E-Book, Deutsch, 180 Seiten
Richter A Star's Hope
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-96204-279-0
Verlag: Written Dreams Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: PC/MAC/eReader/Tablet/DL/kein Kopierschutz
E-Book, Deutsch, 180 Seiten
ISBN: 978-3-96204-279-0
Verlag: Written Dreams Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: PC/MAC/eReader/Tablet/DL/kein Kopierschutz
Sean Beaufort hatte wortwörtlich alles: eine ihn liebende Frau, eine zauberhafte Tochter und eine beispiellose Schauspielkarriere. Einen grausamen Schicksalsschlag und drei Jahre später ist bis auf seine Laufbahn als Filmstar nichts mehr davon übrig. Verbissen konzentriert sich Sean ausschließlich auf seinen beruflichen Werdegang, ignoriert den tragischen Verlust seines Kindes und das Zerbrechen seiner Ehe. Doch als der Hollywood-Star im Rahmen einer Promotiontour in Denver auf seine Noch-Ehefrau Skye trifft, werden die Karten neu gemischt. Wie auch er hat die junge Frau die Tragödie nie verarbeitet. Während ihrer Begegnung schöpft Skye Hoffnung, dass Sean und sie vielleicht doch noch eine zweite Chance haben. Sie kehrt zurück nach Los Angeles, fest entschlossen, ein letztes Mal den Kampf um ihre Ehe aufzunehmen. Können zwei Menschen mit einer solchen Vergangenheit noch einmal neu anfangen? Oder sind sie von vornherein zum Scheitern verurteilt?
Isabelle Richter war bereits als Kind eine außerordentliche Leseratte und hegte den Traum, eines Tages selbst Autorin zu werden. Gewagt hat sie diesen Schritt jedoch erst vor wenigen Jahren. Seitdem ist das Schreiben ein Teil von ihr und aus ihrem Leben nicht mehr wegzudenken. Sie liebt es, leidenschaftliche Liebesgeschichten entstehen zu lassen. Zum Schreiben benötigt sie lediglich Musik und Vanille-Duftkerzen (Freunde würden behaupten, sie sei süchtig nach beidem)
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Kapitel 3
Skye Leise seufzend lehnte ich den Kopf gegen die Fensterscheibe und folgte mit meinen Fingerspitzen den Tropfen, die an der Außenseite hinunter liefen. Auch heute regnete es bereits seit Stunden wie aus Kübeln und Denver war quasi unter einer Wolkenschicht verschwunden. Sean gestern wiederzusehen hatte all die alten vernarbten Wunden aufgerissen, die ich während der letzten Atemzüge unserer Ehe davongetragen hatte. Bis zum Schluss hatte ich darauf gehofft, dass wir wieder zueinanderfinden würden. Dass er uns noch eine Chance geben würde. Doch er hatte seinen Weg gewählt und irgendwann musste ich eine Entscheidung treffen, um nicht selbst zu ertrinken. Ihn zu verlassen war die einzige Möglichkeit gewesen, emotional nicht zugrunde zu gehen. Darüber, wie ich gegangen war, konnte man streiten, aber Sean hatte mir keine Wahl gelassen. Ich wusste, dass er mich dafür verurteilen würde, das nahm ich jedoch in Kauf. Auf eine gewisse Art und Weise hatte ich damals sogar gehofft, dass ihn das treffen würde. In den Monaten nach dem Tod unserer Tochter hatte er mich quasi nonstop nach allen Regeln der Kunst fertiggemacht und immer wieder nachgetreten, obwohl ich schon am Boden lag. Meinen Selbsterhaltungstrieb hatte ich seinerzeit viel zu lang ignoriert und war letztlich fast an Seans Hass und Wut auf mich zerbrochen. Das Pfeifen des Wasserkessels riss mich aus meinen Gedanken und ich stürmte in die Küche, bevor die alte Ms. Monahan von nebenan wieder mit ihrer Krücke gegen die Wand klopfen konnte. Diese Giftspritze war unerträglich und jeder noch so kleine Grund reichte ihr, um sich über mich bei der Hausverwaltung zu beklagen. Vorsichtig goss ich etwas Wasser in die Tasse und hängte den Teebeutel hinein. Ich begab mich zurück ins Wohnzimmer und setzte mich erneut auf die breite Fensterbank, um in den grauen Himmel zu starren und über unsere turbulente Ehe nachzudenken. Den letzten Sturm hatten wir nicht überstanden. Nicht überstehen können. Unser Baby hatte die Basis unserer Liebe mit sich genommen. Ohne sie waren wir nicht mehr zu retten gewesen, zum Scheitern verurteilt, aber insbesondere ich hatte das zunächst nicht einsehen wollen. Sean war rückblickend betrachtet weitsichtiger gewesen. Er hatte das Ende akzeptiert. Lange vor mir. Ich hatte angenommen, die vergangenen zwei Jahre hätten mir geholfen, damit klar zu kommen und zu verkraften, was ich verloren hatte. Doch ihn anzuschauen, in seiner Nähe zu sein, wenn auch nur für wenige Augenblicke, hatte mich an die Startlinie zurück katapultiert. Ich war so ein Dummkopf gewesen. Hatte ich wirklich geglaubt, ich hätte abgeschlossen mit unserer Ehe, meiner Liebe zu ihm? Sean war die Liebe meines Lebens und würde es auch bleiben, egal, wie viele Meilen uns trennten, gleichgültig, was auch immer zwischen uns stand. Ich liebte ihn. Würde ihn immer lieben. Wieder verspürte ich die gleiche Sehnsucht, die mich schon gestern Abend mehrfach eiskalt erwischt hatte. Ich seufzte, schüttelte die Erinnerungen an unsere Anfänge ab und holte mir meinen mittlerweile fertigen Tee aus der Küche. Seit Tagen überlegte ich, ob ich Jace anrufen und ihn nach Seans Zustand fragen sollte. Unser letztes Telefonat war eine Weile her. Ich kontaktierte seinen besten Freund von Zeit zu Zeit, um zu hören, wie es Sean ging. Es klopfte leise an meiner Wohnungstür und einen Moment später hörte ich die Stimme meiner Freundin Sidney. »Ich weiß genau, dass du da bist, Skye, also mach auf!« »Es ist offen«, rief ich. Sidney war mir in den Monaten, die ich nun schon in Denver war, eine Freundin geworden. Sie wohnte auf derselben Etage wie ich, war alleinerziehend und hatte eine kleine Tochter, die sich im gleichen Alter befand, wie es unser Baby jetzt gewesen wäre, wenn sie uns nicht genommen worden wäre. Ich passte ab und an auf Alice auf, wenn Sidney ausgehen wollte. Mich um sie zu kümmern, half mir und lenkte mich von meinem Verlust ab. »Ich nehme mal an, du hast noch keinen Blick in deinen Social-Media-Account oder in eine Zeitung geworfen, hm?« Besorgt sah sie mich an und setzte sich mir gegenüber auf die Fensterbank. »Ähm … nein, wieso sollte ich?«, hakte ich alarmiert nach, obwohl ich schon ahnte, in welche Richtung sie mit ihrer Frage wollte. Sidney war die Einzige, die in groben Zügen Bescheid wusste, was meine Vergangenheit anging. »Ihr seid überall das Thema Nummer eins. Die Presse überschlägt sich förmlich in der Berichterstattung über eine mögliche Reunion von Hollywoods Traumpaar«, setzte sie mich ins Bild und ich erstarrte. Die Boulevardpresse war etwas, das ich aus meinem alten Leben absolut nicht vermisste. Dass sie mich gleich nach meiner ersten, kurzen Begegnung mit Sean einholte, war bezeichnend. »O Gott«, stammelte ich, nahm das Handy von der Fensterbank und öffnete meinen Social-Media-Account, um mich zu informieren, wie schlimm es war. Irgendjemand hatte im Restaurant Fotos von Sean und mir geschossen, ohne dass wir es überhaupt gemerkt hatten. Sidney betrachtete mich mit einem mitfühlenden Ausdruck in ihren blauen Augen. »Wie war es, ihn nach all der Zeit wiederzusehen? Das hat bestimmt einiges wieder aufgewühlt, oder? Ihr habt sehr vertraut gewirkt.« Sie strich sich eine Strähne ihres blonden, kinnlangen Haars hinter die Ohren. »Er hat sich bei mir entschuldigt«, erwiderte ich, ohne auf ihre Fragen oder ihre Bemerkung einzugehen. »Hat er das? Wow.« Sidneys Gesichtsausdruck spiegelte pure Überraschung wider. Mir ging es ähnlich wie ihr, so recht wusste ich nicht, was ich angesichts von Seans Entschuldigung fühlen und wie ich sie einordnen sollte. Ich hatte so lange darauf gewartet, diese Worte zu hören, doch nun fiel es mir schwer, damit umzugehen. »Wir haben uns beide damals nicht mit Ruhm bekleckert und Dinge gesagt oder getan, die wir im Nachhinein bereuen. Dass ich ohne eine Erklärung gegangen bin und mich nie wieder bei ihm gemeldet habe, war auch nicht unbedingt die feine Art.« Meine Nachbarin hob eine Augenbraue. »Korrigiere mich, aber bislang hast lediglich du deine Handlungen kritisch und reflektiert betrachtet. Sean hat das meines Wissens nach nie gemacht, sondern immer bloß um sich geschlagen und dich als seinen verbalen Punchingball missbraucht. Er hat dich nicht körperlich misshandelt, aber auf psychischer Ebene war er nicht weniger grausam als ein Mann, der seine Frau verprügelt, Skye.« »Ich weiß … ich wollte ihn damit auch nicht in Schutz nehmen, das habe ich damals viel zu lang getan in der Hoffnung, dass er irgendwann aufwacht. Alles, worauf ich hinauswollte, ist, dass er durchaus reflektiert auf mich gewirkt hat. Was ich gesehen habe, war aufrichtige Reue.« »Was willst du nun unternehmen? Vielleicht solltest du das als Zeichen des Schicksals betrachten und endlich einen finalen Schlussstrich ziehen?«, fragte sie dennoch. Wir hatten mehr als ein langes Gespräch darüber geführt, ob ich die Scheidung einreichen sollte oder nicht. Im Grunde genommen wäre es in Anbetracht der Umstände das Vernünftigste. Mein Magen zog sich allerdings zusammen bei der Vorstellung, die nötigen und so endgültig wirkenden Schritte in die Wege zu leiten. Auch wenn mein Verstand mir unermüdlich sagte, dass es vorbei war, mein Herz klammerte sich an den Wunsch, vielleicht doch noch eine Chance mit Sean zu haben. Der Mann, den ich gestern wiedergesehen hatte, war nicht mehr von Wut und Hass zerfressen gewesen. Er hatte etwas in mir geweckt, von dem ich geglaubt hatte, es im Zusammenhang mit ihm nie wieder empfinden zu können. »Skye … Süße …«, murmelte Sidney, die mir meine Gedanken an der Nasenspitze abzulesen schien. Sie zog mich an sich und wischte mir mit einer Hand über das Gesicht. Verwundert schaute ich auf ihre nassen Fingerspitzen. Wann hatte ich angefangen zu weinen? Ich atmete mehrmals tief durch, ehe ich meiner Nachbarin und Freundin von den Einzelheiten unserer gestrigen Begegnung erzählte. »Er war nie einfach, doch gerade das habe ich an ihm geliebt. Seine Ecken und Kanten. Er war mein bester Freund, Geliebter, Ehemann, und …« Meine Stimme brach und ich schluchzte auf. »Was soll ich bloß tun?« Sidney gab mir ein paar Augenblicke, bis ich mich halbwegs beruhigt hatte, ehe sie antwortete. »Du musst dich entscheiden. Entweder machst du einen klaren Schnitt, hörst auf, in deiner Vergangenheit zu leben, reichst die Scheidung ein und siehst endlich nach vorne, oder du nimmst den Kampf um eure Ehe auf. Was das heißt, muss ich dir nicht sagen. So, wie du mir die letzten Monate vor eurer Trennung geschildert hast, möchte ich dir dazu raten, es zu beenden, die positive Begegnung gestern hin oder her. Behalte ihn einfach so in Erinnerung. Nicht als das Monster, zu dem er für kurze Zeit geworden ist.« »Aber …«, wandte ich ein, wurde jedoch sogleich von Sidney unterbrochen. »Schon gut. Du solltest deinen Chef informieren, dass er sich nach einem neuen Koch umsehen muss.« Sie lächelte schief, bevor sie fortfuhr. »Du wirst mir fehlen, doch du solltest nach Hause gehen.« »Was ist, wenn ich nicht weiß, wo mein Zuhause ist?« Sean war meine Heimat gewesen, bis unsere Welt auseinandergebrochen war, danach hatte ich mich nirgendwo wieder sicher und geborgen gefühlt. »Ich denke, dein Herz«, sie tippte auf meine Brust, »sagt dir bereits die Antwort.« Hatte Sidney Recht? Tat es das? Die, die ich liebte, waren in Los Angeles. Meine Eltern, mein kleiner Bruder und mein Großvater, die ich seit beinahe zwei Jahren ebenfalls nicht...




