Pupke | Bansiner Fischertod | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 368 Seiten, Format (B × H): 115 mm x 180 mm

Reihe: Ostseekrimi

Pupke Bansiner Fischertod


1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-356-02332-9
Verlag: Hinstorff
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 368 Seiten, Format (B × H): 115 mm x 180 mm

Reihe: Ostseekrimi

ISBN: 978-3-356-02332-9
Verlag: Hinstorff
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Tante Berta ermittelt wieder, aber diesmal eher widerwillig. Nicht einmal sie kann das Mordopfer ehrlich bedauern, das wirklich alles getan hat, um sich in Bansin unbeliebt zu machen. So gibt es beinahe so viele Verdächtige wie Einwohner und außer der Polizei ist niemand daran interessiert, den Fall aufzuklären. Aber es bleibt nicht bei diesem Mord. Was hat eine Einbruchserie mit der Pension »Kehr wieder« zu tun? Auch der Selbstmord einer alten Frau gibt Rätsel auf. Hängen die Verbrechen mit der Rückkehr von Cuno Thor zusammen, der 1988 über die Ostsee nach Dänemark geflüchtet ist? Und hat der Bansiner Fischer dabei wirklich den Tod seines Cousins verschuldet? Die alte Wirtin, ihre Nichte Sophie und Freundin Anne müssen herausfinden, was im Sommer 1988 geschah, im letzten Jahr der DDR. Oder liegt das Motiv doch in der Gegenwart?

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Zielgruppe


• Elke-Pupke-Fans
• Regionalkrimifans
• Urlauber Usedom
• Einheimische


Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Montag, 7.Oktober


Sophie streicht zum dritten Mal die Tischdecke glatt, rückt die kleine Vase mit den bunten Astern zehn Zentimeter nach links, sodass sie genau in der Mitte des Tisches steht, und blickt aus den Augenwinkeln hinüber zum Fenstertisch.

Dort sitzt eine Familie, die aus Vater, Mutter und drei kleinen Kindern besteht und die anscheinend beschlossen hat, ihren Urlaub hier in der Gaststätte zu verbringen. Sie sitzen jetzt seit beinahe zwei Stunden am Frühstückstisch. Genauer gesagt sitzen die Eltern dort, während die Kinder zwischen den Tischen Verstecken und Fangen spielen. Als dabei eine Vase umfällt, wirft der Vater Sophie einen Blick zu – eher stolz, als um Entschuldigung bittend: So »reizenden« Kindern kann man doch einfach nicht böse sein. Die Mutter hat den Vorfall nicht bemerkt, sie starrt auf ihr Smartphone. Ob ihr wohl schon aufgefallen ist, dass sie von ihrem Platz aus direkt auf die Ostsee sehen kann?

Nach dem gestrigen Sturm ist der Strand heute ziemlich schmal, die wenigen Strandkörbe, die noch nicht im Winterquartier sind, stehen gefährlich dicht am Wasser. Das ist heute spiegelglatt, auch die Schiffe fahren wieder. Die VINETA legt gerade an, zwei Leute rennen über den Seesteg, um sie zu erreichen. Ob eine Schifffahrt über die Ostsee nach Misdroy oder Swinemünde den Kindern nicht mehr Spaß gebracht hätte, als hier in der Gaststätte zu toben?

Die Pension steht an der Strandpromenade. In der Gründerzeit des Seebades von den Vorfahren der Wirtin errichtet, ist sie mit ihren großen Fenstern, den Säulen, Balkonen und Türmchen typisch für die Bäderarchitektur, die Bansin prägt. Fast das gesamte Erdgeschoss wird von der Gaststätte, die auch als Frühstücksraum dient, eingenommen. Zur Seeseite hin hat das Haus eine großzügige Fensterfront, die Licht hineinlässt und den Blick aufs Meer freigibt.

Der Eingang an der Bergstraße befindet sich an der Rückseite des Gebäudes. Links neben der Tür hat Sophie die Rezeption einbauen lassen und damit zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Sie kann die Pensionsgäste stilvoll empfangen und die hohe Rückwand verbirgt die Tür zur Küche und den Stammtisch. Der große, runde Tisch, der vermutlich zur Erstausstattung des Hauses gehörte, hat die jetzige Wirtin schon immer gestört. Besonders die Fischer in ihrer Arbeitskleidung waren ihrer Meinung nach dem Niveau des Restaurants abträglich. Mit zunehmendem Alkoholkonsum scheuten die sich nicht, Bemerkungen über die Gäste auszutauschen oder diese sogar anzusprechen, was Sophie manchmal in peinliche Situationen gebracht hatte. Den Stammtisch einfach abzuschaffen, verhinderte wiederum Berta, Sophies Tante und Vorgängerin. Jetzt befindet er sich in einer gemütlichen Ecke, zwischen der Rückwand des Empfangsbereiches und der Wand zur Küche. Gegenüber, neben der Küchentür, ist der Ausschank, den Sophie mit einem hohen Tresen und ein paar Hockern als Bar gestaltet hat. An der rechten Seite des Saales gelangt man ins Treppenhaus, das zu den drei Obergeschossen der Pension führt.

Im Raum sind zehn Vierertische verteilt und fünf größere Tische unter den Fenstern. Ein wunderbarer Spielplatz für die drei Kinder, die jetzt dabei sind, die Stühle zu verrücken, um sich eine »Eisenbahn« zu bauen.

Der Wirtin reicht es. Energisch geht sie zum Frühstücksbüfett und beginnt abzuräumen.

Das jüngste Familienmitglied, ein etwa dreijähriges Pummelchen mit nutellaverschmiertem Gesicht und klebrigen Fingern wollte gerade nach einer Wurstscheibe greifen und tritt Sophie ans Schienbein, als diese die Platte wegnimmt.

Mühsam beherrscht nimmt sie auch die Käseplatte aus der Reichweite des Kindes und geht erst einmal in die Küche, um tief durchzuatmen.

Dort erreicht sie der Ruf der Frau: »Könnte ich noch eine Tasse Kaffee bekommen?«

Ganz langsam stellt sie die Platten ab, zählt bis zehn, zwingt ein Lächeln in ihr Gesicht und will zurückgehen. Vor der Pendeltür bleibt sie stehen.

»Wir möchten noch …«, hört sie, dann wird die ungeduldige Stimme der Urlauberin unterbrochen.

»Unsere Frühstückszeit ist vorbei, wir müssen die Gaststätte für den Mittagstisch vorbereiten.« Tante Berta hat ihre vormittägliche Zeitungslektüre beendet und kümmert sich um die Gäste. »Ihr legt sofort die Marmelade zurück! Wirf ruhig, dann kriegst du morgen Haferflockensuppe zum Frühstück oder Schwarzbrot. Brötchen gibt es dann nämlich nicht mehr.«

Das Mädchen blickt kurz zu ihren Eltern, senkt, als von dort keine Unterstützung kommt, den erhobenen Arm und legt zögernd die Backware zurück in den Korb. »Das darfst du nicht«, versucht sie noch, sich zu behaupten.

»Doch, das darf ich«, versichert die alte Frau, packt die beiden kleinen Jungen an den Schultern und schiebt sie energisch in Richtung Familientisch. »So und jetzt raus mit euch an die frische Luft!« Sie lächelt das Ehepaar entwaffnend freundlich an. »Sehen Sie mal aus dem Fenster, es hat aufgehört zu regnen. Es ist doch schade um die schöne Urlaubszeit, die Sie hier drin vertrödeln. Wollt ihr nicht zum Strand gehen und Muscheln sammeln? Vielleicht findet ihr sogar Bernstein.«

Die Kinder zeigen sich wenig begeistert von dem Vorschlag. »Bist du die Oma von der da?«, lenkt das Mädchen vom Thema ab und zeigt mit dem Finger auf Sophie.

»Nein, die ist doch selber eine Oma.«

Der Junge blickt zwischen den Frauen hin und her. Bevor er eine andere Erklärung für die Familienähnlichkeit findet, nimmt sein Vater ihn an die Hand und schiebt mit der anderen, in der er das Smartphone hält, den Rest der Familie in Richtung Ausgang.

Zehn Minuten später lässt sich Sophie am Stammtisch nieder und atmet laut auf.

Ihre Tante hat schon zwei Tassen Kaffee hingestellt. »Du musst deinen Gästen ab und zu mal eine Ansage machen«, rät sie. »Die merken sonst gar nicht, wie unverschämt sie sind.«

»Jetzt warst du aber gerade selbst sprachlos.« Sophie lächelt. »Mir war gar nicht bewusst, dass wir uns so ähnlich sehen. Kinder sind doch manchmal erstaunlich scharfsichtig.«

»Ja, nur schade, dass die Eltern das gar nicht mitkriegen.«

»Das nennen die wahrscheinlich antiautoritäre Erziehung.«

»Ich würde es Vernachlässigung nennen.«

»Was geht es uns an?! Zum Glück reisen die morgen ab.« Sie lehnt sich zurück und seufzt zufrieden.

Berta mustert ihre Nichte wohlwollend. Ihr gefällt es, dass diese ihr nicht nur im Charakter, sondern auch im Aussehen ähnlich ist, was jetzt, wo Sophie Mitte fünfzig ist, trotz kupferrot gefärbter Haare immer deutlicher wird. Sie sind etwa gleich groß, die ältere allerdings deutlich kräftiger gebaut als die zierliche Wirtin. Das energische Kinn, eine kleine Stupsnase und vor allem die strahlend blauen Augen, die durch dunkle Wimpern und einen blassen Teint noch betont werden, haben beide gemeinsam. Für Berta ein deutlicher Beweis dafür, dass ihre Vorfahren, die zum großen Teil Seefahrer waren, von den Wikingern abstammen.

Sophie ist das ziemlich egal, zumal sie in Berlin geboren und aufgewachsen ist, dennoch hat sie sich hier an der Ostsee immer am wohlsten gefühlt. Nachdem sie vor acht Jahren die Pension von ihrer Tante übernommen und anschließend umgebaut hat, ist Bansin ihr Zuhause. Und das ist gut so. »Ich brauche dringend Urlaub«, stellt sie jetzt fest. »Am liebsten würde ich weit wegfahren, irgendwohin, wo es noch warm ist. Am Strand liegen, im Mittelmeer baden, mich im Hotel verwöhnen lassen.«

»Man sollte doch annehmen, du hättest hier genug Hotel. Und Strand auch.«

»Es ist aber schon ein Unterschied, ob man im Hotel arbeitet oder wohnt.«

»Na ja, trotzdem.« Berta schüttelt verständnislos den Kopf. »Wenn du noch sagen würdest, du möchtest mal in die Berge fahren.«

»Das musst du gerade sagen. Warst du schon mal im Gebirge?«

»Ja, Anfang der Achtzigerjahre. In Thüringen – glaub ich. Jedenfalls waren da eine Menge Berge und Burgen und Fachwerkhäuser.«

»Guck an. War’s schön?«

»Nein.« Sie überlegt eine Weile. »Eigentlich war ich froh, als ich wieder nach Hause fahren konnte. Da kriegt man Platzangst, wenn man keinen Kilometer geradeaus gucken kann. Und berghoch und bergrunter zu laufen, ist auch nichts für mich. Ich gehe lieber am Strand lang.«

»Wahrscheinlich hattest du nach einer Woche Heimweh.«

»Genau.« Berta nickt nachdrücklich. »Ich...



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