Buch, Deutsch, 408 Seiten, Format (B × H): 140 mm x 210 mm
Reihe: AT Edition
Feldpostbriefe aus dem 1. Weltkrieg, Dienststrafverfahren im NS-Deutschland, Gedichte
Buch, Deutsch, 408 Seiten, Format (B × H): 140 mm x 210 mm
Reihe: AT Edition
ISBN: 978-3-89781-002-0
Verlag: ATE
Erich Pöppel wurde 1896 in Berlin als Sohn eines pommerschen Webers geboren. Nachdem er 1916 seine erste Prüfung für Volksschullehrer gut bestanden hatte und seine erste Schultätigkeit begann, wurde er in den Krieg eingezogen. Er kam erst an die Ost- und später an die Westfront. Den Krieg hielt er "für die schwerste aller Wunden, die der menschlichen Kultur je geschlagen wurden". Er tat seine Pflicht, beschloß aber "militärisch nicht zu streben". Dementsprechend lauten seine Feldpostbriefe an seine zwei Jahre ältere Schwester. Kurz vor Kriegsende geriet er in französische Gefangenschaft. Nach seiner Rückkehr betätigte er sich zunächst als Lehrer in einer Gemeinschaftsschule, dann als Angestellter bei verschiedenen Dienststellen der Stadt Berlin und schließlich wieder als Lehrer. 1932 wurde er endgültig amtlich als Lehrer angestellt.
Pöppel gehörte der SPD und dem Bund der religiösen Sozialisten an. 1933, kurz nach der nationalsozialistischen Machtübernahme, lernte er eine alleinstehende geschiedene Jüdin kennen, die einen Möbelladen besaß. Als sie durch die Nazis unschuldig 13 Wochen lang in "Untersuchungshaft" genommen wurde, während ihr Geschäft ruiniert und ihre Wohnung besetzt wurden, betrachtete Pöppel es als selbstverständlich und als deutsche Ehrensache "soviel Zivilcourage zu besitzen, eine vergewaltigte, besitz- und ehrlos gemachte Frau gegen die Übermacht künstlich gezüchteter Vorurteile und Irrlehren zu schützen, selbst, wenn man dafür vor die Hunde gehen muß". Er setzte sich völlig für diese Frau ein, machte sie zu seiner Braut und beabsichtigte sie zu heiraten. Durch die Denunziation eines Kollegen wurde er vom Dienste enthoben und es wurde ein Disziplinarstrafverfahren gegen ihn eingeleitet, das mit seiner widerrechtlichen Entlassung endete.
Pöppels mutige Verteidigungsschriften zu diesem Verfahren, das er kühn als "ein Kulturkuriosum" bezeichnete, sind eigentlich wahre Anklageschriften gegen das NS-Regime. Dem Zugriff der Gestapo zuvorkommend, setzte sich Pöppel mit seiner Braut und ihrem gemeinsamen 4 Monate alten Kind in die Tschechoslowakei ab. So gut wie mittellos, wanderten die drei 1938 nach Argentinien aus. In Buenos Aires konnte Pöppel seine Braut endlich heiraten. In dieser Stadt betätigte er sich zunächst als Lehrer in deutschen Schulen und danach als privater Deutschlehrer. Nach Jahren der Not besserte sich allmählich die finanzielle Lage der Familie.
Zeit seines Lebens beschäftigte sich Pöppel in seiner Freizeit sehr viel mit Dichten und altindischer Philosophie. Er lernte Sanskrit in langem planmäßigem Selbststudium. Das Ergebnis von Pöppels dichterischem Schaffen sind mehrere Bände, von denen ein Teil leider verschollen ist. Eine Auswahl seiner kürzeren Dichtungen wird hier wiedergegeben. Pöppel fühlte sich "von dem deutschen Volke geächtet". Er starb 1959 in Buenos Aires ohne seine einst so geliebte Heimat jemals wiedergesehen zu haben.




