E-Book, Deutsch, 172 Seiten
ISBN: 978-3-17-039928-0
Verlag: Kohlhammer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
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[32]3 Vorbereitung von Übungen/Übungsszenarien
Eine realistische Darstellung von Unfallszenarien ist elementar für einen Übungserfolg der Lernenden. Natürlich sollen die Darstellungen möglichst nah an einem tatsächlichen Unfallgeschehen sein, gleichzeitig aber auch Sicherheit zum Üben bieten, sodass sich die Teilnehmenden des Unterrichts nicht übermäßig gefährden müssen, um die dargestellte Lage abzuarbeiten. Die Schwierigkeit der Szenarien muss an die Kompetenzstufen der übenden Gruppe angepasst sein, sodass weder eine Über- noch eine Unterforderung entsteht. Beidem können die Ausbilder mit gezielter Auswahl der Szenarien, einer zielgerichteten Vorbesprechung sowie gegebenenfalls Hilfestellungen entgegenwirken. Die im Folgenden vorgestellten Übungsszenarien sind von »leicht« nach »schwierig« sortiert und können mit den hier ebenfalls vorgestellten Verletzungsmustern kombiniert werden. Am Ende dieses Kapitels finden sich zwei Kombinationstabellen, in denen die Lagen einzeln und zusammen mit möglichen Verletzungsmustern nach Schwierigkeit und zugehöriger Kompetenzstufe bewertet werden. 3.1 Hilfs- und Übungsmaterialien
Für die Vorbereitung insbesondere komplexerer Szenarien ist die Beschaffung einiger Materialien sinnvoll, die oft als Leihgabe, gebraucht oder auch als Spende erhältlich sind. ein bis zwei Betonbarrieren (oft beim städtischen Bauhof oder bei Landwirten/Bauunternehmern vorhanden), IBC (»Intermediate Bulk Container«: Gittertank. Beschädigte IBC können bei Speditionen angefragt werden), Baumstämme verschiedener Längen und Stärken (auch als Bündel verwendbar), Rohre/alte Verkehrsschilder/Straßenlaternen, Stromkästen (bei Elektrofirmen anfragen), leere Gasflaschen, Kanister mit Gefahrenzeichen, Gefahrgutbeschilderungen, orange Kabel zur Simulation von E-Fahrzeugen, [33]ausgelöste Airbags, Nummernschilder mit E-Kennzeichen, Schilder von Hybridfahrzeugen/Werbeaufkleber (»ich fahre grün«), Aufkleber mit Airbag-Beschriftung, Fotos oder ggf. digitale Bildmöglichkeiten (Augmented Reality/Virtual Reality), Gummihände und -füße für die Simulation von Einklemmungen (Halloween-Bedarf), alte Fahrräder, Dreiräder/Kinderroller, (landwirtschaftliche) Anhänger/Lkw-Auflieger, passende Rettungskarten zu den Übungsfahrzeugen, Magnetschilder zur Darstellung von Fahrzeugspezifikationen wie Airbags (analog zur Darstellung in der Rettungskarte), Übungspuppen (Erwachsene/Kinder/Babys), Stofftiere zur Darstellung von beteiligten Tieren oder als Hinweis auf Kinder, Kindersitze. 3.2 Übungsvorbereitung
Gerade für die höheren Kompetenzstufen ist es nicht zielführend, wenn die Übenden selbst ihre Lagen vorbereiten, da dann die Erkundung erfahrungsgemäß zu kurz ausfällt. Daher sollte die Übungsleitung die Vorbereitung der Fahrzeuge und Lagen übernehmen. Die Teilnehmenden sollten möglichst vor Übungsbeginn keine Sichtverbindung zur Übungslage erhalten. Grundsätzlich gilt: Je komplexer die Lagen sind, desto größer wird auch der Personalansatz für die Übungsvorbereitung und die Übungsleitung. Genaueres zum Personalbedarf an Ausbildern findet sich in Kapitel 2.4. 3.2.1 Grundsätzliche Vorbereitung von Fahrzeugen
Fahrzeuge für die Unfalldarstellung sollten zur Vermeidung von Verschmutzungen und Verletzungen folgendermaßen vorbereitet werden: Öl, Kraftstoffe und Betriebsmittel ablassen. Bei Unfallfahrzeugen: Fahrzeugteile mit Blut/Körperflüssigkeiten entfernen lassen. [34]Entfernung von persönlichen Gegenständen und Hinweisen, die Rückschlüsse auf die Besitzer zulassen. Entfernung von Müll und Schrott, wenn nicht zur Unfalldarstellung erforderlich. Bereits vorhandene Scherben entfernen. Bei verschmutzten Fahrzeugen: Decken oder Folien für die Unfalldarsteller auf die Sitze legen. Ob die Batterie im Fahrzeug verbleibt bzw. abgeklemmt ist, hängt von der gewünschten Lage ab. So kann es bei der Grundausbildung zunächst sinnvoll sein, elektrisch verschiebbare Sitze o.ä. auszuklammern, bei fortgeschrittenen Ausbildungsteilnehmern hingegen gehört die Nutzung der bordeigenen Elektrik mit zu den Rettungstechniken. Bei nicht elektrisch verstellbaren Sitzen können die Verstellmöglichkeiten zur Erhöhung der Schwierigkeit wie folgt entfernt werden: Stellrad Rückenlehne entfernen, Verstellbügel für Sitzhöhe und -verschiebung abschneiden. 3.2.2 Techniken zur Verformung
Die erste mögliche Verformung in der Ausbildung wird in der Regel im Bereich der Türen gesetzt, damit diese nicht mehr ohne Hilfsmittel zu öffnen sind. Hierbei gibt es mehrere Möglichkeiten und Schwierigkeitsgrade: Türgriff abschlagen/entfernen/blockieren (Halligan-Tool/Vorschlaghammer) Damit ist die Tür zumindest von außen nicht mehr ohne Hilfsmittel zu öffnen. Es muss in diesem Fall ein Zugang zum Innenraum gefunden und geöffnet werden. Dellen bzw. Verformen der Tür mit Radlader/Bagger von außen Die Tür wird durch Anfahren so verformt, dass sie auch bei Betätigung des Türschlosses nicht mehr zu öffnen ist. Je nach Grad der Verformung ergibt sich hierbei auch ein Platzmangel für eingeschlossene Personen im Fahrzeug. Alternativ kann das Fahrzeug auch auf die Seite gelegt werden. Dann wird die oben liegende Fahrzeugseite mit der Baggerschaufel oder der Radladergabel mit zusätzlichem Gewicht von oben nach unten eingedrückt und das Fahrzeug wieder auf die Räder gedreht. [35]Verformung durch einen Traktor mit Kontergewicht am Heck Mit dem Traktor wird rückwärts gegen die Tür gefahren, bis der gewünschte Verformungsgrad erreicht ist. Nach der Verformung der Türen folgen im Schwierigkeitsgrad unterschiedliche Verformungen des gesamten Fahrzeuges. Verformung des Kotflügels vorn Diese Verformung ist vor allem für Lagen mit zwei Fahrzeugen sinnvoll, um beim auftreffenden Fahrzeug Schäden darzustellen. Hierbei wird der Kotflügel mit Bagger oder Radlader von oben und seitlich eingedrückt. Stauchen in der Schrottpresse Wenn die Fahrzeuge vom Schrotthändler vorbereitet werden, können sie in einer Schrottpresse in Längs- oder Querrichtung gestaucht werden. Dies ergibt Spannungen in den Metallteilen sowie eine Verkürzung der Fahrgastzelle und damit die Möglichkeit, Einklemmungen zu simulieren. Verformung mit Spreizer und Kettensatz Befestigt man den Kettensatz des Spreizers an A- oder B-Säule und einer gegenüberliegenden Achse des Fahrzeuges, kann die Säule durch Ziehen am Kettensatz nach innen verformt werden. Wenn die A-Säule verformt werden soll, muss vorher die Frontscheibe geöffnet werden, um die Ketten anzusetzen. Alternativ kann auch schräg von Vorderachse zu Hinterachse gezogen werden, um eine Verformung in Längs- und Querrichtung gleichzeitig zu erzeugen. Dach eindrücken Mit der Schrottpresse, der Gabel eines Radladers, einer Baggerschaufel oder dem beweglichen Kontergewicht eines Traktors wird das Dach nach unten gedrückt, um eine Verformung nach einem Überschlag darzustellen. Dies wird in der Regel auch dazu führen, dass sich die Türen und die Heckklappe nicht mehr oder nur noch erschwert öffnen lassen. Das Dach kann auch mit zusätzlichen Hilfsmitteln eingedrückt werden, um bestimmte Szenarien darzustellen. Eine Möglichkeit ist beispielsweise das Auflegen eines Baumstammes auf das Dach, der dann mit Bagger oder Radlader nach unten gedrückt wird. Danach wird das Fahrzeug auf die Seite gelegt und es ergibt sich das Szenario eines Aufpralls mit dem Dach an einem Baum. [36]Praxistipp: Mit einem Gabelstapler lassen sich diese Verformungen in der Regel nicht erreichen, da das Gewicht der Gabeln allein nicht ausreichend ist. Hier muss zusätzliches Gewicht auf die Gabeln aufgebracht werden. Bild 5: Eindrücken des Daches mit zusätzlichem Gewicht durch Betonbarriere Drücken gegen ein Hindernis Drückt man das Fahrzeug mit einem Bagger oder Radlader gegen ein ausreichend festes Hindernis, können damit...