Pierce | Alanna - Das Lied der Löwin | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 992 Seiten

Reihe: Heyne fliegt

Pierce Alanna - Das Lied der Löwin


1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-641-10650-8
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 992 Seiten

Reihe: Heyne fliegt

ISBN: 978-3-641-10650-8
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Eine mutige Heldin erkämpft sich ihren Traum

Die willensstarke Alanna verspürt nur wenig Lust, ihre Tage als Hofdame zu verbringen. Stattdessen fasst sie einen gewagten Plan: Mithilfe ihres Zwillingsbruders schlüpft sie in die Rolle des Pagen Alan und tritt ihren Dienst am Königshof in der Hauptstadt Corus an. Die Ausbildung zum Ritter ist hart und die Gebräuche und Sitten in Corus sind der jungen Alanna sehr fremd. Zudem muss sie ihr Geheimnis hüten und weiß nicht, wem sie trauen kann. Auf dem langen Weg zur Erfüllung ihres großen Traumes trotzt Alanna vielen Gefahren – aber lernt auch das freie, wilde Leben eines Ritters kennen …

Tamora Pierce ist schon seit Jahrzehnten eine Fantasy-Legende. Mit ihren großen Fantasy-Zyklen für Jugendliche, ihren starken Heldinnen wie Alanna und Dhana und dem von ihr erfundenen Reich Tortall hat sie sich weltweit riesige Fan-Gemeinden geschaffen. Tamora Pierce lebt in New York City zusammen mit ihrem Ehemann und zahlreichen geretteten Tieren.
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1


Die Zwillinge


»Ich habe meine Entscheidung getroffen. Keine Diskussionen mehr«, sagte der Mann am Schreibtisch. Er schaute schon wieder in ein Buch. Seine beiden Kinder verließen den Raum und machten die Tür hinter sich zu.

»Er will uns nicht bei sich haben«, murrte der Junge. »Was wir wollen, interessiert ihn nicht.«

»Das ist ja nichts Neues«, antwortete das Mädchen. »Außer seinen Büchern und Schriftrollen interessiert ihn überhaupt nichts.«

Der Junge schlug mit der flachen Hand gegen die Wand. »Ich will aber kein Ritter werden! Ich will ein großer Zauberer werden! Ich will Dämonen töten und mit den Göttern wandeln...«

»Denkst du vielleicht, ich will eine Dame werden?«, fragte seine Schwester. »Geh langsam, Alanna«, fügte sie in gekünsteltem Tonfall hinzu. »Sitz still, Alanna. Halt die Schultern gerade, Alanna. Als könnte ich nichts Besseres mit mir anfangen!« Sie ging aufgeregt auf und ab. »Es muss einen Ausweg geben.«

Der Junge warf ihr einen Blick zu. Thom und Alanna von Trebond waren Zwillinge. Beide hatten rotes Haar und violettfarbene Augen. Für die meisten Leute waren die beiden nur durch die unterschiedliche Länge ihrer Haare auseinanderzuhalten. Was Gesicht und Figur betraf, hätten die beiden genau gleich ausgesehen, wären sie gleich gekleidet gewesen.

»Find dich damit ab!«, meinte Thom zu seiner Schwester. »Du machst dich morgen auf den Weg ins Kloster, und ich muss in den Palast. Da ist nichts zu machen.«

»Warum solltest du den ganzen Spaß haben?«, stieß sie hervor. »Mir werden sie Nähen und Tanzen beibringen und du lernst Lanzenfechten und Degenfechten und ...«

»Meinst du vielleicht, so etwas macht mir Spaß?«, schrie er. »Ich hasse es, hinzufallen und auf irgendetwas einzuhauen! Du bist es, der so was gefällt, nicht ich!«

Sie grinste. »Du hättest Alanna werden müssen. Den Mädchen bringen sie immer das Zaubern bei ...« Der Gedanke kam ihr so schlagartig, dass sie nach Luft schnappte. »Thom! Das ist die Idee!«

An ihrem Gesichtsausdruck konnte Thom ablesen, dass seine Schwester mal wieder einen ihrer verrückten Einfälle hatte. »Was genau ist die Idee?«, fragte er misstrauisch.

Alanna sah sich um und vergewisserte sich, dass sich keine Bediensteten auf dem Flur aufhielten. »Morgen gibt er uns einen Brief für den Mann, der die Pagen ausbildet, und einen für die Leute im Kloster. Da du seine Handschrift fälschen kannst, könntest du ja neue Briefe verfassen und schreiben, wir seien Zwillingsbrüder. Du gehst ins Kloster und im Brief schreibst du, du solltest Zauberer werden. Du weißt ja – die Töchter der Göttin sind es, die den Jungen das Zaubern beibringen. Sobald du dann älter bist, schicken sie dich zu den Priestern. Und ich gehe in den Palast und lasse mich zum Ritter ausbilden!«

»Du spinnst doch!«, widersprach Thom. »Was ist mit deinem Haar? Und nackt schwimmen kannst du auch nicht. Und du wirst dich in eine Frau verwandeln – du weißt schon. Dann kriegst du Brüste und so.«

»Das Haar schneide ich einfach ab«, entgegnete sie. »Und – na ja, um den Rest kümmere ich mich dann, wenn es so weit ist.«

»Was ist mit Coram und Maude? Die werden uns begleiten und alle beide können uns auseinanderhalten. Sie wissen, dass wir keine Zwillingsbrüder sind.«

Sie kaute auf ihrem Daumen herum und überlegte. »Ich sage Coram, dass wir unseren Zauber mit ihm treiben, falls er etwas verlauten lässt«, sagte sie schließlich. »Das müsste ausreichen – er hasst Magie. Und mit Maude können wir vielleicht reden.«

Thom sah auf seine Hände hinunter und dachte nach. »Meinst du, wir könnten es schaffen?«, flüsterte er.

Alanna betrachtete das hoffnungsvolle Gesicht ihres Zwillingsbruders. Ein Teil von ihr wollte aufhören, bevor diese Sache zu weit ging, aber dieser Teil war nicht sehr groß. »Wenn du nicht die Nerven verlierst«, erklärte sie ihrem Bruder. Und ich auch nicht, dachte sie.

»Was ist mit Vater?« Thom schaute schon in die Ferne und sah die Stadt der Götter vor sich.

Alanna schüttelte den Kopf. »Sobald wir weg sind, vergisst er uns.« Sie beäugte Thom. »Ist dein Wunsch, Zauberer zu werden, stark genug?«, fragte sie ihn. »Wir werden jahrelang lernen und arbeiten müssen. Traust du dir das wirklich zu?«

Thom zog seinen Waffenrock gerade. Seine Augen waren kalt. »Zeig mir nur, wie wir es anstellen können!«

Alanna nickte. »Komm! Wir gehen Maude suchen!« Maude, die Dorfheilerin, hörte sich die beiden an und schwieg. Als Alanna fertig war, drehte sich die Frau um und sah eine Zeit lang zur Tür hinaus. Schließlich wandte sie sich wieder den Zwillingen zu.

Die beiden wussten es nicht, doch Maude war in Schwierigkeiten. Sie hatte ihnen jeglichen Zauber beigebracht, den sie beherrschte. Alle beide waren fähig noch viel mehr zu lernen, doch es gab keine anderen Lehrer in Trebond. Thom wollte seine Zauberei so weit wie möglich auskosten, aber er mochte die Menschen nicht. Auch auf Maude hörte er nur, weil er der Meinung war, sie habe ihm noch etwas beizubringen. Coram – den zweiten Erwachsenen, der sich um die Zwillinge kümmerte – hasste er, weil er sich durch ihn ziemlich dumm vorkam. Der einzige Mensch, den Thom außer sich selbst noch liebte, war Alanna. Maude dachte über Alanna nach und seufzte. Das Mädchen war ganz anders als ihr Bruder. Alanna hatte Angst vor ihrer Magie. Thom musste man dazu zwingen, auf die Jagd zu gehen; Alanna dagegen musste man überlisten und anflehen Zaubersprüche auszuprobieren.

Maude hatte sich auf den Tag gefreut, an dem sich andere um diese beiden würden kümmern müssen. Jetzt hatte es den Anschein, als wollten die Götter sie durch die Zwillinge noch ein letztes Mal auf die Probe stellen.

Sie schüttelte den Kopf. »Ohne Hilfe kann ich eine derartige Entscheidung nicht treffen. Ich muss versuchen im Feuer zu ›sehen‹.«

Thom runzelte die Stirn. »Ich dachte, das könntest du nicht? Ich dachte, du könntest nur heilen?«

Maude wischte sich den Schweiß vom Gesicht. Sie hatte Angst. »Es muss dich nicht kümmern, was ich kann und was nicht«, gab sie barsch zurück. »Alanna, bring Holz. Thom, du holst Eisenkraut.«

Eiligst taten die beiden, was man ihnen befohlen hatte. Alanna kehrte als Erste zurück und legte Holz auf das Feuer, das in der Feuerstelle brannte. Thom folgte kurz darauf mit Blättern der magischen Pflanze Eisenkraut.

Maude kniete sich vor die Feuerstelle und bedeutete den Zwillingen, sich rechts und links von ihr niederzusetzen. Sie spürte, wie ihr Schweißtropfen den Rücken hinunterliefen. Die Leute, die sich an Zauberkünsten versuchten, die ihnen die Götter nicht verliehen hatten, starben oft auf hässliche Art und Weise. Maude sandte ein lautloses Gebet zur Großen Muttergöttin und versprach gutes Betragen für den Rest ihres Lebens, sofern die Göttin nur dafür sorgte, dass sie diese Angelegenheit heil überstand.

Sie warf die Blätter ins Feuer, und ihre Lippen bewegten sich lautlos, als sie die heiligen Worte sprach. Langsam griff ihre Zauberkraft und die der Zwillinge auf das Feuer über. Die Flammen verfärbten sich grün von Maudes Magie und purpurfarben von derjenigen der Zwillinge. Die Frau atmete ein, packte die linken Hände der beiden und stieß sie ins Feuer. Eine Energie schoss ihre Arme empor. Thom stieß einen Schrei aus und wand sich vor Schmerz, den ihm die Zauberkraft zufügte, die ihn nun nach und nach erfüllte. Alanna biss sich auf die Unterlippe, bis sie blutete, und kämpfte so auf ihre eigene Art und Weise gegen den Schmerz an. Maudes Augen waren weit aufgerissen und leer, während sie die verschlungenen Hände der beiden ins Feuer hielt.

Plötzlich runzelte Alanna die Stirn. Im Feuer stieg ein Bild auf. Das war unmöglich – nicht sie war es, die ›sehen‹ sollte. Da ja Maude den Zauberspruch gesprochen hatte, stand das nur ihr zu. Doch im Widerspruch zu allen Zauberregeln, die Alanna gelernt hatte, wurde das Bild größer und breitete sich aus. Es war eine Stadt, die ganz und gar aus schwarzem, schimmerndem Stein bestand. Alanna beugte sich vor und kniff die Augen zusammen, um besser sehen zu können. So etwas wie diese Stadt hatte sie noch nie zuvor erblickt. Die Sonne brannte auf funkelnde Mauern und Türme herab. Alanna hatte Angst – mehr Angst als jemals zuvor ...

Maude ließ die Zwillinge los. Das Bild verschwand. Alanna fror jetzt und sie war völlig durcheinander. Was für eine Stadt war das gewesen?

Wo lag sie?

Thom untersuchte seine Hand. Keine Brandspuren waren zu sehen; nicht einmal Narben. Es gab nichts, woran man hätte ablesen können, dass Maude ihre Hände minutenlang in die Flammen gehalten hatte.

Maude setzte sich auf ihre Fersen zurück. Sie sah alt und müde aus. »Ich habe viele Dinge gesehen, die ich nicht verstehe«, sagte sie endlich. »Viele Dinge ...«

»Hast du die Stadt gesehen?«, wollte Alanna wissen.

Maude warf ihr einen durchdringenden Blick zu. »Ich habe keine Stadt gesehen.«

Thom beugte sich vor. »Du hast etwas gesehen?« Seine Stimme klang ungeduldig. »Aber es war doch Maude, die den Zauberspruch gesprochen hat ...

»Nein!«, entgegnete Alanna ungehalten. »Ich habe nichts gesehen! Gar nichts!«

Thom entschloss sich, sie später noch einmal zu befragen, wenn sie nicht mehr so verängstigt aussah. Er wandte sich an Maude. »Also, was ist jetzt?«, fragte er.

Die Heilerin seufzte. »Na gut. Morgen breche ich mit...


Pierce, Tamora
Tamora Pierce ist schon seit Jahrzehnten eine Fantasy-Legende. Mit ihren großen Fantasy-Zyklen für Jugendliche, ihren starken Heldinnen wie Alanna und Dhana und dem von ihr erfundenen Reich Tortall hat sie sich weltweit riesige Fan-Gemeinden geschaffen. Tamora Pierce lebt in New York City zusammen mit ihrem Ehemann und zahlreichen geretteten Tieren.



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