Reuter | Online | E-Book | sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 148 Seiten

Reuter Online

wie viel gibst du von dir preis?
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-347-71787-9
Verlag: tredition
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

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ISBN: 978-3-347-71787-9
Verlag: tredition
Format: EPUB
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Es klopft an der Tür. Zitternd vor Angst stemme ich mich mit dem Rücken gegen die Wand und ziehe meine Beine an meinen Körper heran. Ich mache mich so klein wie irgend möglich und hoffe, dass er mich nicht in meiner Wohnung sitzen sieht. Dass er mich nicht bemerkt, sollte er durch die Tür kommen. Ich sitze eng an die Wand gedrückt auf den kalten und harten Fliesen des Küchenbodens. Wie paralysiert und wage kaum zu atmen. Erneut ein Pochen gegen die Tür. Ein Fordern, ein Hereinwollen. Doch ich öffne nicht. Ich schließe meine Augen und harre aus. So lange, bis es zu Ende ist. Wird es ein Ende geben? Wann wird es zu Ende sein? Werde ich mich die ganze Nacht hier verstecken? Und vor allem: wie wird es zu Ende gehen?

Julia Reuter, geboren 1989 am Bodensee, wird seit ihrer Kindheit von Büchern begleitet. Vom Vorgelesen bekommen, übers selbst Lesen und Studieren von Werken, hin zum Schreiben von Geschichten sind Bücher schon immer ein Teil ihres Lebensweges. Seit 2019 entführt sie begeisterte Leser in ihre eigenen geschaffenen Welten zu den unterschiedlichsten Themenbereichen. Ihr Lebensmotto "sei verrückt genug zu glauben, dass du in deinem Leben wirklich alles erreichen kannst" schafft dazu ungewöhnliche und abwechslungsreiche Inhalte. Inspiration zieht sie aus der Ruhe der Natur - dadurch mangelt es nie an Inspiration, was sich deutlich in ihren Geschichten wiederspiegelt.

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Kapitel 2 Ich wache vom Klingeln meines Handyweckers auf. Erstaunlich schnell setze ich mich im Bett auf und gähne erst einmal ausgiebig. Der anschließende Griff zum Handy ist Routine. Nicht, um den Wecker auszuschalten. Nein, die entsprechende Taste dafür habe ich schon blind im mich Aufsetzen gedrückt. Sondern, um mich social-media-mäßig auf den neuesten Stand zu bringen. Was haben meine Freunde seit gestern abend Neues gepostet, wo treiben sie sich herum, was haben sie erlebt? Ich durchforste eine Schwemme von Neuigkeiten, von denen das Meiste gar nicht bei mir hängen bleibt. Jedenfalls nicht wirklich tief. Ich überfliege alles schnell, doch wirklich Interessantes ist nicht dabei. Trotzdem kann ich nicht davon ablassen und stehe erst vollends auf, als ich auch die letzte Nachricht gelesen und den Post des entferntesten Bekannten angeschaut habe. Ansonsten, so kommt es mir vor, verpasse ich etwas aus der Welt. Ich sauge erst alle Infos in mir auf, dann schlage ich die Bettdecke zurück, schwinge meine Beine aus dem Bett und stehe schlussendlich auf. Ein frischer Morgen begrüßt mich. Es ist herrliches Herbstwetter und kühle Luft dringt ins Schlafzimmer, als ich das Fenster weit öffne. Ich sauge die Luft in mich ein, bis es mich zu frösteln beginnt und ich zum Kleiderschrank tapse, um mich anzuziehen. Jeans und Bluse, das reicht heute als Arbeitsoutfit. Ich stecke meine Haare hoch und trage dezent Makeup auf. Etwas Lippenstift, nicht zu viel. Mein Frühstück verschiebe ich auf unterwegs. Mit meinem Mercedes halte ich bei der Bäckerei Zeller an und statte mich dort mit Rosinenbrötchen und Latte Macchiato aus. Das genügt heute als Frühstück und spart mir zudem Zeit. Ich stelle ein Foto meiner kleinen Speise als Status online und fahre ins Büro. Der Vormittag zieht sich etwas, doch ich erledige alle mir unangenehmen Aufgaben gleich zu Beginn. So habe ich nach der Mittagspause einen entspannten zweiten Arbeitsteil und den ein oder anderen Plausch am Kaffeeautomaten zu bewältigen – könnte schlimmer sein. Hauptsächlich bin ich gedanklich bereits bei Lukas und heute Abend. Mein Plan sieht es vor, nach Hause zu fahren, unter die Dusche zu hüpfen, mein Outfit zu wechseln, das Makeup zu erneuern und meine Frisur von 'nach oben gesteckt' in 'wild und offen' umzuwandeln. Soll ich meine Fingernägel noch frisch lackieren? Hmm, nein, dafür wird mir die Zeit nicht ausreichen. Um acht will ich bei ihm sein, muss davor aber noch Einkaufen und Tanken. Da wird es ohnehin schon reichlich knapp werden, weshalb ich den Feierabend heute auch um eine halbe Stunde nach vorne verschiebe und mich frühzeitig aus dem Staub mache. Schnell noch die Termine für morgen gecheckt und dann fahre ich den Rechner herunter. Im Aufstehen angle ich mir mit der rechten Hand meine Handtasche und werfe sie mir geschickt über die Schulter. Sicheren Schrittes laufe ich durch die Tür hindurch, hinab auf den Parkplatz, auf dem mein Cabrio bereits wartet und schwinge mich anschließend elegant auf den Fahrersitz. Der Motor schnurrt leise beim Anlassen. Ich manövriere das Auto vom Parkplatz herunter auf die Straße und düse in Richtung Langenargen davon. Mein Zeitfenster ist nicht allzu groß, daher halte ich mich daheim strikt an meinen gefassten Plan: unter die Dusche hüpfen, mein Outfit wechseln, das Makeup erneuern und meine hochgesteckte Frisur zu lösen und mit etwas Haarspray und viel Gewuschel mit den Händen aufzulockern. Etwas von meinem Lieblingsparfum und es kann losgehen. Ein letztes Mal betrachte ich mich im Spiegel und überprüfe mit kritischen Augen meine Erscheinung. Hmm, gar nicht so übel. Ich hübsche mich viel zu selten auf. Eigentlich mache ich das nur, wenn ich meinen Freund treffe oder schick ausgehe. Mit der Hand streiche ich mir über meinen flachen Bauch und bedanke mich bei mir selbst für die Disziplin beim Sport. Es zahlt sich halt doch aus. Auch wenn meine Kolleginnen das nicht wahrhaben wollen und sich abends lieber eine Packung Chips vor dem Fernseher genehmigen. Ich schieße noch schnell zwei, drei Fotos von mir, stelle sie online in meinen Status und verlasse dann das Haus. Mein Auto parke ich an der Straße. Zu Fuß gehe ich den restlichen Weg bis zu Lukas' Wohnung. Er wohnt nicht weit von mir, zwanzig Minuten mit dem Auto und ich bin da. Es ist mittlerweile etwas dunkel draußen; der Fußweg wird von Straßenlaternen beleuchtet. Nach der Fahrt im beheizten Fahrzeug fröstelt es mich an der frischen Luft und so laufe ich schnellen Schrittes bis zu seiner Wohnungstür und drücke auf die Klingel. Der Türsummer ertönt und ich betrete das Haus. Ich bin ein wenig aufgeregt – wie immer, wenn wir uns sehen. Meine Gedanken kreisen um Fragen wie "sitzt mein Makeup noch?" und "freut er sich auch, mich zu sehen?". Ich bemühe mich, die Treppe bis zu seiner Wohnung so lässig wie möglich hinaufzusteigen, trotz meiner Nervosität. Dort angekommen, strahlt er mich bereits, an seine Wohnungstür gelehnt, an und nimmt mich zur Begrüßung liebevoll in den Arm. Ich lasse mich komplett in seine Arme sinken und vergesse alles um mich herum. Es tut so gut, sich bei jemandem angekommen zu fühlen und genau dieses Gefühl vermittelt mir Lukas jedes Mal aufs Neue. In der Wohnung kuscheln wir uns aufs Sofa und erzählen uns von unserem Tag. Ich höre ihm gerne zu, wenn er von einem neuen Projekt berichtet, denn ich weiß, dass er das erreichen wird, was er beginnt. Er ist sehr zielstrebig und weiß, was er will. Ich bewundere ihn dafür. Gleichzeitig zeigt er mir immer wieder, wie wichtig ich ihm bin. Und dass er sich trotz seiner vielen Projekte und Arbeit Zeit für mich nimmt, rechne ich ihm hoch an. Ich fühle mich geliebt von ihm. Lukas nimmt meine Hand und zieht mich vom Sofa hoch. "Hast du Lust auf einen Spaziergang?", fragt er mich und schaut mir dabei in die Augen. Bei seinem Blick kann ich nicht widerstehen. "Ja, sehr gerne", antworte ich. "Möchtest du nach Langenargen fahren? Wir können am See spazierengehen. Dort ist es sehr schön." "Ehrlich gesagt, mag ich nur eine kleine Runde raus. Es ist ziemlich kalt geworden. Mich hat es schon gefroren, als ich von meinem Auto zu dir gelaufen bin", erkläre ich Lukas. Er versteht es. Also laufen wir bei ihm durch den Ort. Es liegt feuchtes Laub auf dem Boden. Wenn wir Stellen passieren, an denen es besonders rutschig ist, hält mich Lukas ganz fest im Arm, damit ich nicht ausrutsche und hinfalle. Es scheint Licht aus den Fenstern der Häuser, die wir passieren. Die Menschen sitzen alle im Warmen, kaum jemand ist auf den Straßen unterwegs. Es ist ruhig draußen und macht Spaß zu zweit durch die Gassen zu spazieren. Wir genießen gerade die Aussicht von einem Hügel herunter, als sein Handy klingelt. Er nimmt das Gespräch entgegen und unterhält sich mit einem Kunden, ohne mich loszulassen. Ich finde das total süß, dass er mir zeigt, dass ihm das Gespräch nicht wichtiger ist als ich. Trotzdem löse ich mich von ihm und gehe ein paar Schritte, um ihn ungestört telefonieren zu lassen. Automatisch ziehe ich mein eigenes Handy aus der Jackentasche und mache ein Foto von der Aussicht, die wir auf diesem Hügel haben. Ich stelle es online und verlinke meinen aktuellen Standort. Allerdings beginnt es mich allmählich richtig zu frieren, jetzt, da wir uns nicht mehr bewegen. Ich will gerade wieder zu Lukas laufen, als mein Handy mir eine eingegangene Nachricht mitteilt. Ich schaue nach, wer mir geschrieben hat. Es ist eine Person, mit der ich online vernetzt bin, die ich persönlich jedoch nicht kenne. Sie schreibt: "Wo bist du denn unterwegs? Wohnst du nicht in Hagnau?" Ich bin erstaunt. Die Person scheint mein Profil gründlich studiert zu haben. Klar, ich verlinke oft meinen Standort unter den Bildern, die ich online stelle. Aber dass sich das wirklich jemand anschaut. Da müsste es mir schon echt langweilig sein, dass ich auf die Idee komme, auf fremden Profilen zu verweilen, Fotos und Posts zu analysieren… Ein bisschen freut es mich, dass fremde Menschen mein Profil spannend finden und es studieren. Scheinbar führe ich ein interessantes Leben – ich fühle mich gut dabei. Ich will gerade nachschauen, wer die Person ist, die mir geschrieben hat, als Lukas sich wieder zu mir gesellt. Er hat sein Telefonat zwischenzeitlich beendet und ich stecke mein Handy ebenfalls weg, damit wir weitergehen können. Seinen Arm um mich gelegt, laufen wir zurück zu ihm nach Hause und verbringen den restlichen Abend und die Nacht in der warmen Wohnung. Am nächsten Morgen weckt Lukas mich zärtlich auf, ehe er ins Bad verschwindet, um zu duschen. Da er früher auf die Arbeit fährt als ich, kann ich noch ein paar Minuten liegenbleiben. Ich greife nach meinem Handy und checke die Neuigkeiten. Alles wie immer. Eine Kollegin hat den Vorschlag gepostet, heute nach der Arbeit gemeinsam Essen zu gehen. Drei weitere Kollegen haben bereits zugesagt. Ich habe nichts vor und melde mich ebenfalls an. Praktisch, wie spontan das heutzutage machbar ist. Sogar noch ehe wir uns auf der Arbeit begegnen. Ich höre, wie Lukas in der...



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