Peter | Die Melodie der Schatten | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 672 Seiten

Peter Die Melodie der Schatten

Schottland-Roman
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-7325-6138-4
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Schottland-Roman

E-Book, Deutsch, 672 Seiten

ISBN: 978-3-7325-6138-4
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



'Ein verfluchter Flecken Erde, diese Highlands. Ein Land, das von Tränen und Blut getränkt ist.' Schottland, 1837: Die junge Fiona Hemington ist auf dem Weg zu ihrer Tante in den Highlands, als ihre Kutsche in einen Hinterhalt gerät. Halbtot vor Angst und Erschöpfung schlägt sie sich bis zu einem abgelegenen Herrenhaus durch. Doch der Besitzer ist Fiona ebenso unheimlich wie das alte Gemäuer. Nachts quälen sie dunkle Traumbilder und seltsame Geräusche: Schritte, Stimmen, eine wiederkehrende Melodie. Liegt tatsächlich ein Fluch auf dem Haus, seit die gälischen Pächter gewaltsam vertrieben wurden? Oder ist Fiona dabei, den Verstand zu verlieren?
Eine junge Frau auf der Flucht, ein Landstrich voller Mythen und Legenden und ein geheimnisumwobenes Herrenhaus. Ein Historischer Roman in der Tradition der Schauerliteratur - unheimlich packend und atmosphärisch.



Maria W. Peter entdeckte bereits zu Schulzeiten ihr Interesse an Literatur und Geschichte. Sie studierte Amerikanistik, Anglistik und Romanistik sowie Klassische Archäologie und Alte Geschichte. Nach einem Stipendium an der School of Journalism in Columbia/Missouri, schrieb sie ihren ersten Historischen Roman. Heute ist sie als freie Autorin tätig und pendelt zwischen dem Rheinland und dem Saarland.
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Zu behaupten, Fiona Hemington sei eine junge Dame von besonderer Scheu, ja Furchtsamkeit des Charakters, wäre eine Übertreibung gewesen. Wenn sie in sich hineinhorchte, wusste sie nämlich, dass tief in ihrem Inneren, verborgen unter den Schichten von Erziehung und Etikette, ihren persönlichen Einschränkungen und … nun ja … Absonderlichkeiten, eine Stärke schlummerte, die nur darauf wartete, zum Leben erweckt zu werden.

Doch während sie neben ihrer ältlichen Tante Maud und dem wohlbeleibten Anwalt Dr. Keith in der Kutsche saß, die durch die bereits dämmrige Landschaft der schottischen Highlands rumpelte, empfand sie nichts als Kälte, Erschöpfung und abgrundtiefe Traurigkeit. Mit klammen Fingern zog sie die Decke enger um ihre Schultern, blickte nach draußen und fragte sich, ob sie jemals wieder etwas wie Wärme spüren würde, Sonne oder gar ein Lachen …

Solange sie zurückdenken konnte, hatte sie in ihrem bisherigen Leben ständig eine leichte Unterkühlung verspürt. Seit dem plötzlichen Tod ihrer Mutter vor einem Jahr schien diese jedoch in eine kalte, starre Leblosigkeit umgeschlagen zu sein, die sie so sehr lähmte, dass sie in den vergangenen Monaten ihr Zimmer kaum verlassen hatte. Nicht, dass diese Tatsache irgendjemanden im Haus sonderlich berührt hätte, am allerwenigsten ihren Vater, den Earl Hemington, Richter Seiner Majestät des Königs und früherer Colonel der britischen Armee.

Und ihre Mutter … Mit beinahe gespenstischer Deutlichkeit sah Fiona ihr bleiches Gesicht auf dem Sterbebett vor sich. Die Lippen blutleer, die Augen eingefallen, und einen Moment lang musste Fiona den Impuls unterdrücken, laut aufzuschreien.

Dabei wusste sie nicht einmal, an welcher Art Leiden ihre Mutter verschieden war. Man sprach darüber nur hinter vorgehaltener Hand – und offensichtlich hatte es niemand für angebracht gehalten, sie einzuweihen.

Plötzlich kam die Kutsche zum Stehen. Der heftige Stoß riss Fiona aus ihrem Dämmerzustand und warf sie nach vorn. Ihr Herz hämmerte zum Zerspringen, während die Angst in ihr aufkeimte.

Die beiden anderen Insassen waren von dem Ruck ebenfalls aufgeschreckt worden und sahen sich verwirrt um.

»Was ist geschehen?« Die Stimme ihrer Tante klang eher empört als ängstlich. Als verwitwete, kinderlose ältere Dame, die in Inverness einen eigenen Hausstand besaß, war sie es gewohnt, dass man ihren Anweisungen unverzüglich Folge leistete. Eine Unterbrechung der von ihr angeordneten Reise, noch dazu auf eine solch vehemente Art, gehörte zu den Dingen, die sie absolut nicht dulden konnte. »Fiona, hörst du nicht? Ich habe gefragt, was hier los ist. Mr Keith, so sagen Sie doch etwas!«

»Ich weiß es nicht, Tante«, flüsterte Fiona.

Ein dumpfes Brummen stieg in ihrem Innern auf. Ein Brummen, unterlegt von dem rasenden Herzschlag, der immer schneller wurde, wie hastige Schritte. Der süßliche Geruch von Blut schien in der Luft zu hängen, sich klebrig auf ihre Zunge zu legen. Eine böse Vorahnung schnürte Fiona den Hals zu.

Mit einem Schrei zerriss sie die Bilder und Klänge, die sie zu überwältigen drohten. Verzweifelt rang sie nach Atem, während die Wände der Kutsche in klaustrophobischem Wahn immer näher rückten.

»Ich sehe einmal nach …« Ohne lange zu überlegen, hatte sie sich von ihrem Sitz erhoben und zur Tür gewandt. Großer Gott, ich muss hier raus, sonst ersticke ich!

»Fiona, ich verbiete dir, nach draußen zu gehen. Wer weiß, was …«

Die Worte ihrer Tante verhallten ungehört. Fionas Blick glitt kurz zu dem einzigen Mann in der Runde. Blass und verstört saß der Anwalt in seinem gepolsterten Sitz, während ihm der Schweiß auf die Stirn trat, der Anblick von aufkeimender Angst sich auf seinen Zügen ausbreitete. Ein Hauch von Verachtung glomm in Fiona auf, dann machte sie sich am Türgriff zu schaffen.

»Ich habe gesagt, du sollst hierbleiben! Hörst du nicht?«

Die feiste Hand der Tante wollte sie festhalten, doch Fiona entzog sich ihr und stieß den Schlag der Kutsche auf.

Kalter Regen schlug ihr entgegen, ein Donner krachte so laut, dass für den Moment kein anderes Geräusch zu vernehmen war. Noch bevor der darauffolgende Blitz die ganze Umgebung in ein unnatürlich helles Licht tauchte, hatte sich Fiona bereits hinausgeschlängelt und war abgesprungen. Kurz stöhnte sie auf. Sie war umgeknickt und im Fallen mit Schienbein und Knie auf einen Stein geprallt. Dennoch kam sie rasch wieder auf die Beine und hastete, wie von unsichtbaren Fäden gezogen, hinter ein mannshohes, ein gutes Stück von der Kutsche entferntes Gebüsch.

Keine Sekunde zu früh.

Drei Gestalten näherten sich dem Gefährt, vermummt in schwarze Umhänge, die Kapuzen tief in die Gesichter gezogen. Eine von ihnen hielt eine brennende Fackel in der Hand, die andere eine Pistole. Eine dritte Person kletterte auf das Dach, riss das Gepäck herunter, auf das sich alle stürzten. Kleidungsstücke, Bücher, Schuhe und Papiere flogen durch die Luft.

Fionas Herz krampfte sich zusammen. Ihre besten Kleider, ihre Lieblingsbücher, ihr Tagebuch und ein Stapel Notenblätter. Einige der Dinge nahmen die Kerle an sich. Den Rest warfen sie achtlos beiseite.

Unwillkürlich presste sich Fiona tiefer in die Hecke, deren feuchte Zweige ihr ins Gesicht schlugen. Das unablässige Rauschen des Regens übertönte die Stimmen der Männer, sodass Fiona ihre Worte nicht verstand. Doch beobachtete sie, wie einer von ihnen den Schlag der Kutsche aufriss und mit der Waffe drohte.

Mühsam unterdrückte sie einen Aufschrei. Jedes Geräusch konnte sie verraten.

Wer waren diese Kerle? Was wollten sie? Fiona wusste nicht, ob sie Gott dankbar sein sollte, dass es ihr im letzten Moment gelungen war, das Gefährt zu verlassen, oder ob sie ihre Impulsivität, die ihr in diesem Moment wie Feigheit erschien, verfluchen sollte.

Ihr blieb keine Zeit, ihre Gedanken fortzuführen. Schüsse peitschten durch die Nacht. Fiona sah, wie der Kutscher vom Bock stürzte. Einer der Straßenräuber drang in das Innere des Gefährts ein. Zwei weitere Schüsse zerrissen die Luft. Es dauerte geraume Zeit, bis der Mann wieder erschien. In seiner erhobenen Hand glaubte Fiona, eine Kette zu erkennen. Zitternd schlug sie die Hand vor den Mund. Sie hatten ihre Tante und Dr. Keith ausgeraubt und ermordet! Das Licht der Fackel glomm heller auf, und Fiona erkannte, dass die Vorhänge im Innern der Kutsche Feuer fingen.

Gelähmt vor Entsetzen wusste sie nicht mehr, was sie tun sollte. Sie wusste nicht einmal, wo sie sich überhaupt befand. Ihr Atem stockte, als die Flammen auf das Holz der Kutsche übergriffen, die in kurzer Zeit lichterloh brannte.

Wie von selbst setzten sich Fionas Beine in Bewegung, und sie stürzte in die entgegengesetzte Richtung davon.

In eine finstere Nacht, in der sich der Mond gerade unbarmherzig hinter den Wolken verbarg.

*

Es war der vage Schimmer eines Lichtes, der Fiona aus ihrer Verzweiflung riss.

Der Regen prasselte auf sie herab. Kalt, hart und unerbittlich fielen die Tropfen auf ihren Körper. Ihr aufgelöstes Haar hing in langen, triefenden Strähnen in ihrem Gesicht, das völlig durchnässte Kleid klatschte ihr bei jedem Schritt um die Beine. Eisige Rinnsale trübten ihren Blick, und sie wischte sie weg, um besser zu sehen. Ihr Herzschlag beschleunigte sich, als sie feststellte, dass sie sich nicht getäuscht hatte. Da vorn, irgendwo in der Ferne, war tatsächlich ein milchiges Aufleuchten zu erkennen. Flackernd und unstet zwar, sodass sich Fiona einen Moment lang nicht erklären konnte, woher es kam, doch ganz zweifellos ein Licht.

Der aufgeweichte Boden gab schmatzende Laute von sich, und der nasse Farn strich unangenehm über ihre Fußknöchel. Bei jeder Bewegung schmerzten die Prellungen, die sie sich beim Sprung aus der Kutsche zugezogen hatte. Doch wie gebannt waren ihre Augen auf das Licht gerichtet.

Nun, da sie hoffen konnte, in der Nähe von Menschen zu sein, verspürte sie plötzlich neuen Überlebenswillen in sich aufkeimen. Heiß und stark pulsierte er mit jedem Herzschlag durch ihren Körper. Ihre Haut, noch kurz zuvor vor Kälte und Mutlosigkeit fast erfroren, begann, unter der Anspannung zu glühen.

Kurz fragte sie sich, was sie wohl dort antreffen würde. Dann jedoch beschleunigte sie entschlossen ihre Schritte. Was immer auch jenseits der Dunkelheit auf sie wartete – es konnte unmöglich schlimmer sein als das, was sie bereits erlebt hatte.

Der Weg schien kein Ende zu nehmen. Schon lange hatte Fiona jedes Gefühl der Orientierung verloren, und die Hoffnung, die für einen kurzen Moment in ihr aufgekeimt war, begann sich mit jedem weiteren Schritt zu verflüchtigen. Ihre Muskeln brannten. Die Erschöpfung und der schwere, nasse Stoff ihres Kleides schienen sie immer weiter nach unten zu ziehen. Wie eine Schlafwandlerin taumelte sie mühsam weiter auf den Lichtschein zu.

Plötzlich erhellte ein Blitz den nächtlichen Himmel, und einen Moment lang zeigte sich ihr ein wie gestochen scharfes Bild. Der Anblick, der sich ihr bot, war so überwältigend, dass er sie aus ihrer Benommenheit riss und sie beinahe gestürzt wäre.

Etwa zweihundert Yards vor ihr stand ein Herrenhaus. So nah und unerwartet, dass Fiona sich fragte, ob es womöglich plötzlich aus dem Erdboden gewachsen war. Ein unerklärliches Grauen überfiel sie.

Keuchend atmete sie aus. Dann versank die Umgebung wieder in Dunkelheit. Das seltsame Gefühl jedoch blieb. Nahezu körperlich schien es sie davor warnen zu wollen, sich diesem Gebäude weiter zu...



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