E-Book, Deutsch, Band Band 21, 255 Seiten
Reihe: Bachelorstudium Psychologie
Reuter Geschichte der Psychologie
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-8409-2223-7
Verlag: Hogrefe Verlag
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
E-Book, Deutsch, Band Band 21, 255 Seiten
Reihe: Bachelorstudium Psychologie
ISBN: 978-3-8409-2223-7
Verlag: Hogrefe Verlag
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Was macht den Menschen aus? Der Frage danach, was die Seele oder Psyche ist, sind Menschen schon vor über zweitausend Jahren nachgegangen. Der vorliegende Band gibt einen Überblick über die Geschichte der Psychologie und illustriert, wie sie über verschiedene Epochen hinweg zu der Wissenschaft geworden ist, die wir heute kennen. Die Entwicklung des Fachs wird ausgehend von der Philosophie der Antike über die vorherrschenden Menschenbilder im Mittelalter und in der frühen Neuzeit bis zum Stand in der Gegenwart dargestellt. Dabei wird sie mit den wesentlichen kulturellen Strömungen der jeweiligen Epoche in Beziehung gesetzt. Auf diese Weise lassen sich die gegenwärtigen Ziele, Methoden und das Selbstverständnis der Psychologie aus einer neuen Perspektive betrachten und beurteilen.
Die einzelnen Kapitel stellen die zentralen Gedanken und Theorien der jeweiligen Epoche vor und greifen dabei bereits aktuelle psychologische Begriffe auf. Portraits der Vertreter, die das psychologische und seelenkundliche Denken wesentlich geprägt haben, runden die Darstellung ab. Die abschließenden Kapitel befassen sich mit dem Studienfach und den Berufsfeldern der Psychologie. Kästen und Abbildungen lockern die Darstellung auf und veranschaulichen die Inhalte.
Die Band enthält ein Glossar zum Nachschlagen der wichtigsten Fachbegriffe. Verständnisfragen und Lösungshinweise und weitere Informationen für Studierende und Lehrende werden auf der Website psychlehrbuchplus zur Verfügung gestellt.
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Weitere Infos & Material
1;Geschichte der Psychologie;1
1.1;Inhaltsverzeichnis;7
1.2;Vorwort;11
2;Kapitel 1: Einleitung;15
2.1;1.1Aufgaben der Wissenschaftsgeschichte;16
2.2;1.2Die Rolle der Subjektivität;17
2.3;1.3 Die Begriffswelt der Psychologie: Von der Hermeneutik zu operationalen Konstrukten;19
2.4;1.4 Das Selbstverständnis der Psychologie im 20. Jahrhundert;21
2.5;1.5Anforderungen der Globalisierung;23
2.6;1.6Menschenbilder;25
2.7;1.7 Was für eine Art Wissenschaft ist die Psychologie?;26
2.8;1.8Zielsetzung des Buches;29
2.9;Zusammenfassung;30
2.10;Fragen;31
3;Kapitel 2: Der Blick der Antike auf das Seelenleben;33
3.1;2.1Sokrates und sein Schüler Platon;35
3.2;2.2Aristoteles;37
3.3;2.3Anarchie: Die Kyniker;42
3.4;2.4Gelassenheit: Der Stoiker Seneca;43
3.5;2.5Bewertung;46
3.6;Zusammenfassung;47
3.7;Fragen;48
4;Kapitel 3: Verstand und Glaube;49
4.1;3.1Arabische Philosophie zur Zeit des Mittelalters;51
4.2;3.2Augustinus und die Introspektion;53
4.3;3.3Scholastik: Albertus Magnus, Thomas von Aquin und Johannes Duns Scotus;57
4.4;3.4 Eine neue Psychologie: Martin Luther, Philipp Melanchthon und Niccolò Machiavelli;60
4.5;3.5 Das Bewusstsein wird Thema: Michel de Montaigne;66
4.6;3.6Bewertung;69
4.7;Zusammenfassung;70
4.8;Fragen;70
5;Kapitel 4: Probleme des Verstandes: Dualismus, Mechanik und Empirie;73
5.1;4.1Französischer Rationalismus: René Descartes;74
5.2;4.2 Mechanistische Menschenbilder: Ist der Mensch eine Uhr?;76
5.3;4.3Empirismus: David Hume;79
5.4;4.4Bewertung;81
5.5;Zusammenfassung;83
5.6;Fragen;83
6;Kapitel 5: Dichter und Philosophen als Seelenkundige;85
6.1;5.1 Der Mensch als Entwicklungsprozess: Goethes „Wilhelm Meister“;87
6.2;5.2Der Mensch als Thema der Erfahrungsseelenkunde: Karl Philipp Moritz;89
6.3;5.3Lebenserfahrung: Georg Christoph Lichtenberg;94
6.4;5.4 Der Umgang mit Mitmenschen: Adolph Freyherr von Knigge;97
6.5;5.5Bewertung;100
6.6;Zusammenfassung;102
6.7;Fragen;102
7;Kapitel 6: Psychologie in Erzählung und Musik: Die Romantik;103
7.1;6.1 Die Psychologie der Musik: Franz Schubert und Robert Schumann;105
7.2;6.2 Die Psychologie der Kunstrezeption und -produktion: Jean Paul und E.?T.?A. Hoffmann;109
7.3;6.3 Psychologie in der Literatur: Heinrich von Kleist;115
7.4;6.4Bewertung;125
7.5;Zusammenfassung;127
7.6;Fragen;128
8;Kapitel 7: Die Psychologie wird eine Wissenschaft;129
8.1;7.1 Gesellschaftliche und kulturelle Umbrüche im 19. Jahrhundert;130
8.2;7.2Neue gesellschaftliche Fragen suchen eine Antwort: Vom Verstehen zum Experiment;132
8.3;7.3 Köpfe und Schulen des ausgehenden 19. Jahrhunderts;135
8.4;7.4Bewertung;155
8.5;Zusammenfassung;156
8.6;Fragen;157
9;Kapitel 8: Reise in die Tiefe der Seele;159
9.1;8.1Historische Ursprünge der Tiefenpsychologie;160
9.2;8.2Tiefenpsychologische Schulen;161
9.3;8.3Bewertung;176
9.4;Zusammenfassung;178
9.5;Fragen;178
10;Kapitel 9: Psychologie des Lernens und der Entwicklung;179
10.1;9.1Einführung;180
10.2;9.2Die russische Schule;183
10.3;9.3Der amerikanische Pragmatismus;186
10.4;9.4Behaviorismus;189
10.5;9.5Entwicklungspsychologie;194
10.6;9.6Bewertung;204
10.7;Zusammenfassung;205
10.8;Fragen;206
11;Kapitel 10: Vom Diplom zum Bachelor und Master: Änderungen und Neuerungen;207
11.1;10.1Bildet das Studium oder bildet es aus?;208
11.2;10.2 Das Fach der Allgemeinen Psychologie im Spiegel eines neuen Fachverständnisses;210
11.3;10.3Aufbau und Zielsetzungen des Bachelorstudiengangs Psychologie;211
11.4;10.4Ein Blick auf den politischen Diskurs;214
11.5;10.5Bewertung;217
11.6;Zusammenfassung;218
11.7;Fragen;219
12;Kapitel 11: Psychologie als Beruf;221
12.1;11.1Etablierung der Psychologie als Beruf;222
12.2;11.2Entstehung und Entwicklung der psychologischen Berufsfelder;225
12.3;11.3Bewertung;239
12.4;Zusammenfassung;241
12.5;Fragen;242
13;Anhang;243
13.1;Literatur;245
13.2;Glossar;251
13.3;Sachregister;255
1.1 Aufgaben der Wissenschaftsgeschichte (S. 13-14)
Geschichtsschreibung ist eine uralte Form der Dokumentation von Vergangenheit. Beispiele für frühe Dokumentatoren sind Herodot, Tacitus und Caesar. Eine solche Arbeit hat mehrere Funktionen, die Zeitstilen, Ideologien und offenen und versteckten Zielsetzungen folgen. Die Geschichtswissenschaft macht uns vor, welche Akzentsetzungen dabei eine Rolle spielen (können) und wie diese Akzente sich abhängig vom gesellschaftlichen und politischen Wandel verbünden können. Als Beispiel wäre zunächst die Geschichte der „großen“ Männer (und seltener: Frauen) zu nennen, eine bis weit in das 20. Jahrhundert als selbstverständlich verwendete Form der Darstellung. Neueren Datums ist die Beschreibung des sozialen Wandels einer Gesellschaft, oft mit einem deutlichen Akzent „von unten“. Damit sind die Erzählungen und die Lebenserfahrungen des Alltags und der Menschen, die diesen Alltag gestalten, gemeint.
So, wie es die Historie der Herrscher, der Kriege (beide sind untrennbar miteinander verbunden), der Kunst und der Wirtschaft gibt, so gibt es eine Historie der Wissenschaft. In der Antike gab es lediglich eine bzw. die Wissenschaft: die Philosophie. Das Oeuvre des Aristoteles behandelt philosophisch alle Fragen des Denkens, der Seele und der Natur unter dem gemeinsamen Ziel, das „gute Leben“ zu ermöglichen. Für die Gegenwart und die jüngste Vergangenheit – gemeint ist das 19. Jahrhundert – gilt dies nicht mehr. Im 18. Jahrhundert, mit dem Beginn des naturwissenschaftlichen Denkens, wurde Wissenschaft sehr komplex. Dies zeigt sich bei den unterschiedlichen Herangehensweisen von Goethe und Newton bei ihrem Studium des Lichtes und der Farben. Eingeleitet wird diese Komplexität schon in der Renaissance. Damals waren die verschiedenen Zugangsweisen zu einem Thema (Empirie, Reflexion und künstlerische Darstellung) allerdings noch in einer Person vereinigt. Ein Beispiel hierfür ist Leonardo da Vinci: Er war Ingenieur (etwa des Festungsbaus), Anatom (mit heimlichen Besuchen auf dem Friedhof, womit er in Konflikt zur Macht der Kirche stand), und ein virtuoser Zeichner und Maler, wobei letzteres zu den Handwerken zählte. Da sich die Zugänge zu wissenschaftlichen Themen im Laufe der Zeit ausdifferenziert haben, ist bei der Wissenschaftsgeschichte, so wie auch bei den anderen oben genannten Fächern, eine Spezialisierung gefragt.
Aufgabe der Wissenschaftsgeschichte Damit sind wir bei der Aufgabe der Wissenschaftsgeschichte (neben anderen) angelangt: Erst die Kenntnis, wie etwas geworden ist, wie der Verlauf in der Zeit war, welche Einflussgrößen zu identifizieren sind, setzt uns in die Lage, Vorhandenes anders und neu zu sehen.
Ein großer Teil des Wissens, der Informationen, die uns heutzutage zugänglich sind, kommt als selbstverständlich daher; neue Erkenntnisse beanspruchen Wahrheitsgehalt und autoritäre Gültigkeit. Andere Theorien oder Auffassungen scheinen hingegen gar keine (empirischen) Wurzeln zu haben und dem Gehirn eines einzelnen „Genies“ zu entstammen. Dieses Wissen wird nicht mehr wie noch vor kurzer Zeit in der Fachliteratur, in universitären Vorlesungen und Seminaren und auf wissenschaftlichen Kongressen verhandelt, um dann – sehr viel später – ins allgemeine Bewusstsein und die alltägliche Anwendung zu geraten, sondern es ist über die Medien und das Internet sofort jedem zugänglich. Was fehlt, ist ein Wegweiser. In diesem Kontext ist Geschichte ein möglicher Orientierungspunkt. Die Erinnerung ist die Schwester des kritischen und alltagstauglichen Bewusstseins. Sie misstraut den angebotenen Darstellungen und Deutungen und verlangt das, was sie schließlich ja auch ist: die subjektiv verantwortete Orientierung in der Welt.
1.2 Die Rolle der Subjektivität
Sowohl die Geschichtsschreibung bzw. -wissenschaft als auch persönliche Erfahrungen lehren uns einige Besonderheiten der Erinnerung. Auf deren Erforschung haben die verschiedensten Psychologien im Laufe der Zeit Wert gelegt.
Erinnerung ist ein sehr subjektives Phänomen, das seinem Abgleich mit den Tatschen nur selten standhält. Damit ist eine unhintergehbare Bedingung für die in diesem Buch behandelten Inhalte schon frühzeitig angekündigt: Sie folgen der Erinnerung des Autors und dem subjektiv verantworteten Studium der Überlieferung der Zeugnisse (Literatur, Dokumente, Medien, Gespräche). Daraus folgt etwas, was...




