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E-Book

E-Book, Deutsch, Band 3, 328 Seiten

Reihe: Charly Valentin

Peter Richtfest

Charly Valentins dritter Fall
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-86913-479-6
Verlag: ars vivendi Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Charly Valentins dritter Fall

E-Book, Deutsch, Band 3, 328 Seiten

Reihe: Charly Valentin

ISBN: 978-3-86913-479-6
Verlag: ars vivendi Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



In der abgebrannten Werkhalle eines Ingolstädter Bauunternehmens wird die verkohlte Leiche des Firmeninhabers gefunden. Es stellt sich heraus, dass man das Opfer erschoss, bevor es ein Raub der Flammen wurde. Charly Valentin und sein Team übernehmen den Fall und müssen dabei nicht nur mit den Vorstellungen des neuen Chefs zurechtkommen. Denn zu den Hauptverdächtigen zählen vor allen anderen die Witwe und der Sohn des Opfers. Ein gutes Motiv hätte freilich ebenso der Kompagnon gehabt, dem der Tote bei seinen Expansionsfantasien stets im Weg stand. Dann liegt auch noch ein Mafiakiller tot auf einer Großbaustelle ausgerechnet beim Richtfest ...

Thomas Peter, 1964 in Ingolstadt geboren, ist seit nunmehr 30 Jahren im Polizeidienst tätig und verbrachte beinahe die Hälfte dieser Zeit bei der Kripo Ingolstadt. Als Kriminalhauptkommissar kann er sich über einen Mangel an Stoffen für packende Kriminalromane nicht beklagen. Sein Erstlingswerk Bauernopfer erschien 2011 bei ars vivendi. 2012 folgte sein zweiter Kriminalroman Teufelsstein. Zusammen mit seiner Frau, seinen drei Töchtern und einem Hund lebt er in Baar-Ebenhausen, südlich von Ingolstadt.
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Vier

Am Abend stellte ein blasser, rotblonder Holländer den Wohnwagen auf dem Gelände einer heruntergekommenen Tankstelle am Rand von Wesel ab. Er sprach kurz mit einem kleinen, dicken Kerl in einem verschmierten Overall an der Kasse, kaufte Cola und Schokolade, stieg dann wieder in seinen Wagen und verschwand.

Giovanni hatte gegenüber auf einem Schotterplatz geparkt und beobachtete die Szene aus seinem Leihwagen.

Als der Fahrer des Gespanns nach halber Strecke auf einen Rasthof gefahren und in der Toilette verschwunden war, hatte Giovanni sich mit einer Thermoskanne Kaffee und Sandwiches, die nach Gummi und Plastik schmeckten, gerüstet. Die ganze Nacht von Freitag auf Samstag stand der Wohnwagen neben der Tankstelle. Eine Straßenlaterne beleuchtete ihn diffus, und ab und zu glitten die Lichtkegel von Autos, aus denen Bässe wummerten, über den Caravan. Sonst geschah rein gar nichts hier draußen in der Prärie.

Am Samstagvormittag kamen die meisten zur Tankstelle, um sich eine BILD und Zigaretten zu holen. Hin und wieder tankte jemand. Am späten Vormittag fuhr ein Paar in einem Wagen auf das Gelände, rangierte vor den Wohnwagen und setzte zurück. Der Fahrer stieg aus und ging hinein zu dem Kerl hinter der Kasse, der wieder seinen Overall trug. Die Frau blieb draußen am Auto stehen. Nach kurzer Zeit kam der Mann zurück, kuppelte den Caravan an und verschwand für einige Sekunden dahinter. Beide stiegen wieder ein, und das Gespann setzte sich in Bewegung. Als es von der Tankstelle in die Straße einbogen, sah Giovanni, dass der Wohnwagen nun ein deutsches Kennzeichen trug.

Mit einem erleichterten Seufzer schüttete er den Rest des dünnen Kaffees auf den Schotter neben dem Auto und entsorgte das übrig gebliebene Gummisandwich mit einem sehenswerten Dreipunktewurf in einem entfernten Mülleimer. So weit war alles glatt gegangen, und niemand hatte sich an dem Wohnwagen zu schaffen gemacht. Nun hatte der deutsche Kurier übernommen. Giovanni konnte seine Beobachtung abbrechen und nach Hause fliegen. Er wusste, wo er den Deutschen wiedersehen würde.

Den Leihwagen gab er am Flughafen in Dortmund zurück. Jetzt machte sich die durchwachte Nacht bemerkbar. Er fühlte sich müde und sehnte sich nach seiner Familie. Er dachte an seine Lucia und spürte trotz der Müdigkeit bereits dieses Verlangen. Wenn sie sich auf das Wiedersehen genauso freuen würde wie er, dann stünde ihm wieder mal eine schweißtreibende Nacht bevor.

Schon während des Starts schlief er ein.

* * *

Schweißgebadet wachte er auf. Nur das vorwitzige Geplärr eines Vogels – wahrscheinlich ein Star, vermutete Charly – unterbrach die Stille des Sonntagmorgens. Es kühlte nachts schon länger nicht mehr richtig ab. Häuser und Straßen heizten sich tagsüber auf und strahlten nachts die Wärme ab wie große Kachelöfen. Neben ihm streckte sich Petra genüsslich, rollte sich dann aber gleich wieder zusammen und bildete erneut eine Einheit mit Matratze und Decke. Wie man sich nur bei diesen Temperaturen auch noch zudecken konnte. Es dauerte nicht lang, bis seine Frau mit einem Seufzer die Decke von sich kickte und sich ihrem Gatten zuwandte.

»Schön, die Amsel, gell! Die will uns sagen, dass wir jetzt aufstehen sollen. Wir haben einiges zu tun.« Sie verpasste ihm einen Klaps und verschwand im Bad.

Stimmt, der große Tag: Heute war Ludwigs achtzehnter Geburtstag. Endlich durfte der Bub allein Auto fahren. Charly schämte sich sofort dafür, dass dies sein erster Gedanke war. Aber nach elf Monaten »Begleiteten Fahrens« hatte er diesen Tag herbeigesehnt. Er war es einfach nicht gewohnt, im eigenen Auto Beifahrer zu sein. Zumindest nicht nüchtern. Wenn er beim Weggehen seine drei oder vier Weißbier hatte, dann fuhr natürlich Petra nach Hause. Sie fuhr gut, und er war froh drum. In Dienstwagen, bei seinen Kollegen, hatte er ebenso keine Probleme damit, danebenzusitzen. Sandra fuhr forsch, wenn auch mit viel Gefühl. Nun gut, bei Helmuth war die Sache grenzwertig. Natürlich hatte seine Fahrweise auch Vorteile, gerade wenn es pressierte. Aber Ludwig als Chauffeur in Charlys Auto? Nicht, dass sein Sohn ein schlechter Fahrer gewesen wäre. Er wirkte mittlerweile sogar durchaus souverän. Jedoch fuhr er für Charlys Geschmack ein wenig zu zügig, ein wenig zu weit links und bremste ein wenig zu spät. Elf Monate Belehrung hatten daran nichts ändern können.

»Dann kann ich den Karren ja gleich schieben«, war Ludwigs einzige Reaktion gewesen. Und weil’s prinzipiell funktionierte, freute sich Charly, dass er ab heute nicht mehr neben seinem Sohn sitzen musste, wenn der mal eben Lust auf McDonald’s hatte.

Er drehte sich noch einmal um.

Ausgerechnet wieder ein Sonntag. Charly mochte Familienfeiern gern. Doch während sich das Tohuwabohu unter der Woche auf drei oder vier Stunden am Abend konzentrierte, war an Wochenenden oder Feiertagen den ganzen Tag über Action. Das fing schon mit dem fröhlichen Frühstück an.

Auf dem Schokoladenkuchen flackerten achtzehn Kerzen. Nur das Geburtstagskind hatte das Recht, angesichts der frühen Stunde ein wenig mürrisch dreinzuschauen. Ansonsten waren Freude und gute Laune angeordnet.

»Schön, dass dieses Jahr die meisten unserer Familienfeste auf einen Sonntag fallen«, stellte Petra glücklich fest. »Heut Ludwigs Geburtstag. Julias Geburtstag ist wieder ein Sonntag«, zählte sie auf. »Und nächsten Sonntag unser Hochzeitstag.«

Charly schlug sich innerlich gegen die Stirn: Vergessen! Ein runder auch noch. Er rechnete kurz nach: zwanzig Jahre. Musste wohl was Besonderes sein. Äußerlich lächelte er und antwortete: »Ja, schon schön.« Er hoffte, die aufsteigende Panik so weit niederkämpfen zu können, dass man sie ihm nicht direkt ansah.

»Was hast denn?«, fragte Petra besorgt. »Du bist ja so blass. Is wahrscheinlich die Hitze.«

»Äh, kann sein«, druckste Charly herum. Gott sei Dank erlöste ihn das Telefon aus dieser Situation.

»Is bestimmt die Oma. Erste Gratulantin.« Petra ging hinaus, um den Anruf entgegenzunehmen. Gleich darauf kam sie zurück und reichte Charly das Telefon. »Nicht die Oma! Für dich, Einsatzzentrale.« Dabei sagte ihr Blick: Nicht heute. Dein Sohn hat seinen achtzehnten Geburtstag. Wir erwarten einen Haufen Leute und alles Mögliche muss noch hergerichtet werden. Soll doch mal irgendwer anderes fahren.

»Valentin.«

»Bruce, EZ. Servus, Charly.«

»Moing, Herr Oberkommissar. Was gibt’s denn?«

»Heut Nacht is an der Peisserstraße eine Lagerhalle abgebrannt. Und da liegt jetzt ein Toter drin. Euer Brandermittler ist alleine vor Ort und bittet um Unterstützung.«

»Du, heut is ganz schlecht. Könntst ned probiern, ob du jemanden anderen erwischt?«

»Ich weiß schon, Charly. Aber ihr habt ja grad keinen Kapitän. Der Kollege Barsch geht nicht ans Telefon. Die Sandra hab ich zwar erreicht, aber die ist grad im Bayerischen Wald bei ihren Eltern. Die Sandra hat mir natürlich gesagt, dass dein Junge heut Geburtstag hat. Drum hätt ich’s zuerst noch beim Helmuth versucht. Den hab ich auch am Handy erreicht. Der ist gerade in Bitterfeld. Ehrlich gesagt bist du der Einzige, der noch da wär.«

»Ja gut, ich komm.« Mit einem Seufzer beendete Charly das Gespräch. »Tut mir leid, ich bin so schnell wie möglich wieder da«, entschuldigte er sich bei seiner Familie.

Petra verzog den Mund zu einem schiefen Lächeln, und ihr Blick sagte nun: War eh klar!

Ein Fahrstreifen der Peisserstraße war abgesperrt. Fahrzeuge der Feuerwehr standen vor dem Brandort am Straßenrand. Gegenüber auf dem Donaudamm hatten sich einige morgendliche Gassigänger mit ihren Hunden zusammengeschart. In den oberen Stockwerken der angrenzenden Hochhäuser drängten sich an mehreren Fenstern die Bewohner und beobachteten die Szene.

Mist, keine Möglichkeit zum Abschirmen, war Charlys erster Gedanke. Er mochte es nicht, unter den neugierigen Blicken Schaulustiger zu arbeiten. Hier half alles nichts: Das ganze Grundstück lag auf dem Präsentierteller.

Links ragten verkohlte Mauerreste auf, wie verfaulte Zahnstummel im Mund eines alten Indios. Den gesamten, etwa fünfundzwanzig Meter langen Grundriss des ursprünglichen Gebäudes bedeckte schwarzer, feucht glänzender Schutt, aus dem an manchen Stellen noch dünne Rauchsäulen aufstiegen. Löschwasser und Asche hatten einen schmutzigen Bach vom Grundstück aus über die Straße Richtung Donaudamm gebildet.

Rechter Hand behauptete ungerührt, so als wäre überhaupt nichts passiert, ein offener Holzschuppen seinen Platz. Hüfthoch wucherten Grasbüschel an den hohen Eckpfosten. Hier fanden verstaubte Kranteile, Baggerschaufeln, ein alter Lkw sowie ausrangierte Kompressoren und Betonmaschinen ein zugiges Lager. Auf einem angerosteten Schild konnte Charly gerade noch den Schriftzug »Senftl & Wienert, Bau GmbH« entziffern.

Vor dem Schuppen stand ein roter Ferrari. Der Wagen war über und über mit Ruß bedeckt. Und dennoch machte das unbeugsam durchscheinende Rot den Sportwagen zwischen der verkohlten Ruine und dem rostbraunen Schrottschuppen zu einem lebendigen Kontrapunkt.

Charly erinnerte sich, schon einmal auf diesem Gelände gewesen zu sein. Bei einem der letzten Fälle hatte er genau vor diesem Schuppen einen viel beschäftigten Bauunternehmer nach einem Mitarbeiter befragt. Damals hatten er und Sandra sich gewundert, warum ein Bauunternehmer in einer weißen Jeans mit einem Ferrari unterwegs war. Charly versuchte sich die Begegnung noch einmal genauer ins...



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