Purcell | Das Geheimnis von Whitecliff | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 544 Seiten

Purcell Das Geheimnis von Whitecliff

Roman: Ein altes Anwesen am Meer und eine verbotene Liebe im Irland der 40er Jahre
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-98690-634-4
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Roman: Ein altes Anwesen am Meer und eine verbotene Liebe im Irland der 40er Jahre

E-Book, Deutsch, 544 Seiten

ISBN: 978-3-98690-634-4
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Eine Liebe, so stürmisch wie das Meer: Der bewegende Irland-Roman »Das Geheimnis von Whitecliff« von Deirdre Purcell jetzt als eBook bei dotbooks. Wenn die eigene Vergangenheit plötzlich voller Rätsel zu sein scheint ... Als Claudine zum ersten Mal das irische Herrenhaus unweit von Dublin betritt, ahnt die erfahrene Maklerin noch nicht, dass dieser Auftrag ihr ganzes Leben auf den Kopf stellen wird: Während sie Whitecliff besichtigt, fällt ihr durch Zufall ein altes Foto in die Hände - und erkennt darauf ihre leibliche Mutter, die sie nie kennengelernt hat. So beginnt für Claudine eine Reise in die Vergangenheit ihrer Familie auf den Spuren einer Frau, die sich gegen alle Standesregeln in den falschen Mann verliebte - und für diese verbotenen Gefühle einen schrecklichen Preis zahlen musste ... »Deirdre Purcell ist eine irische Geschichtenerzählerin, die ihr Handwerk mit beispielhaftem Geschick beherrscht.« The Irish Times Jetzt als eBook kaufen und genießen: Der schicksalhafte Familiengeheimnisroman »Das Geheimnis von Whitecliff« von Deirdre Purcell wird alle Fans der Bestseller von Maeve Binchy und Lucinda Riley begeistern. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Deidre Purcell ist in Dublin geboren. Bevor sie ihre Karriere als Autorin begann, arbeitete sie als Schauspielerin am irischen Nationaltheater sowie als TV- und Pressejournalistin. Bisher veröffentlichte die Autorin zwölf Romane, für die sie mehrfach ausgezeichnet wurde. Bei dotbooks veröffentlichte die Autorin ihre berührenden Irland-Romane: »Irischer Traum: Die große Béara-Saga 1« »Irische Sehnsucht: Die große Béara-Saga 2« »Irisches Vermächtnis: Die große Béara-Saga 3« »Ein Sommer in Kilnashone Castle« »Das Geheimnis von Whitecliff« »Die Frau aus Inisheer« »Das Flüstern der grünen Insel« »Das Leuchten eines Augenblicks«
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Kapitel 1


Das Turmzimmer

Die Tage vergehen. Was immer man auch tut, wie sehr man sich auch dagegen auflehnt, sie vergehen.

Am Anfang, während jener ersten schrecklichen Monate zwischen Ende 1944 und Anfang 1945, verwandelte sich das Unfassbare in Wut und dann in Verzweiflung. Es dauerte einige Jahre, bis ich es hinnehmen konnte, dass sie mich nie wieder freilassen würden und ich sehr wahrscheinlich sterben würde, ohne jemals wieder einen Fuß aus dem Turmzimmer von Whitecliff gesetzt zu haben.

In unserer Familie hatte es immer das Turmzimmer geheißen. Das war ein wenig absonderlich, denn es handelte sich dabei nur um den größten der Dachböden, die in vergangenen Jahrhunderten von Kammermädchen und Dienern bewohnt worden waren. Als meine Brüder und Schwestern und ich Kinder waren, hatte man uns erlaubt, ihn als Spielzimmer zu benutzen. Er lag von den Haupträumen, die unsere Eltern bewohnten, weit genug weg, dass wir so laut sein konnten, wie wir wollten, und deshalb auch unbesorgt »Abschlagen« spielen oder die Murmeln über die nackten Dielen rollen lassen konnten. Wir durchwühlten die Truhen, die wir dort oben fanden, aber offen gestanden enthielten sie wenig von Interesse, nur alte Gartengeräte, abgenutztes Küchengeschirr, Landkarten und Bücher über Afrika, Asien und Südamerika, die meinem Großvater gehört hatten – einem Teehändler, der jede sich bietende Gelegenheit nutzte, zu den Plantagen seiner Lieferanten zu reisen.

Irgendwann bevor unsere Familie hierher kam, hatte jemand einen Durchbruch zu dem fensterlosen Raum daneben gemacht, um eine behelfsmäßige Toilette einzurichten, und wir hielten dort oben große Wasserschlachten ab, die dadurch besonders aufregend wurden, weil wir um den Ärger wussten, den wir bekommen würden, sollten Mutter oder Vater uns dabei erwischen. Vor Nanny hatten wir nie Angst – na ja, jedenfalls nicht so sehr –, denn zu Nanny, dieser großen, herzensguten Frau aus Rathlinney, unserem Dorf, liefen wir, wenn wir wegen aufgeschürfter Knie oder sonstiger Kindheitskrisen Trost suchten. Sie versohlte uns wohl manchmal, aber nur halbherzig, und immer mit leichter Hand und – sollten unsere Eltern in Hörweite sein – einem verschwörerischen Augenzwinkern, das uns ermutigte, zu kreischen, als würden wir malträtiert. Für Nanny war die Anstellung bei uns ein Segen. Sie war unverheiratet, hatte einen ebenfalls ledigen Bruder und litt an einer angeborenen unglücklichen Verunstaltung ihres Gesichts (sie nannte es ein Muttermal, aber meiner Erinnerung nach leuchtete die faltige Haut der einen Gesichtshälfte vom Haaransatz bis zum Kinn purpurrot). Sie blieb bei uns, bis ich, die Jüngste der Familie, vierzehn war und unsere Eltern fanden, dass ihre Dienste nicht mehr erforderlich waren.

Ich denke oft an sie, selbst jetzt noch.

Es lagen nie irgendwelche ausrangierten Spielsachen in unserem Turmzimmer, denn alles, dem wir entwachsen waren, wurde an »arme Kinder« verteilt.

Die Unterscheidung zwischen »armen Kindern« und uns selbst war für uns nicht nachzuvollziehen. Unser Vater, Inhaber von Rathlinney General Stores, versorgte die Region mit Lebensmitteln und Gemüse, mit Brennstoff und Benzin, Wein, Kleidung, Kurz- und Eisenwaren, landwirtschaftlichen Geräten, feinen Schuhen und tausend anderen Dingen, das wussten wir. Wir hatten unsere Nanny, und Whitecliff war ein sehr großes Haus, auch das wussten wir. Aber unseren Lebensstil empfanden wir als sehr viel karger als den unserer Schulkameraden. Whitecliff war zugig und im Winter eisig kalt und feucht: Wir hatten alle Frostbeulen und waren ständig erkältet, wenn wir mit unseren doppelt besohlten Schuhen über die weitläufigen Steinfliesen oder nackten Holzböden trotteten. Eingerichtet war unser Haus nicht mit jenen bequemen Sofas, die wir sahen, wenn wir durch die Fenster der Häuschen von Rathlinney linsten, und auch deren Torffeuer wärmten uns nicht, wir hatten große klobige Stühle und Kanapees, riesige braune Tische, monumentale, fast leere Geschirrschränke und Vitrinen.

Unser Vater, ein gesunder, gottesfürchtiger Mann, der das Verlangen nach irdischen Annehmlichkeiten als Schwäche empfand, schränkte den Brennstoff für unsere Kamine mit der Warnung ein, dass zügellose Verschwendung zu betrüblichem Mangel führe, und drehte die Gaslampen ständig so weit herunter, dass Lesen unmöglich war.

Zu den Mahlzeiten mussten wir alles bis auf den letzten Bissen aufessen, »weil ihr Kinder womöglich nie wieder etwas so Gutes zu essen sehen werdet«, und fein machen war mir und meinen Schwestern auch nicht vergönnt: Mutter war nämlich eine geschickte Näherin und hielt ihre Kleidung und die unseres Vaters tipptopp in Ordnung und wendete die Krägen der Jungenhemden, bis der Stoff so abgetragen war, dass sie nur noch zu Staublappen taugten. Was uns Mädchen betraf, flickte und änderte sie unsere Kleider, wenn wir aus ihnen herauswuchsen, und ich als die Jüngste bekam nie ein neues Konfektionskleid oder einen Mantel.

Wir selbst empfanden uns deshalb als genauso arm wie alle anderen auch in der Gegend, und es blieb uns ein Rätsel, warum wir in der Schule wegen unserer Aussprache als vornehm gehänselt wurden, als »etwas Besseres«. Einmal kam ich auf Nanny zu sprechen, doch der Tumult, den dies auslöste, ließ mich diesen Fehler kein zweites Mal machen. Es kann sehr einsam sein, wenn man in einem irischen Dorf aus einem Großen Haus kommt.

Als meine Verbannung in das Turmzimmer bevorstand, wurden die Truhen, alten Garderobenständer und andere Gegenstände entfernt, und man begann den Raum mit merkwürdiger Sorgfalt einzurichten. Vater ließ die Toilette mit einem Waschbecken, einer Toilette mit Spülkasten und Spülkette und einer Sitzbadewanne ausstatten.

Unwissentlich nahm ich im Glauben, wir machten es möglicher Gäste wegen, an der Renovierung teil. Rückblickend konnte das nur Einbildung gewesen sein; wir Shines hatten nämlich kaum Gäste, abgesehen von den wenigen Geschäftspartnern meines Vaters, die gelegentlich zum Essen eingeladen wurden. Auch wir Kinder wurden nicht dazu ermuntert, unsere Schulkameraden mit nach Hause zu bringen. Als man mich jedoch aufforderte, eine Tapete aus dem Musterbuch auszusuchen, das Vater eines Abends mit nach Hause brachte, war ich glücklich, mit einbezogen zu werden. Ich war sogar mehr als glücklich; ich war ganz außer mir, weil dies nur bedeuten konnte, dass man mir vielleicht verziehen hatte.

Der Raum maß sechs mal vier Meter – ich habe ihn weiß Gott oft genug abgeschritten, um das ganz genau zu wissen – mit einem Fenster, das ab der halben Wandhöhe fast bis zur Decke reichte, aber so hoch lag, dass ich mich auf meinen Stuhl stellen musste, um hinausschauen zu können. Von außen war es aus bis heute unerfindlichen Gründen vergittert: Whitecliff erhebt sich drei Stockwerke über seinen Kellern, dazu kommt noch das sich über die ganze Fläche erstreckende Dachgeschoss. Jeder einigermaßen intelligente Einbrecher oder Eindringling, der tapfer Vaters Schrotflinte trotzte, hätte den leichten Zugang durch die schlecht schließende Vordertür oder die Fenster im Erdgeschoss gewählt, deren Holzrahmen, schon bevor ich eingesperrt wurde, vom salzigen Regen und Wind so mürb geworden waren, dass schon wenige Stöße mit einem kräftigen Schraubenzieher gereicht hätten, um sie auszuhebeln.

Was die Rückseite des Hauses, mein Blickfeld, betraf, hat nie jemand gewagt, unter meinem Fenster entlangzustreifen, weil unser von zwei Seiten mit Stacheldrahtzaun begrenztes Haus direkt am Rand der Klippe stand, die siebzig bis achtzig Fuß schroff in die Tiefe hinabfiel. (Ich glaube, heute sind das dreißig bis fünfunddreißig Meter – es fällt mir schwer, mich an diese Neuerungen zu gewöhnen.)

Whitecliff ist älter als zweihundert Jahre, und ich habe über vielen Theorien gebrütet, weshalb man es für nötig hielt, ausgerechnet dieses Fenster als einziges im ganzen Haus zu vergittern. Vielleicht hatte der Raum einst den Familienschatz geborgen. Vielleicht befürchtete man, dass trotz des schwierigen Zugangs von außen Bauernburschen aus dem Dorf es mittels eines Seils aus Laken schafften, durch das ungeschützte Fenster auf ein Schäferstündchen zu den Hausmädchen vorzudringen.

Vielleicht aber hatte man auch eine verrückte Tante (oder eine verrückte erste Ehefrau) hier eingeschlossen, um sie vor sich selbst zu schützen. Oder den Ruf der Familie, für den Fall, dass sie sich zu Tode stürzen würde.

Es mag zwar seltsam, wenn nicht unter den gegebenen Umständen sogar fragwürdig klingen, aber im Lauf der Zeit kam ich tatsächlich so weit, diesen Raum als einen ganz angenehmen Ort zum Leben zu empfinden, und als ich schließlich beschloss, meine Lage zu akzeptieren, entdeckte ich, dass ich mit einem Herzschlag – ja, so schnell ging das – frei war.

Ich erinnere mich dieses Moments, obgleich ich nicht sagen kann, an welchem Tag oder in welchem Jahr das war.

Lange Zeit, viele Jahre lang, hatte ich getreulich die Uhr aufgezogen, die Onkel Samuel mir zu meinem sechzehnten Geburtstag geschenkt hatte, aber nach und nach dämmerte mir, dass Zeit ihre Bedeutung verliert, wenn man keine Kontrolle mehr über sein Leben hat. Also legte ich die Uhr beiseite und lebte von da an nach den Zyklen von Licht und Dunkelheit, Wärme und Kälte, Stürmen und Ruhe – und dem prompten Eintreffen meines Essenstabletts.

Whitecliffs Gärten lagen vor dem Haus und seitlich davon. Der schmale Streifen zwischen seiner Rückseite und dem Klippenrand war von Steinen bedeckt und von Flachsgras bewachsen und bot nur wenig Veränderung in Farbe oder Bewuchs. Deshalb blieb mir nichts anderes übrig, als mich von meinem Stuhl aus am Himmel, dem Meer und dem Stand der Sonne zu orientieren, um...



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