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Rechtsrheinisches Köln | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 50, 120 Seiten

Reihe: Jahrbuch

Rechtsrheinisches Köln

Jahrbuch für Geschichte und Landeskunde
1. Auflage 2026
ISBN: 978-3-6957-2285-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Jahrbuch für Geschichte und Landeskunde

E-Book, Deutsch, Band 50, 120 Seiten

Reihe: Jahrbuch

ISBN: 978-3-6957-2285-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Es handelt sich um eine Fachbuch mit verschiedenen Beiträge zur Heimatgeschichte des rechtsrheinischen Köln.

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Das St. Josefhaus in Wahn im Wandel der Zeit


Vorwort


Wie Geschichte wirkt, Einfluss nimmt, gestaltet und verändert, das möchte ich den Lesern in diesem Beitrag etwas näherbringen. Es geht um das Altenzentrum St. Josef in Wahn. Wie aus einem kleinen armseligen Fachwerkhäuschen, mit alten und gebrechlichen Menschen, ein Zuhause für den Lebensabend von Seniorinnen und Senioren im vertrauten Umfeld entstanden ist.

Der verstorbene Archivleiter der ehemaligen Stadt Porz, Jürgen Huck, berichtete 1967 in dem Jahrbuch "Unser Porz", Heft 9, des Heimatvereins Porz e.V. ausführlich über das Kloster St. Josef und das spätere Krankenhaus in Wahn. Darüber hinaus nahm sich Dr. Hermann Josef Scheidgen im Jahrbuch für Geschichte und Landeskunde "Rechtsrheinisches Köln", Band 11, aus dem Jahr 1985 in dem Beitrag über die Katholische Pfarre St. Aegidius in Wahn, dem Thema das St. Josef Kloster bis 1935 an. Trotz dieser Teilbeiträge möchte ich das Thema wegen der vielförmigen Um- und Neugestaltungen sowie der mannigfaltigen, unterschiedlichen Aufgaben als auch der Inbesitznahme verschiedener Eigentümer, erneut aufgreifen. Denn die Kinderverwahrung, Altenpflege und Altenbetreuung, die die Ordensschwestern 1858 in Wahn begannen, verwirklichen inzwischen in zeitlich angepasster Form ein privat geführter Kindergarten sowie Pflegerinnen und Pfleger der Caritas im umgebauten Altenzentrum St. Josef.

Der Vertrag von 1858


Erstmalig berichtete Josef Vonderbank1, Porz, 1958 ausführlich im Bergischen Kalender über das 100-jährige Bestehen eines Klosters in Wahn. Reichsfreiherr und Edler Herr Clemens Wenceslaus von Eltz-Rübenach (*1791, +1872), verheiratet seit 1820 mit Reichsfreiin Theresia Antonetta Heereman von Zuydtwyck (*1791, +1840)2 regte dazu an, in Wahn eine klösterliche Genossenschaft zu gründen. Nachdem Anton Fersch, Pfarrer an der Kirche St. Aegidius zu Wahn, am 3. Januar 1858 wohlwollend auf die Planung des Schlossbesitzers einging3, wandte sich dieser an das Erzbistum in Köln. Am 14. Januar 1858 erhielt er das Einverständnis des Erzbischofs von Köln, Kardinal Johannes von Geißel, zur Einrichtung einer Zweigniederlassung der Genossenschaft der Armen Dienstmägde Jesu Christi in Wahn4. Der Orden war durch Mutter Maria Kasper 1851 in Dernbach im Westerwald in der Diözese Limburg gegründet worden5.

Am 1. Februar 1858 legte Clemens Reichsfreiherr von Eltz-Rübenach in einem Schreiben an den Vorsteher des Ordens der Armen Dienstmägde Jesu Christi seine Vorstellungen über die Gründung einer klösterlichen Genossenschaft und deren Aufgaben bezüglich der Armen- und Krankenpflege, sowie der Leitung einer Kleinkinder-Verwahranstalt dar.

Nachdem am 12. Februar 1858 mit dem Ordensprior Johann Jakob Wittayer geschlossenen Vertrag trafen die Schwestern Emma, Antonia und Bertha, beide Novizinnen, am 31. Mai 1858 in Wahn ein. Der Hausherr von Schloss Wahn übergab der neuen Oberin Schwester Emma den Schlüssel für ein niedriges, armseliges Fachwerkhäuschen an der Wahner Viehgasse, heute Wilhelm-Ruppert-Straße, als ihre neue Wirkungsstätte.

Die öffentliche Einführung der Schwestern fand am Samstag den 14. Juni 1858 mit einem Levitenamt in der Pfarrkirche St. Aegidius zu Wahn statt, das Pfarrer Anton Fersch zelebrierte, und bei der Pater Rhoder S.J. zum Thema: „Gepriesen sei der Herr, Gott Israels“ predigte6.

In dem Fachwerkhäuschen übernahmen die Schwestern die Kinderverwahrung und schulten Frauen beim Erlernen von Nähen, Stricken und Häkeln. Außerdem widmeten sie sich der Krankenpflege, besuchten die Kranken in ihren Wohnungen in Wahn, Lind und Biesel. In den Räumen des Erdgeschosses ihres Hauses pflegten sie gebrechliche Menschen, während der zugige Speicher ihnen als Schlafraum diente. Trotz ungenügender Verhältnisse haben die Schwestern über ihre selbstlose Tätigkeit nie viel Aufhebens gemacht. Von den ersten drei Schwestern blieben nur Emma und Bertha bis zum 20. August 1862 in Wahn. Schwester Antonia wurde im Winter abberufen und am 22. Dezember 1858 durch Schwester Herberta, ebenfalls Novizin, ersetzt7. Aus der Chronik der Niederlassung ist manches über die Schwestern zu erfahren, nicht nur über ihre Krankheit und Tod, sondern auch über ihren Einsatz für andere Menschen. So wird die Schwester M. Plazida genannt, die im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 zur Pflege von Kranken und Verwundeten entsendet wurde.

Eine erste bauliche Maßnahme erfolgte im Jahr 1881 durch den Bau eines zweigeschossigen Gebäudes, östlich neben dem bestehenden Fachwerkhaus. Es sollte den Schwestern vornehmlich als Wohnung dienen. Dazu hatte die spätere Oberin, Schwester Fides, die in der Krankenpflege tätig war und Geldspenden sammelte, viel beigetragen8. Aber auch Baron Kuno von Eltz-Rübenach (*1832, +1889) unterstützte die Schwestern mit verschiedenen Hilfsleistungen, sodass der Anbau 1882 fertig gestellt und bezogen werden konnte. Nach dem Tod des Barons Kuno von Eltz-Rübenach änderte sich die Unterstützung der Schwestern, die bisher alle Nahrungsmittel kostenlos aus dem Schloss bezogen. Ab dem 1. Februar 1890 erhielten sie von Klemens Freiherr von Eltz-Rübenach vierteljährlich 150 Mark, außerdem eine Kleidervergütung für drei Schwestern.

Nach Fertigstellung der neugotischen Kirche St. Aegidius im Jahre 1895 übernahm der Kirchenbaumeister Anton Becker (*1853, +1899) aus Lüftelberg9 in den Jahren 1895/96 auch die Planung für einen dreigeschossigen Neubau, der an die Stelle des kleinen Fachwerkhäuschens trat, und sich an den Hausflügel aus dem Jahr 1881 anfügte. Die Ausführung des Neubaus, der den Schwestern 15.000 Mark kostete, erfolgte durch den Wahner Bauunternehmer Willhelm Borsbach10. Die Fertigstellung des neuen Gebäudes führte nicht nur zur Aufnahme von weiteren Kranken, sondern auch 1896 zur Einrichtung einer Näh- und Haushaltsschule11.

Abbildung 1 – Der Altarraum der alten Kirche St. Aegidius. Dieses Gotteshaus wurde nach Fertigstellung der heutigen Kirche, 1896 abgebrochen. Foto von Emmi Giesen, Wahn, Sammlung B. Krix, Wahn.

Verbundenmit diesen Maßnahmen, erfolgte nach Genehmigung durch die Regierung in Köln, auch eine Aufstockung der Zahl der Schwestern von drei auf sechs. Die Leitung der Nähschule übernahm Schwester Cilinia, die am 30. Oktober 1896 in der Niederlassung eintraf.

Im Jahre 1900 erfolgte zum Teil aus Witterungsgründen eine Verlegung beziehungsweise eine Veränderung der Räume im Neubau. Die Kapelle erhielt einen neuen Platz in einem größeren Raum in der ersten Etage, und die Waschküche wurde zur Küche umgewandelt. Außerdem teilte Klemens Freiherr von Eltz-Rübenach am 23. Januar 1900 dem Pfarrer Heinrich Buffen zu Wahn mit, dass er bereit sei, das Grundstück des Klosters der Pfarrkirche zu überlassen12, unter der Bedingung, dass dasselbe seinem bisherigen Zwecke, nämlich der Krankenpflege der Pfarrangehörigen von Wahn durch die Armen Dienstmägde Christi erhalten bleibe13. Der Kirchenvorstand nahm das Geschenk am 11.2.1900 dankend an14.

Am 10. März 1897 stellte Pfarrer Heinrich Buffen von St. Aegidius den Antrag zur Errichtung einer Kinderverwahrschule, die von den Schwestern übernommen werden sollte. Nachdem die Königliche Regierung in Köln, Abteilung Kirchen und Schulwesen, die Genehmigung erteilte, begannen die Schwestern mit der Umsetzung des Plans, und Schwester Neri übernahm die Leitung der Kinderverwahrschule.

Abbildung 2 – Medaillon Anton Becker, von seinem Grabstein auf dem Friedhof in Bonn-Poppelsdorf.

Bedingt durch die Raumnot im Kloster, nahmen die Schwestern ein Angebot des Wirtes und Bauunternehmers Peter Reinold, die Kinderverwahrschule in einen Saal seiner Gastwirtschaft, damals Haus 92, heute Frankfurter Straße 206, zu verlegen gerne an, was am 16. Oktober 1901 geschah. Dazu stellte Reinold auch einen freien Platz für das Spielen an frischer Luft neben der Gastwirtschaft zur Verfügung.

Als Anerkennung und aus Dankbarkeit für die kostenlose dreijährige Bereitstellung von Saal und Platz erhielt Peter Reinold 1904 den Auftrag, auf dem Pfarrgrundstück an der Wahner Viehgasse, inzwischen Wilhelm-Ruppert-Straße 13, eine neue Verwahrschule zu errichten. Was in sehr kurzer Zeit geschah. Die feierliche Einweihung der neuen Kinderverwahrschule fand am 2. August 1904 statt, dabei dankte Pfarrer Heinrich Buffen noch einmal dem Erbauer für die kostenlose Beherbergung der kleinen Zöglinge15.

Abbildung 3 – Freifrau Leonie (*1874, +1941) und Klemens Freiherr von Eltz-Rübenach (*1862, +1932), 1928 in Maria Laach.

Abbildung 4 – Kinderverwahrschule in der Wahner Viehgasse, später...



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