E-Book, Deutsch, 228 Seiten
Porter Die Rache des Sidhe
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-944737-35-5
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 228 Seiten
ISBN: 978-3-944737-35-5
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Silvo, ein junger Sidhe, lebt als Sklave in einem Bordell. Seine gesamte Familie wurde von Menschen getötet. Allein der brennende Wunsch, Rache an den Mördern zu üben, hält ihn am Leben. Doch als der vermeintliche Mörder plötzlich vor ihm steht, ändert sich alles. Joran gehört zu den 'Weißen Reitern', Elitekämpfern, die für ihren Hass auf Sidhe bekannt sind. Aber Joran scheint anders zu sein. Ist er wirklich der Mann, den Silvo gesucht hat? Und warum schafft Silvo es nicht, ihn zu töten?
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Kapitel 2
Es dämmerte bereits, als Joran die Waldfeste erreichte. Das Tor in der dicken Steinmauer war schon geschlossen.
„Weißer Reiter begehrt Einlass“, rief er laut.
„Parole?“, schallte es zurück.
Mist. Was war das doch gleich gewesen? Bestimmt wieder irgendetwas zu essen. War es immer, wenn Balor sich die Parole ausdachte.
„Kartoffelauflauf“, rief Joran auf gut Glück. Von der anderen Seite des Tores war amüsiertes Schnauben zu hören.
„Du hast noch zwei Versuche, dann übergießen wir dich mit heißem Pech.“
Er unterdrückte ein genervtes Stöhnen. Ausgerechnet Cara. Wenn er ihren Humor sonst auch sehr zu schätzen wusste, an diesem Abend war ihm nicht nach Albernheiten zumute. „Bohnen mit Speck.“
Zu seiner grenzenlosen Erleichterung öffnete sich das Tor und er sah missmutig in Caras grinsendes Gesicht.
„Na endlich. Wir waren kurz davor, einen Suchtrupp loszuschicken.“
Die rothaarige junge Frau hörte sich eher enttäuscht als besorgt an.
„Hättest du wohl gerne“, knurrte Joran und ritt an ihr vorbei in den Hof der Feste. Aus dem Augenwinkel sah er ihr über seine schlechtgelaunte Reaktion erstauntes Gesicht und bereute, so ruppig zu ihr gewesen zu sein. Cara konnte nichts dafür, dass an diesem Tag alles schief gegangen war.
Er sprang von Wolf und zog ihn hinter sich her zu den Stallungen, antwortete einsilbig auf die Grüße und Scherzworte seiner Kameraden, die ihm entgegen kamen. Am liebsten hätte er sich irgendwo verkrochen, doch das ging nicht. Erst musste er Wolf versorgen und außerdem forderte sein knurrender Magen sein Recht. So schlimm der Tag gewesen war, den Appetit konnte er ihm nicht verderben.
Er ließ sich extra Zeit damit, Wolfs Hufe auszukratzen und ihn zu füttern, in der Hoffnung, dass die anderen Weißen Reiter mit Essen fertig sein würden, wenn er kam. Er wurde enttäuscht. Als er auf den Hof trat, standen und saßen die meisten noch um das Feuer in der Mitte des Hofes herum und löffelten ihr Abendessen.
Er machte sich auf neugierige Fragen gefasst, merkte jedoch schnell, dass es ein wesentlich interessanteres Gesprächsthema gab, als seinen kurzen Besuch bei seinem Onkel. Er konnte unbehelligt seinen Eintopf essen. Keinem seiner eifrig miteinander diskutierenden Kameraden fiel auf, dass er sich nicht an den Spekulationen um die bevorstehende Zehnjahresfeier des Großfürsten beteiligte. Mit halbem Ohr hörte er den Gesprächen zu. Wie üblich schwang sich Mikael zum Wortführer auf. Er schien bestens informiert zu sein und war nur zu bereit, sein Wissen mit allen zu teilen, ob sie nun Interesse zeigten oder nicht.
„He, habt ihr gehört, was mit Marlon aus der Stadtfeste passiert ist? Er hat sich eine Spitzohrschlampe ins Bett geholt.“
„Das wäre doch nicht das erste Mal.“ Allgemeines Gelächter.
Mikael schüttelte den Kopf. „Aber diesmal war er so dämlich, sich erwischen zu lassen. Zwanzig Peitschenhiebe hat es ihn gekostet.“
„Selbst Schuld, was lässt er sich auch mit einer von denen ein.“ Torian kratzte den Eintopfrest aus seinem Napf. „Hat Glück gehabt, dass der Kommandant ihn nicht aufgehängt hat. In der Stadtfeste herrschen noch andere Sitten als hier.“
„Die kleine Spitzohrschlampe hat er aufgehängt“, sagte Mikael trocken, was neues Gelächter auslöste. Joran stellte seinen noch halbvollen Napf zur Seite. Ihm war der Appetit gründlich vergangen.
„Immer diese verdammten Spitzohren“, knurrte Torian. „Hab gehört, es hat einen Anschlag auf den sankanischen Botschafter gegeben. Dahinter stecken bestimmt auch Spitzohren. Das könnte einen Krieg provozieren.“
Balor meinte mit gutmütigem Spott: „Neue Aufstände? Das glaubst du doch selbst nicht. Die wenigen, die übrig geblieben sind, wissen nicht einmal, wie herum man ein Schwert halten muss.“
Joran dachte an Silvo, der sehr wohl wusste, wie man kämpfte. Wenn seine blinde Wut ihn nicht behindert hätte, wäre er sogar noch gefährlicher gewesen.
Torian fragte ihn, ob er mit würfeln wollte. Er lehnte ab. Stattdessen füllte er seinen Krug mit Ale und setzte sich etwas abseits auf einen Strohballen.
Ihm graute davor, sich schlafen zu legen. Die Begegnung mit dem Elf hatte alles, was er so lange verdrängt hatte, erneut hochkommen lassen. Sollte er wider Erwarten Schlaf finden, würde ihm die Erinnerung Alpträume bescheren.
Eine sanfte Stimme schreckte ihn aus seinen düsteren Gedanken.
„Hey, schöner Mann.“
Cara. Anders als die anderen Kameraden schien sie nie zu akzeptieren, wenn Joran Zeit für sich brauchte. Erst seit wenigen Jahren konnten sich auch Frauen den Weißen Reitern anschließen und gerade in diesem Moment hielt er das für keine gute Neuerung. Cara kannte ihn gut genug, um zu merken, wenn es ihm nicht gut ging und sie besaß ein unheimliches Talent dafür, ihn zum Reden zu bringen. Bei ihren Gesprächen plauderte er regelmäßig mehr aus, als er wollte. Aber er schätzte ihre Freundschaft und wollte sie nicht erneut vor den Kopf stoßen. Sein ruppiges Benehmen am Tor tat ihm leid. Also zwang er sich zu einem Lächeln und rückte ein Stück zur Seite, um ihr Platz zu machen.
Cara setzte sich neben ihn und fragte: „Was ist los, Jo? Hat dein Onkel dein altes Lieblingspferd verkauft?“
Sie kam der Wahrheit so nahe, dass Joran ihr einen misstrauischen Blick zuwarf. Ihr Lächeln wandelte sich in eine reumütige Grimasse.
„Oh Mist. Da hab ich wohl mal wieder ins Fettnäpfchen getreten.“
Diese Einsicht hinderte sie allerdings nicht daran, weiter zu bohren. „Jetzt spuck es schon aus. Ich sehe doch, dass du drüber reden willst.“ Mit ihren neugierig funkelnden Augen im schmalen, von roten Locken umrahmten Gesicht erinnerte sie Joran an ein vorwitziges Eichhörnchen. Er konnte ihr einfach nie böse sein, wenn sie ihn so schelmisch anlächelte, und grinste unwillkürlich zurück.
„Ach ja? Na schön, sonst lässt du doch nicht locker. Mein Onkel Gregor will wirklich was verkaufen, aber nicht nur ein Pferd, sondern gleich die Hälfte der Ländereien. Dieser geldgierige Mistkerl hat mir ein Dokument vorgelegt, das ich unterschreiben sollte.“
„Und, hast du?“
„Natürlich nicht. Der Drecksack denkt, er könnte machen, was er wollte, aber nicht mit mir!“
Bei dem Gedanken an das hitzige Streitgespräch mit seinem Onkel stieg Wut in Joran auf. Zornig schleuderte er den leeren Alekrug von sich. Er hatte es satt, dass Gregor ihn wie ein unmündiges Kind behandelte.
Das Testament von Jorans Vaters bestimmte, dass Gregor das Landgut bis zu Jorans fünfundzwanzigstem Lebensjahr treuhänderisch verwalten sollte. Für wichtige Entscheidungen wie zum Beispiel den Verkauf von Grundbesitz musste er jedoch Jorans Einverständnis einholen.
„Noch drei Jahre, dann bist du den Kerl los“, sagte Cara tröstend.
Joran verzog das Gesicht. „Das baut mich jetzt aber sehr auf. Außerdem wird er in drei Jahren nicht einfach so verschwinden. Der hält sich für unentbehrlich und außerdem gibt es noch eine Klausel in Vaters Testament, die ihm freies Wohnrecht auf Lebenszeit garantiert. Den alten Schmarotzer werde ich niemals los! Der hat sich ins gemachte Nest gesetzt. Ich wünsch dem fetten Schwein die Pest an den Hals! Soll er in der Hölle schmoren!“
Cara hörte sich sein wüstes Gefluche an, ohne mit der Wimper zu zucken. Als er schließlich in düsteres Schweigen versank, sagte sie ruhig: „Ärgerlich, aber du könntest zumindest einen anderen Verwalter einstellen.“
„Vielleicht will ich das Gut ja selbst verwalten.“
„Nein.“ Cara klang so überzeugt, dass Joran trotz seines schwelenden Zorns grinsen musste.
„Du bist mit Leib und Seele ein Weißer Reiter“, fuhr sie fort. „Das weiß ich, weil ich es auch bin.“
Joran spürte eine unbestimmte Traurigkeit in sich aufsteigen. Manchmal wünschte er sich Caras Sicherheit. Er war gerne Weißer Reiter, das stimmte. Aber oft beschlich ihn das Gefühl, dass in seinem Leben etwas Entscheidendes fehlte.
„Warum will der denn überhaupt verkaufen?“
„Weil er das Geld braucht“, sagte Joran trocken und erntete dafür einen Boxhieb gegen die Schulter.
„Blödmann. Wofür braucht er das Geld?“
„Die Wahrheit oder den Stuss, den er mir weismachen will?“
„Beides.“
Erneut überflutete ihn grimmige Wut.
„Onkel Gregor hat mal wieder ein sicheres Geschäft aufgetan. Eine Beteiligung an einer Handelsflotte. Diesmal ist es Tee. Ich glaube ihm nicht. Dem verdammten Dreckskerl glaub ich gar nichts mehr! Ich wette, er braucht das Geld, um Spielschulden abzubezahlen oder eigene krumme Geschäfte zu finanzieren, von denen er mir natürlich nichts sagt. Eines Tages komm ich ihm auf die Schliche, und dann gnaden ihm die Götter. Heute war ich so kurz davor, ihm das dreckige Grinsen mit meinem Schwert vom Gesicht zu schlagen!“
Vor zwei Jahren hatte Joran zähneknirschend eingewilligt, ein Stück Land zu verkaufen. Auch damals ging es um eine Handelsbeteiligung, allerdings an einer Weinlieferung. Angeblich war das Schiff gesunken und das Geld verloren. Beweise konnte Gregor jedoch nicht erbringen. Wie immer, wenn er etwas vermasselt hatte oder Jorans Unterschrift benötigte, berief er sich theatralisch auf Vertrauen, das in der Familie herrschen sollte.
Als ob Joran diesem Mann nach allem, was geschehen war, noch vertrauen könnte. Das Wein-Fiasko war nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Auch vorher...




