Reichel Babaji - Pforte zum Licht
Auflage der EPUB Ausgabe
ISBN: 978-3-945574-75-1
Verlag: Reichel Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Ein Erlebnisbericht
E-Book, Deutsch, 160 Seiten
ISBN: 978-3-945574-75-1
Verlag: Reichel Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Gertraud Reichel, lebte zusammen mit Ihrem Mann einige Jahre in Kairo, Ägypten, und in Daressalam, Tansania, wo sie Ihren Master in Sprachwissenschaften machte. Nach der Begegnung mit dem bekannten Meister Babaji 1979 in Indien gründete sie den G. Reichel Verlag, der als erstes Bücher über diesen Meister herausbrachte. Seitdem ist der Verlag stetig angewachsen mit dem Ziel, Wissen zu vermitteln. Zur Zeit lebt sie in Bayern und hat zwei Kinder.
Autoren/Hrsg.
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Kapitel 2
Rückerinnerungen - Puri
Babaji war nach Assam eingeladen. Einen Tag wollte er bleiben. Beim Darshan hatte ich ihn wortlos gefragt, ob ich ihn zum Flughafen begleiten könne. Lebhaft hatte er sich auf meine Bitte hin vorgeneigt und nicht nur mit seinem Kopf, sondern mit dem ganzen Körper seine Erlaubnis gegeben. Immer wieder war ich aufs Höchste erstaunt, wenn Babaji so offensichtlich auf Gedanken, lautlose Bitten, reagierte. Bei Zustimmung fügten sich die äußeren Umstände Stück für Stück wie in ein Puzzle ein.
So fand ich auch in einem der Autos, die zum Flughafen fuhren, einen Platz. In der Abfertigungshalle setzte sich Babaji auf einen Stuhl und ließ Bonbons an die Neugierigen verteilen, die bald hinzukamen. Manchmal winkte er jemand aus der Menge zu sich heran und sagte ihm einige Worte, die ihn aufhorchen ließen, kannte er doch die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft eines jeden.
"Flug nach Assam, Flug nach Assam!", tönte es aus den Lautsprechern. Babaji erhob sich, sein Flug war aufgerufen worden. Ich begleitete ihn zum Abflugsgate. Langsam durchquerte er die Halle und blieb, bevor er durch die Abflugpassage schritt, an einer viereckigen Säule stehen. Ein Einheimischer war hinzukommen. Irgend etwas schien Babaji ihm und mir vermitteln zu wollen, als er uns schweigend betrachtete. Mir wurde sonderbar ums Herz, ergriffen spürte ich wie seine Göttlichkeit meine Seele berührte. Bedächtig nahm Babaji seine Kette ab, fasste sie mit beiden Händen und machte Anstalten, sie mir umzulegen. In diesem Moment streckte blitzschnell der neben mir stehende Unbekannte seinen Kopf vor und schaute Babaji bittend an. Ohne zu zögern, streifte er ihm die Kette über. Diese Geste rührte mich so sehr, dass ich mich vor Babaji verneigte. Er segnete mich, und der Inder ging strahlend vor Glück seines Weges.
Mit einem Taxi fuhr ich zur Unterkunft zurück. Meine Gedanken kreisten um Babaji. Ich war ihm so dankbar, dass ich um ihn sein durfte. Seine Gegenwart erfüllte mich und nahm mich völlig gefangen.
***
Wie war ich zu Babaji gekommen?
Meine Schwiegermutter hatte mich mit esoterischer Literatur vertraut gemacht. Ich verschlang alles, was mir in die Hände fiel. Danach begann ich, gezielt Bücher über Yoga und spirituelle Meister zu lesen. Insbesondere faszinierten mich die Schriften von Alexandra David Neel, Paul Brunton. Während meiner Stewardessen-Zeit war ich nach Indien geflogen, hatte dort auch Urlaub gemacht, war aber nie einer außergewöhnlich spirituellen Persönlichkeit begegnet. Ramana Maharshi und Ramakrishna hatten es mir besonders angetan, sie inspirierten mich. Ich befestigte sogar ein Bild von Ramana Maharshi über meinem Bett. Solch einen Meister wünschte ich mir.
Dann stieß ich in der Universitätsbibliothek auf die "Autobiographie eines Yogi" von Yogananda. Ich befand mich mitten in meiner Magisterprüfung, doch anstatt meine Nase in die Bücher zu stecken, las ich in Yoganandas Werk. An der Stelle, in der beschrieben steht, dass Babaji jeden höre, der in Ehrfurcht seinen Namen ausspricht, schrie ich aus tiefstem Herzen nach ihm; nicht nur einmal, sondern tagelang. Meine Sehnsucht, ihm zu begegnen war so unermesslich groß, dass sie mir die Tränen in die Augen trieb.
Zu dieser Zeit wohnten mein Mann, mein Sohn und ich in Tansania. Im Frühjahr planten wir eine Reise nach Indien; wir wollten ein indisches Waisenkind adoptieren. Acht Wochen vor unserer Abreise schickte mir meine Schwiegermutter das Taschenbuch "Babadschi, Botschaft vom Himalaya", von M.G. Wosien. Kaum hatte ich es ausgelesen, träumte ich von Babaji. In dem Traum saß er etwas erhöht auf einem Podest - drei Stufen führten zu ihm hinauf -, und sprach durch ein Mikrophon zu unzähligen auf dem Boden sitzenden Amerikanern, von denen ebenfalls jeder ein Mikrophon in der Hand hielt. Ich schaute zu und sagte schließlich in Gedanken: "Wenn du wirklich der bist, für den man dich hält, und willst du mit mir reden, so musst du dir eine andere Art der Verständigung aussuchen."
Prompt kam die Antwort. Babaji schickte mir einen weißen Lichtstrahl, daumendick, ins Stirnchakra, der eine unbeschreibliche Glückseligkeit in mir auslöste, die nach dem Erwachen den ganzen Tag über anhielt. Aufgerüttelt durch dieses Erlebnis, fragte ich schriftlich im Haidakhan Ashram an, ob mein Mann und ich kommen dürften. Postwendend erhielt ich Antwort. Babaji schickte seinen Segen. Wir sollten einen Schlafsack und eine Taschenlampe mitbringen.
Von Dar-es-Salaam flogen wir im April nach Bombay. Wir hatten Urlaub und schauten uns auf dem Wege in den Norden alle touristischen Sehenswürdigkeiten an. In Haidakhan wollten wir drei Tage bleiben, um auf dem Umwege über Hardwar, Rishikeesh und Deutschland nach Afrika zurückzufliegen.
Doch es kam anders als geplant. Aus drei Tagen bei Babaji wurden drei Wochen, und ich verzichtete leichten Herzens auf meinen Deutschlandbesuch.
Damals hatten wir spätabends, von Delhi kommend, in Haldwani das Kailash Hotel erreicht. Kaum waren wir eingeschlafen, als wir auch schon mit dem Hinweis geweckt wurden, der Jeep stehe bereit. Die Nacht erschien uns so kurz.
Das altersschwache Vehikel brachte uns zum Damm, wo die Straße für Autoverkehr unpassierbar wird. Von dort aus führt ein Fußweg zum Ashram. Sollten wir Pferde nehmen? Nein, wir beschlossen zu wandern. Die Landschaft war so wunderschön, auch wollten wir uns auf das Kommende einstimmen. Hohe Berge umsäumten das Flusstal. Wir marschierten auf steinigen Wegen und überquerten mehrmals zu Fuß den klaren, erfrischenden Gautama Fluss. Wie symbolisch! Die Luft war warm, würzig, und eine eigenartige Stimmung schien über dem ganzen Tal zu hängen. Unbeschwert und fröhlich wanderten wir unserem Ziel entgegen. Es war eine Reise ins Unbekannte, und für mich der Anfang eines Märchens.
Nach zwei Stunden erreichten wir Haidakhan. Die Träger, mit unserem Gepäck auf dem Kopf, deuteten in die Ferne. Im Sonnenschein leuchtete auf einem Hügel ein weißes Gebäude, zu dem viele steile Stufen hinaufführten. Das musste der Ashram sein. Welch einladender Anblick!
Eine ständig im Ashram anwesende Italienerin kam uns entgegen und führte uns sogleich zu Babaji. Woher sie von unserer Ankunft wusste, weiß ich nicht. Babaji saß in einem Zimmer des damals einzigen Gästehauses auf einer Matte am Boden. Zahlreiche Deutsche umringten ihn und überreichten ihm einige Mitbringsel. Babaji spielte dabei mit einem etwa achtjährigen indischen Mädchen, das er in die Arme nahm, spielerisch hinter seinen Rücken schob und wieder hervorzog. Als wir eintraten, blickte er uns freundlich an. Seine Augen waren das Erste, was mir an ihm auffiel, sie strahlten wie Sterne, waren zwingend und voller Güte und Liebe auf uns gerichtet.
"Woher kommt ihr? Woher wisst ihr von mir?", übersetzte die Inderin, mit deren Tochter Babaji spielte, und fügte eigenmächtig hinzu: "Nun begrüßt ihn endlich!"
Da alle Anwesenden auf dem Boden saßen, hatten wir uns auf die Knie niedergelassen, etwa einen Meter von Babaji entfernt. "Das tun wir doch bereits", dachte ich, während ich Babajis Fragen beantwortete. Noch nie hatten wir vor jemanden gekniet.
"Ihr könnt fragen, was ihr wollt", hörte ich ihn sagen.
"Später, nicht jetzt", entgegnete ich. "Wir sind zu erschöpft von dem Weg, um einen klaren Gedanken fassen zu können."
Nach einer Weile hatte ich mich gesammelt und fragte, während Babaji die Geschenke der anderen langsam auspackte: "Wie soll ich meditieren?"
"Wiederhole ständig OM NAMAH SHIVAY und konzentriere dich dabei auf das Stirnchakra", lautete die Antwort.
Anschließend wies er uns an, auf dem Flur des Hauses unser Lager aufzuschlagen. Der Ashram quoll über. Jedes Zimmer war überfüllt, auf den Dächern, in der Kirtanhalle schliefen die Menschen. Sie waren zur Einweihung eines Tempels gekommen und zum Frühlings-Navratri-Fest.
Mit Religion hatte ich nichts im Sinn, sie ist nur für schwache Charaktere gedacht, glaubte ich, und hatte seit meiner Hochzeit keine Kirche mehr betreten. So beobachtete ich mit einem völkerkundlichen Interesse die religiösen Gebräuche der Inder. Sie waren mir fremd, aber anziehend und interessant.
Bald begann Babajis Präsenz auf mich zu wirken. Bei den morgendlichen und abendlichen Andachten, in denen er immer zugegen war, musste ich unaufhörlich weinen. Am zweiten Abend unserer Anwesenheit sagte Babaji, in der Dämmerung im Garten sitzend, zu meinem Mann:
"Morgen musst du gehen!"
"Ja, warum denn?", fragte er überrascht zurück.
"Rücke ins Licht, damit ich dich besser sehen kann!", entgegnete Babaji. Nachdem er ihn eingehendst betrachtet hatte, meinte er, er dürfe bleiben, er hätte ihn vorher nicht so richtig sehen können.
Eine Schweizerin zog mich am selben Abend zu Babaji hin. Intuitiv hatte ich Babajis Göttlichkeit gespürt und aus Scheu nicht gewagt, während des offiziellen Darshans vor ihn zu treten. Zwei Tage hatte dieses Gefühl mich in Bann gehalten, endlich war es überwunden.
In der Zwischenzeit war mir aufgefallen, dass es unter den Neuankömmlingen Sitte war, Babaji eine kleine persönliche Gabe zu überreichen. Ich hatte nichts mitgebracht, war mir dieser Brauch doch fremd. Süßigkeiten, Früchte etc. konnte ich im Ashram kaufen. Es war mir nicht genug. Babaji hatte meine Seele berührt, das wollte ich ihm auch äußerlich zeigen. Was konnte ich ihm schenken? Es musste etwas sein, woran mein Herz...




