Porter | Das Gesetz der Flamm | E-Book | www2.sack.de
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E-Book, Deutsch, 436 Seiten

Porter Das Gesetz der Flamm

Die Flamm-Chroniken 1
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-96089-302-8
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Die Flamm-Chroniken 1

E-Book, Deutsch, 436 Seiten

ISBN: 978-3-96089-302-8
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Zwanzig Schritte. Weiter darf sich Taugenichts Dashan nicht von Flint entfernen, sonst werden sie von ihren Giftarmreifen getötet. Dabei wollte Dashan doch nur einen Blick auf den Neuzugang in der Sammlung des Königs werfen: den Flamm Flint, heiß wie Feuer und exotisch wie eine Nacht unter östlichen Sternen. Dummerweise brannte besagte Sammlung dabei ab. Zur Strafe werden beiden tödliche Giftarmreife verpasst, die sie aneinander binden. Um seine Freiheit wieder zu erlangen, muss Dashan als Flints Bewacher den Hochzeitstross der Prinzessin begleiten. Als sie unterwegs von Sturmreitern überfallen werden, sieht er seine große Stunde gekommen. Endlich darf er zeigen, was in ihm steckt! Nämlich ein Held, der die Prinzessin rettet! Doch sein Plan wird von Flint vereitelt, der ihn zur Flucht zwingt. Denn wie heißt es so schön im Gesetz der Flamm: Besser ein lebender Feigling als ein toter Held. Band 1 der Flamm-Chroniken

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Kapitel 1


Der Vorhang stank, als wäre er seit Aldabars Krönung nicht gewaschen worden. Dashan atmete flach durch den Mund. Thon stieß ein ersticktes Röcheln aus. »Das ist ein beschissenes Versteck«, zischte er.

Dashan verdrehte die Augen, obwohl Thon das im Dunkeln nicht sehen konnte. »Weißt du ein besseres?«, zischte er zurück.

»Die ganze Idee ist beschissen.«

Thon, der alte Miesmacher, musste aber auch an allem herumnörgeln. Dashan bereute bereits, dass er ihn mitgenommen hatte, und dabei hatten sie die Galerie der Wunder noch nicht betreten. »Niemand hat dich gezwungen, mitzukommen«, flüsterte er. »Und jetzt halt die Klappe!«

Thon gab ein schnaubendes Geräusch von sich, dann war er still. Gerade rechtzeitig, denn das gleichmäßige Hämmern hallender Schritte näherte sich. Dashan verkrampfte sich unwillkürlich und drückte sich enger an das Fenster hinter ihm. Der Vorhangmief schien noch schlimmer zu werden. Jetzt bloß nicht niesen! Schon der Gedanke daran ließ seine Nase kribbeln. Er hielt die Luft an und kniff die Augen zu. Die Schritte der beiden Wachtposten verharrten. Scheiße! Dashan biss die Zähne zusammen und suchte vorsichtshalber nach einer guten Ausrede für die Tatsache, dass er sich mitten in der Nacht hinter einem Vorhang versteckte.

»Ein guter Schluck«, hörte er einen der Wachtposten sagen. Der andere lachte verhalten. »Hat doch Vorteile, mit einer Küchenmagd anzubandeln. Von unserem Sold könnten wir uns diesen edlen Tropfen nicht leisten, das sage ich dir.«

Dashan unterdrückte einen Fluch. Mussten die ausgerechnet an dieser Stelle ihrem ergaunerten Wein zusprechen? Vermutlich war das sogar der Wein, mit dem er Richelsen bestochen hatte. Die Geschichte mit der Küchenmagd war bestimmt erstunken und erlogen. Endlich marschierten Richelsen und sein Kollege weiter. Nachdem ihre Schritte verhallt waren, wartete Dashan fünf angespannte Atemzüge, dann schlüpfte er hinter dem Vorhang hervor auf den Säulengang, der zur Galerie führte. Im Schein der Laternen huschte er an den Marmorstatuen vorbei, dicht gefolgt von Thon, der ausnahmsweise nichts zu meckern hatte. An der zweiflügligen Tür blieb er stehen. Nun würde es sich zeigen, ob Richelsen Wort gehalten und den Wein verdient hatte. Langsam drehte Dashan am Türgriff, der wie ein springender Delphin geformt war. Es klackte.

Thon sog scharf die Luft ein. Dashan grinste. »Nervös?«, raunte er und drückte gegen die Tür. Sie schwang lautlos nach innen auf. Einen Atemzug später schloss er sie hinter ihnen. Dunkelheit umfing sie. Dashan sog die Luft ein. Sie duftete süß und schwer nach Blumen und Kräutern und feuchtem Moos. Sein Herz pochte hart gegen seine Rippen. Triumph flutete seine Adern. Er hatte es geschafft! Er stand in der Galerie der Wunder.

Ein schrilles Kreischen ertönte. Thon krallte die Finger um Dashans Arm. »Lass uns abhauen«, krächzte er.

Ungeduldig schüttelte Dashan ihn ab. »Bist du verrückt? Wir haben doch noch gar nichts gesehen.«

Er erinnerte sich an Richelsens Hinweise und tastete rechts neben der Tür nach der Lampe. Wie versprochen hing sie in Schulterhöhe. Dashan strich mit den Fingern über den Sockel, fand den Hebel und drückte ihn nach unten. Blaues Licht flackerte auf, wurde allmählich heller und beleuchtete den Innenhof, in dem sie standen. Dashan hatte während der vergangenen Jahre ein paar Führungen durch die Galerie mitmachen dürfen, aber es war etwas völlig anderes, ob man in einer Horde schwatzender Gäste durch die Sammlung gescheucht wurde oder sie allein genießen durfte. Andächtig ließ Dashan den Blick über die Pflanzen gleiten, die den Innenhof in einen üppigen Garten verwandelten und ihn mit einem Durcheinander unterschiedlicher Düfte erfüllten, die sich zu einer berauschenden Mischung vereinten. Über dem Hof wölbte sich das kuppelförmige Glasdach, das tagsüber geöffnet wurde. Dashan konnte vereinzelte Sterne ausmachen.

»Wir könnten einfach verschwinden«, riss ihn Thons verzagte Stimme aus seiner Versunkenheit. »Noch ist nichts Schlimmes passiert.«

»Das wird es auch nicht. Ich sehe mir nur den Flamm an, dann gehen wir wieder. Niemand wird etwas bemerken.« Dashan nahm die Blaulampe vom Haken und marschierte los. »Du kannst an der Tür warten, wenn du willst«, sagte er, ohne sich nach Thon umzudrehen. Er hörte rasche Schritte hinter sich, als Thon sich beeilte, ihm zu folgen, und grinste in sich hinein. Er kannte Thon gut genug, um zu wissen, dass er um nichts in der Welt die Gelegenheit verpassen würde, den Flamm zu sehen, und sei es nur, um am nächsten Tag bei den Hofdamen damit anzugeben. Natürlich würde er es so hinstellen, als wäre es seine Idee gewesen, sich nachts in die Galerie zu schleichen.

Eine Fledermaus schoss dicht an Dashans Gesicht vorbei. Vermutlich handelte es sich um ein seltenes Exemplar aus einem fernen Land, wie alles, was sich in der Galerie befand. Erneut wurde die Luft von dem Kreischen zerrissen. Dashan hätte gerne herausgefunden, was für ein Tier diese Laute ausstieß, aber ihnen blieb nicht viel Zeit, bevor die Wachtposten ihren nächsten Kontrollgang durch die Galerie unternahmen.

Dashan erreichte die Glastür an der gegenüberliegenden Seite des Hofes und öffnete sie. Er wartete, bis Thon neben ihm in der Halle stand, und schloss sie leise hinter ihnen. Neugierig schwenkte er die Lampe in einem Halbkreis. Der bläuliche Schein fiel auf Vitrinen und freistehende Glaskästen, in denen König Aldabar seine liebsten Stücke der Sammlung auszustellen pflegte. Wie zum Beispiel einen ausgestopften Säbelzahnlöwen. Dashan erinnerte sich von der letzten Führung daran, dass diese Tierart mittlerweile ausgestorben war. Schade, er hätte den Löwen gerne lebend gesehen. Schon ausgestopft wirkte er respekteinflößend und seine Augen funkelten unternehmungslustig im Lampenlicht, als wollte er jeden Augenblick von seinem Podest hinunterspringen.

Neben dem Löwen stand ein mannshohes Aquarium, in dem buntschillernde Quallen umherschwebten wie in einen gemeinsamen Tanz versunken. Dashan trat näher heran, fasziniert von den eleganten Bewegungen der Nesselfäden.

Thon zog an seinem Ärmel. »Los, weiter, wir haben keine Zeit, um uns alles anzusehen!«

»Auch nicht dieses Gemälde? Du weißt schon. Wenn man es aus einem bestimmten Blickwinkel betrachtet, sind die darauf abgebildeten Personen nackt und …«

»Nein!«

Dashan schmunzelte. »Na schön«, sagte er mit gespielter Enttäuschung. Er wusste schließlich genauso gut wie Thon, dass sie sich beeilen mussten. Leider. Wäre es nach ihm gegangen, hätte er die ganze Nacht in der Galerie verbringen können. Vom Innenhof aus gelangte man in Hallen und Räume, in denen König Aldabar seine über alles geliebte Sammlung aufbewahrte. Alle waren mit Gemälden, Teppichen und Stickereien geschmückt. Es gab Zimmer mit deckenhohen Bücherregalen und bequemen Sitzmöbeln, die zum Lesen einluden. Natürlich stellten die Bücher alle besonders interessante Raritäten dar und waren dummerweise oft in Sprachen verfasst, die niemand im Königreich übersetzen konnte. Aber es gab auch kostbare Bildbände, in denen der König oft nach neuen Wundern suchte, die er dann zu besitzen trachtete.

Wie zum Beispiel exotische Musikinstrumente, die in einem anderen Raum auf staunende Besucher warteten. Dashan verstand nichts von Musik, trotzdem juckte es ihn in den Fingern, diesem Raum einen kurzen Besuch abzustatten und einige der Instrumente auszuprobieren. Schade, dass es zu viel Lärm machen würde.

»Hast du überhaupt eine Ahnung, wo der Flamm ist?«, fragte Thon, als sie das zweite Mal an dem Glasbehälter mit Leuchtschnecken vorbeikamen. Die purpurnen Schleimspuren an den Wänden ihres Terrariums sahen aus wie geschwungene Buchstaben. Ob sie geheime Botschaften zu vermitteln versuchten?

»Ich hab dich was gefragt!«

Dashan riss sich von dem Anblick der Schneckenwörter los. »Ich schätze mal, er wird hier irgendwo sein. Dass der König ihn in der Bibliothek eingesperrt hat, kann ich mir nicht vorstellen. Was brennt besser als Bücher? Höchstens noch die Kleider im Raum nebenan. Nein, er muss hier irgendwo sein.«

»Dummkopf!«

Dashan fuhr herum und musterte Thon überrascht. Thon sah genauso erstaunt aus wie er und hob in einer Geste der Unschuld die Hände. »Das war ich nicht!«

»Dummkopf!«

Dashan trat näher an ein von einem Tuch bedecktes Gebilde heran und zog den Stoff mit einem Ruck herunter. Ein Vogel mit regenbogenfarbenem Gefieder blinzelte ihm zu und trat auf seiner Sitzstange von einem Fuß auf den anderen. »Trottel!«

Dashan lachte. »So einen hätte ich gerne. Dem würde ich phantasievollere Schimpfwörter beibringen.«

Thon grinste, sah sich aber gleich darauf mit wieder angespannter Miene um. »Lass uns verschwinden, der Flamm ist vielleicht gar nicht in der Galerie.«

»Wo soll er denn sonst sein?«

Dashan versuchte, sich in den König hineinzuversetzen. Wo würde er den Flamm in der Galerie unterbringen? Er würde ihn bestimmt nicht verstecken, sondern ihn stolz präsentieren. Natürlich!

»Ha, ich habe eine Idee«, rief Dashan aus.

Thon stöhnte. »Bitte nicht. Die letzten deiner grandiosen Ideen haben uns nur in Schwierigkeiten gebracht.«

Dashan rannte bereits los, zurück in den Garten. Die Wege liefen sternförmig auf ein Podest direkt unter dem höchsten Punkt der Kuppel zu. Dort spielten ab und zu Musikanten auf, während die Gäste durch die Gartenanlage flanieren durften. Jetzt war allerdings kein Platz für eine Kapelle. Auf dem Podest schimmerte ein filigraner Käfig silbrig im Licht von Dashans Blaulampe. Und in der Mitte kauerte eine Gestalt,...



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