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E-Book, Deutsch, 299 Seiten, eBook

Pfeffer Krankheit und Biographie

Bewältigung von chronischer Krankheit und Lebensorientierung

E-Book, Deutsch, 299 Seiten, eBook

ISBN: 978-3-531-91943-0
Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark



Wirksame Medikamente, medizinisch-technische Entwicklungen und eine höhere Lebe- erwartung - diese Errungenschaften unserer Zivilisation sind daran beteiligt, dass ch- nische Krankheit und ein häufig über Jahrzehnte währendes Leben mit der Erkrankung zunehmend mehr Menschen über einen längeren Zeitraum hinweg betreffen. Die Frage nach der Bewältigung einer dauerhaften Erkrankung besitzt dadurch eine große persönliche und gesellschaftliche Relevanz. Eine Krankheit kann auf verschiedene Weise in das bisherige Leben einbrechen und den zukünftigen Lebensverlauf beeinflussen. Bisherige und zukünftige Lebensentwürfe und Sinngebungen können dabei zur Disposition stehen. Der Alltag mit der Erkrankung muss bewältigt werden. Die Beziehungen im Privatleben und im Arbeitsbereich werden von der Erkrankung beeinflusst und müssen nun unter Bezugnahme auf die Krankheit und den mit ihr im Zusammenhang stehenden Veränderungen gestaltet werden. Zugleich verlangen die Individualisierungs- und Globalisierungsprozesse und die damit verbundenen gesellscha- lichen Entwicklungen vom Einzelnen auf der einen Seite lebenslaufbezogene Planungen und auf der anderen Seite die nötige Flexibilität, um sich immer wieder an veränderte - dingungen in der Gesellschaft anpassen zu können.

Simone Pfeffer ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Soziologie der Universität Erlangen-Nürnberg.
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1;Danksagung;5
2;Inhaltsverzeichnis;6
3;Einleitung;9
4;1 Zur Entwicklung der Fragestellung und zum Stand der Forschung;11
4.1;1.1 Chronische Krankheit und Gesellschaft;11
4.2;1.2 Auseinandersetzung mit dem Sinnbegriff;15
4.3;1.3 Konkretisierung der Fragestellung;21
4.4;1.4 Stand der Forschung zur Krankheitsbewältigung;22
4.5;1.5 Zusammenfassung;40
5;2 Untersuchungsansatz und Forschungsprozess;41
5.1;2.1 Der Untersuchungsansatz;41
5.2;2.2 Der Forschungsprozess;44
5.3;2.3 Reflexion über die eigene Rolle und forschungsethische Gesichtspunkte;52
6;3 Empirische Ergebnisse;54
6.1;3.1 Überblick über die Ergebnisse;54
6.2;3.2 Falldarstellung und Fallvergleich;57
6.3;3.3 Quervergleich;201
6.4;3.4 Typologie;262
7;4 Schluss;270
8;Literaturverzeichnis;286
9;Anhang;295
9.1;Thematischer Leitfaden für die biographischen Interviews;295
9.2;Berufsbezogene Lebenslinie: Schule, Ausbildungen/Qualifikationen, Prozess der berufli-chen;295
9.3;Private Lebenslinie: Herkunftsfamilie, Selbstverhältnis, relevante Beziehungen, Prozess;295
9.4;Gesellschaftliche Lebenslinie: Soziale, politische, kulturelle Aktivitäten, Bereich des be-sonderen;295
9.5;Daten zu Person und Herkunft;296
9.6;Berufliche Daten;296
9.7;Daten zur Krankheit;296
9.8;Transkriptionsregeln;297
9.9;Schema zur Analyse der biographischen Interviews;298

Zur Entwicklung der Fragestellung und zum Stand der Forschung.- Untersuchungsansatz und Forschungsprozess.- Empirische Ergebnisse.- Schluss.


3 Empirische Ergebnisse (S. 56-57)

3.1 Überblick über die Ergebnisse

Die vorliegende Arbeit untersucht Bewältigungsprozesse bei chronischer Erkrankung auf der Ebene der Lebensorientierung und auf der Ebene der Lebensführung. Zentrale Aspekte zur Bearbeitung des Themas sind die Dimensionen der Zeit, der Person und der Umwelt, die auf vielfache Weise miteinander verwoben sind. Die Zeit ist ein zentraler Faktor im Lebensverlauf und im Krankheitsverlauf. Nach einer längeren oder kürzeren Lebenszeit ohne die Erkrankung tritt die Krankheit in einer bestimmten Lebensphase in die Biographie ein. Von diesem Zeitpunkt an begleitet die Erkrankung den Menschen in der Regel bis zu seinem Lebensende in seinem weiteren Lebensverlauf und muss in die Biographie integriert werden.

Eine chronische Krankheit wirkt dauerhaft auf den Körper ein und entfaltet ihre zerstörerische Wirkung häufig über einen langen Zeitraum. Die von Krankheit betroffene Person befindet sich zum Zeitpunkt des Eintrittes der Krankheit in die Biographie in einer bestimmten sozialen Lage und sie verfügt über bestimmte Potenziale oder ist belastet durch biographische Hypotheken. Diese Komponenten stellen zum einen die Voraussetzungen der Person für die Bewältigung eines Lebens mit der Krankheit dar und können sich zum anderen im Verlauf des Lebens mit der Krankheit verändern.

Die Person nimmt die Krankheit auf ihre Weise wahr, reagiert auf sie mit einem für sie charakteristischen Bewältigungsstil und integriert die Krankheit in einem bestimmten Ausmaß in ihre Identität. Die Krankheit führt zu Veränderungen im Körper, die mit Verlust oder Einschränkung von Funktionen verbunden sind. In der Folge muss von der betroffenen Person oder von medizinischen Institutionen körperbezogene Arbeit geleistet werden, um die Funktionen soweit wie möglich zu erhalten oder sie zu ersetzen. Die Veränderungen des Körpers führen zu Auswirkungen im weiteren Lebensverlauf, die durch den Grad der Beeinträchtigung durch Art, Schwere und Verlauf der Krankheit und durch die Bedeutungen, die die Person und das Umfeld der Krankheit zumessen, beeinflusst werden.

Die Krankheit wirkt sich auf die Interaktion mit der Umwelt in privaten, beruflichen und gesellschaftlichen Bereichen aus. Beziehungen zu bedeutsamen Personen oder Gruppen in den genannten Bereichen können sich verändern, Zugehörigkeiten und Sinnwelten können verloren gehen oder neu entdeckt werden. Neue Lebensbereiche, beispielsweise durch einen notwendigen regelmäßigen Kontakt zum medizinischen System, müssen in den Alltag integriert werden. All diese Aspekte beeinflussen die Bewältigung der Krankheit auf der Ebene der Lebensorientierung und auf der handlungspraktischen Ebene.

Unter Lebensorientierungen werden hier biographisch relevante Pläne und Ziele sowie Vorstellungen und Erwartungen über das eigene Leben und über zukünftige Entwicklungen verstanden. Sie können eine konkrete Vorstellung in einem Lebensbereich beinhalten, wofür ein Kinderwunsch beispielhaft ist, oder übergeordneter Natur sein wie beispielsweise der Aspekt der Selbstverwirklichung. In den Interviews wird überwiegend von konkreten Lebensorientierungen in privaten, beruflichen oder gesellschaftlichen Bereichen wie Partnerschaft, Familie und Kinder oder der beruflichen Entwicklung berichtet.

Darüber hinaus werden auch übergeordnete Lebensorientierungen wie beispielsweise religiöse Bezüge oder ein humanistisches Weltbild, gesellschaftliches Engagement und das Leitmotiv der Selbstverwirklichung angesprochen. In vielen Fällen wird die Orientierung am Normallebenslauf bis zur Erkrankung und häufig auch darüber hinaus deutlich. Die Bedeutung der Arbeit und der damit verbundenen gesellschaftlichen Teilhabe oder einer anderen vergleichbaren sozialen Position tritt besonders hervor. Ebenso haben die Paarbeziehung und weitere soziale Beziehungen einen hohen Stellenwert. Für einige Fälle ist eine Diffusität der Lebensorientierung kennzeichnend.


Simone Pfeffer ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Soziologie der Universität Erlangen-Nürnberg.


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