E-Book, Deutsch, Band 91, 64 Seiten
Reihe: Silvia-Gold
Prinz Silvia-Gold 91
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7325-8686-8
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Erzähl mir keine Lügen!
E-Book, Deutsch, Band 91, 64 Seiten
Reihe: Silvia-Gold
ISBN: 978-3-7325-8686-8
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Erzähl mir keine Lügen!
Ein Wohlführoman, der Liebe und Glück verheißt
Von Heide Prinz
Verenas Augen weiten sich in fassungslosem Staunen. Der schlanke, braungebrannte Mann, der da schlendernd über den Platz auf sie zukommt ... das ist doch ... nein, das sind Hirngespinste, das ist Wunschdenken ... und doch, es ist Ronald von Torra.
Wie ist das möglich?, fragt sich Verena. Er sollte doch in Amerika sein, glücklich mit einer standesgemäßen Frau.
Hart pocht Verenas Herz gegen die Rippen. »Ronald von Torra!« Sie glaubt, den Namen nur gedacht zu haben, doch sie hat ihn laut ausgesprochen. Sein Gesicht wendet sich ihr zu, sein Blick jedoch gleitet über sie hinweg. Erkennt er sie nicht? Hat er alles das vergessen, was einmal zwischen ihnen gewesen ist?
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Erzähl mir keine Lügen!
Ein Wohlführoman, der Liebe und Glück verheißt
Von Heide Prinz
Verenas Augen weiten sich in fassungslosem Staunen. Der schlanke, braungebrannte Mann, der da schlendernd über den Platz auf sie zukommt … das ist doch … nein, das sind Hirngespinste, das ist Wunschdenken … und doch, es ist Ronald von Torra.
Wie ist das möglich?, fragt sich Verena. Er sollte doch in Amerika sein, glücklich verheiratet mit einer standesgemäßen Frau.
Hart pocht Verenas Herz gegen die Rippen. »Ronald von Torra!« Sie glaubt, den Namen nur gedacht zu haben, doch sie hat ihn laut ausgesprochen. Sein Gesicht wendet sich ihr zu, sein Blick jedoch gleitet über sie hinweg. Erkennt er sie nicht? Hat er alles das vergessen, was einmal zwischen ihnen gewesen ist?
»Schatz, gibt es nicht bald Abendessen? Ich habe Hunger!«
Verena Conradi stellte den Motor des Rasenmähers ab und gönnte sich eine kurze Verschnaufpause. Mit dem nackten Unterarm wischte sie sich den Schweiß von der Stirn und blickte zu der hübsch begrünten Terrasse hinauf, die sich über dem Garagenanbau befand.
Dort lehnte, nur mit einer Badehose bekleidet, Clemens Günther und sah ihr ungerührt zu, wie sie Bahn um Bahn den Rasen stutzte.
»Wenn du etwas zu essen willst, nimm dir selbst was aus dem Kühlschrank, Clemens!«, knurrte Verena missmutig. »Ich werde hier unten jedenfalls erst meine Arbeit beenden, ehe ich heraufkomme.«
»Ohne Stress fühlt sich mein Mäuschen einfach nicht wohl, he?«, rief Clemens ihr mit grimmigem Humor zu.
»Wie recht mein kleines Dickerchen doch hat«, antwortete Verena honigsüß. Jetzt war ihre Stimme triefende Ironie. »Wer würde es an einem herrlichen Wochenende wie diesem schon vorziehen, sich mit einem guten Buch entspannt auf dem Dachgarten unter die Markise zurückzuziehen – wenn ihm die Alternative geboten wird, die Wohnung zu putzen, Beete durchzuhacken, den Rasen zu mähen und zwischendurch auch noch die Wäsche zu machen? So was hält jung, vertreibt die Grillen und lässt einen hinterher gut schlafen!«
Jetzt war der Sarkasmus nicht mehr zu überhören.
»Solltest du vielleicht mal ausprobieren, damit du mitreden kannst, Dickerchen. Und weil du ja doch nicht daran denkst, mir ein wenig zu helfen, damit ich früher fertig werde, lass mich weiterarbeiten. Ich will dies zu Ende bringen, ehe es dunkel wird.«
Ziemlich verärgert drückte Verena auf den Schalter, der den Rasenmäher wieder in Gang setzte. Das Geräusch des Motors übertönte Clemens’ Antwort. Es interessierte sie auch nicht sonderlich. Sie würde es noch früh genug erfahren, wenn sie später abgespannt und müde ihre Wohnung aufsuchte.
Vier Jahre lang war sie inzwischen mit Clemens Günther liiert, der zwar eine gemütliche Junggesellenbude hatte, sich aber trotzdem die meiste Zeit bei ihr aufhielt. Während dieser vier Jahre hatte Clemens ganz allmählich eine Entwicklung vom charmanten Galan zum trägen Pascha durchgemacht, der sich von ihr nach allen Regeln der Kunst bedienen ließ, jedoch niemals auf die Idee kam, ihr auch mal zur Hand zu gehen.
Wenn er sich doch wenigstens hin und wieder dazu aufraffen könnte, mal ein Geschirrtuch anzufassen oder mir im Garten ein wenig zu helfen, wünschte Verena. Verschiedentlich hatte sie Clemens zwar daran erinnert, dass auch sie berufstätig sei. Aber sobald es um körperliche Anstrengung ging, hatte er im Handumdrehen so viele Ausreden parat, wie sich Finger an einer Hand befanden.
Beim Stutzen des Rasens beispielsweise vergaß Clemens nicht, Verena regelmäßig daran zu erinnern, dass dies eigentlich ja überhaupt nicht ihre Aufgabe sei. Das gelte hier im Haus übrigens für vieles, was ihre begüterte Tante von ihr verlange. Aber wenn ihr persönlich die Schufterei gefiele – bitte schön, dann sei das allein ihre Angelegenheit.
Sie solle sich dann aber gefälligst auch nicht über die viele Arbeit beschweren. Was ihn beträfe – er könne einfach nicht einsehen, dass auch er sich noch für ›andere Leute‹ abplagen solle, betonte er dann.
Mit ›anderen Leuten‹ war Verenas Tante Klara gemeint, der das Haus gehörte, in welchem Verena das Obergeschoss bewohnte.
Tante Klara war die Schwester von Verenas verstorbener Mutter. Seit einem Autounfall vor vielen Jahren war Tante Klara etwas behindert und konnte daher nicht alle Arbeiten im Haus und Garten allein ausführen. Aus diesem Grund hatte sie ihre Nichte gebeten, doch zu ihr zu ziehen. Sie würde ihr die gesamte Oberwohnung zu einem kulanten Mietpreis überlassen, wenn Verena ihr dafür im Gegenzug ›gelegentlich‹ etwas zur Hand ginge. Dies bezöge sich vorwiegend auf ein bisschen Mithilfe im Garten.
Verena, die zu jener Zeit vor fünf Jahren in einem kleinen Ein-Zimmer-Appartement gewohnt hatte, hatte das Angebot ihrer Tante dankbar angenommen, doch schon recht bald einsehen müssen, dass die ›Großzügigkeit‹ der Tante harte Grenzen hatte. Ständig wurde Verena von ihr eingespannt und darauf hingewiesen, dass die Wohnung ja eigentlich spottbillig war und wesentlich teurer vermietet werden könnte.
Mitunter kam sich Verena vor, als säße sie zwischen allen Stühlen. Jeder stellte Ansprüche an sie. Und keiner fragte danach, wie ihr dabei zumute war und ob sie selbst nicht auch Wünsche hatte.
Denn da war auch noch ihr Chef, Prominentenanwalt Dr. Hajo Schönlein, der es als Selbstverständlichkeit ansah, dass eine nicht unbedingt überbezahlte Top-Sekretärin wie sie ohne zu murren Überstunden machte, wann immer er diese von ihr verlangte. Und dies mit dem Argument, die Zeit bei Tage habe wieder einmal nicht ausgereicht.
Während ›die jungen Dinger‹, wie er Verenas jüngere Kolleginnen bezeichnete, pünktlich Feierabend machen durften, saß sie im Büro, nahm Diktate auf und schrieb seitenlange Protokolle.
»Nicht wahr, Frau Conradi, das macht Ihnen doch nichts aus?« Der scheinheilige Fuchs! »Wir beide sind doch ein so eingespieltes Team«, versuchte Dr. Schönlein dann auch noch die Vertrauensmasche zu stricken, um Verena Unentbehrlichkeit vorzugaukeln. »In den späten Nachmittagsstunden, wenn das Telefon endlich schweigt und wir nicht mehr gestört werden, lässt es sich doch viel effektiver arbeiten.«
Was sollte Verena darauf erwidern? Sie ergab sich in ihr Schicksal und machte Überstunden.
Und zu Hause empfing sie dann Clemens regelmäßig mit vorwurfsvollen Blicken. In seinem Lieblingssessel ausgestreckt, wartete er darauf, dass sie das Abendessen herrichtete – anstatt sie selbst mit einem gedeckten Tisch zu überraschen.
Davon, dass Clemens bei der Baubehörde, bei welcher er als Ingenieur tätig war, allzu hart gefordert wurde, konnte kaum die Rede sein. Der Wunsch, ein eigenes Baubüro aufzubauen, lag lange zurück. Die sichere Position im Beamtenstatus behagte ihm inzwischen weit mehr. Dieser Arbeitsrhythmus entsprach ganz seinem Phlegma.
So hatte es Verena mit sich und den Ihren wahrhaftig nicht einfach. Und die Schulter zum Anlehnen, die sie sich mitunter wünschte, besonders dann, wenn sie sich abgespannt fühlte, war Clemens nun wirklich nicht.
Diese Gedanken gingen Verena auch jetzt wie so oft durch den Kopf, während Clemens wieder achselzuckend oben hinter der Dachgartenbrüstung verschwand und Verena den Rest des Rasens mähte.
Was ihr fehlte, war ganz einfach hin und wieder ein bisschen Zeit für sich allein. Zeit, über sich selbst und ihre Situation nachzudenken.
Was Clemens betraf, da drängten sich Verena in letzter Zeit immer häufiger Zweifel daran auf, dass er für sie der richtige Mann für ein ganzes Leben war. Irgendwie war ihre Beziehung total festgefahren. Mehr und mehr entpuppte sich Clemens als nörgelnder Egoist, dem seine Bequemlichkeit über alles ging.
Nicht zum ersten Mal stellte sich Verena die Frage: Liebten sie einander eigentlich überhaupt noch? Eher schien ihr, als sei alles, was noch zwischen ihnen ablief, mittlerweile nichts anderes als Gewöhnung. Selbst der Heiratsantrag, den Clemens in großen Abständen wiederholte. Ohne dass sich Verena bisher entschließen konnte, diesen endlich anzunehmen.
Der Verdacht lag nämlich nahe, dass es Clemens mehr darum ging, seine weitgehend ungenutzte Wohnung aufgeben zu können, um sich mit allen Konsequenzen bei ihr einzunisten.
Aber gerade das war es, was Verena schreckte: sich vollkommen und endgültig zur Sklavin ihres Ehemannes zu machen.
Warum nur, wenn sie doch auch heute bereits Clemens’ Socken stopfte und seine Wäsche wusch, konnte sie sich so schwer mit dem Gedanken anfreunden – Ehefrau zu sein?
Lag es auch daran, dass selbst ihr Liebesleben inzwischen in Routine erstarrt, sozusagen zur Pflichtübung verkommen war? Musste eine Verbindung nach nur vier Jahren bereits zwangsläufig so ohne die geringsten Höhen und Tiefen ablaufen wie die ihre?
Und noch etwas geschah nicht zum ersten Mal, während Verena die groben Gartenhandschuhe von den gepflegten Fingern streifte und...




