E-Book, Deutsch, Band 1, 592 Seiten
Reihe: Schachbrett des Todes
Richardson Schachbrett des Todes
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-7460-2235-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 1, 592 Seiten
Reihe: Schachbrett des Todes
ISBN: 978-3-7460-2235-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Marc Richardson startet mit dem vorliegenden Debütroman eine dreibändige Thrillerreihe, die den Leser spannungs- und actionreich durch verschiedene Länder Europas und des angrenzenden Mittelmeerraums begleitet. Der Autor verarbeitet in diesem Buch eigene Erlebnisse, die er auf seinen zahlreichen Reisen gemacht hat.
Autoren/Hrsg.
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Prolog
Aus dem CD-Spieler des Autoradios drang amerikanische Rockmusik als sie sich auf der irakischen Schnellstraße 1 mit ihrer Wagenkolonne, die aus zwei bulligen Cherokee SUVs, einer gepanzerten Mercedes Limousine und einem Humvee bestand, mit hoher Geschwindigkeit der Stadt Samarra näherten. Angesichts der Tagestemperaturen, die im Juni auf über 40 Grad ansteigen konnten, hatte sich ihr Teamleiter Stephan Malorny dazu entschieden, den gesicherten Transport in die Nachtstunden zu verlegen, da für ihn zu dieser Tageszeit die Belastung für Mensch und Material am erträglichsten schien. Obwohl die Klimaanlage im Maximalanschlag lief, war es im Jeep unerträglich stickig. Wie eine zweite Haut klebte der dicke Stoff seines Kampfanzuges an seinem Körper. Weshalb spendete die Klimaanlage nicht die ersehnte Kühle? Durch die abgedunkelte Seitenscheibe starrte er in die pechschwarze Nacht. Er verfluchte sich dafür, dass er bei Antritt der Fahrt nicht wie seine Kameraden die unbequeme Splitterschutzweste abgelegt hatte. Vor etwa einer Stunde waren sie in Bagdad gestartet. Die letzte Stunde war eine wahre Tortur. Immer wenn der polnische Fahrer auf der schlecht gewarteten Schnellstraße in Richtung Norden ein Schlagloch traf, wurden die Schwingungen des Aufpralls unvermittelt auf die Körper der Insassen übertragen. Er selbst litt besonders darunter, da bei ihm, durch die unregelmäßigen Aufschläge, der seit dem Morgen anhaltende Kopfschmerz noch verstärkt wurde. Er wischte sich mit der Hand den Schweiß von der Stirn und blickte in der Dunkelheit auf das oszillierende Zifferblatt seiner Armbanduhr. Es war fast ein Uhr morgens. Er atmete in der schwül-warmen Wagenkabine tief durch und schloss für einen Moment die Augen. Seit er seit etwa einem Jahr für die Sicherheitsfirma Amhearst Security arbeitete, empfand er diese Fahrt als den am schlechtesten koordinierten Auftrag, den er mit seinen Kollegen ausführte. Er blickte sich im Fahrzeuginneren um. Während der Fahrer sich konzentriert darum bemühte den Abstand zum Leitfahrzeug der Kolonne nicht zu groß werden zu lassen, war der Beifahrer und der neben ihm auf der Rückbank sitzende Engländer weggedöst. Er fragte sich in diesem Moment, was wohl geschehen würde, wenn sie jetzt in einen Hinterhalt geraten würden. Wie schnell hätten sie ihre Schnellfeuerwaffen wohl am Anschlag? Wären sie überhaupt noch in der Lage zu reagieren, wenn die Geschosse den Metallmantel des ungepanzerten SUV durchschlugen? Warum waren sie bloß auf diese SUVs ausgewichen und hatten nicht auf die Rückkehr der gepanzerten Transporter gewartet, in denen sie wesentlich besser gegen Angriffe geschützt wären? Resigniert verwarf er den Gedanken, drehte sich nach hinten um und blinzelte durch die vom Fahrtwind versandete Heckscheibe. Im Fahrtwind zeichneten sich die Pirouetten des vom Fahrtwind aufgewirbelten Sandes ab. Durch die Sandschlieren des Fensterglases zeichneten sich die Umrisse der gepanzerten Mercedes-Limousine ab, die den beiden Grand Cherokee Jeeps folgte. Mit diesem Wagen sollte also in weniger als einer Stunde ein hochrangiges Mitglied der irakischen Regierung beim Militärkommando in Samarra abgesetzt werden, ging es ihm durch den Kopf. Verschwommen durch den aufwirbelnden Fahrtsand nahm er, im engen Abstand der Limousine folgend, den massigen Humvee der irakischen Spezialkräfte wahr, der das Schlusslicht der Kolonne bildete. Er drehte sich langsam wieder in seinem Sitz zurück. Mit der Hand am Abzug seiner MP5 lehnte er sich im Sitzpolster zurück und streckt gerade seinen Körper durch als der Jeep plötzlich in ein größeres Schlagloch krachte. Genervt wollte er dem polnischen Fahrer noch etwas zurufen, als vor seinen Augen fast zeitgleich mit einer gewaltigen Detonation eine grelle orangefarbene Wolke im pechschwarzen Nachthimmel aufflammte und den Jeep augenblicklich wie ein Spielzeugauto anhob und seitlich nach hinten warf. Im Zeitlupentempo wiederholte sich das Gefühl der Drehung um die eigene Achse, bei der das durch die Detonation geborstene Fensterglas in kleinen Glasstücken im Wageninnern herumwirbelte. Aus einer unnatürlichen Distanz nahm er die Schreie der anderen Insassen wahr, spürte den Körper des Beifahrers gegen seinen prallen, registrierte, wie der fremde Körper im nächsten Moment wie von Geisterhand wieder von ihm weggezogen und im Innern der engen Fahrzeugkabine mit knackenden Aufschlaggeräuschen zwischen den Sitzen hin- und her geschleudert wurde, während er selbst im festen Griff seines Sitzgurtes ein Gefangener dieses bizarren Schauspiels war. Sekunden später folgte eine weitere Detonation. Grelle Blitze zuckten um ihn herum auf, Schüsse ratterten im Hintergrund und ein Metallgegenstand prallte gegen seine Stirn, dann folgte unvermittelt der harte Aufschlag des Wagens. Er spürte noch, wie sein Kopf gegen den Fensterholm prallte, dann wurde es schwarz vor seinen Augen.
Als er allmählich das Bewusstsein wiedererlangte, nahm er durch seine geschwollene Nase zunächst nur den Geruch von verbranntem Metall, brennendem Benzin und Blut wahr. Er wollte seine Augen öffnen, doch die Augenlider schienen ihm wie zugeklebt. Er versuchte seine Glieder zu bewegen, doch das war nur bedingt möglich, denn eine auf seinem Körper liegende Masse nahm ihm fast den Atem. Vorsichtig ertastete er mit den Händen sein unmittelbares Umfeld ab. Er fühlte menschliche Haut, Stoff und Haare. Offenbar waren die anderen Männer nicht angeschnallt gewesen, denn der Körper eines anderen Insassen lag seitlich ausgestreckt auf ihm. Er vermutete, dass es sich um den neben ihm sitzenden Engländer handeln musste. Aber war da nicht auch noch ein Bein mit einem Springerstiefel, das quer über seinem Gesicht lag? Als er seine Lider allmählich öffnete, nahm er durch einen Nebelschleier wahr, dass der Jeeps auf der rechten Seite lag. Er versuchte in seiner misslichen Position, in diesem völlig deformierten Metallkäfig, der wenige Minuten zuvor noch ein massiger Chrysler Jeep war, tief und gleichmäßig durchzuatmen, doch dies war angesichts des auf ihn liegenden Beifahrers und der starken Schmerzen in seinem Brustkorb kaum möglich. Über sein Gesicht rutschte zu allem Überfluss plötzlich von vorn auch noch der Oberkörper des Fahrers, der bewusstlos oder tot sein musste. So gut es ging drehte er sein Gesicht zum zersplitterten Fenster hin und versuchte gleichmäßig zu atmen. In seinem Mund hatte sich Blut angesammelt, das er angewidert herunterschluckte. Seine Unterlippe schmerzte und fühlte sich geschwollen an als er sich mit seiner Zunge vorsichtig über die Lippe fuhr. Sein Kopf dröhnte und in seinen Ohren vernahm er leise Klingelgeräusche. Umgebungsgeräusche nahm er nur im Unterbewusstsein wahr. Das Atmen fiel ihm inzwischen schwerer, da er sich angesichts des gestrafften Sitzgurtes und die auf ihm liegenden Körper kaum bewegen konnte. Allmählich lösten sich die panischen Angstgefühle auf und er begann wieder klar zu denken. Jetzt spürte er den Schmerz in seiner rechten Schulter. Er versuchte den rechten Arm zu bewegen, doch es misslang. Vor seinen Augen sah er kleine silberne Kreise und drohte wieder das Bewusstsein zu verlieren. Wachbleiben! Du musst raus hier! Die aufkommende Panik ignorierend, ermahnte er sich selbst. Durch vorsichtige Bewegungen hatte er nach einigen Minuten seinen linken Arm unter der Last des auf ihm liegenden Körpers befreit. Erschöpft verharrte er in der misslichen Lage und versuchte neue Kraft zu schöpfen. Er versuchte sich auf seine Umgebung zu konzentrieren. In seinem linken Ohr nahm er außer einem schrillen Klingeln nichts weiter wahr. Er drückte den Kopf seitlich nach oben. Über sein freiliegendes rechtes Ohr konnte er zu seiner Überraschung laute Rufe in einer Sprache hören, die er nicht zuordnen konnte. Waren das die Stimmen der irakischen Soldaten, die sie begleiteten? Panik erfasste ihn, da er in seiner Bewegungsunfähigkeit völlig paralysiert war. Noch nie fühlte er sich so ausgeliefert wie in diesem Moment. Plötzlich vernahm er dumpfe Aufschläge. Waren das etwa Schüsse aus automatischen Waffen? Dann wurden die Stimmen lauter. Jemand schien über ihn auf die Karosserie des Jeeps gesprungen zu sein. Er atmete tief ein und wollte gerade etwas herausbrüllen als er ein lautes Krachen von Gewehrschüssen vernahm und Einschläge spürte, die von den auf ihn liegenden Körpern klatschend aufgefangen wurden. War er in der Hölle angekommen? Er unterdrückte einen Aufschrei, schloss die Augen und erwartet demütig auf den Tod, doch nach einigen weiteren Salven trat plötzlich Ruhe ein. In seinem Kopf summte es unablässig. Als er wieder zaghafte zu atmen begann, spürte er, dass er noch lebte. Der Geschosslärm hatte sein Gehör nahezu betäubt und selbst den vor einigen Augenblicken noch stark empfundenen Schmerz in der rechten Schulter spürte er nicht mehr. Stattdessen registrierte er eine zunehmende Feuchte an seiner Seite und Nässe, die seinen Körper im von der Schutzweste nicht abgeschirmten seitlichen Teil des Oberkörpers ergriff. Was mochte das sein? Der Geruch von Blut, der plötzlich an seine Nase drang, beantwortet die Frage von selbst....




