Richter | Reisen ins Fremde | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 396 Seiten

Richter Reisen ins Fremde

Von Spitzbergen bis Kap Hoorn, vom Malecón zum Baikalsee
2. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7504-7859-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Von Spitzbergen bis Kap Hoorn, vom Malecón zum Baikalsee

E-Book, Deutsch, 396 Seiten

ISBN: 978-3-7504-7859-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



»Reisen ins Fremde« versammelt 53 Reisereportagen weltweit. Sie wurden zwischen 1963 und 2019 geschrieben, also in politischen Systemen mit unterschiedlichem journalistischen Selbstverständnis. Da gab es »virtuelle Reisen« - ein Notbehelf, da DDR-Journalisten nur selten den Westen besuchen konnten. Wenn doch, wurde eine parteiliche Sicht auf den ideologischen Gegner erwartet; zumindest das berühmte Haar in der Suppe. Erkundungen im eigenen Lager jedoch waren »Besuche bei Freunden«, dem die Reportagen zu entsprechen hatten. Solche Zwänge entfielen nach 1989 - oder doch nicht ganz. Denn mancher Reisebericht ist jetzt mehr freundliche Werbung denn objektive Wertung. Auch die Gesinnung des Reporters prägt nicht selten sein Bild des bereisten Landes, ob er will oder nicht. All das reflektieren Richters Reisereportagen; sie bedienen nicht nur die Neugier des Lesers über fremde Welten und Menschen, sondern sollen auch dessen eigene Urteilskraft schärfen. Richter studierte und promovierte an der Karl-Marx-Universität Leipzig, bildete dort selbst Journalisten aus. Er arbeitete für Tages- und Wochenzeitungen der DDR und der Bundesrepublik und betreibt seit 2006 den Blog »blogsgesang.de«.

Peter Richter, geboren 1940, studierte bis 1965 an der Karl-Marx-Universität Leipzig Journalistik und war danach als wissenschaftlicher Assistent in der Journalistenausbildung tätig. Er promovierte 1972 zum Dr. rer. pol. und arbeitete ab 1974 praktisch als Journalist für Tages- und Wochenzeitungen der DDR, aber auch außerhalb der Medien. Nach 1989 war er Redakteur der »Berliner Zeitung« und des »Neuen Deutschland«. Seit 2006 betreibt er den Blog »blogsgesang.de« zu Politik, Zeitgeschichte, Kultur und Welt-Anschauung.
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Die Uhren gehen weiter


Erster Mai – Kampf- und Feiertag der Arbeiterklasse. Dieses stolze Datum ruft Erinnerungen wach, an heroische Kämpfe, an herrliche Siege, auch an Niederlagen, aus denen letzten Endes aber ebenfalls Siege wurden. Am 1. Mai zum demonstrieren die Arbeitermassen ihre Stärke, die auf Einheit und Geschlossenheit beruht. Am 1. Mai offenbaren sie ihre gemeinsame, vorwärtsdrängende Kraft, die Egon Erwin Kisch vor einem guten Vierteljahrhundert mit einem gewaltigen Uhrwerk verglich. Dieses Uhrwerk ist nicht aufzuhalten. Es bewegt die der vielen, vielen Uhren in aller Welt immer weiter. Es verändert das Antlitz unserer Erde von Tag zu Tag ...

Zum Kommunismus

Der Rote Platz in Moskau wird sich heute wieder in einen »Ozean der Freude« verwandeln. Die Werktätigen der sowjetischen Hauptstadt feiern ihre Erfolge. Sie schreiten kräftig aus auf dem Weg zum Kommunismus, und ihre Leistungen können sich sehen lassen. Die Zahlen über die Planerfüllung im I. Quartal dieses Jahres, die kürzlich veröffentlicht wurden, beweisen es. Die Industrieproduktion erhöhte sich im Vergleich zum I. Quartal des Vorjahres um acht Prozent, woran die Chemieindustrie mit 15 Prozent, die Erzeugung von Elektroenergie mit 12 Prozent und der Maschinenbau mit 11 Prozent den größten Anteil haben. Als Lenin den GOELRO-Plan entwarf, konnte er noch nicht ahnen, dass in den ersten drei Monaten des Jahres 1964 sechzigmal soviel Strom wie in jedem Jahr seines Planes erzeugt werden würde. Und wer hätte gedacht, dass schon 120 Tage nach dem Chemieplenum die Produktion von Mineraldünger um 20 Prozent, von Schädlingsbekämpfungsmitteln um 50 Prozent und von synthetischen Harzen und Plasten um 26 Prozent gestiegen sein würde?

Vom Agrarland zum Industriestaat

Der Elan befreiter Menschen kennt keine Grenzen. Mit ihren Hochrufen auf die Partei geloben sie heute auch, noch mehr zu leisten, noch schneller vorwärtszuschreiten bis zum Sieg des Kommunismus.

Kisch sah am 1. Mai 1937 nur in einem Land den »Ozean der Freude«. Wir sehen ihn heute in den Städten und Dörfern eines Drittels der Erde. In Warschau und Hanoi, in Sofia und Havanna, in Berlin und Ulan-Bator - überall dort, wo das Volk seine Geschicke in die eigenen Hände genommen hat, ist der 1. Mai ein Freudentag, ein Fest. All diese Länder können stolz auf Errungenes zurückblicken.

Nehmen wir Bulgarien. Wie weit war die Uhr dieses Landes noch 1937 zurück? Aus dem rückständigen Agrarland ist ein Industriestaat geworden. Die bulgarischen Betriebe erzeugen jetzt in 18 Tagen so viel, wie damals in einem Jahr. Das Verhältnis Industrie-Landwirtschaft hat sich von 25:75 vor dem Krieg in 77:23 heute verwandelt. Besonders sprunghaft stieg die Stromerzeugung. Bulgarien produziert eben soviel Energie wie Griechenland und die Türkei zusammen. Die Werktätigen Bulgariens haben einen großen Schritt vorwärts getan, und sie wollen noch weiter kommen. Sie arbeiten an der Erfüllung eines Zwanzigjahrplanes, der das Land zu einem hochentwickelten Industriestaat mit einer spezialisierten und hochproduktiven Landwirtschaft machen soll.

Freunde helfen einander

Oder sehen wir uns Kuba an. Auch diese jahrelang nahezu kolonial unterdrückte Insel hat allen Grund zum Feiern. In den temperamentvollen Jubel um Fidel Castro und die anderen Repräsentanten der Einheitspartei der Kubanischen Sozialistischen Revolution wird sich das Bewusstsein über einen schnellen Vormarsch mischen. Die meisten Betriebe sind verstaatlicht und stabilisieren ihre Produktion. Der Anbau von Zuckerrohr steigt ständig und wird rentabler. Mit großer Begeisterung sind die Kubaner dabei, Schwierigkeiten und Fehler zu überwinden. Sie können das umso leichter, da sie um ihre klare Zukunft wissen und mächtige Freunde haben. Die Maidemonstration in Havanna wird daher auch im Zeichen des Dankes für die Sowjetunion und die anderen sozialistischen Staaten stehen.

Weitergegangen sind die Uhren auch in Plock. Diese fast tausend Jahre alte polnische Kleinstadt ist gewissermaßen die Inkarnation von Völkerfreundschaft und sozialistischer Zusammenarbeit. Plock ist das polnische Schwedt. Hier wird ein Erdölkombinat gebaut, das sowjetisches Öl verarbeitet. In diesem Jahr wird die erste Baustufe vollendet und die Erbauer des Kombinates sehen den heutigen Tag durchaus als einen Kampftag an, als einen Kampftag für die Erfüllung ihrer Planziele, damit das Öl der Freundschaft fließt.

Freiheit für die jungen Völker

Die Uhren Asiens, Afrikas und Lateinamerikas waren für Egon Erwin Kisch vor 27 Jahren noch nicht hörbar. Doch auch sie gingen schon damals, leise, aber unaufhaltsam. Heute ist die übergroße Mehrheit aller ehemals kolonialen Völker frei. Der Gang der Entwicklung wird von solchen Staaten wie Indien, der Vereinigten Arabischen Republik, Indonesien oder Ghana weitgehend mitbestimmt.

Auch in den Nationalstaaten erwacht das Volk mehr und mehr aus der Lethargie, in der es von den Kolonialmächten jahrzehntelang gehalten wurde. Auch in Asien. Afrika und Lateinamerika entsteht ein klassenbewusstes Proletariat, das den 1. Mai als seinen Feiertag ansieht. Dort, wo noch die Kolonialherren herrschen, wie in Mocambique oder Angola. zeigt das junge Proletariat seine Kraft in Streiks und anderen, zum Teil bewaffneten Massenaktionen. In den Ländern aber, die sich für den nichtkapitalistischen Weg entschieden haben, hilft es aktiv am Aufbau einer eigenen leistungsfähigen Wirtschaft mit.

Arbeiter und Bauern an der Spitze

Die Maidemonstration in Algier steht zweifellos noch ganz im Zeichen des kürzlich beendeten FLN-Kongresses. Er bezeichnete das enge Bündnis zwischen Arbeitern, Bauern und revolutionären Intellektuellen als lebenswichtig für das Land und nahm Kurs auf die endgültige Entmachtung des ausländischen Kapitals und seiner inländischen Helfer. Das Volk, für das die angebrochene neue Epoche trotz großer Schwierigkeiten schon in vielem spürbar ist, wird sich begeistert an die Lösung der künftigen Aufgaben machen. Dieses Versprechen gibt es heute der FLN-Partei und der revolutionären Regierung.

Und wie festlich werden die Maifeiern in Kairo oder am Assuan-Damm sein? Auch in der VAR vollzogen sich vor einigen Wochen tiefgreifende Veränderungen. Ein neues Parlament wurde gewählt, in dem die Arbeiter und Bauern die Mehrheit innehaben. Präsident Nasser hat seinem Volk neue große Aufgaben gestellt, und wenn er heute zu den Teilnehmern der Maikundgebung spricht, dann wird er es nicht versäumen, auf das bedeutsame Ereignis hinzuweisen, dem das Land entgegenfiebert: Noch in diesem Monat wird die erste Baustufe des Assuan-Dammes fertiggestellt. Der Sadd-el-Ali. dieses gewaltigste Bauwerk Afrikas, entstand mit sowjetischer Hilfe. Nikita Chruschtschow wird aus diesem Grunde an den Einweihungsfeierlichkeiten teilnehmen. Wen wundert es da, wenn die Ägypter schon· heute ihren tiefen Dank für die uneigennützige Hilfe ausdrücken. Ihnen ist klar, daß der Assuan-Damm ein unvergängliches Symbol sowjetischarabischer Freundschaft ist.

Die jungen Völker haben ihre Uhren neu gestellt. Auch sie gehen vorwärts, angetrieben durch eine unbezwingliche Kraft, die Kraft der vereinten Massen.

Kampf für Gerechtigkeit

Für den Arbeiter in den kapitalistischen Ländern ist der 1. Mai Kampftag um soziale Gerechtigkeit geblieben. Die rapide Zunahme der Streikbewegungen in den letzten Jahren beweist das. So streikten beispielsweise· in Großbritannien 1962 4 412 000 Arbeiter gegenüber 779 000 im Jahre zuvor. Fielen in Westdeutschland 1961 64 000 Arbeitstage durch Streiks aus, so waren es 1962 schon 450 000 Arbeitstage. Die Streikaktionen in den Ländern des Kapitalismus erhalten ebenso wie die Demonstrationen zum 1. Mai immer stärkere politische Akzente. Besonders in Frankreich wurde das deutlich, wo man den Kampf um höhere Löhne mit dem Protest gegen das Regime der persönlichen Macht de Gaulles verband.

Arm und reich

Wie notwendig der Kampf um ein menschenwürdiges Dasein im Einflussbereich des Imperialismus noch ist, zeigt vor allem die Lage in den Vereinigten Staaten. Die Hauptforderung, die hier die Arbeiter, ob Schwarze oder Weiße, in ihren kraftvollen Maiaufmärschen erheben, ist die nach Arbeitsplätzen.

35 Millionen Amerikaner leben in Armut; fast fünf Millionen sind arbeitslos. Was bedeutet das? Die Zeitschrift »Newsweek« enthüllte es: »Genau um 11 Uhr an jedem Vormittag schleppen sich 1500 in Lumpen gehüllte Menschen, darunter Frauen, die schmutzig gekleidete Kinder festhalten, zur Kantine von St. Anthony in San Francisco, um kostenlos eine warme Mahlzeit zu bekommen, gewöhnlich ihre einzige am Tag.« Und der Hamburger »Spiegel« sieht die USA »als ein Land, ... das seit dem zweiten Weltkrieg 55 Nobelpreise einheimste, aber auch, einem UNO-Report zufolge, elf Millionen ,funktionelle Analphabeten' hat, die nicht einmal die Gebrauchsanweisungen auf den Lebensmittelpaketen lesen können, die sie vom Staat erhalten, in dem jeder...



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