Pratchett / Gaiman | Ein gutes Omen | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 464 Seiten

Pratchett / Gaiman Ein gutes Omen

Der völlig andere Hexen-Roman
12001. Auflage 2012
ISBN: 978-3-492-96001-4
Verlag: Piper ebooks in Piper Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Der völlig andere Hexen-Roman

E-Book, Deutsch, 464 Seiten

ISBN: 978-3-492-96001-4
Verlag: Piper ebooks in Piper Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



»Es war keine dunkle und stürmische Nacht. Eigentlich sollte es eine dunkle und stürmische Nacht sein, aber auf das Wetter ist eben kein Verlass.« Die Geburt des Antichristen steht unter keinem guten Stern. Eigentlich soll der junge Warlock von den finsteren Engeln Erziraphael und Crowley zum gefürchteten Höllenfürsten erzogen werden. Doch statt für die Apokalypse interessiert sich der Junge viel mehr für Baseball, seine Briefmarkensammlung und Kaugummi mit Bananengeschmack. Es stellt sich heraus, dass das Kind im Krankenhaus vertauscht wurde. Nun gilt es, den wahren Antichristen aufzuspüren. Zudem begreifen Erziraphael und Crowley, dass die Erde eigentlich doch gar keine so üble Gegend im Universum ist. Doch der Termin für den Weltuntergang rückt unaufhaltsam näher…
Pratchett / Gaiman Ein gutes Omen jetzt bestellen!

Weitere Infos & Material


Es war ein smoggeschwängerter heißer Augusttag in London.

Warlock empfing viele Gäste zu seinem elften Geburtstag.

Im Saal befanden sich nicht nur zwanzig Jungen und siebzehn Mädchen. Hinzu kam eine Reihe von blonden Männern, alle mit dem gleichen Kurzhaarschnitt, blauen Anzügen und Schulterhalftern ausgestattet. Ein Heer von Lieferanten brachte Wackelpudding, Kuchen und Schüsseln mit Kartoffelchips. Die Karawane von Lieferwagen wurde von einem alten Bentley angeführt.

Das Unterhaltungs-Duo ›Der tolle Harvey und die noch viel tollere Wanda – Experten für Kinderparties‹ fiel auf der Fahrt zur Residenz des Kulturattachés einem höllisch-himmlischen Grippevirus zum Opfer und mußte mit Fieber, laufender Nase und tränenden Augen nach Hause zurückkehren. Durch eine glückliche Fügung des Schicksals fand sich Ersatz: Ein Zauberkünstler erklärte sich bereit, Harvey und Wanda zu vertreten.

Jeder hat sein kleines Hobby. Und Erziraphael beschloß, seins für einen guten Zweck zu verwenden – obwohl Crowley dringend davon abriet.

Der Engel war sehr stolz auf seine magischen Fähigkeiten. Im Jahre 1870 hatte er an einem von John Maskelyne veranstalteten Kurs teilgenommen und fast zwölf Monate lang geübt, wie man bunte Tücher aus den Ärmeln zog, Münzen verschwinden und Kaninchen aus Hüten springen ließ. Er glaubte, damals ein durchaus professionelles Geschick entwickelt zu haben. Nun, an dieser Stelle soll auf folgendes hingewiesen werden: Erziraphael konnte Dinge bewerkstelligen, die alle Mitglieder der Magischen Gilde dazu veranlaßt hätten, ihre Zauberstäbe wegzuwerfen und sich nach einem anderen Beruf umzusehen. Schließlich war er ein Engel, und Engel sind nicht an die normalen Beziehungen zwischen Ursache und Wirkung gebunden. Um es anders auszudrücken: Himmlische Wesen kleiden sich in ein ganz anderes Gewand der Kausalität. Aber Erziraphael hatte es sich zur Angewohnheit gemacht, die ihm innewohnenden wunderbaren Fähigkeiten so wenig wie möglich zu benutzen. Woraus sich jetzt ein Nachteil ergab. Er bedauerte es, nicht auch an Maskelynes Kurs für Fortgeschrittene teilgenommen zu haben.

Trotzdem: Er verglich diese Angelegenheit damit, auf einem Fahrrad zu fahren. Man vergaß nie, worauf es dabei ankam. Der Zaubermantel war ein wenig verstaubt, aber er fühlte sich gut an, als er ihn über die Schultern streifte. Erziraphael entsann sich sogar an den richtigen Fachjargon.

Die Kinder beobachteten ihn gelangweilt, und einige von ihnen schnitten verächtliche Mienen. Crowley stand hinter dem Büfett, trug die Uniform eines Kellners und versuchte, sich seine Verlegenheit nicht allzu deutlich anmerken zu lassen.

»Nun, ihr jungen Damen und Herren«, begann Erziraphael. »Seht ihr meinen alten zerbeulten Hut? Was für ein alter und zerbeulter Hut! denkt ihr sicher. Ein alter, zerbeulter und völlig leerer Hut. Aber ach! Was hat dieser Bursche darin zu suchen? Oh, es ist unser pelziger Freund, Karl Kaninchen!«

»Sie hatten es in der Tasche«, sagte Warlock. Die anderen Kinder nickten zustimmend. Wofür hielt sie der Narr? Für Kinder?

Erziraphael erinnerte sich an Maskelynes Hinweise in bezug auf Zwischenrufer. ›Macht einen Witz daraus, ihr Knallköppe – und damit meine ich Sie, Mister Eden.‹ (Diesen Namen benutzte der Engel damals.) ›Bringen Sie das Publikum zum Lachen. Dann verzeiht es Ihnen alles.‹

»Oh-ho, ihr habt meinen Huttrick durchschaut«, erwiderte Erziraphael und lachte. Die Kinder musterten ihn verdrießlich.

»Sie sind ein Idiot«, brummte Warlock. »Zeichentrickfilme sind mir viel lieber.«

»Er hat recht«, pflichtete ihm ein kleines Mädchen mit Pferdeschwanz bei. »Sie sind ein Idiot. Und wahrscheinlich auch ein Blödmann.«

Erziraphael bedachte Crowley mit einem verzweifelten Blick. Seiner Ansicht nach bestand nicht mehr der geringste Zweifel daran, daß Warlock höllischen Einflüssen erlag. Je eher der schwarze Hund eintraf und sie diesen unfreundlichen Ort verlassen konnten, desto besser.

»Nun«, fuhr er fort, »hat jemand von euch zufälligerweise ein Klingelbingel dabei, vielleicht auch ein kleines Kettilein? Nicht einmal du, junger Herr? Und was ist das hier, hinter deinem Ohr …?«

»Bei meinem Geburtstag habe ich mir ›Roadrunner‹ und ›Coyote‹ angesehen«, verkündete das Mädchen. »Und ich habe sogar ein ACME-Paket mit Dynamit für Kinder, Raketenrollschuhen, mit Batman-Flügeln, Atomkleber, mit Laserpistolen und einer Startrampe für Raketen gekriegt …«

Crowley stöhnte innerlich auf. Offenbar ging es bei Kindergeburtstagen immer ziemlich hektisch zu, fand er. Jeder Engel mit gesundem Menschenver … Jeder Engel mit gesundem Engelverstand sollte derartige Veranstaltungen meiden.

Helle Stimmen quietschten voller Schadenfreude, als Erziraphael drei miteinander verbundene Metallringe fallenließ.

Crowley wandte sich von der improvisierten Bühne ab, und sein Blick fiel auf einen Tisch mit Dutzenden von Geschenken. Zwei Knopfaugen glühten in einem kleinen Kunststoffkasten.

Der Dämon beobachtete sie aufmerksam und rechnete fast damit, ein rötliches Schimmern zu sehen. Man mußte auf Überraschungen gefaßt sein, wenn man es mit den Bürokraten der Hölle zu tun hatte. Sie waren sogar imstande, Höllenhunde mit Springmäusen zu verwechseln.

Nein, es handelte sich um eine ganz normale Springmaus. Sie wohnte in einer komplizierten Anordnung aus Zylindern, offenen Kugeln und Tretmühlen. Vermutlich hätte man so etwas während der spanischen Inquisition erfunden – wenn den Inquisitoren die unerhörte Vielseitigkeit des Werkstoffs Plastik bekannt gewesen wäre.

Crowley sah auf seine Armbanduhr. Die Batterie hatte schon vor drei Jahren den elektrischen Geist aufgegeben, und es war dem Dämon nie in den Sinn gekommen, sie zu wechseln. Warum auch? Die Uhr funktionierte bestens, zeigte gerade zwei Minuten vor drei an.

Erziraphael wurde immer nervöser.

»Hat irgend jemand aus dem Publikum vielleicht ein Taschentuch dabei? Nein?« In der viktorianischen Epoche gehörte es sich einfach nicht, kein Taschentuch dabei zu haben. Der Engel spürte ein hartnäckiges Picken am Handgelenk, was ihn sehr deutlich an die Taube in seinem Ärmel erinnerte. Um sie hervorzuzaubern, brauchte er unbedingt ein geeignetes Tuch. Er versuchte vergeblich, Crowleys Aufmerksamkeit zu erwecken, und wandte sich schließlich an einen Wächter, der voller Unbehagen von einem Bein aufs andere trat.

»Sie, mein lieber Herr. Bitte kommen Sie zu mir. Nun, äh, wenn Sie in Ihrer Brusttasche nachsehen … Ich glaube, dort finden Sie ein hübsches seidenes Taschentuch.«

»Neinsir, tutmirleidsir«, erwiderte der Sicherheitsbeamte und blickte starr geradeaus.

Erziraphael zwinkerte verzweifelt. »Vielleicht sind Sie so freundlich und sehen trotzdem nach. Damit erwiesen Sie mir einen großen Gefallen. Bitte!«

Der Mann griff in die Innentasche seiner Jacke, hob verblüfft die Brauen und holte ein spitzenbesetztes Taschentuch aus kobaltblauer Seide hervor. Erziraphael begriff sofort, daß er besser auf die Spitzen verzichtet hätte. Sie verfingen sich an der im Halfter steckenden Waffe und schleuderten sie quer durchs Zimmer. Ein leises Plopp erklang, als der Revolver in eine Schüssel fiel, die besonders wackligen Wackelpudding enthielt.

Die Kinder klatschten zurückhaltend. »He, nicht übel!« bemerkte das Mädchen mit dem Pferdeschwanz.

Warlock lief zum Tisch und griff nach der Waffe. »Hände hoch, ihr verdammten Mistkerle!« rief er fröhlich.

Was die Wächter in eine verzwickte Lage brachte.

Einige von ihnen hielten es für angebracht, die eigenen Revolver zu ziehen, während die anderen vorsichtig auf den Jungen zutraten – oder sich vorsichtig von ihm entfernten. Die übrigen Kinder fanden Spaß an der Sache und verlangten ebenfalls nach einer Waffe. Mehrere von ihnen, die ziemlich nahe bei den Wächtern standen, bemächtigen sich der Pistolen der Männer, die so unvorsichtig gewesen waren, ihre Waffen zu ziehen.

Irgend jemand warf Pudding auf Warlock.

Der Junge quiekte, und sein Zeigefinger krümmte sich um den Abzug einer Magnum, Kaliber 32, CIA-Standardmodell. Diese üble und schwere graue Waffe war in der Lage, einen Mann auf dreißig Schritt Entfernung umzublasen und dabei nicht mehr zurückzulassen als eine rote Wolke, eine schreckliche Schweinerei und eine erkleckliche Menge Papierkram.

Erziraphael zwinkerte.

Ein dünner Wasserstrahl zischte aus dem Lauf und bespritzte Crowley, der aus dem Fenster sah und nach einem großen schwarzen Hund Ausschau hielt.

Erziraphael seufzte verlegen.

Dann klatschte ihm eine Torte ins Gesicht.

Inzwischen war es fast fünf Minuten nach drei.

Der Engel winkte kurz, verwandelte auch die restlichen Waffen in Wasserpistolen und verließ den Saal.

Crowley folgte ihm nach draußen und beobachtete, wie Erziraphael versuchte, eine zerdrückte Taube aus dem linken Ärmel seines Gehrocks zu ziehen.

»Es ist bereits zu spät«, sagte der Engel.

»Das weiß ich«, erwiderte Crowley. »Du hättest sie nicht in den Ärmel stopfen sollen.« Er griff nach der schlaffen Taube und hauchte das Leben in den toten Leib zurück. Der Vogel gurrte dankbar und flog ein wenig unsicher davon.

»Es geht mir nicht um den Vogel«, sagte Erziraphael. »Ich meine den Hund. Er ist spät dran.«

Crowley nickte nachdenklich. »Vielleicht hat ihn irgend etwas aufgehalten.«

Er öffnete die Türe seines Wagens und schaltete das Radio ein....


Gaiman, Neil
Neil Gaiman, 1960 in England geboren, gehört zu den bekanntesten Schriftstellern der Phantastik. Der vielfach preisgekrönte Verfasser von Comics und Romanen schrieb sein Debüt »Ein gutes Omen« gemeinsam mit Terry Pratchett. Sein alle Grenzen des Genres sprengendes Werk »American Gods« machte ihn zum internationalen Kultstar.

Pratchett, Terry
Terry Pratchett, geboren 1948 in Beaconsfield, England, erfand in den Achtzigerjahren eine ungemein flache Welt, die auf dem Rücken von vier Elefanten und einer Riesenschildkröte ruht, und hatte damit einen schier unglaublichen Erfolg: Ein Prozent aller in Großbritannien verkauften Bücher sind Scheibenweltromane. Jeder achte Deutsche besitzt ein Pratchett-Buch. Bei Piper liegen der erste Scheibenweltroman »Die Farben der Magie«sowie die frühen Bände um Rincewind, Gevatter Tod, die Hexen und die Wachen vor – Meisterwerke, die unter den Fans einhellig als nach wie vor unerreicht gelten. Terry Pratchett erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den »World Fantasy Lifetime Achievement Award« 2010. Zuletzt lebte der Autor in einem Anwesen in Broad Chalke in der Grafschaft Wiltshire, wo er am 12. März 2015 verstarb.

Brandhorst, Andreas
Andreas Brandhorst, geboren 1956 im norddeutschen Sielhorst, schrieb mit seinen futuristischen Thrillern und Science-Fiction-Romanen wie »Das Schiff« und »Omni« zahlreiche Bestseller. Spektakuläre Zukunftsvisionen sind sein Markenzeichen. Der SPIEGEL-Bestseller »Das Erwachen« widmet sich dem Thema Künstliche Intelligenz. Sein aktueller Wissenschaftsthriller »Ewiges Leben« zeigt Chancen und Gefahren der Gentechnik auf.



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.