E-Book, Deutsch, 150 Seiten
Petersen Ich erbe einen Mann: Liebesroman
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-95764-166-3
Verlag: Hallenberger Media Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 150 Seiten
ISBN: 978-3-95764-166-3
Verlag: Hallenberger Media Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Wie das Leben so spielt: Sarahs Zukunftspläne geraten durcheinander, weil ihr Lebenspartner sich als Enttäuschung entpuppt und es zur Trennung kommt. Aber die lebenslustige Sarah lässt den Kopf nicht hängen. Die unerwartete Erbschaft eines Hauses in der Südsee lässt sie in ein neues Leben starten. Mit ungeahnten Folgen für Sarah und auch Busenfreundin Natascha, die ihr in die Südsee folgt. Beide Frauen wirbeln die dortige Männerwelt durcheinander, dann kommen Gefühle ins Spiel und verlangen eine Entscheidung!
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Kapitel 1
Bis auf die Haie war alles ganz anders, als Sarah es sich vorgestellt hatte.
Die See war düster und stürmisch, das alte Frachtschiff stampfte und schlingerte, die Küste war eine bizarre Kette aus grauen namelosen Felsen, die hin und wieder zwischen den Nebelfetzen auftauchte und sich immer weiter entfernte. Wenn die Sonne für wenige Sekunden durch die Wolken brach, verwandelte sich das eisgraue Meer in eine glitzernde, blendende Fläche, durchtanzt von weißen Schaumkronen auf den Wellenkämmen. Der Bug des Schiffes warf eine immer breiter werdende Spur von Gischt empor, in der sich der Blick der jungen Frau an der Reling verfing. Hin und wieder tauchte die Rückenflosse eines der Haie auf, und Sarah, die sich mittschiffs auf die Reling stützte, staunte, wie gefährlich nah sich die flinken Räuber an den schnell durch das Wasser schneidenden Schiffsrumpf und sogar in die sprudelnde Gischt der Heckschraube wagten.
„Schöne Tiere“, sagte eine raue Männerstimme neben ihr. „Nur schade, dass der Mensch sie so gnadenlos verfolgt. Dabei sind sie gar nicht so böse, wie sie immer dargestellt werden. Haie sind klug, und eher neugierig als aggressiv.“
Sarah Nachtigall wischte sich eine Strähne ihres halblangen blonden Haars aus dem Gesicht und sah in die eisblauen Augen eines Mannes, der auf die Dreißig zugehen mochte. Sein von Wind und Sonne gegerbtes Gesicht wirkte männlich herb, sein Kinn war markant und wies einen hellen Schatten auf, als ob er bis vor kurzem noch einen Vollbart getragen hätte. Seine Lippen waren schmal, aber nicht zu sehr, und sie kündeten von Entschlossenheit. Das lichtgebleichte Blondhaar umwehte in ungekämmten Strähnen seinen Kopf und hätte einen forschen Schnitt gut vertragen können. Das Faszinierendste an diesem Gesicht waren jedoch diese Augen, ein kühles Blau mit einem Hauch von Grau, das sich auch in seinen buschigen, wohl ursprünglich blonden Brauen wiederfand.
„Verstehen Sie etwas von Haien?“, fragte sie.
Er zuckte mit den muskulösen Schultern. „Nicht mehr und nicht weniger als die meisten Straitsmen“, gab er knapp zurück. „Hier wimmelt es von Haien, und wir leben mit ihnen.“
Straitsmen. Sarah hatte diese Bezeichnung bereits in Hobart und Devonport mehrfach gehört. Ein rauer Menschenschlag, der angeblich von Seeräubern, Walfängern und Robbenschlächtern abstammte, wahrscheinlich aber häufiger von Schiffbrüchigen, meist Sträflingen. Die See in dieser Meerenge zwischen Australien und Tasmanien, die man Bass Strait nannte, war stürmisch und unberechenbar. Um King Island im Westen und vor allem in der Fourneaux-Gruppe im Osten der Strait gab es Hunderte von kleineren und größeren Inseln, Klippen und unsichtbaren oder nur knapp aus dem Wasser ragenden Felsen. Stürme und tückische Strömungen hatten so manches Leben gekostet, und auf den Touristenkarten, die bevorzugt von Sporttauchern gekauft wurden, waren rund fünfhundert Wracks verzeichnet – wahrscheinlich kam noch die doppelte Menge an unentdeckten Schiffen hinzu. Bis in die Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts war die Bass Strait stark befahren, erst von Sträflings-Transporten, später von der australischen Marine.
„Mir sind sie unheimlich“, gab Sarah zu und deutete auf eine Haiflosse, die nur wenige Meter vom Schiffsrumpf der „MS Dolly Dalrymple“ in einer abrupt wechselnden Zickzack-Linie durch das aufgewühlte Wasser kreuzte. Irgendwo nicht allzu weit entfernt war ein Nebelhorn zu hören, dass dieser Landschaft plötzlich eine unglaubliche Weiträumigkeit und Einsamkeit verlieh.
„Sehen Sie da.“ Der Mann ergriff Sarahs Oberarm so fest, dass es ihr wehtat. Er deutete auf eine Lücke in einer Nebelbank, durch die sich mit gespenstischer Geräuschlosigkeit ein gewaltiger weißer Schiffsrumpf schob. Wie ein Hochhaus türmte sich die Wand vor ihnen auf, so dass es an ein Wunder grenzte, dass die „Dolly Dalrymple“ nicht mit dem Ungetüm zusammengeprallt war. Für einen Augenblick stoppte der Diesel des kleinen Küstenschiffes, das heftig zu schaukeln begann, als die Bugwelle der riesigen Fähre unter ihm hinwegrollte. Sarah hielt sich fest.
Erst jetzt war das dumpfe, ferne Grollen und Stampfen riesiger Schiffsmaschinen durch das heisere Möwengeschrei zu hören. „Die Spirit of Tasmania“, erklärte der Mann. „Lange Zeit war das die einzige Schiffsverbindung zwischen dem Festland und Tasmanien. Noch immer das zuverlässigste Verkehrsmittel, wenn man nicht fliegen will.“
Sarah nickte. „Ich weiß“, sagte sie. „Ich bin damit angekommen.“
„Gestern? Sie sind mir gar nicht aufgefallen.“
Sarah musste lächeln über das Kompliment, das in dieser Bemerkung mitschwang. Er hielt sie also für eine Frau, die ihm hätte auffallen müssen. Dabei war er selbst ein Mann, dessen Anblick ihr nicht entgangen wäre. Groß, sportlich, mit prächtigen Muskeln, die sein weißes Polohemd spannten. „Ich bin schon vor einer Woche gekommen“, sagte sie. „Ich hatte noch in Hobart zu tun. Und dann habe ich in Devonport fast zwei Tage auf dieses Schiff gewartet.“
„Sie hätten ja auch fliegen können“, erwiderte er. „Auf fast jeder bewohnten Insel hier gibt es mindestens eine Piste.“
„Sie sagen es. Auf jeder Insel. Da, wo ich hin will, nicht. Außerdem brauche ich diese langsame Art der Fortbewegung, um auch innerlich anzukommen. Schließlich bin ich um die halbe Welt gereist.“ Sie wandte sich wieder der Reling zu. Der Wind schlug ihr das Haar ins Gesicht.
„Sie kommen aus Europa? Wo wollen Sie denn hin?“, fragte er. „Dieses Schiff klappert doch nur ein paar der Fourneaux-Inseln ab. Aber Sie haben Recht – der Nationalpark auf Flinders Island ist sehr schön, wenn auch ziemlich unzugänglich. Keine Straßen, sondern nur ein paar Wanderwege. Fast alles kahle Heide. Das hätten Sie allerdings auch irgendwo in Schottland finden können. Na ja, dafür begegnen Sie hier kaum einem Touristen.“ Er musterte sie mit einem herablassend wirkenden Blick. Sie war für ihn offenbar auch nichts weiter als eine verrückte Touristin.
„Ich fahre nach Bear Island“, gab sie zurück. Mit der Überraschung in seinem Gesicht wusste sie nichts anzufangen. „Nur für ein halbes Jahr.“
„Ein halbes Jahr! Meinen Sie das ernst? Was wollen Sie denn da?“
Eigentlich ging es ihn nichts an, fand Sarah, aber sie erklärte es ihm trotzdem. Sie wollte zu den Leuten hier möglichst offen sein, hatte sie sich vorgenommen, denn sie würde wahrscheinlich Hilfe von Einheimischen brauchen. Sie kannte sich hier ja nicht aus, weder mit Sitten und Gebräuchen, noch mit dem Alltagsleben, von Rechtssystem ganz zu schweigen, und gerade darin musste sie irgendwann Hilfe in Anspruch nehmen.
„Ich habe ein Grundstück geerbt“, sagte sie. „Mit einem Haus darauf. Und das möchte ich mir ansehen, bevor ich es verkaufe. Ich dachte, ich mache ein paar Monate Urlaub vor Ort. Das muss reichen, um alles zu regeln.“
„Urlaub? Auf Bear Island?“ Seine Stimme klang nun wirklich spöttisch. „Und ein Grundstück, sagen Sie. Und dann noch mit einem Haus darauf?“
„Was dagegen?“ Sarah spürte Ärger in sich aufsteigen. Wenn sie Eines hasste, dann war es Herablassung. Besonders diese speziell Herablassung.
Er schnaubte. „Bear Island gehört fast komplett der South Pacific Bauxite Company. Da gibt es keine Grundstücke zu erben. Und Touristen haben auf der Insel nichts verloren. Besonders als Frau sollten Sie sich da fernhalten.“
Sarah schnappte nach Luft. Sie konnte nicht fassen, wie arrogant dieser Bursche war. Und dass er meinte, Frauen hätten auf der Insel nichts zu suchen, reizte sie zu einem geharnischten Widerspruch. Gerade setzte sie dazu an, da läutete sein Mobiltelefon. Sarah hatte gehört, dass es in dieser Region kein Handy-Netz gab, zumal das Schiff sich auch immer weiter von der Küstenlinie entfernte, also musste es sich um ein teures Satelitentelefon handeln. Was für ein Wichtigtuer!
Er meldete sich mit „Brandower“, was beinahe deutsch klang, wie „Brandauer“, mit Akzent gesprochen, hielt sich ein Ohr zu und sagte: „Moment mal. Hier an Deck ist es zu windig. Ich gehe unter Deck.“
Sie überlegte, was sie ihm an den Kopf werfen sollte, wenn er zurückkam, und starrte ins Wasser. Die „Spirit of Tasmania“ war aus dem Blickfeld in einer dichten Nebelbank verschwunden, die „Dolly Dalrymple“ schaukelte noch im weiten Kielwasser der riesigen Fähre. Sarah schrak zusammen, als die Schiffsmaschine mit lautem Rumpeln wieder ansprang. Die Haie suchten vorübergehend das Weite.
Die Küstenlinie war jetzt nur noch ein dunkler Strich über dem Grau des Meeres. Der Nebel zerriss immer mehr, und die warme Novembersonne warf helle Flecken auf das Wasser. Das Meer wirkte plötzlich freundlicher. Es war später Frühling. Die Jahreszeiten waren denen auf der Nordhalbkugel der Erde genau entgegengesetzt. Noch konnte Sarah sich nicht vorstellen, Weihnachten und Neujahr im...




