Pomej | Der Wahnsinn möglicherweise | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 300 Seiten

Pomej Der Wahnsinn möglicherweise


1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-7481-1594-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 300 Seiten

ISBN: 978-3-7481-1594-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Mit viel Galgenhumor erzählt die Wienerin Anni Millöcker aus ihrem mit Schwierigkeiten gespickten Leben. Arbeitslosigkeit, hämische Verwandte und falsche Freunde bereiten ihr schlaflose Nächte. Doch sie gibt nie auf, selbst als sie in der Psychiatrie landet, und so leicht lässt sie sich auch nicht in den Wahnsinn treiben ... Ein Buch zum Schmunzeln und Sich-manchmal-an-den-Kopf-Greifen. VIEL VERGNÜGEN!

S. Pomej hat aus Interesse an der menschlichen Natur Psychologie studiert und lässt die erlernten Störungen plus eigener Erfahrung mit kranken Zeitgenossen in spannende Bücher und Kurzgeschichten sowie lustige Comic einfließen.
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Gottes Ausschussware


Um sich vom Übel der Welt abzulenken, pflegten sich Damen oft Schuhe zu kaufen, da bildete ich keine Ausnahme. Also fuhr ich mit der U-Bahn, die nun mit Pendlern vollgepfercht war, wieder in die Innenstadt, spazierte in eine Filiale eines renommierten Geschäftes am Stephansplatz, wo die Schuhe noch teurer sind als sonstwo, aber auch schon egal. Ein Paar schwarze Sandalen mit Korksohle gefiel mir sehr und war als Überbleibsel aus dem Sommer sogar noch im Angebot, also schlug ich um 39 Euro 90 Cent zu und ließ die hübschen Treter gleich an. Meine alten, schon etwas ausgelatschten Hufbekleidungen ließ ich dort zur fachgemäßen Entsorgung in einem Container zurück. Falls sich Blasen an meinen Füßen bilden sollten, wie das meist bei neuen Schuhen üblich war, konnte ich ja im Notfall auf meine bequemen blauen Badeschlapfen zurückgreifen, welche ich in meiner großen Handtasche noch seit dem letzten Besuch im Hallenbad bei mir trug.

Na, was soll ich lang erzählen und drum rumreden, es taten mir nicht nur die Hufe weh, nein, die Korksohle stellte sich aus weichem Plastik heraus, welches immer mehr schrumpfte, sodass ich von den fünf Zentimeter-Keilabsätzen nur mehr zweieinhalb unter den Füßchen hatte. Empört eilte ich natürlich zurück ins Geschäft, denn derlei Ausschussware musste ich auch nicht zum Sonderpreis an meinen Füßen lassen.

Dort angekommen rümpfte die Verkäuferin, eine aufgetakelte junge Tussi mit Gel-Nägel und billigen Extensions, überheblich die Nase und meinte piepsend: "Tja, bei Übergewicht kann das schon mal passieren."

"Wollen Sie damit andeuten, dass ich zu dick für Ihre miesen Treter bin???", erkundigte ich mich noch ruhig, allerdings mit steigender Pulsfrequenz.

"Ich meinte, dass Sie bei Untergewicht solche Probleme nicht hätten", formulierte sie nun etwas diplomatischer.

"Wenn meine Oma Räder HÄTTE, dann wär sie ein Autobus und ich stünde nicht in voller Pracht und Herrlichkeit vor Ihnen", schimpfte ich los. "Und HÄTTE Ihr Papa bei Ihrer Zeugung auf den Ofen gezielt, wären Sie ein Keks geworden!!! Ich will den Geschäftsführer sprechen!"

"Nicht nötig, wir geben Ihnen aus Kulanz natürlich einen Gutschein!", wollte sie mich einwickeln.

"Den können Sie sich in die Schuhe schieben oder an den Hut stecken, wenn aufgrund Ihrer Extensions noch einer auf Ihren Kopf passt", herrschte ich sie an, "glauben Sie, ich komme noch einmal in Ihr komisches Geschäft, um so SUPER-SCHUHE zu kaufen, die sich beim Gehen in Plattfische verwandeln???"

Um es abzukürzen: ich bekam mein Geld zurück, zog meine Reserve-Schuhe - die Badeschlapfen - an und trottete davon. Und zwar unter den kritischen Blicken von hochnäsigen Passanten und Touris, die den ersten Bezirk immer unsicher und die Waren dort teurer machten. Denn es war immerhin schon Herbst, wenn auch ein milder sonniger Herbst und eine Frau in Badeschlapfen fiel da eben aus der Rolle. Todtraurig kehrte ich zur Rast in den Stephansdom ein, wo ich mich ganz hinten auf eine Bank setzte, während vorne ein Gottesdienst in Italienisch abgehalten wurde. Die Italiener lieben unseren Steffl und daher kam ihnen die Kirche sprachlich entgegen, obwohl viel aus der Liturgie ohnedies in Latein gehalten war.

Nach kurzer Weile näherte sich eine Frau in Ostblock-Chic gekleidet und fragte leise mit einem osteuropäischen Akzent: "Hätten Sie eine Spende für mich, ich habe krankes Kind daheim."

Mitleidig betrachtete ich sie und stellte mir ein armes Kindlein allein in einem Bettchen vor, daher griff ich in meine Tasche, holte die Börse raus und löhnte ihr ganze zehn Euro.

"Das ist zu wenig!", sagte sie entschlossen und hielt mir den Schein unter die Nase.

"Wie bitte? Ich beziehe nur mehr die Mindestsicherung von knapp 900 Euro und habe früher in der Stunde höchstens 8,50 verdient und Ihnen ist ein Betrag von ganzen zehn Euro für eine Bettelminute zu wenig??" Ich konnte es nicht fassen, wurde wütend und erkannte, dass auf diese Person auch kein krankes Kindlein daheim wartete, sondern eine ganze Bettelmafia samt Paten in einer Villa irgendwo in Tripstrill.

Und so eine verdorbene falsche Person hielt nun 10 Tropfen meines Herzblutes fest.

"Schleichen Sie sich!", zischte ich gepresst, worauf sie mit verächtlicher Miene samt meinem Zehner abzog.

Eine alte Frau neben mir grinste und sagte: "Dass Sie dem Flittscherl überhaupt was gegeben haben, wundert mich. Die war doch viel besser angezogen als Sie! Wissen Sie, was Sie hätten machen sollen? Ihr den Zehner wieder wegnehmen und sagen: 'Warten'S hier, ich geh nur schnell zum Bankomat gegenüber und bringe Ihnen einen Hunderter!' HÄHÄ! Die Depperte hätte ich warten lassen bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag!"

"Ja, das ist mir leider nicht eingefallen!", bedauerte ich nun. Meistens fiel mir das Beste immer erst eine halbe Stunde später ein.

"Dabei schauen Sie eh ganz pfiffig aus! Und mutig mit den bequemen Schlapfen, die gar nicht zu Ihrem Kostüm passen, aber sicher traumhaft zum Gehen sind", lobte sie mich.

In ihrer adretten veilchenblauen Kleiderschürze mit den gelben Polkadots wirkte sie so liebenswert. Sie trug dazu Stützstrümpfe, beige Gesundheitssandalen und keine Handtasche, da ja die Kleiderschürze zwei aufgenähte Eingriff-Taschen für Geldbörse, Taschentuch und Wohnungsschlüssel bot, und roch so angenehm nach Lavendel wie ein blühendes Feld in der Provence.

"Welches Parfum benutzen Sie, gnä' Frau?", fragte ich sie deshalb, denn eine Frau ohne Parfum hatte laut Coco Chanel gar keine Zukunft. "Das werde ich mir auch zulegen."

"Da haben'S ein Pech. Das ist meine eigene Mischung, die ich mir selber aus allerhand Blüten zusammenmixe!", erklärte sie mir stolz. Welch eine raffinierte ältere Dame.

"Toll, dass Sie Ihr Parfum selber herstellen können. Ich könnte das nicht. Nur das Tortenbacken beherrsche ich ganz passabel", verkündete ich in einem Anfall von seltenem Eigenlob.

"Apropos Torten... Gehen wir zur AIDA?" Nun wirkte sie wie eine liebe Omi, die man oft im TV in Seifenopern zu Gesicht bekam, wo ihr Hauptzweck das Vermitteln zwischen verfeindeten Familienmitgliedern war.

Mit AIDA meinte sie natürlich nicht die berühmte Oper von Verdi, sondern die Konditorei ganz in der Nähe, worauf ich natürlich begeistert zustimmte, denn Süßes ist meine Leibspeise, was man mir leider auch ansieht....

Na, wir plauderten vergnügt an einem Tisch - ich bei einer Melange und einem Topfengolatschen, sie bei Sachertorte mit Schlagobers samt Baiser und Irisch Coffee - und sie warnte mich noch: "Passen Sie auf, wenn Sie Gottes Ausschussware begegnen! Immer auf der Hut sein, denn die meisten Leut haben es nur auf Ihr Geld abgesehen."

Dasselbe hat auch meine eigne Oma immer zu mir gesagt - und sagte es noch, wenn ich sie pflichtgemäß im Geriatriezentrum Lainz besuchte.

"Wie recht Sie doch haben!", stimmte ich zu und atmete tief durch.

"Was machen Sie denn beruflich?", erkundigte sie sich.

"Äh-momentan Weiterbildungsmaßnahmen zur beruflichen Konkurrenzfähigkeit absolvieren", formulierte ich etwas blumig.

"Sehr tüchtig, von Ihrer Sorte sollte es mehr Frauen geben."

Sie redete so nett und verstand es, einen richtig aufzubauen und ich dachte auch an nix Schlimmes, als sie sich auf einmal entschuldigte und zur Toilette eilte, sondern vermutete eine altersbedingte Inkontinenz. Doch als sie eine halbe Stunde später noch immer nicht zurückkam, wurde ich unruhig und dachte noch, sie wäre dort überfallen worden.

Also ging ich nachschauen, traf auf dem dortigen WC eine Klofrau, die freundlich Auskunft gab. Ja, bestätigte sie, die beschriebene Dame wäre hier gewesen und hätte ihr noch ein 50-Cent-Stück auf den Teller gelegt und dann gegangen. Natürlich ohne zu zahlen, was entweder hieß, sie fühlte sich entweder von mir eingeladen, was allerdings aufgrund einer fehlenden Verabschiedung ausschied, oder sie litt bereits an Alzheimer und hatte das Zahlen einfach vergessen, was aufgrund ihrer geistigen Agilität allerdings ebenfalls ausschied. Daher ging ich zurück an meinen Tisch und zahlte nur meine Konsumation. Die arme Serviererin sah mich daraufhin an wie eine Zechprellerin.

"Aber Ihre Tante hat mir beim Rausgehen versichert, dass SIE für sie bezahlen", erklärte mir die freundliche Serviererin mit dem Piercing an der Augenbraue. Wie sich manche Frauen doch freiwillig entstellen ließen, entzog sich meinem Verständnis.

Wozu sollte ich mit ihr streiten, wo ich doch Lehrgeld zahlen sollte und diese Lehre, dass man niemandem trauen durfte, mit dem Preis von 15 Euro inclusive Trinkgeld noch billig bekam. Oh Gott, du hast wirklich ziemlich oft geschludert bei deiner Menschenerzeugung, giftete ich mich. Da wunderte es auch nicht, dass so große Dichter wie Mark Twain einst schrieben: Gott schuf den Menschen, weil er vom Affen enttäuscht war, danach hat er auf jegliche, weitere Experimente verzichtet! - Oder war das der Schopenhauer? Ach, auch schon egal, welcher Eierkopf irgendwas gesagt hat und damit auch heute noch ins Schwarze traf!

Daheim musste ich mir zum Trost...



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