E-Book, Deutsch, 228 Seiten
Radcliffe / Weber Gaston de Blondeville - Deutsche Ausgabe
2. Auflage 2017
ISBN: 978-3-7448-6200-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Mit vielen s/w Illustrationen
E-Book, Deutsch, 228 Seiten
ISBN: 978-3-7448-6200-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
DEUTSCHE AUSGABE Band 6 der ersten deutschsprachigen Ann-Radcliffe-Gesamtausgabe, herausgegeben von Maria Weber. "Dieser spannende historische Kriminalroman spielt im 13. Jahrhundert zur Zeit des englischen Königs Henry III. Die Handlung beginnt mit dem feierlichen Einzug des Königs in Kenilworth, den ausgelassenen Vorbereitungen zur Hochzeit des jungen Ritters Gaston de Blondeville und eines anstehenden Ritterturniers. Doch die festliche Stimmung wird jäh von einem reisenden Kaufmann unterbrochen, der vor den König tritt und Ungeheuerliches behauptet: Sir Gaston habe ihm großes Unrecht angetan, indem dieser seine Reisegruppe überfallen und ausgeraubt, und dabei seinen Verwandten, einen Johanniterritter auf der Heimreise, ermordet habe. Der Hof ist empört über diese dreiste Anschuldigung gegen den jungen Günstling des Königs, König Henry sieht sich jedoch gezwungen, einen Prozess zu veranstalten, um die Sache aus der Welt zu schaffen. Ist der junge Ritter tatsächlich der angeklagten Verbrechen schuldig, oder treibt der fremde Kaufmann ein teuflisches Spiel? Schon bald mehren sich die Zeichen, dass eine übernatürliche Macht ihre Finger im Spiel hat - doch handelt es sich dabei wirklich um den unruhigen Geist des ermordeten Ritters, oder sind es, wie die Freunde Sir Gastons vermuten, vielmehr vom boshaften Kaufmann ausgeübte schwarzmagische Künste? Erst im Verlaufe des Turnieres kommt die Wahrheit schließlich ans Licht ..." Gaston de Blondeville ist der letzte, posthum erschienene, Roman der englischen 'Queen of Gothic Romance', Ann Radcliffe.
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ERSTER TAG.
Der erste Tag.
OBEN über diesem Kapitel war ein Bild vom König und der Königin, mit ihrem Gefolge, wie sie unter den Türmen von Kenilworth einzogen. Neben dem König ritt ein junger Ritter von sehr mutigem Ansehen. In einer Hand hielt er seinen Helm und neigte sich gegen den König, der mit ihm zu sprechen schien, und mit der anderen leitete er seinen wilden Streithengst. In einiger Entfernung drängte sich ein Mann durch die Menge, mit lebhaften Gebärden und wildem Blicke, nach dem Könige hin. Das königliche Banner wehte auf dem Turm oben von der Abendsonne vergoldet, und die Waffen und Helme der Krieger auf den Mauern glänzten in ihren Strahlen. Die Kettenhaube des einen, der sich, den König besser zu sehen, zu sehr herausgebeugt zu haben schien, fiel auf die Menge unten herab und manche davon lachten deswegen.
Der erste Tag.
ES war zum Feste des heiligen Michael, daß König Henry, der Dritte dieses Namens, mit seiner Königin und vielen Großen des Landes, und einer großen Menge von Herren und Edlen kam, um in seiner Burg zu Kenilworth in Arden Hof zu halten. Der Tag neigte sich, ehe sie anlangten, bereits dem Ende zu; und es war ein hübscher Anblick, die edle Gesellschaft durch den sonst so einsamen Wald kommen zu sehen; wie die letzten Strahlen der scheidenden Sonne auf die Helme und Lanzen von der Wache des Königs fielen, sowie auf die reichen Geschirre ihrer Pferde und die Trompeten, deren Fähnlein aufgerollt waren, als sie Seiner Hoheit vorauszogen; ingleichen auf die Sänfte der Königin, die mit Goldstoff und mit reichfarbigen Behängen geschmückt war, welche sie aus ihrem eigenen Lande zur See mit herübergebracht hatte.
Es glich dieser schöne Zug, mit all den Lanzenträgern, welche den König begleiteten, einem kleinen Heere, das alle Wege und Pfade meilenweit bedeckte, soweit sie sich durch die Wälder Ardens hinwanden; oder einem mächtigen Flusse, der, wo sich der Schatten öffnet, in glänzenden Krümmungen auf der Ebene hineilt, aber wieder verschwindet, wenn er aufs neue in den Schatten hineinkommt, dessen Gang man indes doch, so weit man sieht, beurteilen kann, gleichwie man den unterbrochenen Lauf des großen Aquäduktes, welche durch die Ebene unseres teuren Vaters von Rom, sobald man nur die entfernt voneinander stehenden Teile quer durch die einsame Gegend gehen sieht, im Geiste zu einem großen Ganzen verbindet, das wohl in den Ruinen ansehnlicher scheint, als es sich zeigte, wie es noch unverletzt stand.
Es gingen aber vor dem König hundert Bogenschützen paarweise und prachtvoll gekleidet, die Federn ihrer Köcher grün gefärbt; durch den Wald erklangen die Hörner an ihrer Spitze, dann kamen fünfzig Hellebardenträger, zwei nebeneinander; hierauf fünfzig Lanzenträger, und dann Trompeter mit den Fähnlein an ihren Instrumenten. Darauf folgten Gewappnete mit Lanzen, und Herolde in ihren Wappenröcken. In der Mitte wurde das königliche Banner von sechs Männern getragen, die Troddeln daran waren von Silber und hingen an dem Bannerstock herab, der unten mit Horn eingefaßt, in einem Gürtel von weißen gestickten Leder stak und vom ersten königlichen Bannerträger getragen wurde.
Seine Hoheit, der König, ritt einen edlen Schimmel, mit vielen Lanzenträgern umgeben und von verschiedenen Großen des Landes, und unzähligen Rittern und Edelleuten begleitet. Seine Hoheit trug an diesem Tage einen purpurnen Samtmantel, mit gelber Seide besetzt und mit Marder und Hermelin gefüttert. Auf dem Haupte hatte er einen Hut von schwarzem Samt mit einer Straußenfeder. Er sah recht gut und freundlich aus und wandte sich oft an jene, die ihn umgaben, um mit ihnen zu sprechen.
Zu seiner Rechten ritt der junge Prinz Edward, einen feurigen Hengst zurückhaltend, aber er schien ihn lieber zum vollen Rennen spornen zu wollen. Gleich neben ihm ritt der Erzbischof von York. Zur Linken des Königs war sein Bruder, der Graf von Cornwall. Der Bischof von Coventry hätte ebenfalls dabei sein sollen, doch er lag krank im Bett, aber der Prior und mehrere Mönche begleiten den König.
Der erste unter den Rittern, welche Seiner Gnaden aufwarteten, war Gaston de Blondeville, ein junger Provenzale, welchen König Henry, wegen einiger kühnen Taten in seinen Besitzungen jenseits des Meeres, zum Ritter in seiner Hofhaltung erhoben hatte. Er war ein wohlgebildeter Mann und tapferen Ansehens, und leitete seinen stolzen Hengst mit solcher Leichtigkeit und Anmut, wie eine Dame ein Rehkitz am seidenen Bande führen könnte. Er trug einen blaßgrünen Mantel mit rosenfarbiger Einfassung. Seine Kappe war ebenfalls aus Samt, und er trug seine Federn nach französischer Weise; denn er stammte aus dem Lande der Königin und zeigte in seiner Miene und seinem Benehmen ganz das Fröhliche ihres Volkes.
Doch gab es auch manche am Hofe, Männer, die in England geboren waren, welche ihn nicht mochten, sei es, weil er ein Fremder in unserem Lande war, oder weil er einen stolzen Trotz in seinem Blicke zeigte, oder weil sie ihm die Gunst beneideten, in der er beim Könige stand.
Ein Stück vor der Königin zogen fünfzig Jäger aus dem Walde zu Arden her, die alle grün gekleidet waren und ihre Hörner erklingen ließen. Sie saß in ihrer mit Goldstoff bekleideten Sänfte und war ringsherum von ihren Frauen, Edlen und Knappen umgeben. Zwei prächtige Rosse trugen die Sänfte und wurden, reich mit Samt geschirrt, von Pagen geführt, die prachtvolle Livreen trugen. Andere Pagen in gestickten Wämsern gingen nebenher oder folgten. Dann kam ihr Stallmeister, das prachtvolle, überaus reich geschirrte Pferd der Königin führend; Zaum und Brustriemen funkelten von Juwelen. Ein anderes ihrer Pferde, von einem Pagen geleitet, folgte diesem. Ihre Hoheit erschien mit einem enganliegenden Samtkleide angetan, das mit Perlen bestickt war, und trug auf dem Haupte einen großen schwarzen Samthut, der reich mit großen Perlen besät war. Hinter Ihrer Hoheit kamen ihre Edelfrauen und Zofen auf schönen Pferden, reich geschmückt und geziert; eine edle Gesellschaft.
Hernach folgte der leere Wagen Ihrer Hoheit von sechs Pferden gezogen, die von Pagen in scharlachroten, seidenen Wämsern geführt wurden. Auf dem Rücken war das englische Wappen gestickt. An ihren Hüten trugen sie weiße Federn, die sie nach französischer Weise auf die Seite herabfallen ließen, worüber das Volk murrte; und das konnten sie wohl auch, denn solch eine Menge von Fremden aus dem Lande der Königin war hier noch nie gesehen worden! Doch die Königin selbst bezeigte sich gegen das Volk so anmutig und lächelte mit ihrem freundlichen Gesichte auf dasselbe herab, daß sie seinen Unmut überwand. Andere edle Frauen folgten dem Wagen auf prächtigen Pferden reitend.
Hierauf kam Eleanor, die verwitwete Gräfin von Pembroke, des Königs Schwester, jetzt Gräfin von Leicester, in ihrer Sänfte. Dann Cincia, die Gräfin von Cornwall, der Königin Schwester, in großer Pracht und von edlen Damen und Herrn glänzend begleitet. Eine Menge Diener folgte, alle in den mancherlei Livreen ihrer Gebieter.
Vor der Königin her zogen ihre Minnesänger, welche, als sie nun Kenilworth nahe waren, anfingen, mit gar lieblicher Kraft auf ihren Pfeifen zu blasen, und ihre Saiteninstrumente zu streichen, so daß die Glocken eines Dorfes, welche vor Freude geläutet wurden, nicht mehr gehört werden konnten. Unter den jungen Damen aber, welche die Königin begleiteten, waren keine so schön, als Isabelle, Tochter des Grafen von Arundel, und Barbara, Tochter des Grafen von Huntingdon, welche der Königin auf ihren weißen Pferden folgten. Alle beide waren wunderschön: Isabelle hatte etwas mehr Stattliches und eine stolzere Stirn; Barbaras Lächeln dagegen war strahlender als der Morgen.
Sobald sich die Türme von Kenilworth im Abend zeigten, welches wegen des hohen finsteren Waldes kaum hätte gesehen werden können, wenn nicht die Speere derer, die auf den Mauern standen, geglänzt hätten, eilten etwa dreißig Jäger mit ihren Hörnern voraus, um das Zeichen von der nahenden Ankunft des Königs zu geben. Ihnen wurde gleich mit Trompeten geantwortet, welche so laut ertönten, daß es den Wald erfüllte und an die Mauern der Burg widerhallte, ehe die stolzen Trompeter wieder aufhörten.
Dann befahl Seine Hoheit höflich, daß die, welche ihm so einen weiten Weg entgegengekommen waren, um ihn willkommen zu heißen, angewiesen würden, seine Ankunft am Burgtore zu verkünden. Sie ließen sich dies nicht zweimal sagen, sondern bliesen so süß und lieblich, gaben ihren Pferden die Sporen und flogen so schnell dahin, wie die Pfeile von ihrem Bogen.
Der ganze Weg nach Kenilworth hin war auch mit Gruppen von anderen in Grün gekleideten Jägern besetzt, welche, in gewissen Entfernungen stehend, den König, wenn er vorbeikam, mit ihren Hörnern, trotz der Trompeten begrüßten, die so laut auf und mit voller Kraft bliesen; dann schlossen sie sich dem Zug der Königin an. Des Königs Hellebarden- und...




