Retcliffe | Garibaldi (Historischer Abenteuerroman) | E-Book | www2.sack.de
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E-Book, Deutsch, 287 Seiten

Retcliffe Garibaldi (Historischer Abenteuerroman)


1. Auflage 2015
ISBN: 978-80-268-3637-7
Verlag: e-artnow
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 287 Seiten

ISBN: 978-80-268-3637-7
Verlag: e-artnow
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Dieses eBook: 'Garibaldi (Historischer Abenteuerroman)' ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen. Sir John Retcliffe, eigentlich Hermann Ottomar Friedrich Goedsche (1815-1878), war ein deutscher Schriftsteller. Er benutzte auch das Pseudonym Theodor Armin. Aus dem Buch: 'Am dritten Morgen nachher bewegte sich ein einfacher Trauerzug aus dem Quarantänegebäude der russischen Pontus- Festung Sewastopol nach dem Kirchhof am Ende des Quarantänehafens. Ein russischer Geistlicher ging dem Sarge voran, der nach griechischer Sitte offen und niedrig getragen wurde. Nur wenige Personen hatten sich dem Zuge angeschlossen: einige Diener aus dem Hospital der Quarantäne, eine griechische Frau und ein Mann in orientalischer Kleidung zwischen zwei russischen Marinesoldaten. Der Mann war Edward Maubridge, der Baronet; im offenen Sarge, Rosmarin in den dunklen Locken und auf der Brust, lag Diona Grivas, die Schwester von Gregor Caraiskakis.'

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»Herrenrecht!«


Es war drei Tage später.

Die zur Vermählung der schönen Herrin der , der Villa der angenehmen Nächte, bestimmte neunte Abendstunde nahte. Vor der Veranda des weitläufigen Hauses waren von den Soldaten, von den Vaqueros, Peons und schwarzen Sklaven der großen Estanzia Ehrenpforten errichtet worden, geschmückt mit den köstlichsten Blumen dieser Zone. An hohen Fahnenstangen wehten die blauweiße Flagge von Buenos Aires und die roten Bänder der Liberalos.

Zwischen diesen Stangen und Bogen und den Säulen der offenen Veranda warteten Girlanden bunter Papierlaternen auf den Beginn der festlichen Stunde; große Holzstöße lagen aufgeschichtet, um mit ihren Flammen zur Erleuchtung zu dienen und die Stechfliegen abzuhalten. Eines dieser Feuer brannte schon in der Mitte der weiten, von hohen Kastanienbäumen umgebenen Piazza vor dem Hauptgebäude; hinter dem Hause, durch Kaktushecken verbunden und eingezäunt, zogen sich die Wirtschaftsgebäude, die Ställe und die Hütten der Diener und Sklaven hin. An seiner Flamme wurde an einem Pfahl von Eisenholz ein ganzer Ochse zum lauten Vergnügen der umhertanzenden und das Feuer schürenden Neger gebraten. Die Frauen, ihre kleinen Kinder rittlings auf der Hüfte, kochten und buken den Reis und die mit Öl und Hammelfett gesättigten Maiskuchen.

Im Kreis lagerten die Vaqueros und Peons, die Hirten und Diener des Guts, die Saltadores und Matadores, die Arbeiter der großen Schlächtereien; zahlreiche Gauchos und Milizsoldaten sangen, tranken und spielten. Der Mate, das berauschende teeartige Getränk, aus Kürbisschalen massenweise genossen, Cana, Rum, Arrak und Mescal, die in großen Kalebassen für den allgemeinen Gebrauch umherstanden, hatten schon ihre Wirkung getan; außerdem herrschte seit dem Pamperos noch immer jene ihm vorangehende oder nachfolgende eigentümliche Schwüle, die auf die Nerven der Eingeborenen einen merkwürdigen Einfluß übt: sie steigert ihre Leidenschaftlichkeit bis zum höchsten Grade, so daß unter ihrer Herrschaft Bluttaten und wilde Ausbrüche häufig sind.

Das Bild, das die Piazza unter diesen Umständen bot, war äußerst bunt und bewegt. Angebunden an gefällte Bäume, standen etwa hundert Gauchopferde auf dem weiten Platz umher; die meisten waren im Korral, dem umzäunten Platz hinter der Villa, untergebracht. Die Mehrzahl der wilden Reiter war eifrig beim Glücksspiel; von Zeit zu Zeit unterbrach ein Fluch oder ein kurzer Streit die espàda, malilla oder das basto und monteBeliebte Kartenspiele; Augen glühten, Messer blinkten, bis sich andere dazwischen warfen, oder ein Kabo die Kampfhähne mit schweren Strafen bedrohte. Andere tanzten nach dem Klang einer Mandoline mit den ländlichen Schönen, die so verführerisch den seidenen Rebozo um Kopf und Schultern zu schlingen wissen.

La-Muerte, trotz seiner schwarzen Farbe ein angesehener Mann als Hausmeister und Liebling der Haziendera, ging überall umher und sah nach dem Rechten. Das Fest schien ihm nicht wenig Sorge zu verursachen; denn bei seinem Bemühen, freundlich und fröhlich zu erscheinen, vermochte er eine gewisse Unruhe nicht zu verbergen.

Seit dem Abend am La Plata hatte sich Aniella Crousa zurückgezogen in ihren Gemächern gehalten. Statt wie sonst mit der Ungebundenheit und Freiheit eines jungen Füllens über Hügel und Ebene zu schweifen, hatte sie die Quinta nicht verlassen; wenn er ihr in seinem Hausdienst begegnete, erschien sie ihm zerstreut und nachdenklich; seine Fragen über das Hochzeitsfest schien sie fast widerwillig zu beantworten, während sie bisher die Verheiratung als eine gleichgültige, fest bestimmte Sache behandelt hatte.

Nur als ihr alter Vertrauter ihr mitteilte, daß ihr Gast und Milchbruder Manuelo mit den Unidados verschwunden sei, leuchteten ihre Augen auf, und sie wandte sich ohne Antwort ab.

Am Morgen war der Oberst da Gondra von Buenos Aires zurückgekehrt. Mit der selbstverständlichen Sicherheit des künftigen Besitzers hatte er in der Hazienda Befehl erteilt, sofort die Vorbereitungen zu vollenden, damit die Hochzeitsfeier noch am gleichen Abend erfolgen könne. Seitdem hatte La-Muerte die Señorita nicht wieder gesehen.

Während er durch die Gruppe der Spielenden, Tanzenden und Trinkenden schritt, prüfte sein Blick öfter den im Abendnebel versinkenden Horizont, als erwarte er irgendein Ereignis. Seine lange Lanze lehnte am Eingang des Korrals, in dem sich die Pferde der Gauchos tummelten; er hatte eine Gruppe der ältesten Vaqueros der Estanzia dort lagern lassen und unterhielt sich manchmal angelegentlich mit ihr.

Aus den Gemächern der Quinta strahlten durch die geöffneten Rolläden Hunderte von Kerzen.

»Gott segne dein schwarzes Gesicht, Tio Muerte«, sagte einer der Gauchos, als der Neger an der Spielergruppe vorüberging, »Caramba, ich meine, es wäre Zeit, daß wir die Feuer ansteckten und uns bereit hielten, beim Glockenläuten uns in der Kapelle einzustellen! Ich hoffe, du hast mir einen guten Platz bestimmt, von dem aus ich alles sehen kann.«

»Der Padre sein seit einer Stunde dort, Massa Ruperto«, brummte der Schwarze; »aber diese sein so vertieft im Spiel, daß sie die Hochzeit ganz vergessen.«

»Quien sabe? Unser Koronel ist ein Teufelskerl!« lachte der Gaucho. »Ich glaube, daß dein Täubchen die Zeit nicht erwarten kann! Ja, ja, Porteños zu bleiben. Aber tausend Teufel bringen ihn nicht fort, wenn er beim Monte sitzt! – Nun, füllen wir einstweilen die Kalebasse noch einmal mit Mescal – wir wollen auf die Gesundheit der Braut trinken, solang sie noch Jungfer ist!«

Johlend taten die Gauchos dem rohen Spötter Bescheid.

Der Neger schaute sie unwillig von der Seite an und setzte seinen Weg fort. In der Tat, die Stunde war schon verstrichen, die zur Einsegnung des Paares angesetzt war; der Priester harrte schon längst mit den beiden schwarzen Knaben, die er zum Meßdienst in die Chorröcke gesteckt hatte, in der Hauskapelle.

Während er in dunklen Gedanken an einer Gruppe von IndiosmanosIndianer, die unter den Weißen als Arbeiter leben, im Gegensatz zu den Indios bravos, den freien wilden Indianerstämmen. vorüberging, berührte eine Hand die seine; als er ausschaute, erblickte er einen Jungen in der zerlumpten Tracht der Peons, der ihn unter seinem zerrissenen Strohhut hervor mit schlauem Blinzeln ansah und zur Seite winkte.

War das nicht der französische Knabe von der Bemannung der Barke in der Schlucht? Schnell gefaßt, ohne ein Zeichen des Erkennens, schritt er vor ihm her außerhalb des Lichtkreises der Flammen in den Schatten eines riesigen Kastanienbaums.

Der Bräutigam saß derweil mit seiner Gesellschaft in der Halle beim Hazard. Die Fenster des Saals reichten bis zum Boden der Veranda, die an der ganzen Vorderseite des Hauses entlang lief. Eine reichbesetzte Tafel prangte in der Mitte. Von silbernen Schüsseln lockten die Genüsse des Meeres und des Landes. In mächtigen Eiskübeln harrten die langhalsigen und gewundenen Flaschen mit den köstlichsten Weinen Europas. Unter ihnen lagen und standen, zum Teil schon geleert, ganze Batterien Champagner, dazwischen der feurige Refino, der seine einheimische Branntwein und eine große Terrine mit Sangaripunsch, dem feurigen Lieblingsgetränk Westindiens.

Die zerbrochenen Flaschen und Gläser, die umherstehenden Kelche und altertümlichen Gold- und Silberbecher, die Unordnung im Raum bewiesen, daß die bunte Spielergesellschaft sich schon seit Stunden einer wilden Schwelgerei überlassen hatte.

Ein Teil der langen Tafel war abgeräumt; man hatte Schüsseln, Teller und Flaschen auf Nebentische gestellt, die geblümte Damastdecke sorglos zurückgeschlagen. Um diese Stelle drängten sich nun stehend und sitzend die Anwesenden, leidenschaftlich gespannt, beim Montespiel.

Am Ende der Tafel saß in seinem breiten Vutacas, dem üblichen großen Lehnsessel der spanisch-kreolischen Einrichtung, der künftige Hausherr, eine große hagere Gestalt, mit kräftiger Adlernase und funkelnden Augen. Oberst oder Koronel Adeodato da Gondra war ein Mann von einigen dreißig Jahren und nicht unschönem Äußern,; seine stechenden grauen Augen aber wirkten abstoßend. Die Schläfen waren schmal, die Stirn von dicken Adern durchzogen, und das halb unter einem spanischen Spitzbart versteckte Kinn und der 51 gekniffene Mund verrieten mehr harte Grausamkeit als die männliche Tugend des Mutes.

Der Oberst trug den Anzug der Caraccas, dem er etwas Uniformartiges zu geben versucht hatte; statt der bunten Schärpe lag eine mit Perlen und Edelsteinen gestickte Koppel über der Schulter, an der ein langer, spanischer Stoßdegen mit Korbgriff hing; den Federhut und den Arm zierte das rote Band der Föderalen mit Rosas Bild und der Aufschrift »Föderation oder Tod!« und »Tod den wilden Unitariern!«

Den gleichen Parteischmuck trugen sämtliche Anwesende auffallend an ihrer mannigfaltigen Kleidung. Die meisten zeigten überdies auf dem Ärmel gestickt das Bild der mazorca oder Maiskolbe, oder gar eine solche in Natur am kostbaren Strohhut. Das war das Abzeichen des furchtbaren Klub der Mazorcas, der Henkersknechte des Diktators, den dieser zur Ausführung seiner Verfolgungen gegründet hatte.

Ahnliche Bänder, Schärpen und Fahnen mit dem Bildnis des Gewalthabers und blutdürstigen Inschriften hingen überall an Wänden und Fenstern.

Vor Adeodato da Gondra lag ein Haufen Gold- und Silbermünzen, Dublonen, amerikanische Dollars, spanische Piaster und englische Sovereigns,...



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