Ramstetter | Apostelwasser | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 336 Seiten

Reihe: Niederbayern Krimi

Ramstetter Apostelwasser


1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-96041-002-7
Verlag: Emons Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, 336 Seiten

Reihe: Niederbayern Krimi

ISBN: 978-3-96041-002-7
Verlag: Emons Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Eine Dreifachkreuzigung am Ufer der Ilz erschüttert ganz Passau. Ist es das Werk eines Irren? Kriminalhauptkommissar Kroner macht sich auf die Suche nach der Wahrheit. Doch jemand ist nicht an der Aufdeckung der Morde interessiert, und das Dickicht aus Schweigen und Scheinheiligkeit, durch das sich Kroner kämpfen muss, scheint undurchdringlich . . .Eine Geschichte von Martyrium, Schweigen und Vergeltung, behutsam und eindringlich erzählt.

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Dienstag, 9. Juni 2015 »SUCH ’S PLATZI! Such ’s Platzi!« Herr Bozzi schickte einen beleidigten Blick nach oben und spreizte sich trotz Gehbehinderung überaus renitent gegen Halsband und Leine. »Zenalle!* [* siehe Überlebenshilfe für Preußen und andere Ahnungslose hinten] Jetz such halt ’s Platzi!« Das Übergangsfrauli schnaufte. Barbara Dorsch, auch genannt »die Ilzige«, weil sie hieß wie ein Fisch, der nur im Meer schwamm, aber am Fluss wohnte, ging normalerweise nicht derart früh raus. Wenn sie nicht schlafen konnte, stand sie lieber in ihrem lindgrünen Haus in der Freyunger Straße am Fenster und sinnierte vor sich hin. Doch der kernige Kerl zu ihren Füßen, den sie immer dann sittete, wenn die Frau von Quast in Urlaub war, hatte davon nichts wissen wollen und so lange an der Schlafzimmertür gebosert, bis das Ersatzfrauchen sich aus den Federn wälzte, um seinen Wünschen nachzukommen. Das arme Hundi musste raus, wenn die Natur danach verlangte. Mein Gott. »Wuff. Wuff.« Seinem Anliegen Nachdruck verleihen, das beherrschte Herr Bozzi seit frühesten Welpentagen aus dem Effeff, und selbiges tat er nun in der morgendämmernden Ilzstadt, obwohl sich unter seinen Pfoten bereits ein recht gut geeignetes Stück Wiese befand und die Hundekottüte einsatzfreudig raschelte. »Wuff. Wuff. Wuff. Wuff.« In anschwellender Lautstärke, versteht sich. »Suchst jetz ned gleich ’s Platzi!«, hielt der Dorschens brachiale Stimme dagegen, dass es jedes gestandene Mannsbild zusammengefaltet hätte wie nix. Doch der Bozzi schickte nur ein gänzlich unbeeindrucktes »Wuffwuff!« hinterher. »Hund, jetz her aaf! Du sollst jetz amal aafhern! Bellst mir ja de ganz Nachbarschaft zam.« Noch ein lapidares »Wuffwuff!«, das folgte. Barbara Dorsch rupfte zwei-, dreimal herzhaft an der Leine – letzter Versuch quasi – und blickte wehmütig zu ihrer Haustür auf der anderen Straßenseite hinüber. Der schwindsüchtige Grünstreifen direkt neben der Litfaßsäule diesseits war dem Herrn Bozzi offensichtlich nicht genehm. Anscheinend wollte er partout zu seinem Lieblingsgaggiplatzi, zur einstigen Rossschwemme an der Stromlänge. Ein kleines Stück die Ilz rauf nur, aber um halb fünf Uhr in der Früh? Im Nachthemd, in Clogs und ohne sich wenigstens notdürftig restauriert zu haben? Aber kein normaler Mensch war um diese Zeit unterwegs, oder? Nicht einmal die Vögel zwitscherten, bloß die Ilz plätscherte müde vor sich hin. Also marschierten Hund und Mensch los, und mit dem Belfern ward endlich Ruh. Keine fünf Minuten später landete die Dorsch allerdings auf dem Hosenboden. Zur Rossschwemme am Ilzufer führte ein schmaler Pfad hinab. Nicht sehr steil, aber so früh am Morgen ein bisserl feucht und glitschig. Wumm! Autsch. »Zenalle! Hundsviech, greislichs!« Denn selbstverständlich pressierte es dem Herrn Bozzi jetzt mit dem Platzisuchen, alles war auf einmal überaus brisant, hier, wo er sich wohlfühlte, und die Dorsch hing an der Leine wie an einem Schleppliftbügel, wenn man noch nicht bereit war. Da haut’s einen aus der Spur. Und wie. Nach erlittener Schmach stemmte sich die Ilzige mühsam hoch, fischte ihre Clogs aus den Büschen und stülpte das Nachtgewand zurück, wo es hingehörte. Wenigstens der Hundskrippel schien endlich selig. In Hockstellung kreiselte er über den Sand, bis endlich, endlich … Doch wie das Würschtl fiel, sollte die Dorsch gar nicht mehr mitbekommen. Sie sah etwas anderes. Etwas ganz und gar Entsetzliches. Ihre Augen wurden groß, die Kinnlade fiel runter. »Ja, Kruzinesen!« GEKREUZIGT, GESTORBEN UND BEGRABEN. Seit Kroner den Tatort betreten hatte, huschte die Zeile des Glaubensbekenntnisses durch seinen Kopf wie ein Geist, der keine Ruhe findet. In dreißig Jahren Dienst hatte der Erste Kriminalhauptkommissar Passaus noch nie etwas Derartiges zu Gesicht bekommen. Er räusperte das Würgen weg, schloss die Augen. Die Kollegen hatten nicht übertrieben. Kein bisschen. Er atmete tief durch, brauchte einen Moment, um seine Schutzschilde erneut hochzufahren. Eigentlich hatte er angenommen, dass das ausgeweidete Mädchen, das vor zwei Jahren mit dem Juni-Hochwasser vor dem Scharfrichterhaus angeschwemmt worden war, mit Abstand der Negativ-Höhepunkt in seiner Karriere als Kommissar gewesen wäre, doch anscheinend … »Servus, Chef.« Kroner wandte sich um. Oberkommissar Bruhan stolperte den schmalen Pfad herunter, musste sich an den Zweigen festhalten, um nicht auszurutschen. Kroner hegte einen unterschwelligen Groll gegen den jungen Mann, weil der vor einem Jahr verbotenerweise mit seiner Nachbarin angebandelt hatte. Mit der durchgeknallten, rebellischen Valli. Die vielleicht seine Tochter war. Vielleicht! Das sagte schon alles. Eine Geschichte, die Kroner fast zwei Drittel seines Lebens wie ein Dorn im Fleisch saß, ihm aber erst seit dem letzten Sommer so richtig das Blut vergiftete. Wenn er in absehbarer Zeit kein Magengeschwür bekommen wollte, musste er für Klarheit sorgen. Irgendwie. »Was haben wir?«, fragte Ben Bruhan, der von den möglichen und unmöglichen Verwandtschaftsverhältnissen nichts wusste, und stellte sich neben seinen Chef. »Eine Kreuzigung.« Kroner schluckte den Hader hinunter, atmete und omte sich mühsam in eine Art tiefenentspannten Zustand und nickte in Richtung gegenüberliegendes Ilzufer. Dort wuselten die Spurensicherer in ihren weißen Anzügen herum wie Aliens. Überall blinkten rote und blaue Lichter, Flatterbänder umfingen die bizarre Szenerie, schlossen den Rest der Welt aus. Die Morgensonne mühte sich vergebens, dem Alptraum eine mildere Note zu verpassen. »Drei Männer unterschiedlichen Alters. Mitte dreißig? Um die fünfzig? Siebzig?« Kroner hob die Schultern. »Jeder mit einem Kruzifix in der Brust.« Ben nickte. In seinem glatt rasierten Gesicht zuckte kein Muskel. Nicht der kleinste. »Papiere?« »Nein. Keinerlei Anhaltspunkte für die Identität der Opfer bis auf ihr Aussehen. Deutsch. Österreichisch. Irgendwas Europäisches.« Ben prägte sich die Auffindesituation genau ein. Abgesehen von drei identischen Lendenschurzen waren die Männer nackt. Neben den zur Schau gestellten Körpern führten links und rechts betonierte Stufen auf eine Wiese, die zum Gelände des Ilzstädter Kanuvereins gehörte. Eine alte Bootsanlegestelle. Eindeutig. Dahinter Zeltplatz, Wäschespinne und Sanitärhaus mit Aufenthaltsraum für Kanufahrer, die mehrtägige Wandertouren unternahmen. Einladend und neu renoviert, weil das Hochwasser vor zwei Jahren die alte Anlage quasi weggespült hatte. Ein idyllisches Fleckchen Erde, wenn nicht … »Das Herz durchbohrt. Hände und Füße in den Boden genagelt.« Den Hirn-Scan vom Tatort würde Kroner garantiert nie mehr loswerden. Sein ganzes Leben nicht. Die drei Toten lagen – oder besser lehnten – nebeneinander an der steilen Böschung. Es sah aus, als stünden sie dort. »Die Kruzifixe, die ausgebreiteten Arme, die übereinandergelegten Füße. Wie Jesus am Kreuz.« Schrecklich. »Eine Inszenierung?« Ben blinzelte nun doch. Natürlich war es eine Inszenierung. Ein Symbol. Eine Warnung. Die kranke Tat eines Psychopathen. »Was haben wir sonst?«, drängte Ben, als Kroner keine Anstalten machte, zu antworten. »Der oder die Täter kamen ziemlich sicher nicht über den Landweg. Schwer zugängliches Gelände, Zufahrt nur über die Halser Straße, massenhaft Anwohner, nirgends Reifenspuren. Und drei Männerleichen so weit zu tragen? Kann ich mir nicht vorstellen.« Letzteres musste das K3 zwar erst überprüfen, doch Kroner hatte keine Zweifel. »Die kamen übers Wasser. Garantiert.« Als er vor einer halben Stunde hier eingetroffen war, hatten die Spusi-Leute ihre Arbeit unterbrochen, um dem Chef ein bisschen Zeit zu geben, sich alles anzusehen. Jetzt herrschte wieder Hochbetrieb. Jedes Fleckchen Erde wurde unter die Lupe genommen, jedes Staubkorn umgedreht. Wie Kroner scannten auch die Spezialisten vom Landeskriminalamt den Fundort, nur nicht mit den Augen, sondern mit dem Laser, der gerade alle Oberflächen im Umkreis von nicht ganz zweihundert Metern abtastete. Von verschiedenen Standpunkten aus, damit nichts unentdeckt blieb. Dazu wurden Panoramaaufnahmen in höchster Auflösung mit der Scene-Kamera gemacht. Achtzig Megapixel, wenn sich Kroner recht erinnerte. Scans und Bilder – am Superrechner kombiniert – ergaben einen 3D-Tatort, den die Ermittler jederzeit erneut betreten könnten. Deshalb war der Chef ans andere Ufer geschickt worden: Damit sein Konterfei nicht überall drauf war. Ein Hoch auf die neueste Technik! Denn der Anfang allen Übels war ein schlechter »Erster Angriff«. Alles, was an einem Fund- oder möglichen Tatort übersehen oder vergeigt wurde, konnte nie wiedergutgemacht werden. Das Schlimmste dabei: Nicht selten führte Schlamperei oder besser gesagt fehlende Akribie zu falschen Schlüssen. Und falsche Schlüsse führten Ermittlungen in falsche Richtungen. In Sackgassen. Das musste der Oberbefehlshaber vom K1 jetzt nicht unbedingt haben. Nicht bei einer Kreuzigung in der Ilzstadt. Kroner versuchte, die Hektik, die an jedem Leichenfundort herrschte, von sich fernzuhalten. Alles lief nach Plan. Om. Ein Notruf war...


Regina Ramstetter wurde 1972 in Niederbayern geboren. Nach BWL-Studium und mehreren Auslandsaufenthalten verschlug es sie zurück in die niederbayerische Heimat. Heute lebt sie mit ihrem Mann und den drei Kindern als freie Autorin auf dem elterlichen Hof.



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