Ranstrom | Der Kuss im Kristall | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 265, 256 Seiten

Reihe: Historical

Ranstrom Der Kuss im Kristall


1. Auflage 2009
ISBN: 978-3-86295-164-2
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 265, 256 Seiten

Reihe: Historical

ISBN: 978-3-86295-164-2
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



London, 1818: In Alethea brennt der Wunsch nach Gerechtigkeit: Ihre Tante, die bekannte Wahrsagerin Madame Zoe, wurde ermordet! Der einzige Hinweis auf den Täter ist eine kostbare Schmucknadel, die einen Raben zeigt. Mutig gibt Alethea sich fortan als Madame Zoe aus, um den Schurken herbeizulocken. Kann sie so die Geheimnisse der Vergangenheit lüften? Kristall und Karten geben Alethea aber nicht preis, wohin die Zukunft sie führt: Der attraktive Rob McHugh, Earl of Glenross, weckt mit einem Kuss ihre Leidenschaft - und einen schrecklichen Verdacht! Denn der Rabe ist das Zeichen des Earls und ziert jedes seiner Schmuckstücke ...



Geboren und aufgewachsen ist Gail Ranstrom im Nordwesten der USA, in den Weiten von Montana. Schon damals hörte sie gerne Geschichten über vergangene Epochen und weit entfernte Länder, und dabei durfte natürlich auch Abenteuer, Spannung und Romantik nicht zu kurz kommen! Bevor sie jedoch selbst mit dem Schreiben anfing, machte sie alle möglichen und unmöglichen Jobs, einmal nähte sie sogar die Kellneruniformen für einen deutschen Biergarten. Erst als ihr jüngstes Kind zur Schule ging und sie etwas Zeit für sich fand, erfüllte sie sich ihren Traum, spannende Liebesromane zu schreiben, die zur Zeit des englischen Regency spielen. Zum Glück wohnt einer ihrer Brüder in London, sodass sie immer wieder zu Recherchezwecken nach England fahren kann. Und die langen Winter in Montana sind geradezu geschaffen, um ihre preisgekrönten Romane zu verfassen. Gail Ranstrom hört immer gerne von ihren Lesern und Leserinnen, sie freut sich über jede E-Mail an gail@gailranstrom.com.

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1. KAPITEL

London, 12. Dezember 1818

Konnte es einen größeren Gegensatz geben als den zwischen diesen Gerüchen und Geräuschen und dem engen Verlies in Afrika, dem er soeben entronnen war? Lord Robert McHugh, vierter Earl of Glenross, zog seinen Überrock aus und reichte ihn dem Lakaien. Die Luft war erfüllt von dem Duft nach Immergrün, vermischt mit dem köstlicher Kanapees und heißen gewürzten Weins. Aus dem angrenzenden Raum waren leise Orchestermusik und höfliches Gemurmel zu hören. Neben ihm versuchte Lord Ethan Travis noch immer, die Gründe darzulegen, warum Robert davon absehen sollte, heute Abend diese Soiree zu besuchen.

„Dazu bist du noch nicht bereit, McHugh. Du bist erst seit vierzehn Tagen wieder in London. Lass dir noch etwas Zeit, ehe du …“

„Ich habe keine Zeit, Travis“, erwiderte Robert, der von seinen Freunden meist „Rob“ oder einfach nur „McHugh“ genannt wurde. „Die habe ich in Algier vertan.“

„Du musst dich erst wieder mit der Gesellschaft vertraut machen. Wenn du hereinstürmst, wo man auf Zehenspitzen gehen sollte …“

„Meinst du, die Gesellschaft sollte sich erst mit mir vertraut machen?“ Rob lächelte angesichts der Besorgnis des Freundes.

Ethan warf ihm einen verzweifelten Blick zu. „Wenn ich du wäre, würde ich mich zu einem Barbier begeben. Deine Locken sind länger als die Byrons. Und deine Gefühle so schroff wie ein Wintertag. Diplomatie war noch nie deine starke Seite. Unter diesen Umständen kann dir niemand einen Vorwurf machen, aber warum willst du dich dem Gerede aussetzen, dem Mitleid …“

Mitleid? Dagegen musste Rob etwas tun. Er wollte lieber gehasst werden als bemitleidet. „Woher die Besorgnis, Ethan? Das Außenministerium hat mich seit meiner Rückkehr isoliert. Zwei Wochen lang haben sie mich wieder und wieder befragt, um jedes noch so kleine Quäntchen Information zu erhaschen, das ich während meines, äh, Aufenthalts im Palast des Dey vielleicht aufgeschnappt habe. Es ist zu früh, als dass du Beschwerden über mich gehört haben könntest.“

„Dazu soll es auch gar nicht erst kommen.“

„Hat sich jemand über mein Benehmen beklagt?“, fragte Rob.

„Wenn du willst, kann dein Benehmen mustergültig sein, Rob. Für deinen Ruf gilt das nicht. Und du hast kaum etwas dagegen unternommen. Es ist geradezu legendär, wie entschlossen du ein Ziel ins Auge fasst und wie wenig du dich dabei von deinem Gewissen leiten lässt. Aber hätte ich das erlebt, was du in den letzten Jahren und vor allem in diesen letzten sechs Monaten durchmachen musstest, dann wäre ich noch nicht dazu fähig, mit Debütantinnen zu kokettieren und höfliche Konversation zu betreiben.“

Rob drängte die Erinnerungen zurück. Es durfte nicht passieren, dass die Geister der Vergangenheit ihn an dem hinderten, was er heute vorhatte. „Deine Sorge ist unbegründet, Ethan.“

„Ich weiß, du willst diese Madame Zoe finden und zur Strecke bringen, aber dies ist nicht der richtige Zeitpunkt dafür, Rob.“

„Einen besseren wird es nicht geben“, erwiderte er. „Aber habe keine Angst. Ich werde keine Szene machen. Ganz im Gegenteil. Ich werde meine Absichten geheim halten. Es ist dumm, ins Horn zu blasen und so den Fuchs zu verjagen.“

Ethan räusperte sich. „Mrs. Forbush ist eine enge persönliche Freundin meiner Frau. Heute Abend wird sie ihre Nichte Miss Dianthe Lovejoy der Gesellschaft präsentieren. Wenn irgendetwas missrät, wird sie außer sich sein.“

„Du bedauerst doch nicht, mir eine Einladung verschafft zu haben?“, fragte Rob. „Was sollte schon missraten?“

„Gütiger Himmel, McHugh. Kannst du nicht ernst sein?“

Rob lachte freudlos. „Hat dich das Außenministerium gebeten, mich zu bewachen? Du hörst dich an wie Lord Kilgrew. Er drängte mich, mir Ruhe zu gönnen, ehe ich meinen – meinen Verpflichtungen nachgehe.“ Rob zupfte an den Locken in seinem Nacken und gestattete sich einen leisen Seufzer. In einem Punkt musste er Ethan wohl recht geben – er hätte sich das Haar schneiden lassen sollen.

Aber Ethan Travis hätte sich keine Sorgen machen müssen. Während der Monate, die Rob im Gefängnis von Algier verbracht hatte, war es ihm gelungen, seinen Zorn gegenüber jenen, die ihn auf diesen Weg geführt hatten, zu mäßigen. Ohne diese Selbstbeherrschung wäre er wie ein Feuersturm durch die Londoner Gesellschaft getobt auf der Suche nach der Information, die er brauchte.

Ethan hatte eine Überraschung für seinen Freund. „Weißt du, dass dein Bruder“, begann er in dem Versuch, Roberts Aufmerksamkeit auf ein weniger empfindliches Thema zu lenken, „deine gesellschaftlichen Mängel wieder ausgleicht? Seit seiner Ankunft in London vor sechs Wochen beeindruckt er die ganze Stadt. Und weißt du, dass er im ‚Limmer’s‘ wohnt?“

„Douglas ist in London?“ Das war in der Tat eine Überraschung. Während Roberts zweiwöchiger Befragung hatte das Außenministerium keine Nachrichten von außen durchdringen lassen.

Ethan nickte. „Dein Anwalt schickte nach ihm, als wir erfuhren, dass der Dey dich zum Tode verurteilt hat und du nicht – nicht zurückkommen würdest.“

„Ich hoffe, er bringt nicht die Erbschaft durch.“ Rob grinste. „Weiß er, dass ich am Leben bin?“

„Noch nicht. Aber innerhalb der nächsten Stunde sollte ihn meine Nachricht erreichen. Sei gewarnt – er hat sich verlobt.“

„Das hat er? Innerhalb eines Monats? Das ging aber schnell.“

„Sie wird dir gefallen, Rob. Es ist das Barlow-Mädchen. Erinnerst du dich an Beatrice?“

Während sie den Ballsaal der Forbushs anstrebten, nickte Rob. Wenn ihn seine Erinnerung nicht trog, dann war Beatrice „Bebe“ Barlow eine zierliche hübsche Blondine von einundzwanzig Jahren. Ungefähr zwei Minuten lang hatte sie seine Aufmerksamkeit erregt, bis er feststellte, dass sie ein wenig gewöhnlich war – etwas flatterhaft sogar. Doch diese leichte Oberflächlichkeit würde Douglas mögen, und Rob wünschte seinem Bruder alles Gute.

Er bemerkte die kurze Stille, die sich über die Versammlung legte, gefolgt von neugierigen oder mitleidigen Blicken, als er eintrat. Wie es schien, hatten die Neuigkeiten über den Ausgang seiner Mission und seine Flucht den ton noch vor ihm selbst erreicht. Nicht einmal ein Lichtblitz bewegte sich so schnell wie der Londoner Klatsch. Wie bedauerlich, dass sich das Außenministerium diese Kraft nicht für seine Zwecke zunutze machen konnte.

In der Nähe des Kamins blieb er stehen, um sich umzusehen. Nie konnte er sich in einem Raum aufhalten, ohne ihn nach Gefahren abzusuchen, nach Feinden oder Fallen, nach Ausgängen und Fluchtwegen – dafür hatte er zu lange mit dem Außenministerium zu tun gehabt und zu lange in einem ausländischen Gefängnis gesessen. Ethan klopfte ihm ermutigend auf die Schulter, ehe er davonging, um sich zu seiner Frau zu gesellen.

Und da, auf der anderen Seite des Raumes, in ein Gespräch mit einer bezaubernden Frau mit rötlichem Haar vertieft, stand seine Gastgeberin, Mrs. Grace Forbush, eine schöne Witwe Anfang dreißig – und genau die Frau, die ihm bei seiner Suche helfen konnte. Mrs. Forbush mir ihrem beliebten Freitagnachmittagssalon wusste alles, was im ton geschah. Jedenfalls alles Wichtige. Er setzte ein freundliches Lächeln auf und rief sich seine besten Manieren ins Gedächtnis, dann begab er sich in den Kampf.

Grace senkte die Stimme zu einem Flüstern. „Ich habe Angst um dich, Alethea. Du hast nur noch ein wenig mehr als zwei Wochen. Wenn du danach noch als Madame Zoe auftrittst, dann fürchte ich, dass etwas Schlimmes passieren wird.“

„Ich kann jetzt nicht aufhören, Tante Grace. Ich habe Mama und Papa verloren, und jetzt auch noch Tante Henrietta“, flüsterte Alethea zurück. Kaum vermochte sie noch zu sprechen, als sie daran dachte, wie viel auf dem Spiel stand. „Ich kann nicht noch jemanden verlieren. Ich glaube, das würde ich nicht überleben.“

Sie warf einen Blick zur Tanzfläche, wo sich ihre jüngere Schwester Dianthe am Arm eines heiratsfähigen jungen Lords im Walzertakt drehte. Ihr blondes Haar schimmerte im Kerzenlicht, und ihr hellblaues Kleid passte wunderbar zu ihren blauen Augen. Dianthe war in jeder Hinsicht eine außergewöhnliche Schönheit. Wenn sie sich vorteilhaft verheiratete, dann hatte Alethea eine ihrer Verpflichtungen erfüllt. Eine Angelegenheit weniger, um die sie sich kümmern musste. Dann war sie ihrem Ziel einen Schritt näher, die Familie gut versorgt zu wissen, wie sie es ihrem Vater auf dem Sterbebett versprochen hatte. Eine Aufgabe, die zu lösen er nicht in der Lage gewesen war.

Graces Besorgnis rührte sie, brachte ihre Entschlossenheit jedoch nicht ins Wanken. „Wenn der Mörder mich umbringen wollte, dann hätte er es längst getan. Lady Annicas Gerücht, dass Madame Zoe unter einem Gedächtnisverlust leidet, muss seine Befürchtungen zerstreut haben.“

Grace erstarrte, als sie über Aletheas rechte Schulter blickte. An ihrem Gesichtsausdruck war zu erkennen, wie überrascht sie war und auch, dass sie sich ein wenig unbehaglich fühlte.

„Mrs. Forbush, vielen Dank für die Einladung heute Abend.“

In der tiefen Stimme mit der leicht schottischen Klangfarbe lag etwas, das Alethea erschauern ließ. Sie drehte sich um und sah, wie der Sprecher sich über Graces Hand beugte und sie an seine sinnlichen Lippen hob. Dunkles Haar fiel ihm bis über die Stirn, und seine Augen waren grau. Als er sich aufrichtete, stellte sie fest, dass er über einen Meter achtzig groß war. Er hatte...



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