Riesen | Die Wurzeln des Verrats | E-Book | www2.sack.de
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E-Book, Deutsch, 304 Seiten

Riesen Die Wurzeln des Verrats


2. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7412-3384-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 304 Seiten

ISBN: 978-3-7412-3384-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Zürich, 1875, in einer alternativen Vergangenheit ... Druckerlehrling Laurenz wird beschuldigt, die Tochter des größten Weinbauern von Meilen geschwängert zu haben. Spionin Marie wird auf der Suche nach dem Mörder ihres Bruders bei einer Fabrikantenfamilie in Zürich eingeschleust. Zwei Menschen mit völlig unterschiedlichen Zielen, und doch verbindet sie mehr, als sie ahnen. Eine harmlos scheinende Intrige droht eine neue Spirale der Gewalt in der Schweiz zu starten und niemand ahnt auch nur, wie tief die Wurzeln des Verrats reichen ... Der vierte Band der Steampunk-Reihe Steamforged Empires führt die Geschichte zum ersten Mal in die von den Preußen besetzte Schweiz und bietet mit neuen Charakteren einen frischen Einstieg in die faszinierende Mischung aus viktorianischem Historienroman und Science-Fiction.

Seit seinem fünfzehnten Lebensjahr schreibt Martin Riesen gerne Geschichten. Mit "Außergewöhnliche Automatons" erschien 2014 sein erster Roman, der inzwischen drei Fortsetzungen erhalten hat. Martin Riesen lebt mit seiner Verlobten und zwei Katzen im Zürcher Oberland in der Schweiz. www.storycorner.ch

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3
Laute Tanzmusik schallte aus dem Saal des Restaurant Löwen, hallte von den Wänden der umliegenden Gebäude wider und verklang irgendwo in der Dämmerung. Laurenz lauschte der schnellen, nicht besonders exakt gespielten Melodie, während er der Seestraße zur Schifflände folgte. Die Anlegestelle war ein beliebter Treffpunkt für die jungen Männer des Dorfes, ganz besonders am Wochenende, wenn im Tanzsaal Betrieb herrschte. Hier war es möglich, ein paar Schritte vom Geschehen zurückzutreten, in Ruhe etwas zu trinken oder miteinander zu reden und doch in der Nähe zu bleiben, um sich jederzeit wieder auf die Tanzfläche zu stürzen. Zwar wurde es mit dem Ende des Sommers auch langsam immer kühler, aber noch war der Septemberwind eher erfrischend als wirklich bissig. Laurenz hatte lange darüber nachgedacht, ob er heute überhaupt ins Dorf gehen sollte. Er hatte diese Nacht noch etwas anderes vor, aber einfach nur zu Hause zu sitzen, war ihm dann doch zu langweilig gewesen. In der Sekunde, in der er Otmar auf einem Stein neben dem Schiffssteg sitzen sah, war er sicher, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Otmar war der älteste Sohn der Familie Bühler, eines von fünf Kindern, und gemeinsam mit seinem Vater für die hochmoderne Dampfmaschine in der Fabrik Wasserfels verantwortlich. Laurenz kannte den gedrungenen, jungen Mann schon seit der Schulzeit, er war einer seiner wenigen richtig guten Freunde. „Sieh an, du kommst ja doch noch“, gluckste er, während Laurenz näher kam. „Ich dachte schon, sie hätten dich in der Druckerei eingeschlossen.“ „Es haben eben nicht alle so geregelte Arbeitszeiten wie du“, murrte Laurenz. Jeweils mittwochs und freitags musste er beim Verkauf der Zeitung mithelfen, was dafür sorgte, dass er kaum vor Einbruch der Dunkelheit die Druckerei verlassen konnte. Otmar winkte ab, hob eine Flasche an die Lippen und nahm einen Schluck daraus. „Willst du tauschen?“ „Niemals!“, antwortete Laurenz lachend. Er wies auf die Flasche. „Was ist das?“ „Kesselspeisewasser“, antwortete Otmar und hielt sie ihm hin. Laurenz roch an der klaren Flüssigkeit. Sofort schossen ihm Tränen in die Augen. „Meine Güte, dein armer Kessel!“ Otmar lachte. „Nur das Beste für meine Dampfmaschine.“ Laurenz nippte vorsichtig daran. Der selbstgebrannte Schnaps war kräftig und scharf und zog eine Feuerspur von seinen Lippen bis in den Magen. „Bisschen übertrieben, nicht?“ „Weichei“, spottete Otmar und nahm ihm die Flasche ab. „Wo sind die anderen?“, fragte Laurenz und setzte sich ebenfalls. „Die kommen, hab sie vorher noch beim Löwen gesehen.“ „Na, hoffentlich bringen sie genug Schnaps mit.“ „Hättest auch selber eine Flasche mitbringen können“, rief Otmar empört aus. „Und wenn wir’s schon grad vom Mitbringen haben, hast du dein Schwesterlein zuhause vergessen?“ „Vergessen? Nein, eingesperrt, um sie vor Pfeifen wie dir zu schützen.“ Laurenz kicherte. Otmar fiel in sein Lachen ein. „Du kannst sie nicht ewig beschützen.“ „Du kennst sie, wenn jemand Schutz benötigt, dann du.“ Der Alkohol prickelte durch seinen Kopf und füllte ihn mit Unsinn. Otmar schien es nicht anders zu ergehen. „Aber mal im Ernst, kommt sie nicht mehr tanzen?“ Laurenz seufzte. Seine Schwester war gerade erst fünfzehn, vier Jahre jünger als er und Otmar, und ein Backfisch, wie er im Buche stand. Nur einmal war sie mit zum Tanz gekommen und dabei großzügig ignoriert worden. Sie war alles andere als hässlich, konnte jedoch eher linkisch sein und wusste noch nicht so recht, wie sie sich unter jungen Männern verhalten musste. „Gib ihr etwas Zeit, sie wird nicht ewig das Mauerblümchen bleiben. Du hast dir zudem auch nicht die Mühe gemacht, mir ihr zu tanzen, also tu jetzt nicht so.“ „Ich hatte anderes im Kopf“, murmelte er. „Du meinst wohl eher, du hattest die Augen woanders. In Emmis Ausschnitt zum Beispiel.“ Trotz des langsam schwächer werdenden Tageslichts war gut zu sehen, wie Otmar errötete. Die Tochter des Bahnhofsvorstehers war bekannt dafür, eher offenherzig zu sein. Ihrem Ruf hatte das allerdings nicht geholfen, ganz im Gegenteil. „Ich würde nie behaupten, dass deine Schwester nicht auch ihre Reize hat“, brummelte er. „Aha? Welche denn?“, fragte Laurenz provozierend. „He, sie ist deine Schwester!“ „Eben darum frage ich ja.“ Er kicherte. „Der einzige Reiz, den ich von ihr kenne, ist der, wenn sie mir auf die Nerven geht.“ Otmar grunzte ein Lachen und hielt ihm die Flasche hin. „Du kannst sie gerne bei mir abgeben.“ Laurenz zog eine Augenbraue nach oben, nahm ihm die Schnapsflasche ab und trank einen Schluck. „In deinen Träumen!“ Otmar grinste breit. „Und wie ist dein Traumleben so?“ „Ich träume mein Leben nicht“, prahlte Laurenz. „Aha? Wer ist die Glückliche?“ „Niemand“, sagte Laurenz schnell. „Weiß es die Knabenschaft schon?“ Laurenz winkte ab. „Sie werden es erfahren, wenn die Zeit reif ist.“ „Pass nur auf, dass du dir keinen Ärger einhandelst“, flüsterte Otmar. „Wieso flüsterst du?“, fragte Laurenz ebenso leise. „Ich weiß es nicht“, raunte Otmar und kicherte. „Geheimnisse!“, tuschelte Laurenz. Sie lachten, bis sie langsam näher kommende Schritte hörten. Laurenz sah auf. Mit einem unübersehbaren Grinsen auf den Lippen kam Theo auf sie zu, gefolgt von einem schmollenden Jakob und Willi, dem Druckergesellen. „Sieh an, der Herr Lehrling“, sagte Theo fröhlich. „Haben sie dich aus dem Keller gelassen?“ „Du mich auch“, antwortete Laurenz wenig schlagfertig. „Na komm, nicht sauer sein“, sagte Theo ruhig. „Es könnte schlimmer sein. Frag Köbi.“ „Warum, was war denn?“ „Jakob hat versucht, mit Anni anzubandeln, und dabei eine aufs Maul bekommen.“ „Anni? Du machst Witze, oder?“, fragte Laurenz entgeistert, während Otmar vor Lachen vom Stein kippte. Die einzige Tochter des Wirtes hatte unter den Jungen den Status des Heiligen Grals. Sie war ein äußerst hübsches Mädchen mit engelsgleichen, blonden Haaren und einer glockenhellen Stimme. Leider, zumindest für einen großen Teil ihrer Verehrer, war sie sich jedoch ihrer Schönheit bewusst und ließ sich nicht einfach umgarnen. Gerüchten zufolge war Theo der Einzige gewesen, der es je geschafft hatte, von ihr einen Kuss zu stehlen. Ob das wirklich stimmte, wusste Laurenz allerdings nicht. Der älteste Sohn des Weinbauern Zweidler prahlte gerne mit seinen Taten, von denen nachweislich nicht alle auch wirklich geschehen waren. „Als ob du dir nie ’nen Scheiß geleistet hättest“, grummelte Jakob, nachdem das Gelächter verklungen war. „Zumindest nicht in diesem Ausmaß.“ „Wo habt ihr Melchi gelassen?“, fragte Otmar. „Dein Bruder hat sich besoffen, auf die Treppe gekotzt und wurde nach Hause geschickt“, antwortete Theo verächtlich. „Oh scheiße! Hat ihn jemand begleitet?“ „Nö, er konnte noch laufen.“ Otmar fluchte. „Ihr hättet ihn nicht allein gehen lassen dürfen! Ihr wisst doch, wie er ist. Jetzt muss ich ihn suchen.“ Melchior war drei Jahre jünger als sein Bruder und kaum schlauer als ein durchschnittlicher Mühlstein. Er war ein liebenswerter Kerl, ebenso gedrungen wie Otmar, doch man konnte ihn nicht zu lange allein lassen. Theo hätte das eigentlich wissen müssen. „Brauchst du Hilfe?“, fragte Laurenz. „Geht schon, weit kann er ja nicht sein. Vielleicht komme ich nachher wieder, sofern mir mein Alter nicht die Hölle heiß macht.“ Er eilte davon und sehr zu Laurenz‘ Freude ließ er dabei die Schnapsflasche zurück. Sofort adoptierte er sie, bevor Theo sie noch für sich beanspruchte. „Und du hast dich von deinem Rausch an der Chilbi erholt?“, fragte Theo nach einer Weile. „Na komm, so schlimm besoffen war ich nicht!“, empörte sich Laurenz. „Nein? Mit wie vielen Mädchen hast du getanzt?“ „Deine Schwester inklusive?“, fragte Laurenz frech. Theos Körper straffte sich zum Angriff, seine Augen blitzten, doch dann lachte er. „Inklusive Martha.“ Laurenz dachte nach. „Drei?“ „Wie viele waren es, Köbi?“, fragte Theo grinsend. Jakob hielt eine Hand mit ausgespreizten Fingern hoch. „Fünf.“ „Echt jetzt?“, fragte Laurenz irritiert. Angestrengt versuchte er sich zu erinnern, doch außer einigen Fetzen einer sich schnell drehenden Tanzfläche blieb sein Gedächtnis leer. „Ich erinnere mich nur an Käthi, Martha und Hanna.“ „Du solltest wirklich weniger saufen“, warf...



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