E-Book, Deutsch, 194 Seiten
Richards HALLOWEEN - DIE NACHT DES GRAUENS
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-7438-3825-3
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, 194 Seiten
ISBN: 978-3-7438-3825-3
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
In der Halloweennacht 1963 tötet der sechsjährige Michael Myers seine 17jährige Schwester Judith in ihrem Haus in Haddonfield in Illinois mit einem Küchenmesser, woraufhin er ins Smith's-Grove-Sanatorium eingeliefert wird. Im Alter von 21 Jahren entkommt Myers am Vortag zu Halloween aus dem Sanatorium und kehrt nach Haddonfield zurück, wohin er von Dr. Loomis, seinem behandelnden Psychiater, verfolgt wird. Loomis ist überzeugt davon, dass Michael Myers die Verkörperung des Bösen ist - und dass er nach Haddonfield zurückgekehrt ist, um das Entsetzliche zu vollenden, was er fünfzehn Jahre zuvor begonnen hat... John Carpenters Halloween - Die Nacht des Grauens (1978) gilt als der Archetyp des sogenannten Slasherfilms der 1980er und 1990er Jahre, was ihn zu einem definitiven Klassiker des Genres macht. Die Roman-Fassung von Curtis Richards fängt die Atmosphäre der filmischen Vorlage nahezu perfekt ein - ein Horror-Thriller der Extra-Klasse und Band 6 der Reihe APEX HORROR!
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HALLOWEEN – DIE NACHT DES GRAUENS
Prolog: Samhain
Am Vorabend von Samhain nahm der Schrecken in einem nebligen Tal in Nordirland seinen Anfang - in der Morgendämmerung der keltischen Rasse. Nachdem er einmal losgelassen war, durchstreifte er für immer und ruhelos die Erde und schlug plötzlich, schnell und mit unglaublicher Brutalität zu. Sobald sein Blutdurst gestillt war, verschwand er für ein Jahr, eine Dekade oder vielleicht eine ganze Generation wieder im Nebel der Zeiten. Er schlief jedoch nur und starb nicht, denn er konnte nicht getötet werden. Dann, am Vorabend von Samhain, rührte er sich erneut, und wenn sein Blutdurst stark genug war, erhob er sich und erfüllte jenen Fluch, der in dunkler Vergangenheit ausgesprochen worden war. Die Menschen verriegelten an Samhain ihre Türen. Viel nützte ihnen das nicht, denn dieses Wesen lachte über Schlösser und Riegel, und außerdem gab es immer die Unvorsichtigen. Immer waren sie da, die Unvorsichtigen. Samhain. Das Druidenfest der Toten. Der Sommer war vorbei, und auch jener Ausbruch frühherbstlicher Wärme, den wir jetzt Altweibersommer nennen, war vorüber. Alles Grün war aus dem Land verschwunden, die Ernte war eingebracht, und wie ein Engel des Todes hatte sich die Winterkälte herabgesenkt. Die Menschen befürchteten, dass die Sonne nie wieder das Land erwärmen würde, und feierten ihr Fest, um ihre Gottheit Muck Olla zu besänftigen. Auf den Hügeln, in den Höhlen und den Lehmhütten wurden große Feuer angezündet, und die Geister der Toten wurden von ihren Verwandten eingeladen, sich mit ihnen daran zu wärmen und noch einmal fröhlich zu sein, bevor schließlich der Schnee die Erde bedeckte. Die Druidenpriester sagten voraus, wer im nächsten Jahr leben und wer sterben würde, wer heiraten würde, Kinder gebären, reich werden und gesund bleiben würde. Und sie versuchten, mit Opfern und anderen Riten die Hexen und bösen Geister in Schach zu halten, die in jenen Tagen ihr Unwesen trieben, Kinder stahlen, die Ernte zerstörten, die Tiere der Bauern töteten... und manchmal noch Übleres. Deirdre war die dritte und jüngste Tochter des Druidenkönigs Gwynwill: Ihr Haar war sandbraun, und manchmal leuchtete es wie Bernstein, ihre Augen waren grün wie das Meer, und ihre Haut glich Milch und wilden Rosen. Sie war jetzt schon größer als ihre Schwestern, und ihre frühe Entwicklung hatte in der Stammesgemeinschaft viel Unruhe ausgelöst. Die anderen Jungfrauen tuschelten neidisch; die verheirateten Frauen äußerten ihre Missbilligung und rieten ihrer Mutter, sie zu verheiraten, bevor das Mädchen seinem aufkeimenden Drängen nachgab; die jungen Krieger beobachteten sie bereits voller Verlangen, und die älteren Krieger dachten verbotene Gedanken und grübelten über verblasste Erinnerungen. Sein Name war Enda. Er war fünfzehn Jahre alt, und er liebte Deirdre mit verborgener Leidenschaft, die ihn quälte und ihn im Schlaf aufschreien ließ. Als das Gerücht umging, dass Deirdres Vater, der König, erwog, ihre Hand zur Ehe anzubieten, wandte sich Enda an seine Verwandten und fragte sie, ob sie dachten, dass ein Antrag von ihm mit Wohlwollen aufgenommen werden würde. Er hatte zwar schon vermutet, wie die Antwort aussehen würde, aber seine Sehnsucht war stärker als seine Schüchternheit. »Wie? Deirdre dich heiraten?«, lachte sein Vater, »Mit deinem verkümmerten Arm und deinem zuckenden Maul?« Enda hatte sich nämlich mit dem falschen Ende zuerst der Welt präsentiert, als seine Mutter ihn gebar, und die Hebammen hatten bei seiner Geburt nur einen schlechten Dienst geleistet. »Da würde sie noch eher meinen Ziegenbock heiraten!«, johlte sein Onkel. »Oder Bulech!«, mischte sich sein Bruder ein und deutete auf den räudigen Köter, der in einer Ecke der Hütte an einem fettigen Knochen nagte. »Außerdem«, sagte sein Vater, »ist sie so gut wie verlobt mit Cullain, soweit ich weiß« »Also, das ist in der Tat ein Junge, der ein so hübsches Mädchen verdient!«, platzte sein Onkel heraus und hob seinen Weinschlauch an seine dicken Lippen. Sie unterhielten sich weiter über Deirdres Reize, während sich Enda niedergeschlagen aus der Hütte in die kalte Nacht hinausschlich. Der Junge litt die Qualen, wie sie nur Heranwachsende kennen. Schließlich reifte in ihm ein Plan: Sollte es ihm irgendwie gelingen, direkt mit Deirdre zu sprechen, könnte er sie vielleicht davon überzeugen, dass er zwar in seiner äußeren Erscheinung nicht vom Glück begünstigt war, sonst aber in jeder Beziehung als ein würdiger Bewerber um ihre Gunst zu betrachten wäre. Das war jedoch leichter gesagt als getan, weil die Jungfrauen von ihren Müttern und ihren kampfeslustigen Brüdern genau beobachtet wurden. Eines Tages aber nutzte Enda die Gelegenheit, als Deirdre von dem Bach am Fuß des Hügels Wasser holen ging. Heimlich folgte er ihr, hastete von Baum zu Baum, bis er sie an dem Bach vor sich sah. Sie stand über das Wasser gebeugt, sang leise vor sich hin und füllte dabei ihre Tongefäße mit Wasser. »Deirdre?«, rief er schüchtern. Sie drehte sich um, schnappte nach Luft und starrte ihn mit angstvoll aufgerissenen Augen an. »Du! Was willst du?« Ihr Körper spannte sich an, und sie schien zu hastiger Flucht bereit. »Ich... ich möchte...« Die Panik in ihrem Gesicht erschreckte ihn. Er hatte wohl erwartet, dass er sie überraschen würde, aber er hatte es sich nicht vorgestellt, dass sie ihn mit solchem Abscheu begrüßen würde. Er trat einen Schritt vor und streckte beschwichtigend eine Hand aus, aber sie missverstand seine Geste und sprang zurück. Sie stolperte und wäre fast in das Wasser gefallen, und Enda ging hastig auf sie zu, um ihr zu helfen. »Nein!«, schrie sie auf. »Geh' mir aus den Augen, du Ungeheuer!« Sie kam wieder auf die Füße, rannte weg und rief dabei laut: »Hilfe! Hilfe! Er will mir Gewalt antun!« Endas Körper war bei seiner Geburt verkrüppelt worden, aber bis zu diesem Augenblick war seine Seele nicht verkrüppelt gewesen... Und nun war Samhain gekommen. Enda stand unvorstellbar erniedrigt am Rand des Platzes und sah den Feiernden zu, die singend um das Feuer tanzten. In seiner rechten Hand hielt er das dreißig Zentimeter lange Schlachtmesser, mit dem er Schweinen und Hühnern die Kehle durchzuschneiden pflegte. Sein Blick war voll Bitterkeit auf Deirdre und Cullain gerichtet, die zur ungeheuren Erleichterung des Stammes überschwänglich um das Feuer herumwirbelten: Zur Freude und Beruhigung aller war nämlich ihre Verlobung bekanntgegeben worden. Endas Knie zitterten, und trotz der starken Hitze des Feuers zitterte er am ganzen Körper in jener kalten Nacht. Als dann das Paar wieder an ihm vorbeitanzte, sprang er wie eine Wildkatze auf seine beiden Opfer zu. Sie hatten die Ellbogen verschränkt, waren unbewaffnet und hatten so keine Chance. Endas Messer durchbohrte Cullain, Seine Beine streckten sich krampfhaft, dann brach er zusammen und zog Deirdre mit sich herab. Sie drehte lachend ihren Kopf weg, denn sie dachte, ihr Partner sei in seiner Trunkenheit nur gestolpert. Endas Messer erwischte sie mit diesem Lachen in ihrem Gesicht, dem gleichen Lachen, mit dem sie ihn nach ihrer Rückkehr zum Stamm an jenem Tag verspottet hatte, als sie von ihm am Bach angesprochen worden war. Im allgemeinen Stimmengewirr hörte niemand, wie ihr die Luft aus den Lungen wich, hörte niemand ihr Wimmern oder sah den Blick der entsetzlichen Erkenntnis, während das Licht in ihren Augen erlosch - niemand außer Enda. Die Genugtuung über seine Rache war das letzte Gefühl, das Enda spürte, denn einen Augenblick später wurde er von dem vor Wut tobenden Stamm buchstäblich in Stücke gerissen. Nur sein Kopf und sein Herz wurden verschont und auf die Bitte des trauemden Königs hin aufgehoben, als sich die Raserei gelegt hatte. Nachdem Deirdre und Cullain am nächsten Tag auf geweihtem Boden beigesetzt worden waren, wurde Endas Kopf und Herz auf den Gipfel des Hügels der Teufel gebracht, wo Feiglinge und andere Ausgestoßene ohne Segnung verfaulten. Der König bat den Zauberer, die Überreste des gemeinen Mörders mit einem speziellen Fluch zu belegen. »Deine Seele soll bis zum Ende der Zeiten die Erde durchstreifen, deine schändliche Tat und die schändliche Strafe dafür sollst du immer wiedererleben, und Gott Muck Olla soll deinen Geist für immer und ewig mit allen Qualen verfolgen.« Der Himmel verdüsterte sich, und Blitze zuckten. Der Tag wurde plötzlich finster und kalt, und von nirgendwoher peitschten Schneeschauer auf den versammelten Stamm herab. In seiner gesamten Geschichte hatte es noch nie so früh im Jahr geschneit. Der Zauberer war überzeugt, dass Muck Olla sein Gebet erhört hatte. Er wies seinen Stamm an, Enda den Rücken zu kehren und in das trauernde Dorf zurückzukehren... Die Feier am Vorabend von Samhain verwandelte sich im Lauf der Jahrhunderte. Die erobernden Römer nahmen die Tradition von den Britischen Inseln in der Form des Erntefests der Pomona mit zurück, und die frühen Christen nannten die Feier Erntedankfest. Die Päpste des Mittelalters weihten den 1. November als Allerheiligen, und der Tag davor erhielt im Verlauf des nächsten Jahrtausends den Namen Halloween. Mit dem Anbruch der modernen Zeit verloren die heidnischen Gepflogenheiten und Traditionen des ursprünglichen Fests ihre Bedeutung und Vitalität. Reste davon hielten sich noch in dem Brauch, Kerzen in...




