E-Book, Deutsch, 384 Seiten
Reihe: Ullstein eBooks
Porter Internet Lover
10001. Auflage 2010
ISBN: 978-3-548-92053-5
Verlag: Ullstein-Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Erotisches Tagebuch
E-Book, Deutsch, 384 Seiten
Reihe: Ullstein eBooks
ISBN: 978-3-548-92053-5
Verlag: Ullstein-Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Dawn Porter ist ausgebildete Schauspielerin und absolvierte die Sir Paul McCartney Drama School in Liverpool. Sie hat für zahlreiche Radio- und Fernsehproduktionsfirmen gearbeitet.
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EINLOGGEN
»Warum sollte ein gutaussehendes Mädchen wie du ausgerechnet auf der Internetseite einer Kontaktbörse herumsurfen?« So lautete die Frage meines Herrn Papa, als ich ihm von meinem Vorhaben erzählte. Natürlich verstand ich seine Reaktion. Die Partnersuche über das Internet hat schließlich keinen besonders guten Ruf, in vielen Fällen wahrscheinlich sogar zu Recht – insbesondere, wenn man sich auf der Site tummelt, die ich zu nutzen beabsichtigte.
Ich würde diese Adresse nicht als klassische Part ner vermittlung bezeichnen, ist sie doch eher bekannt für eine spezielle Art von Intimkontakten, die dort geknüpft werden können. Ein Bereich heißt »Flüchtige Abenteuer« und wurde speziell für Leute eingerichtet, die sich gelegentlich mit völlig unbekannten Menschen treffen möchten. Und bei diesen Treffen handelt es sich keineswegs um gemütliche Gespräche bei einem Stück Kuchen und einer Tasse Kaffee. Es geht um diskreten und arrangierten Sex, mit dem keinerlei Verpflichtungen einhergehen.
Kontaktanzeigen wie: »Meine Frau ist über das Wochenende weggefahren, komm vorbei und ich besorge es dir zwei Stunden ordentlich anal«, sind hier keine Seltenheit. Aber bevor ihr das Buch jetzt entsetzt zuklappt, weil ihr denkt, dass meine Geschichte nichts als schmutziges Gewäsch über die ausschweifende Suche nach einem obszönen One-Night-Stand ist, lest bitte weiter. Und nennt mich ruhig altmodisch, aber ich würde, was das angeht, lieber zu Hause auf dem Sofa sitzen und mir Zigaretten auf dem Handrücken ausdrücken, ehrlich.
Auf dieser speziellen Internetseite gibt es noch einen weiteren Bereich, und zwar für Frauen, die auf der Suche nach einem Mann sind. Dort geht es viel gemäßigter zu, weswegen ich auch diesen Bereich ausgewählt habe, um meine Anzeigen zu platzieren. Obwohl ich nicht offen nach einem sexuellen Abenteuer Ausschau hielt, fand ich es ungeheuer interessant, dass eine subtile Andeutung mindestens genauso Erfolg versprechend war wie ein unverhohlen ausgesprochenes Verlangen.
Mein weitläufiger Freundeskreis hat mir zwar stets eine gute Auswahl an möglichen Liebhabern beschert, doch hier bot sich mir ein sicherer Weg, meine Leidenschaft für saftige Erotik auszuleben und Männer kennenzulernen, die völlig von meinem restlichen Leben ausgeschlossen waren. Ich arbeite mittlerweile seit drei Jahren von zu Hause aus, daher sind die Chancen gering, den – sagen wir – einflussreichen Manager eines internationalen Konzerns zu treffen, der mir schlichtweg den Boden unter den Füßen wegreißt, oder einem extrem gut aussehenden Franzosen zu begegnen, der mit lustvoller Besessenheit auf Oralsex steht.
Doch mit ein wenig Wortspielerei und ein paar Mal Klicken der Computermaus wurden alle diese Fantasien Wirklichkeit. Ich habe eine Reihe von faszinierenden Männern kennengelernt, die mir allesamt während der letzten sechs Monate ein Leben beschert haben, wie es aufregender nicht hätte sein können.
Bevor ich fortfahre, möchte ich euch an dieser Stelle ein bisschen mehr von mir erzählen. Ich bin sechsundzwanzig und wohne mit meiner siamesischen Katze Lilu im Londoner Stadtteil Marylebone. Ich sollte der lieben Ordnung wegen hinzufügen, dass ich mit diesem Tagebuch bereits im Januar 2005 begann, als ich noch mit sieben Typen in einem umgebauten Lagerschuppen in Hackney hauste. Lilu gehörte damals selbstverständlich schon dazu, denn sie ist mein kostbarster Besitz. Ich habe eine Zeit lang fürs Fernsehen und danach bei einer PR-Agentur gearbeitet, doch als ich kurz vor Weihnachten meinen Job verlor, wusste ich, dass ich mich künftig nur noch dem Schreiben widmen wollte. Statt nach einer weiteren Festanstellung Ausschau zu halten, entschied ich, meine Zeit mit Formulieren zu verbringen, und spielte mit der Idee, meine Internet-Abenteuer in Tagebüchern festzuhalten. Als mich eine Freundin im letzten Sommer dazu überredete, es wirklich zu probieren, war ich bald schon von den unterschiedlichen Herausforderungen überrascht, die mir dieser Weg des Kontaktknüpfens bot. Daher schien mir der nächste Schritt nur logisch zu sein, nämlich meine Erlebnisse mit der Öffentlichkeit zu teilen und ihr die Augen für diese Art von gesellschaftlichem Erwachen zu öffnen. Mein erotisches Tagebuch war geboren.
Ich bin in Schottland zur Welt gekommen, habe meine Kindheit in Guernsey verbracht und lebe nun seit drei Jahren in London. Ich liebe diese Stadt und habe täglich das Gefühl, etwas Neues zu entdecken. Es macht mich glücklich, in der tollsten Metropole der Welt zu leben, wenn man einmal New York außer Acht lässt, das ich ebenfalls großartig finde, doch dazu komme ich später, wenn ich euch davon berichte, wie einer meiner Kavaliere so reizend war, mich dorthin mitzunehmen. Ansonsten gehe ich sehr gern aus, esse gern (und viel), trinke gern (und viel), schreibe, rede, mache häufig Spaziergänge und – habe meine Verabredungen. Oh, und natürlich liebe ich Sex. Nein, es macht mir nicht das Geringste aus, dies zuzugeben. Ich liebe Sex, für alles, was er bedeutet. Sex macht Spaß, zaubert ein Lächeln auf mein Gesicht und ich könnte den ganzen Tag damit verbringen, jeden Tag, um genau zu sein, gern auch zweimal täglich, mal mit kleinen Glöckchen am Röckchen oder einem Kunstpenis um die Hüften (haha, ich scherze, das ist nun wirklich nicht mein Ding!).
Als ich in besagtem Januar mit meinen Tagebüchern begann, hatte ich zwar irgendwo im Hinterkopf die Absicht, sie einem Verlag zur Veröffentlichung anzubieten, doch ich war nicht davon überzeugt, dass es tatsächlich klappen könnte. Ich glaubte vielmehr, dass sie so lange verborgen unter meiner Matratze stecken blieben, bis ich starb und meine Kinder sie entdecken und damit zu Millionären werden würden, während ich zu Lebzeiten keinen einzigen Cent daran verdient hatte.
Doch dann kam der 7. März 2005 und ich war zu einer Dinnerparty eingeladen. Als mich mein reizender Tischnachbar fragte, was ich beruflich täte, ließ ich nicht meine übliche Schimpftirade über den Jobverlust und die finanzielle Nöte vom Stapel, sondern erzählte ihm von meinen Online-Dates und den Aufzeichnungen, die ich darüber begonnen hatte. Er fand dies faszinierend, und wie sich herausstellte, handelte es sich um niemand Geringeres als Adrian Sington, Vorstandsvorsitzender bei Virgin Books. Er bat mich, ihm die wenigen Seiten zu schicken, die ich bis dahin verfasst hatte, und am Mittag darauf verhandelten wir bereits über meinen Vertrag. Ich konnte mein Glück kaum fassen, hier musste das Schicksal seine Hand im Spiel gehabt haben.
Was mir besonders gefiel, war die Zeitspanne, die mir der Buchvertrag gewährte. Ich hatte sage und schreibe sechs Monate Zeit bekommen, so viel wie möglich aus meinen Internet-Abenteuern herauszuholen –, und glaubt mir, das habe ich voll und ganz ausgekostet.
Meine Kontakte über das Internet haben übrigens nichts damit zu tun, dass ich auf irgendeine Art pervers oder abgedreht bin. Ich treffe mich nicht mit seltsamen Typen in dunklen öffentlichen Toiletten und lasse mich von ihnen betatschen, während ich sie mit einem Ledergurt züchtige. Es handelt sich um ganz normale Verabredungen mit Männern. Man geht etwas trinken, isst zu Abend und überlegt sich, was die Nacht noch bringen könnte, sollten beide Parteien daran interessiert sein. Nur die Anbahnung ist etwas ungewöhnlicher als im echten Leben ohne PC. Also dürfen sich alle, die mein Buch gerade in der Hand halten, entspannt zurücklehnen. Ja, es gibt Horrorgeschichten, das möchte ich nicht abstreiten. Aber das Ganze ist eine sichere Sache, wenn man sich vernünftig verhält und seinen Grips einschaltet. Was ich getan habe … meistens jedenfalls.
Wenn ich mich mit Männern traf, die ich online kennengelernt hatte, musste ich von der ersten E-Mail an das Gefühl gehabt haben, dass uns etwas miteinander verband. Gemeinsame Interessen, ähnlicher Humor oder sogar ein unausgesprochener sexueller Reiz, dem es gelungen war, zwischen den Zeilen hervorzutreten. Letzteres ist mir ein paar Mal passiert, das schönste Erlebnis hatte ich mit dem schlauen Wolf, meinem zweiten Date. Es war völlig klar, dass wir uns gegenseitig in einer aufgegeilten Stimmung erwischt hatten, und unser Gespräch wurde daraufhin immer anzüglicher. Mann, das war ein echter Kick – und mein Arbeitstag ist wie im Nu vergangen.
Normalerweise chattet man ein paar Tage hin und her, und wenn man sich dann zum ersten Mal trifft, kennt man sich bereits recht gut, und die Unterhaltung fließt einfach weiter. Die einzige Frage, die dann noch brennend interessiert, lautet: Werden wir aneinander Gefallen finden?
Ich kann euch verraten, dass es durchaus ein paar Treffen gegeben hat, bei denen ich nicht die geringste Lust auf mein Gegenüber verspürte. Dann wiederum gab es etliche, wo das Gegenteil der Fall war, und sie endeten geradezu unverschämt köstlich. Man trifft sich wie heimliche Verbündete, hat das Gefühl, etwas Unanständiges zu tun, als sei man Mitglied einer Untergrundorganisation, und das alles gibt dem Ganzen einen erotischen Touch, was nicht selten in einer leidenschaftlichen Begegnung endet.
Natürlich ist auch sonst eine Menge Aufregung im Spiel. Erst tauscht man E-Mails mit einem komplett Unbekannten aus, dann verabredet man sich mit diesem Mann – und alles geschieht auf der Basis von ein paar verführerischen Worten! Jede Verabredung hat mein Adrenalin ordentlich in Wallung gebracht und das war deutlich besser als die Kneipentouren von früher, wo ich viel Dekolleté zeigte, mir einen Typen ausguckte, ein paar Stunden herumknutschte und dann mit zu ihm ging. Ich habe genug davon, am nächsten Morgen benommen aufzuwachen, die verschmierten...