Rauenstein | Lore-Roman 122 | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 122, 64 Seiten

Reihe: Lore-Roman

Rauenstein Lore-Roman 122

Der Graf mit dem steinernen Herzen
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7517-2611-5
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Der Graf mit dem steinernen Herzen

E-Book, Deutsch, Band 122, 64 Seiten

Reihe: Lore-Roman

ISBN: 978-3-7517-2611-5
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Henning von Bern arbeitet und kämpft verbissen, um sich und seinem jüngeren Bruder das väterliche Erbe zu erhalten. Als er Angela von Wörmshofen kennenlernt, wirbt er leidenschaftlich um sie. Und obwohl die schöne Komtess den jüngeren Bruder liebt und heimlich mit ihm verlobt ist, heiratet sie Henning. Erst dann erfährt der Graf, dass er dem Bruder die Frau genommen hat. Er verachtet die Frau, die mit einer Lüge auf den Lippen die Seine geworden ist. Angela führt fortan ein Schattendasein neben dem hart gewordenen Mann, und es wird noch schlimmer, als der heiß ersehnte Sohn und Erbe schwachsinnig und unheilbar krank zur Welt kommt. Henning zerbricht in dieser Zeit fast an seinem Leben, und was sich auf der Burg zwischen ihm und Angela abspielt, ahnt niemand.
Eines Tages verlässt die Gräfin heimlich bei Nacht und Nebel mit dem Kind die Burg und monatelang weiß niemand, wo sie sich aufhielt. Erst langsam sickert es durch, dass die Frau mit dem kleinen Jungen den Tod gesucht hat. Man gibt dem Grafen die Schuld, und das Getuschel und Geraune hinter seinem Rücken will nicht aufhören. Verbissen und verbittert geht Henning von Bern seinen Weg - bis das Schicksal es eines Tages wieder gut mit ihm meint ...

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Der Graf mit dem steinernen Herzen

Wie Liebe den Hass besiegte

Von Regina Rauenstein

Henning von Bern arbeitet und kämpft verbissen, um sich und seinem jüngeren Bruder das väterliche Erbe zu erhalten. Als er Angela von Wörmshofen kennenlernt, wirbt er leidenschaftlich um sie. Und obwohl die schöne Komtess den jüngeren Bruder liebt und heimlich mit ihm verlobt ist, heiratet sie Henning. Erst dann erfährt der Graf, dass er dem Bruder die Frau genommen hat. Er verachtet die Frau, die mit einer Lüge auf den Lippen die Seine geworden ist. Angela führt fortan ein Schattendasein neben dem hart gewordenen Mann, und es wird noch schlimmer, als der heiß ersehnte Sohn und Erbe schwachsinnig und unheilbar krank zur Welt kommt. Henning zerbricht in dieser Zeit fast an seinem Leben, und was sich auf der Burg zwischen ihm und Angela abspielt, ahnt niemand.

Eines Tages verlässt die Gräfin heimlich bei Nacht und Nebel mit dem Kind die Burg und monatelang weiß niemand, wo sie sich aufhielt. Erst langsam sickert es durch, dass die Frau mit dem kleinen Jungen den Tod gesucht hat. Man gibt dem Grafen die Schuld, und das Getuschel und Geraune hinter seinem Rücken will nicht aufhören. Verbissen und verbittert geht Henning von Bern seinen Weg – bis das Schicksal es eines Tages wieder gut mit ihm meint ...

Die Nacht warf ihre Schatten voraus, und die ersten Sterne standen schon bleich am Himmel. Auf Burg Bern waren die Zimmer hell erleuchtet, gespenstisch warf das Licht seinen Schein auf den dunklen Burghof, der still und verlassen lag.

Die große, wuchtige Gestalt, die reglos am Fenster stand und mit starren Augen in die Nacht hinaussah, wandte sich jetzt langsam um und setzte ihre ruhelose Wanderung durch das Zimmer fort. Ein leises schmerzliches Wimmern drang aus dem Nebenzimmer und ging in ein schmerzliches Stöhnen über. Der ruhelose Mann verharrte einen Augenblick, und ein Zucken lief über sein blasses Gesicht.

Nein, er liebte sie nicht, die kleine, überzarte Frau, die schon seit ein paar Tagen kämpfte, um ihm endlich den ersehnten Erben zu schenken. Ein hartes, bitteres Lachen sprang über den schmalen Mund, und seine große Hand durchschnitt die Luft, als wollte er etwas Lästiges wegwischen.

Einen Sohn, er wollte einen Sohn haben, hämmerte und klopfte jeder Pulsschlag in ihm, und er dachte an das kleine zweijährige Mädchen, das in seinem kleinen Bettchen so friedlich schlummerte und nicht ahnte, wie nahe die geliebte Mutti dem Tode war.

Wieder gellte ein furchtbarer Schrei auf und warf den Mann jäh herum. Unwillkürlich presste er die Hände auf seine Ohren, er konnte dieses entsetzliche Schreien nicht mehr hören, es ging über seine Kraft.

Henning von Bern war ein kraftvoller Recke, und seine mächtige Gestalt überragte seine Freunde um ein Beträchtliches. Sein hellblondes Haar lag in natürlichen Wellen weit in die Stirn und gab dem Gesicht des Mannes etwas Verwegenes. Seine dunkelblauen Augen hatten einen finsteren Ausdruck, und nur selten verzogen die harten Lippen sich zu einem spärlichen Lachen.

Man liebte ihn nicht, den harten Burgherrn, aber man fürchtete und achtete ihn, denn er war ein strenger, aber gerechter Herr.

Früh hatte er schon die Eltern verloren, und nur seinem unermesslichen Fleiß und seiner Ausdauer war es zu verdanken, dass ihm und dem jüngeren Bruder das Erbe geblieben war. Er hatte keine Zeit für Tanz und Frohsinn gehabt, sein Leben bestand aus Arbeit und immer wieder nur aus Arbeit. Und genauso, wie er einst in eiserner Pflichterfüllung das Erbe der Väter erhalten hatte, genauso kühl und überlegen war er in die Ehe gegangen, als er die Zeit für gekommen hielt, und genauso selbstverständlich war es für ihn, dass die Frau, die er geheiratet hatte, ihm den Sohn und Erben schenkte.

Fassungslos hatte er der Tatsache gegenübergestanden, als das erste Kind nur eine Tochter war, und schweigend, ohne der blassen erschöpften Frau ein gutes Wort zu sagen, hatte er das Zimmer verlassen.

Lange hatte es gedauert, bis er die Enttäuschung etwas überwunden hatte, aber erst als er wusste, dass seine Frau ein zweites Kind erwartete, kam es vor, dass sich ein leichtes Lächeln um seinen harten Mund stahl, wenn seine kleine Tochter auftauchte.

Das Kind aber fühlte die Abneigung des Vaters und wich ihm scheu aus, und Henning von Bern versuchte nicht, die Liebe des Mädchens zu erringen.

Der sinnende Mann hatte das Öffnen der Tür überhört, erst als die erregte Stimme des Arztes hinter seinem Rücken aufklang, fuhr er herum.

»Was gibt es, Doktor, ist es endlich so weit?«, stieß er zwischen den Zähnen hervor.

Der Doktor wich den fiebrigen Männeraugen aus und hob mutlos die Schultern.

Vergebens suchte er nach Worten, aber er wusste, er konnte nicht anders, zu viel stand auf dem Spiel.

Noch zögerte er, suchte nach den richtigen Worten, aber da klang ein furchtbarer, gellender Schrei auf und brach mit einem keuchenden Wimmern ab.

Der Arzt wischte sich den Schweiß von der Stirn, und während er mit einem ernsten Blick das erstarrte Gesicht des Burgherrn suchte, sagte er schwer: »Mir bleibt also keine andere Wahl, Herr von Bern, ich muss es Ihnen sagen, ich kann nur die Frau oder aber das Kind retten.«

Einen Augenblick schien die mächtige Gestalt des Mannes zur Salzsäule erstarrt, dann überlief ein Zucken seine hohe Gestalt, und ein Schrei, wild und leidenschaftlich, brach aus seiner Brust.

»Das Kind, Herr Doktor, sie müssen es retten, sie müssen mir den Sohn retten.«

Fast schien es, als habe der Arzt diese Antwort erwartet, tief senkte er den Kopf, dann wandte er sich wortlos ab.

Henning von Bern aber ergriff ihn mit seinen kräftigen Händen am Arm, und seine harten Finger gruben sich in sinnloser Not schmerzhaft in das Fleisch.

»Retten Sie das Kind, ich beschwöre Sie«, keuchte er heiser.

Mit einem sprechenden Blick sah der alte Arzt ihn an.

»Und die Frau, Ihre Frau, Herr von Bern?«, kam es hart aus seinem Mund.

Jäh ließ der Mann seinen Arm los, sein Gesicht verhärtete sich, dann sagte er langsam, und jedes Wort schien ihm unsagbare Mühe zu machen: »Tun Sie Ihre Pflicht, Herr Doktor.«

Langsam wandte er sich ab und trat erschöpft ans Fenster. Mit leeren Augen starrte er hinaus, er merkte nicht, dass der Arzt das Zimmer wieder verließ, hörte nicht mehr das Wimmern der gequälten Frau, merkte nicht, wie es auf einmal ruhig, unheimlich ruhig um ihn wurde, wie kein Laut mehr aus dem Nebenzimmer zu ihm drang.

Erst als sich eine zitternde Hand auf seine Schulter legte, wachte er wie aus einem bösen Traum auf, wandte sich langsam und schwerfällig herum.

Verständnislos sah er in das gerötete Gesicht des Arztes, dem die Haare feucht in die Stirn hingen.

»Es ist vorbei, Herr von Bern«, sagte der Arzt mit seltsam klingender Stimme, und in seinen Augen lag ein freudiges Leuchten.

Henning von Bern taumelte einen Augenblick zurück, seine Augen weiteten sich entsetzt, dann ballte er die Hände.

»Spannen Sie mich nicht auf die Folter, Doktor, so reden Sie doch endlich«, stieß er zwischen den Zähnen hervor, und kaum hörbar: »Meine Frau, das Kind, was ist mit ihnen?«

Tief atmete der Arzt auf.

»Sie leben, Herr Bern, beide leben. Ihr Sohn und Ihre Frau.«

Der große, kraftvolle Mann wankte, dann schlug er mit einem dumpfen Stöhnen die Hände vor sein Gesicht, und der Doktor hörte, wie er leise, wie trunken vor sich her sagte: »Er lebt, mein Sohn lebt. O Gott, ich danke dir!«

Mit keinem Wort sprach er von der kleinen tapferen Frau, die mit todbleichem Gesicht und geschlossenen Augen in ihren Kissen lag und deren schmale Brust sich kaum wahrnehmbar unter den schwachen Atemzügen hob.

Groll stieg in dem alten Mann hoch, und ein heißes Mitleid mit der Frau, die ein Schattendasein neben dem harten Gatten führte.

***

Monate waren vergangen, die junge Mutter ging still und ernst ihren Pflichten nach, und nur selten sah man noch einmal den Anflug eines verlorenen Lächelns um den kleinen, vom tiefen Leid gezeichneten Mund. Auch jetzt stand sie mit sinnenden Augen und sah auf das schlafende Kind, das mit eigenartig gelblichem Gesichtchen in seinen Spitzenkissen lag.

Henning von Bern. Stolz hatte der Vater den Namen seines Sohnes in das Stammbuch eintragen lassen, obwohl das kleine, schmächtige Menschenkind noch nichts von seinem starken Vater in sich getragen hatte.

Tagelang hatte man um das Leben des Kindes gebangt, und das schwache Flämmchen hatte geflackert und drohte völlig zu erlöschen. Die besten Ärzte und die besten Pflegerinnen hatte Herr von Bern kommen lassen, doch es schien alles umsonst gewesen zu sein.

»Überlass mir das Kind«, hatte die junge Frau flehend die Hände gehoben, und in ihren großen Augen hatte eine verzehrende Bitte gelegen.

Nachdenklich hatte Henning von Bern in das überzarte Gesichtchen seiner Frau gesehen, und wie eine bittere Verachtung wollte es sich über seine Lippen drängen. Aber dann hatte er sich noch im letzten Moment besonnen, gerecht genug, sich zu sagen, dass es ja nicht ihre Schuld war, dass das Kind zu schwach zum Leben...



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