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E-Book, Deutsch, 140 Seiten

Platon Gorgias


1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8496-1782-0
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 140 Seiten

ISBN: 978-3-8496-1782-0
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
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Der Dialog Gorgias, entstanden nach 399 v. Chr. ist der letzte Dialog aus Platons Frühwerk. Wahrscheinlich geschrieben, kurz bevor Platon Athen das erste Mal verließ, stellt dieser Dialog eine harte Abrechnung mit den Athenern und der athenischen Demokratie dar. Der Dialog gliedert sich in drei Teile: Zunächst lässt Platon Sokrates mit dem damals berühmten Redner und Sophisten Gorgias über die Redekunst diskutieren, danach mit Polos über das Verhältnis von Unrechtleiden und Unrechttun in Bezug auf das Gute. Im Anschluss daran spricht Sokrates mit dem Politiker Kallikles über die Rolle der Tugend in der Staatsführung. (aus wikipedia.de)

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Gorgias


Kallikles · Sokrates · Chairephon · Gorgias · Polos

(Das Gespräch beginnt vor dem Hause des Kallikles und setzt sich in demselben fort)

I.


Kallikles: So muß man kommen, wie es heißt, lieber Sokrates, wenn Krieg ist und es zur Schlacht geht!

Sokrates: Sind wir wirklich, wie man sagt, nach dem Feste gekommen und zu spät?

Kallikles: Und das nach einem gar feinen Festschmaus. Denn Gorgias hat uns kurz vorher viel schöne Vorträge zum besten gegeben.

Sokrates: Daran, lieber Kallikles, ist unser Chairephon schuld, da er uns auf dem Markte zu verweilen nötigte.

Chairephon: Es tut nichts, lieber Sokrates. Ich will den Schaden auch wieder heilen. Denn Gorgias ist mein Freund und wird sich wieder hören lassen, nach Gefallen gleich, oder, wenn du lieber willst, ein andermal.

Kallikles: Wie, Chairephon? Wünscht Sokrates den Gorgias zu hören?

Chairephon: Gerade in der Absicht sind wir ja hier.

Kallikles: Nun, wenn's gefällig ist, in mein Haus einzutreten – denn bei mir wohnt Gorgias und wird auch euch gewiß einen Vortrag zum besten geben.

Sokrates: Schön, lieber Kallikles. Doch dürfte er auch sich mit uns zu unterreden bereit sein? Denn ich will ihn danach fragen, worin die Bedeutung seiner Kunst besteht und was er eigentlich von sich verspricht und lehrt. Den anderen Vortrag soll er, wie du sagst, ein andermal halten.

Kallikles: Nichts besser als ihn selbst fragen, lieber Sokrates. Denn auch das war eines seiner Probestücke. Er forderte nämliche eben gerade jeden von den drinnen Anwesenden auf, zu fragen, was ihm beliebe, und auf alle Fragen, sagte er, werde er antworten.

Sokrates: Wahrlich schön. Lieber Chairephon, frage ihn doch!

Chairephon: Was soll ich ihn fragen?

Sokrates: Was er ist.

Chairephon: Wie meinst du das?

Sokrates: Wie wenn er etwa ein Meister im Schuhmachen wäre, so würde er dir doch wohl antworten: ein Schuhmacher. Oder verstehst du nicht, wie ich es meine?

Chairephon: Ich verstehe und will ihn fragen.

(Im Hause.) Sage mir doch, lieber Gorgias, hat unser Kallikles hier recht, daß du auf alle Fragen zu antworten versprichst, die man an dich richtet?

Gorgias: Ganz recht, lieber Chairephon. Denn eben erst habe ich gerade dies versprochen, und ich darf sagen, daß mich seit vielen Jahren noch keiner etwas Neues gefragt hat.

Chairephon: Dann, lieber Gorgias, fällt dir wohl gewiß die Antwort recht leicht?

Gorgias: Du darfst einen Versuch machen, lieber Chairephon.

Polos: Das ist wahrhaftig wahr. Vielleicht ziehst du's aber vor, lieber Chairephon, ihn mit mir zu machen. Denn Gorgias dürfte wohl auch schon ermüdet sein. Denn er hat eben vieles durchgesprochen.

Chairephon: Wie denn, Polos? Glaubst du besser zu antworten als Gorgias?

Polos: Tut das etwas zur Sache, wenn es nur genügend ist für dich?

Chairephon: Nein. Nun, da du denn willst, so antworte!

Polos: Frage!

Chairephon: Ich frage also: Wenn Gorgias die Kunst verstünde, die sein Bruder Herodikos treibt, wie würden wir ihn dann mit Recht nennen? Nicht so wie jenen?

Polos: Gewiß.

Chairephon: Wenn wir ihn also einen Arzt nennten, hätten wir ihn recht bezeichnet?

Polos: Ja.

Chairephon: Wenn er aber die Kunst verstünde, welche Aristophon, der Sohn des Aglaophon, oder dessen Bruder treibt, welcher Name gebührte ihm dann?

Polos: Offenbar der eines Malers.

Chairephon: Nun, da er ja auch eine Kunst versteht, – welche ist das? Und welchen Namen dürfen wir ihm mit Recht beilegen?

Polos: Mein Chairephon, es gibt viele Künste in der Welt, die man aus Erfahrung erfahren gefunden hat. Denn Erfahrung bahnt unserem Leben einen Weg gemäß der Kunst; Unerfahrenheit gibt es dem Zufall preis. Unter allen diesen Künsten nehmen die einen an diesen, andere an jenen, die einen so, die anderen anders teil, an den besten aber die Besten. Dazu gehört auch unser Gorgias hier, und er hat an der schönsten der Künste teil.

Sokrates: Polos scheint, lieber Gorgias, vortrefflich aufs Reden eingeübt zu sein. Indes hält er dem Chairephon sein Versprechen nicht.

Gorgias: Wieso denn, lieber Sokrates?

Sokrates: Er antwortet, dünkt mich, gar nicht auf die Frage.

Gorgias: Nun, wenn du willst, frage du ihn doch!

Sokrates: Nicht doch, wenn dir selbst es gefällig ist zu antworten; vielmehr würde ich lieber dich fragen. Denn aus dem, was Polos gesagt hat, ist mir klar, daß er die sogenannte Redekunst mehr geübt hat als die Kunst der Unterredung.

Polos: Wieso denn, Sokrates?

Sokrates: Weil du, mein Polos, auf die Frage Chairephons, welche Kunst Gorgias verstehe, seine Kunst anpreisest, als ob ihn jemand tadeln wollte; was sie aber ist, hast du nicht beantwortet.

Polos: Habe ich denn nicht gesagt, daß sie die schönste sei?

Sokrates: Jawohl. Aber es fragt dich niemand, wie die Kunst des Gorgias sei, sondern was sie sei und wie man den Gorgias nennen müsse. So wie dir also vorher Chairephon Beispiele vorlegte und du ihm eine treffende und kurzgefaßte Antwort gabst, so gib auch jetzt an, welches die Kunst ist und wie wir den Gorgias nennen sollen. Oder lieber gib du uns selber an, mein Gorgias, wie man dich nennen soll und welche Kunst es ist, die du verstehst?

Gorgias: Die Rhetorik, lieber Sokrates.

Sokrates: Also einen Rhetor soll man dich nennen?

Gorgias: Gut so, lieber Sokrates, wenn du mich ja so nennen willst, wie ich zu heißen mich rühme, wie Homeros sagt.

Sokrates: Freilich will ich das.

Gorgias: Nun, schön.

Sokrates: Hast du denn wohl auch die Fähigkeit, andere dazu auszubilden?

Gorgias: Ich verspreche ja das nicht bloß hier, sondern auch an anderen Orten.

Sokrates: Wärst du nun wohl bereit, lieber Gorgias, sowie wir jetzt mit einander reden, fortzufahren, teils fragend, teils antwortend, aber die Art der langen Reden, mit der auch Polos begann, für ein andermal aufzusparen? Aber laß dann auch das Versprechen nicht unerfüllt, sondern sei so gut, in kurzer Rede die Frage zu beantworten!

Gorgias: Einige Antworten, lieber Sokrates, erfordern notwendig lang ausgedehnte Reden. Indes will ich versuchen,...



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