E-Book, Deutsch, 388 Seiten
Pomej Kosmischer Kontakt
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7557-6232-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 388 Seiten
ISBN: 978-3-7557-6232-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Tausende Lichtjahre entfernt existiert eine Welt jenseits unserer Vorstellungskraft, wo Zeit, Liebe und Tod Fremdworte sind. Ein zerstreuter Professor stellt Kontakt zu einem Wesen dieser fernen Welt her. Nach seinem spektakulären Ende versucht die unerfahrene Edwina, den Kontakt zu diesem mächtigen Wesen wieder aufzunehmen. Aus Eigennutz will sie es zu einem Aufenthalt auf der Erde überreden. Ein gefährliches Spiel mit dem Unbekannten beginnt und kostet weitere Menschenleben...
S. Pomej hat aus Interesse an der menschlichen Natur Psychologie studiert und lässt die erlernten Störungen plus eigener Erfahrung mit kranken Zeitgenossen, die immer wieder unerwünscht auftauchen, in spannende Bücher und Kurzgeschichten sowie lustige Comics einfließen. Website: pomej.blogspot.com
Autoren/Hrsg.
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1_Besuch beim Professor
"Man wollte mich schon besachwalten lassen", empörte er sich wild nuschelnd beim Türöffnen, "und das im Jahr 2057! Wer hätte sich das vor 30 oder 40 Jahren träumen lassen?" Eine merkwürdige Begrüßung, dachte ich, sagte aber: "Das kann nur daran liegen, dass Sie Ihrer Zeit weit voraus sind, Herr Professor! Das mögen die Herrschenden nicht." Zustimmend nickte er und sprach etwas undeutlich, da er kaum die Lippen auseinander brachte. "Ja, das sind die Nachteile eines Genies. Kommen Sie doch herein." Der 63-jährige machte einen früh gealterten Eindruck, ähnelte dem ikonischen Einstein auf dem Zungenzeiger-Foto, allerdings ohne dessen Oberlippenbart. Seine Wohneinheit wirkte wie ein Warenlager, denn unzählige Kartons standen herum, teils übereinander gestapelt, sodass die wenigen Möbel dazwischen kaum auffielen. Ein modriger Geruch gemischt mit Urin empfing mich, doch ließ ich mir den aufsteigenden Ekel nicht anmerken. "Woran arbeiten Sie denn gerade?", wollte ich wissen, während ich ihm ins Innere seiner heruntergekommenen Bleibe folgte. An den Wänden zeigten kleine Risse den Bedarf nach einer dringenden Renovierung. Ein gerahmtes Bild von einer Rakete auf der Mondoberfläche hing schief. "Äh..." Ratlos kratzte er sich am Hinterkopf. Die Schürfgeräusche hörten sich ungewöhnlich laut an und einige Schüppchen regneten auf seine dunkle Anzugjacke. Darunter trug er ein weinrotes Hemd und eine farblich dazu passende, ziemlich verknitterte Hose - aber nein, das war ja ein Pyjama! Deshalb wollte man ihn also besachwalten lassen. Sein genialer Geist musste dem berüchtigten, leider noch immer unheilbaren Alzheimer weichen. "Naja, das ist ja nicht so wichtig", sagte ich schnell, bestürzt über den geistigen Zustand dieses so ruhmreichen Mannes, der wohl bald einen staatlichen Pflege-Roboter benötigen würde. So viele Erfindungen hatte er schon in seinem Leben gemacht - teils kontroversielle, derer sich das Militär bedienen konnte. Mit fatalen Folgen für ganze Länder. Allerdings besaß fast jede technische Neuheit den Nachteil des Missbrauchs zur Waffe. Doch immerhin leistete er durch den Großteil seiner Arbeit Abhilfe bei diversen Benachteiligungen. So erfand er den Zellaktivator zum Nachwuchs verlorener Körperteile. Auch die Reproduktionskammer zur Wiederbelebung zu früh verstorbener Nutztiere geht auf sein Konto - bei Menschen leider wirkungslos. Und nun befand sich sein Denkorgan in einem Zustand der schleichenden Degeneration, gegen welche man noch kein Mittel gefunden hatte. Jammerschade, denn er hätte sicher noch einiges an nützlicher Wissenschaftsarbeit in die Wege geleitet. Mit seinen langen Fingernägeln, die er wohl schon drei Wochen lang nicht gekürzt hatte, kratzte er sich nun heftig an der Stirne, was einige senkrechte rote Striche hinterließ, beinah wie ein EAN-Code. "Ah, jetzt fällt es mir wieder ein: an der Erforschung des Anoxy calyx joubini." "Wie interessant. Ist das eine Mikrobenart?" "Nein, ein Schwamm, der 10.000 Jahre alt werden kann", klärte er mich auf - manchmal schien sein Gehirn noch klaglos zu funktionieren. "Er scheint ewig zu leben und nur durch Unfälle zu sterben." "Das ewige Leben für uns. Das wäre eine Erfindung, die Sie schlagartig zum berühmtesten Mann aller Zeiten machen würde", erkannte ich, bedauernd, dass er dazu wohl nicht mehr in der Lage sein würde. Ich hätte ihm das - schon aus Eigennutz - herzlich gegönnt. "Wollen Sie etwas zu trinken?", erinnerte er sich seiner Gastgeberpflicht. "Machen Sie sich keine Mühe, Herr Professor!", winkte ich ab, doch er schlurfte in seinen ausgetretenen Sandalen in die Küche, wo er geschäftig klirrend herumhantierte. Sein Telefon piepte, was er nicht zu hören schien. Automatisch suchte ich danach und fand es zwischen zwei Kartons, von denen einer geöffnet dastand. Mein Blick fiel zufällig hinein und erkannte uralte Bücher. Warum der Alte dieses unnütze Zeug nur her schleppt, überlegte ich, wo das Menschheitswissen längst digitalisiert jederzeit abrufbereit wartet. Flugs nahm ich sein Telefon, das immer noch piepte, und brachte es ihm in die Küche. "Hier, Herr Professor, ein Anruf für Sie!" "Ah, danke!" Sein Grinsen gab zwei Reihen schon sichtlich desolater Zähne frei - wie die meisten Wissenschaftler kümmerte ihn seine Außenwirkung nicht - und er nahm den Anruf in meiner Gegenwart an. "JA? Was wollen Sie denn?", fragte er in barschem Ton. In der Küche sah es genauso chaotisch aus wie im Rest der Wohnung und womöglich auch im Oberstübchen des Bewohners. Leere Teller und Tassen standen verkrustet herum, Essensreste befanden sich in der Spüle und aus der vergoldeten Armatur darüber tropfte ploppend unentwegt Wasser. Mir verging der Appetit, ich hoffte, dass er mir nicht auch noch etwas zu essen anbot. Weshalb hat ein technisch so versierter Mann keine Serviceroboter, fragte ich mich, etwa, um sich selbst seine Eigenständigkeit zu beweisen oder traut er der KI nicht mehr aufgrund einer Alterspsychose? Aus den Augenwinkeln sah ich, wie er angestrengt der Stimme am Telefon lauschte, die Stirn in Falten gelegt, so als bereitete ihm das Verstehen des Gehörten erhebliche Mühe. Er umklammerte das uralte Modell eines iPhones, welches noch keine Holografien der Anrufer zustande brachte, wobei die dunklen Adern auf seinem Handrücken heraus traten. "Nein, ich sagte Ihnen doch schon einmal, dass ich zur Zeit keine gefährlichen Experimente unternehme. Lassen Sie mich bitte in Ruhe und belästigen Sie mich nicht mehr, denn ich habe charmanten Besuch!" Schon wollte er das Gespräch beenden, doch die Stimme aus dem kleinen Gerät erscholl laut und ich hörte sie mit drohendem Unterton sagen: "Professor Planus! Ich warne Sie!" "Was ist denn noch?" Verärgert hielt er sich das iPhone wieder ans Ohr und horchte angespannt weiter zu, wobei sein Gesicht noch mehr verfiel. Mir war das sehr unangenehm, am liebsten wäre ich sofort wieder gegangen, doch ich brauchte für mein Physikstudium einen Mentor, daher musste ich wohl oder übel weiter in dieser Bruchbude ausharren. Seit die Weltbevölkerung trotz mehrerer Pandemien - mit den schönsten Namen, wie z. B. Lepröschen oder Exitussi - auf unseren beiden Planeten auf 11,5 Milliarden angewachsen war, verschärfte man leider stetig die Studienbedingungen. Diskret zog ich mich wieder aus der ungemütlichen Küche ins auch nicht gerade einladende Wohnzimmer zurück. Die Stimme des Professors wurde leiser. "Nein, ich schwöre Ihnen, ich tue sowas nicht!" Wer wohl am anderen Ende die Kühnheit besitzt, mit einem rapid dahin welkenden Genie so scharf ins Gericht zu gehen, fragte ich mich. Hier könnte ich mich niemals wohlfühlen, ich benötigte zwar wenig Platz, doch dieser musste tipptopp aufgeräumt sein. Und der widerliche Geruch stieg mir immer beißender in die Nase, ich wollte daher ein Fenster öffnen. "LASSEN SIE MICH IN RUHE!", hörte ich den Professor aus der Küche brüllen. Hoffentlich erlag er nicht einem Herzinfarkt, bevor er mein Mentor werden konnte. Das wäre meine persönliche Katastrophe! Ein Blick aus seinem Wohnzimmerfenster, welches sich partout nicht öffnen lassen wollte, weil der Rahmen verzogen war, offenbarte mir eine wohl erst kürzlich stattgefundene Katastrophe anderen Kalibers: das Haus gegenüber war eingestürzt, ja vielmehr total zerstört, so als wäre einer der neuen unzerstörbaren Space-Panzer drüber gerollt. Oder auch als- "Hier, meine Liebe!" Plötzlich stand er neben mir mit einem Glas, in welchem sich eine trübe gelbe Flüssigkeit befand. Sofort dachte ich an Urin, er wird doch nicht- "Das ist Marsbeerensaft", erklärte er ganz stolz. "Habe ich mir vorige Woche liefern lassen, oder war es schon voriges Jahr?" Unsicher sah er auf das Getränk. "Das tut ja nichts zur Sache", meinte ich und überlegte, ob ich den Trunk annehmen oder rasch eine plausible Ausrede erfinden soll. "Wie schade, dass Elon Musk die Landung verpasst hat, nachdem er es sich zur Lebensaufgabe gemacht hatte", bedauerte er. Freundlich lächelnd nahm ich das Glas und einen Schluck daraus. Mir prickelte es auf der Zunge und ich spürte einen vertrauten Geschmack beim Abgang. "Hmmm, das schmeckt ja unerwartet delikat, so ähnlich wie-" "Melone?" "Ja genau. Zuckermelonensaft! Tja, Musk wäre jetzt stolze 86." "Mehr als viermal so alt wie Sie, Miss- äh?" "Malaky! Edwina Malaky!" "Oho! Sie teilen sogar Ihre Initialen mit ihm. Er ist tot und Sie sind so voller Leben! Aber auf dem roten Planeten gab's kein humanes Leben, so wie einige dachten. Und auf den anderen in nächster kosmischer Umgebung scheint es auch keines zu geben." "Na, jetzt übertreiben Sie aber, werter Professor. Es muss bei der Fülle an Exoplaneten im Umkreis von 1.000 Lichtjahren humanes Leben geben. Nur wollen diese Humanoiden offenbar nichts mit uns zu tun haben!" "Das wundert mich bei unserer kriegerischen Art überhaupt nicht!" Betrübt sah er aus dem Fenster bei den...




