Reuel | Das Uhrwerk des Bösen | E-Book | www2.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 1, 288 Seiten

Reihe: Die Chroniken der Westfal-Chaoten

Reuel Das Uhrwerk des Bösen

Die Chroniken der Westfal-Chaoten - Jubiläumsausgabe
1. Auflage 2026
ISBN: 978-3-6951-8260-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Die Chroniken der Westfal-Chaoten - Jubiläumsausgabe

E-Book, Deutsch, Band 1, 288 Seiten

Reihe: Die Chroniken der Westfal-Chaoten

ISBN: 978-3-6951-8260-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Westfal, Ende des 19. Jahrhunderts. Trist, hart und staubig ist der Alltag von vier ungleichen Freunden. Doch als bei Arbeiten in den Stollen des Bergwerks von Sankt Ohlberg ein verborgener Raum entdeckt wird, nimmt ihr Leben eine unerwartete Wendung. Was der Magier Winfried Tretenville in der Tiefe findet, bleibt zunächst ein Geheimnis, bis sein Fund über Nacht verschwindet. Auf Anraten des Schichtleiters werden die vier Freunde um den Zwerg Tolumirantos Luck ausgesandt, das verschwundene Artefakt wiederzubeschaffen. Doch bald schon sind sie selbst die Gejagten. Um ihre Unschuld zu beweisen, müssen sie sich den Schatten ihrer Welt stellen. Dabei müssen die Gefährten erkennen, dass es Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, die weder mit Verstand noch mit Mut allein zu besiegen sind.

Der Autor wuchs in Kornelimünster auf, einem historisch bekannten und idyllischen Örtchen, das zu Aachen gehört. Zu lesen begann er erst im Studium. Es entwickelte sich zu einer Leidenschaft und er begeisterte sich für Fantasyromane verschiedenster Autoren. Seine größten Vorbilder sind J.R.R. Tolkien und Andrzej Sapkowski. Inspiriert durch einige Fantasybücher, begann er seine eigenen Ideen niederzuschreiben. Das Uhrwerk des Bösen ist sein erstes Buch und der Beginn der Chroniken der Westfal-Chaoten. Dies ist die Ausgabe zum 10-jährigen Jubiläum.
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1. UNTER TAG


EIN KÜHLER APRILMORGEN IN ST. OHLBERG.


Die Luft war trocken, staubig und dünn; Schwefel und Rauch von den Fackeln brannten in den Lungen. Doch Jammern lohnte sich nicht. Niemand war gezwungen hier zu schuften, sie alle waren Freiwillige. Freiwillige Arbeiter in den Bergstollen der Kupferburg.

Die Bezahlung war gut, die Arbeitsbedingungen dagegen miserabel. Wer hier anheuerte, wusste, dass er bis zur nächsten Untersuchung durch den Betriebsarzt blieb, und der entschied alle zwei Wochen neu. Manch einer hoffte auf den ›Glücksposten‹ als Fuhrtner, der mit einem Kameraden die Loren schob und zog. Knochenarbeit, gewiss, aber immerhin nicht so zerstörerisch für die Lungen wie das ewige Hacken tief unter Tage.

Andored und Tomagril hatten dieses Glück, wenn man es so nennen wollte. Gemeinsam schleppten sie an diesem Morgen eine vollbeladene Lore den Schacht hinauf. Der Frost hatte die Schienen verzogen und die Räder klemmten in der Verengung fest. Der Schweiß stand ihnen auf der Stirn, obwohl die Kälte der Nacht noch in den Felsen hing und in der Luft lag.

»Meine Fresse, dieser Schmied«, keuchte Tomagril, die Zähne zusammengebissen. »Seit einer Woche sagen wir ihm, er soll die Schienen richten. Glaubst du, der rührt sich?«

»Noch ein Stück, dann läuft sie«, keuchte Andored zurück, alle Muskeln angespannt.

Da erklang hinter ihnen eine spöttische Stimme. »Wenn ich euch so ansehe, frage ich mich, wer zum Teufel euch eingeteilt hat, ihr Waschlappen.« Ein hochgewachsener, stoppelhaariger Kerl trat aus dem Schatten, einen glimmenden Stängel zwischen den Lippen, und grinste breit. »Zu den Weibern im Waschkeller hätte ich euch geschickt. Immer dasselbe mit den Spitzohrigen.«

Tomagril und Andored wurden rot, ob aus Anstrengung oder Wut, ließ sich schwer unterscheiden. Doch noch ehe sie kontern konnten, kam Medjev heran; breitschultrig, kahlköpfig, ihr Gruppenführer und alter Freund. Er packte wortlos mit an.

»Entweder Sie schieben mit oder Sie kümmern sich um Ihren eigenen Kram, Herr Kruhmen«, meinte Medjev nebenbei.

Doch Kruhmen lachte nur auf und zog noch einmal genüsslich an seinem Stängel, bevor er den Stummel fortflitschte. »Leider bin ich gerade in Raucherpause.« Dann verschwand er so schnell, wie er gekommen war.

Zu dritt schafften sie es, die Lore endlich über die Schwelle zu ziehen. Mit einem ächzenden Ruck lief sie an und sie konnten verschnaufen. Kaum hatten sie sich den Schweiß von der Stirn gewischt, hallte das Signalhorn zur Frühstückspause über den Hof und die Gänge. Die Männer ließen die Kette los, zogen die Bremse an und atmeten schwer.

Medjev wischte sich die Hände an der Hose ab. »Gute Arbeit, Männer. Ich werde gleich noch mal beim Schmied vorstellig werden und das hier erneut reklamieren. Eine Zumutung ist das.« Er deutete auf die verzogenen Gleise. »Jetzt geht erst mal frühstücken. Ich komme gleich nach.«

Andored nahm den Wasserschlauch von Tomagril entgegen, trank gierig und nickte. »Danke, Medjev. Wir warten noch auf Tolu. Sehen uns dann bei den Baracken.«

»Immer derselbe Mist in diesem Drecksloch«, brummte Tomagril, während er den Schweiß mit dem Hemdärmel wegwischte. »Langsam hab ich echt keinen Bock mehr.«

»Das sagst du seit Wochen, Toma. Uns geht es doch genauso«, versuchte Andored das Gemüt seines Freundes zu besänftigen. »Wenn die gute Bezahlung nicht wäre, würde keiner von uns hier arbeiten. Bald hab ich mein Geld zusammen, dann kann ich vielleicht endlich mein eigener Herr sein.«

Tomagril seufzte. »Ja, das wäre toll.«

»Toll?«, kam eine grummelige Stimme aus der Dunkelheit. »Hier in diesem Drecksloch ist gar nichts toll. Außer man bekommt ›toll Wut‹. Jaaahhaaa, das wäre schön.«

»Grüß dich, Tolu«, winkte Andored dem Zwerg rüber.

Tolumirantos Luck, kurz Tolu genannt, stapfte aus dem dunklen Schacht und blinzelte gegen das Tageslicht.

»Moin, ihr Mädchen«, entgegnete er breit grinsend. »Auf was warten wir? Ab zum Frühstück!«

Ein kalter Luftzug wehte aus dem Schacht, als sie sich umwandten und blies hinter ihnen die Flamme der Fackeln fast aus.

Die Kantine war ein niedriger Bau aus groben Balken, die Fenster blind vom Ruß der Jahre. Drinnen hing der Geruch von Erbsen, Schmalz und Schweiß in der Luft. Lärm und Stimmen füllten den Raum, Becher klirrten, Teller klapperten.

Anständig standen die Männer in der Schlange der Essensausgabe und warteten auf ihr Frühstück.

»Ando, sag mir, ist Elsa da?«, wandte sich der kleine Tolumirantos an seinen Freund. »Ich hab heute Morgen einen Mords-Hunger.«

»Hast du nicht zu jeder Mahlzeit einen Mords-Hunger?«

Der Zwerg zuckte gleichgültig mit den Schultern.

»Du hast Glück, sie ist da«, erwiderte Andored mit großen Augen. »Sie hat gerade den alten Knurrbart abgelöst. Och nee, nicht schon wieder Haferbrei mit Apfelkompott.«

Tolumirantos grummelte freudig etwas in seinen schwarzen Vollbart, von dem Andored nur »doppelte Ladung« verstand. Er schmunzelte über Tolus Verhalten, der sich breit grinsend die Hände rieb, ein Tablett schnappte und sich artig einreihte.

In der Kantine wurde man für gewöhnlich ziemlich schnell abgefertigt. Nur die drei Freunde hatten es geschafft, herzlich vom Personal begrüßt und ebenso bevorzugt bedient zu werden. Der Zwerg tändelte mit der stämmigen Elsa, bekam tatsächlich seine doppelte Ladung, bedankte sich überschwänglich und ging zufrieden seiner Wege.

Sie ergatterten einen Fensterplatz, sodass sie wenigstens vom Tageslicht in der sonst dunklen Kantine profitierten. Die Aussicht auf den Hof war zwar nicht prickelnd, aber immerhin konnte man erkennen, was einem auf dem Tablett serviert wurde.

Tolumirantos ließ sich mit einem zufriedenen Brummen auf die Bank fallen und schob die Schüssel mit Haferbrei und Apfelkompott näher. »Endlich was Ordentliches zwischen die Zähne.«

Andored begann die Rosinen aus seinem Brei zu fischen und angelte sogar ein Haar heraus. »Wenn man das ordentlich nennen will«, spottete er und bedachte die Schüssel angewidert.

Tomagril zog eine Grimasse. »Der Koch hat sicher wieder die Hälfte des Apfelmuses für sich behalten. Und das Weißbrot …« Er riss ein Stück ab, das trocken zerbröselte. »… taugt nicht mal als Bauholz.«

»Sei froh, dass du was hast.« Tolumirantos schaufelte den Brei, als könne man ihn ihm im nächsten Moment wegnehmen. »Ich hab schon Schlechteres gegessen.«

Medjev setzte sich ihnen gegenüber, mit der Ruhe eines Mannes, der Streit gewohnt war. »Hört auf zu meckern. Es reicht, den Magen zu füllen. Mehr braucht’s nicht.«

Tomagril wollte schon kontern, doch Medjev aß gemächlich weiter und redete vor allem mit Tolu über Dinge, die gerade überhaupt nicht zur Debatte standen.

Da bemerkte Andored im Hof etwas Ungewöhnliches, das schließlich die Aufmerksamkeit aller auf sich zog: Der Magus – man sah ihn nicht alle Tage – eilte mit wehender Robe über den Hof. Für einen Moment meinte Andored, ein Kälte hauch sei durch die Kantine gestrichen. Schließlich blieb er abrupt vor einem Aufseher stehen, der einen kuschenden Arbeiter im Schlepptau hatte.

»Ist das dieser Trettelfill?«, fragte Medjev und blinzelte an den Köpfen vorbei.

Tolumirantos grummelte zustimmend.

»Trettel… was?«, hob Andored die Brauen.

»Na der Magus. Der mit dem weißen Schopf.«

Der Elb seufzte und legte den Löffel beiseite. »Tretenville. Sprich’s langsam nach: Tre-ten-ville.«

»Ja, ja, schon gut«, brummte Medjev und winkte ab. »Tretenwasauchimmer. Ihr wisst doch, wen ich meine.«

Tolumirantos lachte schallend, dass ihm beinahe der Brei aus dem Bart tropfte. »Bei den Göttern, Medjev. Wenn du so weitermachst, zaubert er dir noch einen Knoten in die Zunge.«

Tomagril grinste schief. »Das würde aber kaum auffallen.«

»Sehr witzig«, grollte Medjev, konnte jedoch ein Schmunzeln nicht verbergen.

Währenddessen schob Andored die Rosinen an den Tellerrand und sprach leise: »Trotzdem ungewöhnlich. Ein Magus taucht nicht ohne Grund im Stollen auf.«

Die Freunde blickten einander an, jeder mit einer Mischung aus Neugier und Unbehagen.

»Muss wohl ein großer Edelstein entwendet worden sein«, kommentierte Tomagril die Situation im Hof.

»Dein Scharfsinn verblüfft mich immer wieder, Elb«, sagte der Zwerg kopfschüttelnd. »Ich höre mich um. In den Stollen sieht man oft nicht, wer neben einem steht, da wird das kein Problem sein. Zudem geht mir das Gejauner von Pietto eh total auf den Geist«, schlug der Zwerg umgehend vor, zog ein betrübtes Gesicht auf und kramte sein...



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