E-Book, Deutsch, Band 4, 64 Seiten
Reihe: PERRY RHODAN-Wega
Puljic Wega 4: Feind der Harthäuter
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-8453-5366-1
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 4, 64 Seiten
Reihe: PERRY RHODAN-Wega
ISBN: 978-3-8453-5366-1
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Seit mehr als dreieinhalb Jahrtausenden bereisen die Menschen den Weltraum und erforschen die Wunder des Universums. Sie sind faszinierenden Fremdvölkern begegnet, haben zahlreiche Welten besiedelt und kosmische Geschichte gestaltet. Als die Raumfahrer einst zu den Sternen aufbrachen, war die Wega ihr erstes Ziel. Im Jahr 2059 Neuer Galaktischer Zeitrechnung kehrt Perry Rhodan dorthin zurück, wo er den Schlüssel zur Unsterblichkeit entdeckt hat. Er gerät mitten in einen Krisenherd. Eine unbekannte Macht riegelt das System von der Außenwelt ab. Um die Gegner abzuwehren, müssen Rhodan und seine Gefährten einem neuen Galaktischen Rätsel nachspüren. Dabei werden Reginald Bull und der Mausbiber Gucky, seine beiden alten Freunde, auf eine fremde Welt versetzt. Völlig unbekannt ist dieser Planet allerdings nicht, wie Gucky schnell feststellt. Das weckt traumatische Erinnerungen in ihm - er findet jedoch Hilfe bei einem FEIND DER HARTHÄUTER ...
Autoren/Hrsg.
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1.
Mink
Ende der Kaltzeit, Tag
Mink reckte die Nase in den trockenen Wind und schnupperte. Steine, Staub und totes Gras. Und dazwischen, weit entfernt – Leben. Ein Tier, das feuchte Wärme ausatmete, die in der Kälte der Wüste unverkennbar war. Beute.
Gierig leckte sich Mink über die Lefzen. Zu lange schon ernährte sie sich von gepanzerten Kneifwürmern, die sie aus der steinigen Erde grub. Sie waren zäh und brannten ihr im Maul, aber Mink hatte keine Wahl. Die Kaltzeit währte bereits ungewöhnlich lange, und ihr Territorium lag zu weit im Süden. Beute war rar.
Mink hungerte, und ihr Wurf mit ihr. Ihre Milch war versiegt, die Zitzen wund von den Zähnen ihrer Jungen. Das Kleinste hatte sie vor einigen Nächten verloren. Die anderen waren bald darauf gefolgt, eins nach dem anderen. Nur Fauk war ihr geblieben – ihr Kräftigster.
Sie musste fressen, musste sich stärken. Für ihr letztes Junges.
Mink huschte über das Geröll, das dichte Fell zwischen ihren Zehenpolstern schluckte jedes Geräusch ihrer Pfoten. Sie blähte die Nasenflügel, suchte den Geruch ihrer Beute. Schweiß, Fäkalien, Blut ... Sie stieß ein leises Knurren aus. War etwas in ihr Territorium eingedrungen? Machte ihr ein anderer das karge Wild streitig?
Instinktiv plusterte sie ihr Fell auf, sodass das dunkle Unterfell hervortrat und ihrem Tagfell das Leuchten nahm, das das rote Sonnenlicht reflektierte. Ihre Ohren zuckten in die Richtung, aus der die Spur zu ihr wehte. Ein Schnauben und Keuchen war zu hören, trieb ihr den Hunger in die Eingeweide. Mink duckte sich tiefer, bis ihr schuppiger Bauch fast schon über das Geröll schabte und sie mit dem rotbraunen Boden verschwamm. Sie schlich näher.
Als sie den Fuß einer flachen Anhöhe erreichte, wurde der Blutgeruch stärker. Mink öffnete das Maul, atmete tief ein und schnupperte erneut. Sie suchte nach der scharfen Ausdünstung eines Raubtiers, fand jedoch nichts. Das verwundete Tier war ein Pflanzenfresser. Keine Bedrohung. Fressen!
Sie gab ihre Deckung auf. Nur ihr aufgeplustertes Fell schützte sie noch davor, entdeckt zu werden – das und ihre Geschwindigkeit. Mit kräftigen Schritten rannte sie voran, folgte dem Geruch nach Blut. Ihre Pfoten griffen weit aus, die Krallen gruben sich in den Boden. Der Kies raschelte unter ihren Zehen, doch das war ihr egal. Ausgehungert oder nicht, Mink war eine Jägerin, kräftig und schnell – und das Tier, das sie witterte, war verletzt. Endlich würde sie fressen.
In vollem Lauf eilte sie den flachen Hang hinauf, hinter dem sie ihr Futter riechen, hören, fast schon schmecken konnte. Zartes, nährendes Fleisch, gefüllt mit warmem Blut, an dem Mink ihren Durst löschen würde.
Von der Hügelkuppe aus erspähte sie ihr Ziel endlich: ein Grasfresser, kaum so groß wie eins von Minks Jungtieren. Eine nur karge Mahlzeit. Das Beutetier lag auf der Seite, sein Fell rötlich und fast so ausgeblichen wie der Untergrund. Schaum stand vor dem weit aufgerissenen Maul, das nach Luft keuchte. Blut quoll aus einer großflächigen Wunde am Bauch und versickerte im Sand.
Mink zögerte. Ihre Erfahrung mahnte sie, dass etwas diese Verletzung verursacht haben musste.
Vorsichtig umkreiste sie das wunde Beutetier, ihr Schweif peitschte unentschlossen hin und her. Doch sosehr sie lauschte und schnupperte, sie nahm nichts wahr, war ihr gefährlich werden konnte.
Inzwischen hatte der Grasfresser sie entdeckt. Er hob den Kopf und stieß ein panisches Röhren aus, versuchte auf die dünnen Beine zu kommen.
Mink konnte sich nicht länger zurückhalten. Sie sprang vor, drückte das Tier mit ihren Klauen zu Boden und grub die Zähne in den Hals des Grasfressers. Sie tötete ihn mit einem einzigen, kräftigen Biss. Knochen knackten, das Röhren verstummte. Blut quoll Mink in den Rachen. Gierig schluckte sie das heiße Nass, grub die Schnauze tiefer in das warme Fleisch.
Das war der Moment, in dem der Boden unter ihren Pfoten nachgab. Mit einem erschrockenen Fauchen sprang Mink beiseite. Zu spät.
Der Kopf eines Steinkriechers schoss neben ihr aus dem Boden, sein Unterkiefer beinahe so lang wie Minks Schweif. Er schnappte zu.
Mink kreischte, als die Zähne der Echse sich in ihren Hinterlauf bohrten. Sie warf sich herum und schlug mit ausgefahrenen Krallen nach den Augen ihres Gegners. Der ließ jedoch nicht locker, im Gegenteil. Den Körper noch halb im Geröll verborgen, begann er eine tödliche Drehung. Er rollte herum, zog Mink dabei mit sich. Sie schlug, kratzte und strampelte, doch der Biss ihres Jägers war unerbittlich. Voller Verzweiflung hieb Mink ihre Krallen in den schuppigen Leib und versuchte ihrerseits, den Gegner zu verwunden, der sie unter den steinigen Boden zerren wollte.
Endlich fanden ihre Klauen Halt an der zähen Haut des Echsenbauchs. Sie zog sich heran und ignorierte die Schmerzen, die sich dadurch in ihrem Hinterlauf verstärkten. Sie biss in das bittere Fleisch. Die Echse zischte und schnarrte. Dabei lockerte sich der Druck ihres Kiefers.
Rasch zog Mink ihr Bein aus dem Maul des Steinkriechers und sprang zurück. Schon nach dem ersten Schritt gab ihr verletzter Lauf nach. Sie knurrte vor Schmerz. Aber das war es nicht, was sie zurückhielt.
Neben dem bedrohlich aufgesperrten Echsenmaul lag immer noch der Grasfresser. Ihre Beute.
Der Steinkriecher sank ein Stück weit in seine sandige Behausung zurück. Seine Art war plump und auf Angriffe aus dem Hinterhalt angewiesen. Normalerweise hätte er sich bestimmt schon wieder im Sand vergraben, doch Minks Zögern hielt ihn zurück. Er musterte sie aus kalten, lidlosen Stielaugen und lauerte, bereit, jederzeit wieder zuzupacken, sollte sie sich noch einmal in seine Nähe wagen.
Unruhig zuckte Mink mit dem Schweif. Sie brauchte das Futter. Nicht nur für sich, sondern vor allem für ihr Junges. Fauk war kräftig. Vielleicht kräftig genug, um bereits selbst Fleisch zu fressen.
Mink bleckte die Zähne und stieß ein warnendes Fauchen aus. Den Rücken zu einem Buckel gewölbt, hinkte sie auf den Steinkriecher zu. Die Echse schnappte in ihre Richtung. Aber sie wich zurück.
Unter Fauchen und Knurren näherte sich Mink ihrer Beute. Der Steinkriecher ließ sie keinen Moment aus den Augen. Sein weit aufgesperrtes Maul voller stumpfer, schmutziger Zähne folgte ihr unerbittlich. Nur noch drei Schritte trennten sie von dem toten Grasfresser.
Ohne Vorwarnung preschte Mink voran, schlug mit der Pfote nach der Beute und schleuderte sie so aus der Reichweite der Echse. In derselben Bewegung wirbelte sie herum und stieß sich empor.
Die mächtigen Kiefer des Steinbeißers schnappten zu, genau dort, wo eben noch ihr Kopf gewesen war.
Mit weit ausgreifenden Sprüngen brachte sich Mink in Sicherheit. Im Laufen packte sie den Kadaver des Grasfressers und rannte den Hügel hinab.
Ihr Atem ging keuchend. Jeder Schritt sandte einen Sturm aus Schmerzen durch ihr Hinterbein. Aber sie hatte den Steinkriecher besiegt. Sie hatte Beute! Fauk würde nicht hungern.
*
Es kostete Mink große Überwindung, das Fleisch in ihrem Maul nicht selbst hinunterzuschlingen. Der Körper des Grasfressers war längst erkaltet, ihr Bauch krampfte vor Hunger. Aber sie übte sich in Geduld. Erst musste ihr Junges fressen. Danach konnte sie erneut auf die Jagd gehen.
Aber der Weg zurück zu ihrer Wurfhöhle war weit, und Minks Hinterlauf pochte vor Schmerzen. Sie konnte das Bein kaum belasten.
Endlich tauchte die kantige Felsformation auf, an deren Unterseite sie ihre Höhle gegraben hatte. Mit einem erleichterten Grunzen rutschte sie den steinigen Hang hinab. Ohne ihre Beute fallen zu lassen, stieß sie das kehlige Maunzen aus, mit dem sie ihren Jungen wissen ließ, dass ihm keine Gefahr drohte. Sie erhielt keine Antwort.
Ihre Schritte wurden zögerlich. Sie öffnete das Maul, ließ das Futter fallen und rief erneut nach Fauk. Ihre Ohren zuckten im Wind, doch sie fanden nur Stille. War er zu schwach, um ihr zu antworten?
So schnell es ihre Verletzung erlaubte, lief Mink zur Höhle. Das kleine, graue Bündel unweit des Eingangs hätte sie beinahe übersehen.
Fauk!
Abrupt blieb sie stehen. Wieso lag er außerhalb der Sicherheit ihres Unterschlupfs? Hatte er nach Wärme gesucht? Sein Tagfell war noch nicht ausgeprägt genug, um das Sonnenlicht einzufangen.
Und warum rührte er sich nicht? Zögernd trat sie näher, ihre Nasenflügel blähten sich auf, suchten nach dem vertrauten Geruch ihres Jungen. Sie fand ihn ... und noch etwas anderes. Etwas Fremdes.
Minks Fell sträubte sich. Sie schlich näher. Fauk rührte sich nicht. Vorsichtig stupste sie ihn mit der Schnauze an. Sein kleiner Körper war steif. Mink stieß ein verzweifeltes Jaulen aus. Sie legte sich zu ihrem Jungen, drückte ihren Leib wärmend an den ihres Sohns, leckte über sein dunkles Nachtfell.
Sie hatte ihm doch Futter gebracht!
Wieder glitt ihre gespaltene Zunge über sein Fell, wie sie es auch getan hatte, als er nach der Geburt neben ihr gelegen hatte, nass und blind. Doch diesmal öffnete er nicht sein Maul, um sie mit einem leisen Fiepen zu begrüßen. Fauk blieb stumm und kalt.
Mink jaulte erneut, drückte ihre Nase an seinen Bauch. Da roch sie es wieder. Das Fremde, das an diesem Ort nichts zu suchen hatte.
Sie stieß den Körper ihres Jungen abermals an, und da, zwischen den Schuppen an seiner Unterseite, sah sie es: Löcher. Etwas hatte sich in ihn hineingefressen. Doch das waren keine gewöhnlichen Wunden. Sie bluteten nicht. Welches Tier war zu so etwas fähig? Und wieso hatte es Fauk zurückgelassen,...




