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E-Book, Deutsch, 224 Seiten

Poe Detektivgeschichten


1. Auflage 2010
ISBN: 978-3-423-40156-2
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 224 Seiten

ISBN: 978-3-423-40156-2
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft
Format: EPUB
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Neuübersetzung zum 200. Geburtstag des Schriftstellers am 19. Januar 2009 Neuübersetzung zum 200. Geburtstag des Schriftstellers am 19. Januar 2009 Edgar Allan Poes genialer Detektiv Auguste Dupin klärt mysteriöse Vorfälle und deckt düstere Geheimnisse auf. Als Stammvater aller berühmten Ermittler in der Literatur entwickelt er ausgeklügelte Verfahren zur Verbrechensaufklärung und verlässt sich auf sein logisches Kalkül und eine rationale Herangehensweise. In den Erzählungen »Die Morde in der Rue Morgue«, »Das Geheimnis um Marie Rogêt« und »Der entwendete Brief« beweist Dupin Scharfsinn und analytische Kraft. Edgar Allen Poe schuf durch den Ermittler und den ihm assistierenden Ich-Erzähler eine Konstellation, die später Vorbild für nahezu alle folgenden Detektivgeschichten werden sollte. Nicht das Verbrechen selbst steht im Vordergrund, sondern das Rätsel, dessen Aufklärung nur mit dem Einsatz eines wachen Verstandes gelöst werden kann. Ein solches wird auch in der Erzählung »Der Goldkäfer« thematisiert, in der die Dechiffrierung einer Geheimschrift im Mittelpunkt steht. Poe beweist in den rätselhaften Geschichten sein unvergleichliches Talent für die Entwicklung mysteriöser Verstrickungen und deren kunstvolle Entwirrung - vier zeitlose Meisterstücke der Weltliteratur.

Edgar Allan Poe, geboren 1809 in Boston als Sohn von Schauspielern, gilt als eigenwilligste und faszinierendste Dichterpersönlichkeit im Amerika des 19. Jahrhunderts. Sein kurzes, aber bewegtes Leben, das 1849 in Baltimore unter geheimnisvollen Umständen ein Ende fand, wurde schon bald zur Legende.
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DAS GEHEIMNIS DER MARIE ROGÊT1


Eine Fortsetzung von »Die Morde in der Rue Morgue«

– NOVALIS2. Moralische Ansichten

Selbst unter den besonnensten Denkern gibt es wenige, die sich nicht gelegentlich zu einem vagen und doch erregenden Halbglauben an das Übernatürliche hinreißen lassen, durch von so wunderbarer Art, daß der Verstand nicht in der Lage ist, sie als Zufälle zu begreifen. Solche Gefühle – denn der Halbglaube, von dem ich spreche, hat nie die volle Kraft eines – solche Gefühle werden selten ganz erstickt, und wenn, dann nur mit dem Verweis auf die Zufallslehre, oder wie der Fachbegriff lautet, die Wahrscheinlichkeitsrechnung. Nun ist diese Rechenart im wesentlichen rein mathematisch; und so haben wir die Anomalie des strengst Exakten in der Wissenschaft auf die Schatten- und Geisthaftigkeit des Unfaßbarsten in der Spekulation angewandt.

Die außergewöhnlichen Details, die zu veröffentlichen man mich hier aufruft, bilden in ihrer zeitlichen Abfolge den einen Zweig einer Reihe kaum begreiflicher , deren zweiten oder entscheidenden Zweig jeder Leser als den nicht allzuweit zurückliegenden Mord an MARY CECILIA ROGERS in New York wiedererkennen wird.

Als ich mich vor etwa einem Jahr in einem Artikel mit dem Titel bemühte, einige höchst bemerkenswerte Züge in der geistigen Bildung meines Freundes, des Chevalier C.Auguste Dupin, aufzuzeigen, dachte ich nicht daran, daß ich dem Thema je eine Fortsetzung widmen sollte. Die Beschreibung seiner Bildung war meine Absicht gewesen; und diese Absicht wurde mit dem wilden Strang von Ereignissen, die Dupins Idiosynkrasie zutage förderten, hinreichend erfüllt. Ich hätte weitere Beispiele anführen können, doch hätte ich damit nicht mehr bewiesen. Die vergangenen Ereignisse aber mit ihrer überraschenden Entwicklung haben mich nun zu weiteren Ausführungen bewegt, denen freilich etwas von einem erpreßten Bekenntnis anhaftet. Andererseits wäre es wirklich sonderbar, nach dem, was ich unlängst gehört habe, bezüglich dessen, was ich vor langer Zeit gehört und gesehen habe, zu schweigen.

Nach der Aufklärung der Tragödie um den Tod von Madame L’Espanaye und ihrer Tochter hatte der Chevalier die Affäre bald aus seinen Gedanken verbannt und verfiel wieder in seine alte Gewohnheit, die launische Tagträumerei. Da auch ich allezeit zur Abstraktion geneigt bin, ließ ich mich leicht von seiner Laune anstecken; und während wir weiter unsere Räume im Faubourg Saint Germain bewohnten, schlugen wir die Zukunft in den Wind und verschliefen in aller Ruhe die Gegenwart, während wir die öde Welt um uns zu Träumen verwoben.

Diese Träume aber blieben nicht völlig ungestört. Man könnte ohne weiteres sagen, daß die Rolle, die mein Freund in dem Drama der Rue Morgue spielte, bei der Pariser Polizei keinen geringen Eindruck hinterlassen hatte. Bei ihren Abgesandten war der Name Dupin zu einem geflügelten Wort geworden. Die Einfachheit jener Schlußfolgerungen, durch die er das Rätsel gelöst hatte, hatte er außer mir weder dem Präfekten noch sonst jemandem erklärt, und so ist es natürlich wenig überraschend, daß man die Affäre für kaum weniger als ein Wunder hielt und die analytischen Fähigkeiten des Chevalier gemeinhin als Intuition auslegte. Zwar hätte ihn seine Offenheit dazu bewegt, jeden, der nachfragte, von solchen Vorurteilen zu befreien; allein seine Gleichgültigkeit verbot ihm jede weitere Erörterung eines Themas, an dem er selbst längst das Interesse verloren hatte. So kam es also dazu, daß er zu einer Art Leitstern wurde, zu welchem die politischen Augen aufblickten; und es gab nicht wenige Fälle, bei denen die Präfektur seine Dienste in Anspruch zu nehmen versuchte. Eines der merkwürdigsten Vorkommnisse war der Mord an einem jungen Mädchen namens Marie Rogêt.

Der Vorfall ereignete sich etwa zwei Jahre nach der Greueltat in der Rue Morgue. Marie, deren Vor- und Nachname wegen ihrer Ähnlichkeit zu denen des unglücklichen »Zigarrenmädchens« ins Auge springen, war die einzige Tochter der Witwe Estelle Rogêt. Der Vater war noch in der frühen Kindheit des Mädchens gestorben, und seit seinem Tod bis circa achtzehn Monate vor dem Mord, von dem hier berichtet wird, wohnten Mutter und Tochter gemeinsam in der Rue Pavée Saint Andrée3 ; hier unterhielt Madame eine , Marie half ihr dabei. Dies war der Stand der Dinge, bis letztere ihren zweiundzwanzigsten Geburtstag feierte und ihre große Schönheit die Aufmerksamkeit eines Parfümhändlers erregte, welcher einen der Läden im Parterre des Palais Royal führte und zu dessen Kundschaft überwiegend die verzweifelten Abenteurer gehörten, die diese Gegend heimsuchen. Monsieur Le Blanc4war sich wohl bewußt, welche Vorteile aus der Anwesenheit der schönen Marie in seiner Parfümerie gezogen werden konnten; und sein großzügiges Angebot wurde von dem Mädchen eifrig angenommen, wenn auch von Madame erst nach längerem Zögern.

Die Erwartungen des Ladeninhabers erfüllten sich, und seine Räume waren bald wegen des Charmes der lebhaften bekannt. Sie hatte ein Jahr in seinen Diensten gestanden, als ihre Bewunderer durch ihr plötzliches Verschwinden aus dem Laden in Aufruhr versetzt wurden. Monsieur Le Blanc konnte ihre Abwesenheit nicht erklären, und Madame Rogêt war außer sich vor Sorge und Angst. Die Presse griff das Thema sofort auf, und die Polizei wollte gerade ernsthafte Untersuchungen einleiten, als eines schönen Morgens, nachdem eine Woche verstrichen war, Marie wieder bei guter Gesundheit, wenn auch mit einem Anflug von Traurigkeit, hinter der gewohnten Theke in der Parfümerie stand. Jede Nachforschung, bis auf solche privater Natur, wurde selbstverständlich sofort eingestellt. Monsieur Le Blanc gab sich nach wie vor vollkommen ahnungslos. Marie, im Einklang mit Madame, erklärte auf alle Nachfragen, sie habe die letzte Woche im Hause einer Verwandten auf dem Land verbracht. Damit legte sich die Aufregung und war bald ganz vergessen; denn kurze Zeit später verabschiedete sich das Mädchen, anscheinend um der dreisten Neugier aus dem Weg zu gehen, endgültig von dem Parfümhändler und zog sich in die Geborgenheit des mütterlichen Hauses auf der Rue Pavée Saint Andrée zurück.

Es waren seit ihrer Heimkehr fünf Monate vergangen, als ihre Freunde ein zweites Mal von ihrem plötzlichen Verschwinden aufgeschreckt wurden. Drei Tage verstrichen, ohne daß man etwas von ihr hörte. Am vierten Tag fand man ihre Leiche, die in der Seine5 trieb, nahe dem Ufer, das dem um die Rue Saint Andrée gegenüberliegt, und nicht allzuweit von der einsamen Gegend um die Barrière du Roule6 entfernt.

Die Grausamkeit des Mordes (es war sofort ersichtlich, daß ein Mord verübt worden war), die Jugend und Schönheit des Opfers und vor allem ihre frühere Bekanntheit sorgten unter den feinfühligen Parisern für heftige Aufregung. Ich erinnere mich an kein ähnliches Vorkommnis, das derart breite und heftige Reaktionen hervorgerufen hatte. Mehrere Wochen lang vergaß man über der Diskussion des einen packenden Themas selbst die wichtigen politischen Fragen des Tages. Der Präfekt unternahm außerordentliche Anstrengungen; und die Kräfte der ganzen Pariser Polizei waren natürlich bis zum Äußersten gefordert.

Nach der Entdeckung der Leiche ging man zunächst davon aus, daß der Mörder sich der Untersuchung, die umgehend in die Wege geleitet wurde, nur sehr kurze Zeit würde entziehen können. Erst nach Ablauf einer Woche sah man sich genötigt, eine Belohnung auszusetzen; und selbst dann war diese Belohnung auf eintausend Francs beschränkt. In der Zwischenzeit schritten die Nachforschungen mit aller Kraft, wenn auch nicht immer mit Verstand, voran, und zahlreiche Einzelpersonen wurden vergebens befragt, während aufgrund des fortdauernden Ausbleibens jedweder Anhaltspunkte die öffentliche Aufregung ständig wuchs. Am Ende des zehnten Tages hielt man es für angezeigt, die ursprünglich veranschlagte Summe zu verdoppeln, und schließlich, als zwei Wochen verstrichen waren, ohne daß irgendwelche Entdeckungen gemacht wurden, und als sich das in Paris immer bestehende Vorurteil gegenüber der Pariser Polizei bereits in mehreren gewalttätigen entladen hatte, verantwortete der Präfekt, die Summe von zwanzigtausend Francs »für die Verurteilung des Mörders« auszusetzen, beziehungsweise »für die Verurteilung eines der Mörder«, falls sich herausstellen sollte, daß mehr als ein Täter an dem Verbrechen beteiligt gewesen war. Bei der Bekanntgabe der neuen Belohnung versprach man im weiteren den vollen Straferlaß für jeden Komplizen, der nach vorn träte, um gegen seinen Mittäter auszusagen; außerdem wurde der Verlautbarung, wo immer sie erschien, der private Zusatz eines Bürgerkomitees beigeheftet, das weitere zehntausend Francs, zusätzlich zu der vom Präfekten ausgesetzten Summe, anbot. Nunmehr betrug die gesamte Belohung also nicht weniger als dreißigtausend Francs, was als außergewöhnliche Summe gelten...


Poe, Edgar Allan
Edgar Allan Poe, geboren 1809 in Boston als Sohn von Schauspielern, gilt als eigenwilligste und faszinierendste Dichterpersönlichkeit im Amerika des 19. Jahrhunderts. Sein kurzes, aber bewegtes Leben, das 1849 in Baltimore unter geheimnisvollen Umständen ein Ende fand, wurde schon bald zur Legende.

Edgar Allan Poe, geboren 1809 in Boston als Sohn von Schauspielern, gilt als eigenwilligste und faszinierendste Dichterpersönlichkeit im Amerika des 19. Jahrhunderts. Sein kurzes, aber bewegtes Leben, das 1849 in Baltimore unter geheimnisvollen Umständen ein Ende fand, wurde schon bald zur Legende.



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