Reeves-Stevens | Star Trek: Das Zentralgehirn | E-Book | www2.sack.de
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E-Book, Deutsch, 0 Seiten

Reeves-Stevens Star Trek: Das Zentralgehirn

Roman
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-641-11487-9
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

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ISBN: 978-3-641-11487-9
Verlag: Heyne
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Wer sabotiert Memory Prime?

Memory Prime ist das Zentralgehirn der Föderation. Es liegt im Inneren eines Asteroiden und wertet die Daten aller Laboratorien, Universitäten und Forschungsstationen aus. Auf Memory Prime werden auch die höchsten wissenschaftlichen Auszeichnungen verliehen. Die Enterprise erhält den Auftrag, einige der Wissenschaftler zur Preisverleihung auf den Asteroiden zu bringen, da ein Anschlag befürchtet wird. Bei einem Sabotageakt entgeht die Enterprise nur kanpp der Katastrophe. Der Vulkanier Spock sieht sich plötzlich im Zentrum der Verdächtigungen. Doch der wirkliche Attentäter hat es gar nicht auf die Enterprise abgesehen ...

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Kapitel 1


Auf dieser Welt gab es nur Fremde. Woher sie auch kamen, aus der Föderation, dem Imperium oder Reich, aus den bündnisfreien Systemen – sie alle waren Besucher auf einem Planeten, der seit fünfhundert Jahren über keine einheimischen Lebensformen mehr verfügte. Das langsame Anschwellen der Sonne hatte sie alle getötet.

Gelegentlich trafen Wissenschaftler ein, um Daten zu sammeln. Andorianer analysierten den verbrannten Boden und suchten nach Hinweisen, um die Pränova in ihrem eigenen Sonnensystem besser zu verstehen. Vulkanier beamten sich auf den Planeten, installierten innerhalb weniger Standard-Stunden ein Netzwerk aus Sensoren und verschwanden wieder. Terraner ließen sich sechs Monate Zeit, um festzustellen, ob eine Kolonisierung der Welt lohnte; die Untersuchungen führten zu einem negativen Ergebnis. Selbst ein schwerbewaffneter wissenschaftlicher Kreuzer der Klingonen schwenkte kurz in den Orbit, hielt mit den Sensoren nach Dilithium Ausschau und setzte den Flug anschließend fort.

Unterdessen drehte sich der leere, von niemandem beanspruchte Planet auch weiterhin um seine eigene Achse, trug dabei die Reste von diversen Erkundungslagern, den Müll hemmungsloser Forschung. Letztendlich bekam er nicht einmal einen Namen und war kaum mehr als eine Fußnote in den Navigationskarten. Man nannte ihn TNK F3459-9-SF-50 – so lautete seine Nummer in T'Lins Neuem Katalog. Niemand interessierte sich für ihn, und das bedeutete: Für gewisse Wesen in jenem Teil der Galaxis war er perfekt.

Diesmal hieß er Starn, und er wählte die Kleidung eines Händlers, der Kevas und Trillium feilbot: ein blaues Hemd, dazu einen burgunderroten Umhang. Mit einer solchen Aufmachung erregte er sicher kein Misstrauen, denn es geschah nicht selten, dass Geschäftsleute ihre interstellaren Reisen unterbrachen, um TNK 50 einen Besuch abzustatten.

Als er durch die schmalen Straßen der Stadt wanderte, prägte er sich alles genau ein, verglich die Umgebung mit den in der Umlaufbahn ermittelten Ortungsdaten und plante bereits seinen Fluchtweg. Die dünnen Nadeln andorianischer Gebetstürme ragten neben blasenförmigen Gebäuden mit tellaritischen Gemeinschaftsbädern auf. Sie projizierten vage Schatten durch dichte, wie zinnoberroter Nebel wallende Wolken aus staubfeinem Sand. Einige orionische Piraten erschienen, die Gesichter halb hinter Atemmasken verborgen. Auf TNK 50 brauchten Piraten, Terroristen oder andere Verbrecher keine Verhaftung zu befürchten. Hier gab es nur ein Gesetz, und Starn war damit vertraut.

Die Orioner zögerten und fragten sich vermutlich, welche Art von Widerstand ein einzelner Händler leisten mochte. Starn zupfte an seinem Mantel und öffnete ihn wie zufällig, zog ihn dann enger um die Schultern. Die Orioner gingen schneller, und jeder von ihnen hob respektvoll einen grünen Finger zur Schläfe. Sie hatten den Iopenschneider unter dem burgunderroten Umhang gesehen, und er bewies, dass auch bei Starn – wie bei den meisten Wesen auf TNK 50 – der Schein trog.

Der Händler schritt weiter, und niemand belästigte ihn. Viele Sauerstoffatmer, denen er unterwegs begegnete, trugen ähnliche Atemmasken wie die Orioner. Andere verzichteten darauf, so wie er. Seine Lungen waren an die von 40 Eridani erhitzte Luft gewöhnt, und deshalb erschien ihm diese öde Welt vertraut.

Als er sich dem Stadtzentrum näherte, spürte er ein leichtes Prickeln, und vor ihm schien eine substanzlose Membran nachzugeben. Er kannte die Ursache: der Transporterschild, von den hiesigen Händlern geschaffen. Ein hochenergetischer Transporterstrahl konnte ihn durchdringen, aber in einem solchen Fall dauerte der Transfer einige Minuten – lange genug, um einen Fliehenden daran zu hindern, seinen Verfolgern zu entrinnen. Wer nach TNK 50 kam, hatte irgendwo Feinde, und die Stadt verdankte ihre Existenz in erster Linie dem Umstand, dass sie Sicherheit gewährte.

Starn näherte sich dem Treffpunkt, als der große rote Sonnenball hinter den Horizont sank. Die Taverne bestand aus Teilen, die früher in verschiedenen wissenschaftlichen Camps Verwendung gefunden hatten. Über dem Eingang hing ein Schild und klapperte im böigen Wind – es wies Starn auf den Inhaber der Schenke hin. Die Angehörigen anderer Völker hätten diesen Namen höchstens geflüstert; nur ein Klingone war unverschämt genug, ihn ganz offen zur Schau zu stellen.

Das Schild zeigte die zweidimensionale Darstellung eines unglaublich dicken Vulkaniers, der zwei orionische Sklavinnen an seine Fettwülste drückte, während das Gesicht eine Grimasse bildete. Darunter, im kantigen pIqaD von Klinzhai, glühte der Tavernenname: Vulqangan Hagh. Starn rückte seinen Mantel zurecht – mit dieser harmlos wirkenden Geste sorgte er dafür, dass er seine Waffe jederzeit ziehen konnte –, bevor er die Schenke betrat.

Rauchschwaden wehten ihm entgegen, und Starn verharrte in einem matten Zwielicht, beobachtete erstaunt die Flammen im Kamin an der gegenüberliegenden Wand. Ein offenes Feuer auf einem Planeten ohne Flora … Daraus ließ sich nur der Schluss ziehen, dass jener Teil der Schenke von einem Terraner oder einem Tellariten stammte. Starn betrachtete den Kamin eine Zeitlang und stellte fest, dass keine nennenswerte Wärme davon ausging. Es handelte sich also um eine holographische Projektion.

Woraus folgte: Die Vorrichtung musste terranischen Ursprungs sein. Tellariten hätten pflanzliche Materialien importiert, um sie hier zu verbrennen. Starn nahm an, dass der Kamin nicht nur dekorativen Zwecken diente, sondern auch dazu, Sensoren zu verbergen. Meine Ankunft ist bereits gemeldet worden, dachte er.

Starn trat an die Theke heran. Ein vielbeiniges Geschöpf schnüffelte übertrieben und wich zur Seite – er achtete nicht darauf.

Hinter dem Schanktisch stand ein ziemlich alter Klingone. Er zog das eine Bein nach – eine billige oder beschädigte Prothese –, und in der leeren linken Augenhöhle funkelte der rubinrote Ehrenstein eines Veteranen. Vage Besorgnis erfasste Starn. Ein Klingone, der einen Ehrenstein besaß, durfte erwarten, auf Klinzhai besondere Hochachtung zu genießen, Land und das Recht zu bekommen, eine eigene Familiendynastie zu gründen. Ein derartiger Veteran ließe sich nie dazu herab, in irgendeiner schäbigen Taverne die Aufgaben des Wirts wahrzunehmen. Mit anderen Worten: Dieser Bursche hatte den Ehrenstein gestohlen. Ein ehrloser Klingone … Diese Vorstellung war mindestens so beunruhigend wie der lachende Vulkanier auf dem Schild.

Die Gestalt hinter der Theke ignorierte den neuen Gast zunächst, doch schließlich schlurfte sie zu ihm. »NuqneH, vulqangan?«, knurrte der Veteran.

Starn hielt den traditionellen klingonischen Gruß für angebracht, insbesondere unter den gegenwärtigen Umständen. »bIQ«, zischte er.

Der Wirt zögerte – Starns perfekte Aussprache schien ihn zu überraschen. Dann erfüllte er den Wunsch des Händlers nach Wasser, indem er auf den Tresen spuckte.

Einige andere Gäste in der Nähe hatten den kurzen Wortwechsel gehört und erstarrten nun. Wenn auch Starn Klingone gewesen wäre … Vielleicht hätte dann eine mehrere Generationen lange Blutfehde begonnen. Aber Starn war kein Klingone, obgleich er die imperialen Bräuche gut kannte.

Der Veteran wartete gespannt auf eine Reaktion, und in seinem Auge blitzte es. Starn schob die Hand langsam unter den Mantel, und ebenso langsam kam sie mit einem sorgfältig gefalteten weißen Tuch zum Vorschein. Sein Blick klebte an dem Wirt fest, als er das Tuch in den Speichel tupfte und es anschließend zur Stirn hob.

Der Wirt erzitterte, als Starns Hand auch weiterhin in Richtung Stirn kroch. Zwei in der Nähe stehende klingonische Söldner kicherten. Nur noch wenige Zentimeter trennten das Tuch von der Stirn, als der Veteran plötzlich nicht mehr an der Entschlossenheit des Fremden zweifelte.

»Ghobe!«, fauchte er und griff nach dem Tuch. Starn saß völlig reglos, als der Wirt den restlichen Speichel vom Tresen wischte und dann forteilte, wobei seine Wut fast komisch anmutete. Die Söldner lachten schallend, winkten einem Kellner zu, der ein Antigravtablett mit Speisen und Getränken von Tisch zu Tisch dirigierte. Wenige Sekunden später hielt der Kellner das Tablett neben Starn an und reichte ihm eine versiegelte Blase mit Stasiswasser.

»Mit den besten Empfehlungen der beiden Offiziere, Händler«, sagte der namenlose Mann.

Starn drehte sich halb um und blickte zu den klingonischen Söldnern. Sie lächelten und versuchten unbeholfen, ihn zu grüßen, indem sie Mittel- und Ringfinger spreizten. Starn nickte, woraufhin die Offiziere erneut lachten. Dann brach er das Siegel und wartete, bis das Kraftfeld verschwand.

Was auch immer Starn sonst noch sein mochte: Er war ein Kenner. Der spezielle Duft des Wassers verriet ihm, woher es kam: von einem Wüstenplaneten mit komplexen Oxiden. Schon der erste Schluck klammerte TNK 50 als Herkunftsort aus. Das Wasser war einst Teil eines auf Photosynthese basierenden Ökosystems gewesen, und auf diesem Planeten gab es kein Leben. Der zweite Schluck genügte – die Flüssigkeit stammte von Vulkan. Die Söldner hatten ihn damit ehren wollen. Starn legte die Blase auf den Tresen und rührte sie nicht noch einmal an.

Eine hellblaue Hand streckte sich neben ihm der Theke entgegen. Es war eine vorsichtige, behutsame Bewegung, und Starn drehte neugierig den Kopf, begegnete dem nervösen Blick einer jungen Andorianerin. Sie trug einen alten, wahrscheinlich geschmuggelten Starfleet-Overall, der ihrer Hautfarbe entsprach. Starn bemerkte einen verkümmerten Hörfühler und...


Brandhorst, Andreas
Andreas Brandhorst, geboren 1956 im norddeutschen Sielhorst, hat mit Romanen wie »Äon«, »Das Erwachen« oder »Das Schiff« die deutsche Science-Fiction-Literatur der letzten Jahre entscheidend geprägt. Spektakuläre Zukunftsvisionen verbunden mit einem atemberaubenden Thriller-Plot sind zu seinem Markenzeichen geworden und verschaffen ihm regelmäßig Bestsellerplatzierungen. Zuletzt sind bei Heyne seine Thriller »Der Riss« und »Messias« erschienen. Andreas Brandhorst lebt im Emsland.



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