ihn nicht mehr gesehen, da er mit seinem Bataillon zur Entsatzung in den preußisch besetzten Teil Frankreichs verlegt worden war. Leider gab es immer etwas zu tun für das Heer. Die ständige Angst, dass ihm dabei etwas zustoßen konnte, war inzwischen zu ihrem Verdruss ein treuer Begleiter geworden. Immerhin konnten sie sich Briefe schreiben, was sie auch so oft wie möglich taten.

„Fühlst du dich bereit?“, fragte er nach einer Weile.

„Ehrlich gesagt nicht“, antwortete sie leise.

„Du schaffst das schon.“

„Und wenn nicht?“

„Dann werden wir mit Schimpf und Schande aus dem Haus gejagt.“

„Das ist nicht lustig, Ludwig“, meinte sie gekränkt.

„Verzeih“, murmelte er. „Ich wollte nur die Stimmung etwas aufhellen.“

„Du weißt, wie sehr mir die Sache Angst macht.“

„Ich bin ja dabei“, flüsterte er und strich mit einem Finger sanft über die zarte Haut ihrer Wange.

„Das hoffe ich sehr, schließlich besuchen wir deine Eltern, nicht meine“, sagte sie mit gespielter Empörung, worauf beide lachen mussten.

Johanna war von diesem Besuch nicht begeistert, aber Ludwigs Eltern hatten darauf bestanden. Sie gehörten zur vermögenden Schicht und wollten genau wissen, wem ihr Sohn den Hof machte. Es kam Johanna seltsam vor, das Einverständnis der Eltern verdienen zu müssen. Unter den Arbeiterfamilien war das völlig anders. Was würde wohl geschehen, wenn sie seinen Eltern missfallen würde? Sie schauderte und versuchte, nicht darüber nachzudenken.

Schweigend fuhren sie den restlichen Weg, bis die Kutsche vor einem erstaunlich großen Haus inmitten eines gepflegten Gartens stehen blieb. Ludwig stieg zuerst aus und reichte seiner Liebsten die Hand, um ihr das Überwinden der Stufen zu erleichtern. Nachdem er den Kutscher bezahlt hatte, wandten sie sich dem kleinen, schmiedeeisernen Tor zu, das die Straße vom Grundstück trennte. Ludwig nickte Johanna ermutigend zu, worauf sie tief Luft holte, den Kopf hochreckte und die Angst in den Hintergrund schob. Seinem erstaunten Lächeln zufolge, war ihr dies gelungen.

Nachdem Ludwig geklopft hatte, dauerte es nicht lange, bis die Tür geöffnet wurde. Sein Vater ließ es sich offenbar nicht nehmen, die Gäste persönlich zu empfangen. Johann Geulinger war ein korpulenter, hochgewachsener Mann, dessen Gesichtszüge deutlich zeigten, dass er seines Sohnes Vater war. Abgesehen von den langsam ergrauenden Haaren und dem vornehm gestutzten Vollbart sah er Ludwig enorm ähnlich. Er trug einen nobel wirkenden Frack, der seine natürliche Autorität noch verstärkte.

„Ludwig, schön dich zu sehen“, sagte er freudig und umarmte seinen Sohn kräftig. Dann fiel sein Blick auf Johanna. „Sie müssen Fräulein Johanna sein, nehme ich an.“

Sie knickste höflich, wie sie es immer tat, und sagte: „Sehr erfreut, Ihre Bekanntschaft zu machen, Herr Geulinger.“

Er wirkte...



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