Persson | The Great World Game | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 174 Seiten

Persson The Great World Game


1. Auflage 2016
ISBN: 978-87-11-48956-7
Verlag: SAGA Egmont
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, 174 Seiten

ISBN: 978-87-11-48956-7
Verlag: SAGA Egmont
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Tobias entdeckt ein neues Computerspiel. Ein bisschen unheimlich ist ihm das unbekannte Spiel von Anfang an, doch weil die Neugierde grösser ist, probiert er es aus. Schob bald ist ihm klar, dass dieses Spiel nach Regeln funktioniert, die er nicht wirklich versteht, und dass er nicht der einzige Spieler ist. Es scheint als spielten nur Zufallsspieler in diesem Spiel mit und als spielte jeder gegen jeden. Tobias ist total fasziniert. Als er das Spiel jedoch beenden möchte, findet er nicht mehr heraus. Trotz jeglichen Bemühungen scheint Tobias keinen Ausgang zu finden... Wer könnte ihm dabei nur helfen?

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3


Als Tobias aufwachte, hatte Brandi ihn bis zum Tempel geschleppt. Sein Gesicht war nass, und er fürchtete zunächst, es sei Blut, aber dann wurde ihm klar, dass das Mädchen ihm Wasser ins Gesicht geschüttet hatte, damit er wieder zu sich kam.

»Du bist ohnmächtig geworden, weil du so viel Blut verloren hast«, sagte Brandi. »Komm, ich helfe dir beim Aufstehen. Du kannst dich auf eine Bank im Tempelvorhof legen, ich will sehen, ob ich dir einen ordentlichen Verband anlegen kann.«

Sie legte sich seinen Arm über ihre Schultern und half ihm die Stufen hinauf. Es war jetzt sehr heiß, aber im Schatten des Dachs war es kühl und angenehm.

»Leg dich hier hin, ich mache etwas Wasser heiß«, sagte Brandi und führte ihn zu einer Steinbank, auf der ein abgewetzter, hellroter Teppich lag.

Tobias gehorchte ihr dankbar und spürte schon bald den scharfen Geruch von Rauch in der Nase.

Tempel und Vorhof waren aus Stein, grau und rissig. In der Mitte des Vorhofs stand ein Tisch, Tobias vermutete, dass es ein Altar war. In kleinen Nischen an den Wänden hatten Laternen oder Kerzen gestanden. Man sah es daran, dass die Flammen die Wand darüber geschwärzt hatten. Die Tür zum eigentlichen Tempel war mit einer schweren Eisenstange und einem riesigen Hängeschloss verriegelt.

Brandi kam mit einem Becher Wasser und einer kleinen, mit einem roten Kreuz versehenen Holzkiste zurück. Sie stellte die Kiste auf den Boden neben Tobias und reichte ihm das Wasser.

»Trink das. Ich habe es sicherheitshalber abgekocht.«

Er setzte den Becher an und trank gierig. Brandi ging noch einmal fort, um heißes Wasser zu holen.

Als sie zurückkam, schnitt sie seinen provisorischen Verband auf, reinigte die Wunde und wusch das blutverschmierte Bein.

»Es sieht ziemlich gut aus«, stellte sie fest, als sie fertig war. »Ich lege dir einen Druckverband an, dann heilt es von selbst.«

»Kennst du dich mit so etwas aus?«

Brandi lachte.

»Meine Eltern sind beide Ärzte. Ich habe also wohl oder übel so manches mitbekommen. Dein Glück, nicht wahr?«

»Ja, wirklich«, sagte Tobias. »Jetzt kann ich vielleicht meinen -Speicher wieder auffüllen. Wie steht es mit deinem?«

»Der lag bei 80%, als ich herkam«, antwortete Brandi. »An den 20%, die fehlten, war bestimmt die Psyche Schuld. Hier allein zu sitzen und nicht zu wissen, was man machen soll, das geht an die Nerven. Aber jetzt habe ich wieder 100%.«

»Heute Morgen hatte ich nur noch 20%«, sagte Tobias. »Gar nicht schlecht, wenn man die Schussverletzung bedenkt, den Blutverlust und so. Außerdem war ich ordentlich durchgeschüttelt nach dem Sturz. Wie kriegen wir bloß wieder und ?«

Brandi seufzte tief. »Ich habe alles abgesucht«, sagte sie besorgt. »Hier oben im Tempel gibt es natürlich nichts. Die Priester hatten wohl kaum Waffen, und wenn, dann haben sie alles mitgenommen bei ihrer Flucht.«

»Was glaubst du, wohin sind sie geflohen?«

»Vermutlich hinauf in die Berge«, sagte Brandi. »Vielleicht sind sie sogar jenseits der Berge. Ich habe mich allein nicht getraut hinaufzugehen, um zu sehen, was auf der anderen Seite ist.«

»Und warum sind sie geflohen?«

»Ich hoffe, dass wir im Verlauf des Spiels eine Erklärung dafür finden. Wenn es überhaupt weitergeht.«

»Ich würde am liebsten zurückgehen und noch einmal anfangen«, sagte Tobias. »Mit diesem Bein weiterzumachen, das bringt nichts.«

»Du, Tobias«, sagte Brandi, »das hier ist kein normales Spiel. Dazu ist es viel zu realistisch. Ich glaube auch nicht, dass man wieder zurückgehen kann. Wir müssen uns bestimmt noch durch einige Hindernisse schießen, um weiterzukommen.«

»Und dazu brauchen wir 100% und 100% «, sagte Tobias. »Noch besser wären jeweils 200%, wenn das geht. Und jede Menge Glück.«

»Und wo finden wir Waffen und Munition?«, fragte sie.

Tobias dachte nach.

»Wenn nicht hier, dann bei den Leuten, die das Fort verteidigt haben.«

»Genau«, sagte Brandi. »So weit bin ich mit meinen Überlegungen auch schon gekommen. Ich glaube, die einzige Möglichkeit ist, sich zum Fort durchzuschlagen und und zu erobern.«

»Aber wie finden wir zum Fort zurück?«

»Wenn man den Weg, auf dem ich dich gezogen habe, weitergeht, kommt man zu einem Pass. Ich vermute, es sind nur ein paar Meilen bis dort hinauf. Und wenn man erst einmal dort ist, müsste man sehen können, was sich auf der anderen Seite befindet. Wenn wir Glück haben, ist das Fort dort. Wenn man nämlich in die falsche Richtung geht, läuft man sich zu Tode. Und das kann wohl nicht der Sinn sein. Dieses Tal ist ewig lang und die seitlichen Berge sind hoch. Ich wette um hundert Dollar, dass der Weg über den Pass der richtige ist.«

»Ich werde nicht mit dir wetten«, sagte Tobias. »Du hast bestimmt Recht. Aber warum hast du dich hier niedergelassen? Und nicht beim Hof unten im Tal?«

»Wasser«, sagte Brandi.

»Wasser?«

»Unten im Tal gibt es nur ein ausgetrocknetes Flussbett«, sagte sie. »Hier oben gibt es eine Quelle, die in ein großes Becken läuft. Von da verschwindet das Wasser wieder in der Erde. Ohne Wasser überlebt man hier nicht sehr lange. Die Leute, die den Hof im Tal bewohnt haben, schleppten es von hier oben hinunter, das sieht man an den Tonkrügen, die vor den Häusern stehen.«

Brandi hatte die ganze Zeit gekniet, jetzt stand sie auf und streckte den Rücken.

»Das war das. Ich sammle jetzt nur noch die Sachen wieder ein und deine blutigen Fetzen.«

»Gibt es etwas zu essen hier?«, fragte Tobias.

»Reis«, sagte Brandi. »Einen halben Sack. Wenn der Herr geruhen, eine halbe Stunde zu warten, werde ich Wasser für den Reis kochen.«

»Warum dauert das so lange?«

Brandi lachte. »Es geht hier nicht so schnell wie zu Hause, einfach was in die Mikrowelle stellen oder zu Wimpy’s oder MacDonald’s zu fahren«, sagte sie. »Die Feuerstelle besteht aus ein paar Steinen hinter dem Haus. Das hier ist die reine Steinzeit, verstehst du.«

»Meinst du, dass wir auch in einer anderen Zeit sind?«, fragte Tobias erschrocken.

Brandi zeigte auf die Erste-Hilfe-Box zu ihren Füßen.

»Die sieht doch ziemlich modern aus, oder nicht? Und der Karren, auf dem ich dich gezogen habe, hatte Autoreifen. Aber es gibt hier keinen anderen Herd als diesen Ring aus Steinen. Es sind übrigens zwei gleiche Ringe nebeneinander.«

»Okay, ich warte, bis du etwas zu essen gemacht hast«, sagte Tobias und versuchte, seine Stimme zu beherrschen, obwohl sein Magen so vor Hunger knurrte, dass man es auf dem ganzen Tempelvorhof hörte. »Ich kann ja inzwischen mal aufs Klo gehen«, fügte er hinzu. »Wo ist das denn?«

»Wenn du ein Klo fändest, wäre das prima«, sagte Brandi und lächelte mitleidig.

»Gibt es denn keins?«

Brandi schüttelte den Kopf.

»Das ist hier noch nicht erfunden. Aber nach den Spuren zwischen den Büschen zu schließen, setzt man sich irgendwohin.«

»Wie eklig«, sagte Tobias voller Abscheu.

»Finde ich auch«, sagte Brandi. »Geh einfach auf die andere Seite vom Weg.«

»Und was ist mit Klopapier?«

Brandi lachte.

»Wir sind hier in der Dritten Welt. Glaubst du wirklich, dass sie hier Klopapier haben? Nein, sie waschen sich den Hintern mit der linken Hand. Hast du noch nie etwas darüber gelesen? Und die rechte Hand nehmen sie zum Essen. Es gibt nämlich auch keine Gabeln.«

Brandi verschwand hinter dem Tempel und kam mit einer Colaflasche, die mit Wasser gefüllt war, wieder.

»Bitte schön. Soll ich dir helfen?«

Tobias setzte sich auf der Bank auf. Ihm war schwindelig.

»Du solltest nach Möglichkeit nicht herumlaufen«, ermahnte Brandi ihn. »Aber in die Büsche musst du natürlich.«

Er legte einen Arm um ihre Schultern, und sie half ihm, die Stufen hinunter und über den Weg zu gehen.

»Ruf mich, wenn dir ich beim Hinaufsteigen helfen soll«, sagte sie und ließ ihn allein.

Es gelang Tobias nur mit Müh und Not, sich mit seinem pochenden Bein hinzuhocken, aber er konnte sich mit dem Rücken an einen Baum lehnen, und so ging es.

Da ein leises Gurgeln zu hören war, nahm er an, dass er sich in der Nähe des Wasserbeckens befand. Er wusch die linke Hand mit dem restlichen Wasser aus der Colaflasche und rief Brandi.

Als sie wieder im Tempelvorhof waren, ließ Brandi ihn einfach stehen, und er musste sehen, wie er allein zur Steinbank kam. Er war erstaunt, wie gut es ging. Zwar zog er das Bein nach, aber mit einer Krücke würde er ohne Hilfe gehen können.

»Ich koche jetzt Reis«, sagte Brandi und verschwand hinter dem Tempel.

Tobias legte sich auf die Bank und dachte an einen großen Hamburger mit Pommes und viel Ketchup und Röstzwiebeln. Und an ein paar große Becher Cola. Sein leerer Magen knurrte wie ein Wolf, und er war den Tränen nahe, als er an richtiges Essen dachte. Reis und Wasser, wie öde. Aber für den Augenblick musste er sich fügen, er hatte keine Wahl.

Tobias döste ein Weilchen und vergaß seinen Hunger, und als er wieder aufwachte, stand Brandi vor ihm mit zwei dampfenden Schalen Reis und zwei Bechern Wasser. Er stürzte sich aufs Essen und verschlang gierig seine Portion.

»Gibt es noch mehr?«, fragte er.

Brandi schaute ihn an mit einem Blick, als wäre sie seine große Schwester.

»Im Sack ist noch Reis«, sagte sie. »Aber was willst du machen, wenn der alle ist? Wir müssen sparsam sein und dürfen nicht alles auf einmal...



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