Der kompromisslose Liberale
E-Book, Deutsch, 304 Seiten
ISBN: 978-3-98609-013-5
Verlag: FinanzBuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Dieses Buch ist eine leicht verständliche Einführung in Mises’ umfangreiches Werk und die darin ausgebreiteten Erkenntnisse: die Unmöglichkeit des Sozialismus, die wohlfahrtsfördernde und friedenstiftende Wirkung des Liberalismus, die Gefahren des Interventionismus, das Wesen des Geldes, die Ursache von Wirtschafts- und Finanzkrisen und anderes mehr.
Autoren/Hrsg.
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Einführung
»Kein anderer Beruf schien mir erstrebenswerter als der des Universitätslehrers. Ich habe frühzeitig erkannt, daß es mir als Liberalem stets verwehrt bleiben würde, die ordentliche Professur an einer Hochschule des deutschen Sprachgebietes zu erlangen.« LUDWIG VON MISES (1978), ERINNERUNGEN, S. 61. Ludwig Heinrich Edler von Mises ist der herausragende Vertreter der Österreichischen Schule der Nationalökonomie. Er wurde am 29. September 1881 in Lemberg, dem heutigen Lwiw, in der Ukraine geboren und starb am 10. Oktober 1973 in New York. Mises zählt – blickt man auf sein Gesamtwerk – zu den bedeutendsten Ökonomen, Gesellschaftsphilosophen und Sozialtheoretikern des 20. Jahrhunderts. Der deutsche Philosoph und Ökonom Hans-Hermann Hoppe (*1949) urteilt wie folgt: »Mises hat – kulminierend in seinem Opus magnum, dem aus seiner Nationalökonomie hervorgegangenen Human Action – ein geistiges Monument geschaffen, das in Grundlegung und Systematik, thematischem Umfang, Geschlossenheit und Vollständigkeit der Darstellung, begrifflicher Klarheit und Schärfe sowie Zeitlosigkeit der Geltung im Bereich der Sozialwissenschaften einzigartig ist, und im Vergleich zu dem die Arbeiten selbst der bedeutendsten seiner Vorgänger dilettantisch erscheinen.«1 Gleichwohl sind Mises’ Beiträge zur Nationalökonomie, aber auch zur Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie immer noch wenig bekannt, auch und gerade in wirtschaftswissenschaftlichen Fachkreisen. Beispielhaft sei hier das umfangreiche Werk Klassiker des Ökonomischen Denkens (2008) genannt, herausgegeben vom deutschen Ökonomen Joachim Starbatty (*1940). Unter den »Klassikern der Disziplin« wird den sozialistisch-kollektivistischen Denkern wie zum Beispiel Karl Marx (1818–1883), Gustav von Schmoller (1838–1917) und John Maynard Keynes (1883–1946) viel Raum gegeben. Dem kompromisslosen Liberalen Ludwig von Mises hingegen ist kein Kapitel gewidmet. Übrigens sucht man in diesem Werk auch vergeblich nach einem Beitrag über Friedrich August von Hayek (1899–1992), Mises’ prominentestem Schüler; verwunderlich, zumal Hayek Träger des Wirtschaftsnobelpreises des Jahres 1974 ist, den er zusammen mit dem schwedischen Ökonomen Gunnar Myrdal (1898–1987) erhalten hat. Dass Mises’ Arbeiten in der ökonomischen Dogmengeschichte nicht vorgestellt werden, dass die von ihm vorgetragenen Erkenntnisse zu kurz kommen oder gänzlich unbeachtet bleiben, wird ihrem wirtschaftswissenschaftlichen und wissenschaftstheoretischen Gehalt in keiner Weise gerecht. Ein denkbarer Grund für das Desinteresse an Mises’ wissenschaftlichen Arbeiten und den daraus folgenden wirtschaftspolitischen Positionen ist: Sie sind nicht mit dem Zeitgeist vereinbar. Eine zentrale ökonomische Erkenntnis, die Mises schon in seinen frühen Arbeiten vorträgt, lautet: Die freie Marktwirtschaft – die sich durch das Privateigentum an den Produktionsmitteln auszeichnet – ist die einzig mögliche, die einzig dauerhaft durchführbare Gesellschafts- und Wirtschaftsverfassung: »[D]ie Gesellschaft kann nur auf Grundlage des Sondereigentums bestehen. Wer für das Sondereigentum eintritt, tritt für die Erhaltung des gesellschaftlichen Zusammenschlusses der Menschheit, für die Erhaltung der menschlichen Kultur und Zivilisation ein. Er ist Apologet und Verteidiger der Gesellschaft, der Kultur und der Zivilisation, und weil er diese Ziele will, muß er auch das einzige Mittel, das zu ihnen führt, das Sondereigentum, wollen und verteidigen.«2 Der Sozialismus, der sich auszeichnet durch das Gemeineigentum an den Produktionsmitteln, sowie auch alle seine Spielarten sind hingegen zum Scheitern verurteilt. Das gilt, so Mises, auch für den Interventionismus – den sogenannten »dritten Weg« oder die »soziale Marktwirtschaft« für alle Versuche also, ein System zu entwickeln, dass sich zwischen Kapitalismus und Sozialismus hindurch manövriert. Das sind alles Aussagen, die zur Zeit, als Mises sie vortrug, auf wenig Zustimmung stießen – und die auch heute noch die Gemüter erhitzen. Mises weist bereits 1919 mit wissenschaftlichen Mitteln nach, dass eine Wirtschaftsrechnung im sozialistischen Gemeinwesen unmöglich und folglich auch der Sozialismus undurchführbar ist. Anders als viele seiner Fachkollegen, die im Sozialismus eine neue Heilslehre erblicken, offenbart Mises, dass der Sozialismus genau das Gegenteil des Erhofften bringt: Dass er den Menschen Unfreiheit, Armut und Gewalt bringt. Für Mises steht das Scheitern planwirtschaftlicher Experimente – wie etwa in Osteuropa – außer Frage. Und wie wir heute wissen, sollte er recht behalten: Die sozialistisch-kommunistischen Regime brachen in den 1990er-Jahren zusammen. Der Sozialismus ist nun einmal unmöglich – und erst jüngst zeigte sich diese ökonomische Gesetzmäßigkeit wieder mit dem Zusammenbruch der Wirtschaft in Venezuela. Im Januar 1923, etwa acht Monate bevor die Kaufkraft der deutschen Mark im Wirbelsturm der Hyperinflation zerstört wird, schließt Mises die Arbeit zu seiner Schrift Die geldtheoretische Seite des Stabilisierungsproblems ab. Die Inflation, so schreibt er, »ist immer ein Erzeugnis menschlichen Handelns und von Menschen gemachter Politik. Man vermehrt die Menge des umlaufenden Geldes, sei es, weil man, von unrichtigen theoretischen Anschauungen über das Wesen der Geldwertgestaltung geleitet, sich über die Folgen dieses Tuns nicht klar ist, sei es, weil man, in voller Kenntnis der Wirkungen der Inflation, gerade die Geldwertverminderung aus irgendwelchen Gründen anstrebt.«3 Mises scheint zu ahnen, dass die deutsche Regierung der Weimarer Republik die Notenpresse aus politischen Beweggründen nicht abstellen wird. Aus der währungshistorischen Erfahrung schreibt er: »Wir sahen, daß eine Regierung sich immer dann genötigt sieht, zu inflationistischen Maßnahmen zu greifen, wenn sie den Weg der Anleihebegebung nicht zu betreten vermag und den der Besteuerung nicht zu betreten wagt, weil sie fürchten muß, die Zustimmung zu dem von ihr befolgten System zu verlieren, wenn sich seine finanziellen und allgemein wirtschaftlichen Folgen allzu schnell klar enthüllen. So wird die Inflation zu dem wichtigsten psychologischen Hilfsmittel einer Wirtschaftspolitik, die ihre Folgen zu verschleiern sucht. Man kann sie in diesem Sinne als ein Werkzeug antidemokratischer Politik bezeichnen, da sie durch Irreführung der öffentlichen Meinung einem Regierungssystem, das bei offener Darlegung der Dinge keine Aussicht auf die Billigung durch das Volk hätte, den Fortbestand ermöglicht.«4 Eine treffende politökonomische Erklärung der politischen Beweggründe, die das Handeln der Politiker und Technokraten in der Weimarer Republik prägte. Mit seiner Habilitationsschrift Theorie des Geldes und der Umlaufsmittel, publiziert im Jahr 1912, hatte Mises einen »Klassiker« der Geldtheorie vorgelegt. Darin räumt er nicht nur mit althergebrachten Fehlern in der Geldtheorie auf und verbindet systematisch bisher lose Theoriestränge miteinander, sondern er legt auch neue geldtheoretische Erkenntnisse vor. Beispielsweise erklärt er die Wertbestimmung des Geldes durch die Grenznutzentheorie, und darauf aufbauend zeigt er, welche Folgen eine Ausweitung der Geldmenge für Preise, Produktion und Beschäftigung hat. Das wiederum ermöglicht es ihm, die Grundlagen für eine monetäre Konjunkturtheorie – die im Kern eine »Krisentheorie« ist – zu formulieren: Sie zeigt die volkswirtschaftlichen Konsequenzen auf, wenn Banken durch Kreditvergabe »aus dem Nichts« neues Geld – Mises bezeichnet diese Geldart als Umlaufsmittel – produzieren. Die Ausgabe von Umlaufsmitteln kann zwar kurzfristig die Wirtschaft beleben, sie führt jedoch letztlich – und notwendigerweise – zu ihrem Zusammenbruch. In Theorie des Geldes und der Umlaufsmittel arbeitet Mises auch heraus, dass Regierungen und Banken einen großen Anreiz haben, eine Inflationspolitik (Inflationismus) zu betreiben – dass sie bestrebt sind, Sachgeld (in Form von Gold und Silber) durch ihr eigenes, ungedecktes Papiergeld zu ersetzen. Anders als viele seiner Fachkollegen sieht Mises, dass die zusehends anti-liberalen, marktwirtschaftsfeindlichen Politiken in den Zwischenkriegsjahren und vor allem auch die politischen Versuche, den Geldwert politisch zu beeinflussen, eine große Wirtschaftskrise heraufbeschwören werden. Seit 1926 gibt es in Europa einen Gold-Devisen-Standard. Dahinter verbirgt sich jedoch ein Pseudo-Goldstandard, eine Währungsarchitektur, die bei genauer Betrachtung den Bezug zum Begriff Goldstandard gar nicht verdient. Das Verwenden von Gold im tagtäglichen Zahlungsverkehr ist durch staatliche Zwangsmaßnahmen stark eingeschränkt. Das umlaufende Geld (in Form von sogenannten Umlaufsmitteln) wird zusehends durch Bankkredite (durch sogenannte...