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E-Book

E-Book, Deutsch, Band 3, 300 Seiten

Reihe: Tin Gypsys

Perry Stone Princess


1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-96782-025-6
Verlag: Sieben-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)

E-Book, Deutsch, Band 3, 300 Seiten

Reihe: Tin Gypsys

ISBN: 978-3-96782-025-6
Verlag: Sieben-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)



Das Letzte, was Presley Marks nach ihrer desaströsen, nicht stattgefundenen Hochzeit gebrauchen kann, ist eine Erinnerung an die schrecklichen Vorfälle in Clifton Forge. Noch einmal alle Emotionen zu durchleben, die damit verbunden waren, würde sie wirklich gern vermeiden. Die Hoffnung auf Ruhe und Frieden kann sie jedoch begraben, als ein Hollywood-Filmteam in Clifton Forge auftaucht. Shaw Valance ist nicht nur Hollywoods neuester Megastar und Hauptdarsteller in dem Film über die jüngsten Ereignisse in Clifton Forge, er ist zudem auch der Produzent des Projekts und hat vor, längere Zeit in dem kleinen Städtchen und vor allem mit Presley zu verbringen. Beide schlittern in eine Beziehung, die so viel mehr sein könnte, wenn sie denn die Liebe nur zuließen.

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Kapitel 1



Heute?

Heute.

.

Es gibt nicht viel Spielraum, dieses Wort auszulegen. Nicht viel Spielraum, dessen Bedeutung zu verbiegen.

Heute.

Egal wie oft ich Jeremiahs Textnachricht auch gelesen hatte, keine Interpretation war besonders schön. Der Bastard hatte sich nicht einmal die Mühe gemacht, ein Fragezeichen zu tippen, um etwaige Verwirrung anzutäuschen. Das schreckliche Wort sprang mir vom Bildschirm entgegen. Es nutzte nichts, es immer wieder zu lesen. Das hatte ich seit Samstag ununterbrochen getan. Dieses Wort war der letzte Tropfen gewesen. Er hatte es mir am Morgen unserer Hochzeit geschickt. Der Hochzeit, die er vergessen hatte. Das war keine panische Entschuldigung gewesen. Es gab auch keine Sprachnachricht, in der er sich entschuldigt hätte. Er war auch nicht die drei Stunden von Ashton nach Clifton Forge gefahren, um mich auf den Knien um Vergebung zu bitten. Statt Heute hätte es ebenso gut das Wort Ende sein können.

Okay, scheiß auf ihn. Scheiß auf seine Nachricht. Scheiß auf all die Jahre, die ich an einen Mann verschwendet hatte, der behauptete, mich zu lieben, nur nicht die leiseste Ahnung hatte, wie er das zeigen könnte. Mir blieb nicht einmal die Befriedigung, von Angesicht zu Angesicht mit ihm Schluss zu machen. Vielleicht war es seine Art mit mir Schluss zu machen, indem er mich am Altar stehen ließ.

Nachdem ich die Hochzeit abgeblasen hatte, hatte ich einen Tag lang durchgeheult und mein gebrochenes Herz gepflegt. Sowie meinen fürchterlichen Kater. Presley Marks war normalerweise nicht so nah am Wasser gebaut. Ich hatte das Heulen schon früh aufgegeben, denn Tränen brachten mir nur weitere Ohrfeigen ein. Gestern allerdings habe ich sie laufen lassen. Ich heulte darüber, wie verflucht blöd ich gewesen war. Und wie jämmerlich. Und wie erniedrigt. Wie oft hatten mich meine Freunde vor Jeremiah gewarnt? Wie oft hatte ich meinen Ringfinger betrachtet und mir eingeredet, dass ich keinen Verlobungsring brauchte, wenn ein Ehering doch das einzig Wahre war.

Das Kribbeln in meiner Nase kündigte mehr Tränen an, ich schniefte sie aber weg und blinzelte, damit sie mir nicht die Mascara ruinierten. Ich schob das Handy in die Hosentasche und öffnete die Autotür meines Jeeps. Seine weiße Lackierung strahlte hell in der Morgensonne. Ich hatte das Auto letzte Woche professionell sauber machen lassen. Ich wollte, dass es glänzte, wenn Jeremiah und ich darin von unserem Hochzeitsempfang davonfuhren. Ich wollte, dass es sauber war, wenn wir nach Ashton fuhren. Heute wäre unser Umzugstag gewesen. Meine Habseligkeiten befanden sich fast alle in Umzugskartons und ich hatte einen Laster gemietet. Ich hatte in Ashton einen Mietvertrag unterschrieben, denn Jeremiah wohnte im Clubhaus seines Motorradclubs. Seit drei Jahren.

Dumm, Presley. So verflucht dumm. Ich war so damit beschäftigt gewesen, unsere Leben zusammenzubringen, dass mir nicht aufgefallen war, wie unfassbar zufrieden mein Partner damit war, allein zu leben. Vielleicht hätte ich heute daheimbleiben und mich um alles kümmern müssen, was jetzt anstand. Stattdessen folgte ich meiner normalen Montagmorgenroutine und fuhr zur Arbeit. Ich machte einen Schlenker zum Supermarkt und stopfte dort mein tausend Dollar teures Hochzeitskleid in den Altkleider-Container.

Die Werkstatt in Clifton Forge war während der letzten zehn Jahre ein fester Bestandteil meines Lebens gewesen. Und heute brauchte ich das. Ich öffnete die Bürotür und ging hinein. Dann schaltete ich alle Lichter an, setzte mich hinter meinen Schreibtisch und genoss einen Augenblick die Ruhe. Ich war eine Stunde früher als sonst, und die Ruhe würde nicht lange anhalten. Bald würde es in der Werkstatt klappern und klimpern, Kunden würden sich im Wartebereich unterhalten und im Büro das Telefon ununterbrochen klingeln. Doch im Augenblick war es friedlich. Ich holte tief Luft und versuchte Dravens Aftershave zu erschnuppern. Er war vor drei Jahren gestorben, aber es gab Momente, in denen ich ihn riechen konnte. Vielleicht war es meine Einbildung, die diesen Duft von Old Spice, vermischt mit Pfefferminzpastillen, heraufbeschwor. Als ich heute aufwachte, wusste ich, dass ich mit den Konsequenzen dieser Hochzeit umgehen lernen musste, also tat ich genau das. Ein Schritt nach dem anderen, jeden Tag ein bisschen mehr und ich würde es überstehen. Das Schlimmste war wenigstens schon vorüber. Ich war bereits vor alle Hochzeitsgäste getreten und hatte ihnen verkündet, dass mein Verlobter unseren großen Tag vergessen hatte. Der Rest wäre einfach, nicht wahr? Nur noch Organisatorisches. Barkeeper und Caterer würden bezahlt werden. Von mir. Hochzeitsgeschenke, die keiner mitgenommen hatte, würden zurückgegeben werden. Von mir. Mein Leben würde weitergehen und eines Tages würde es nicht mehr so wehtun, dass mein Verlobter mich nicht hatte heiraten wollen. Aber konnte ich die Schuld wirklich auf Jeremiah abwälzen? Es war mein Fehler. Ich hatte mich für die Wahrheit taub gestellt und war blind gegenüber allen Warnsignalen gewesen. Ich hätte schon vor Jahren Schluss machen sollen. Vielleicht war ich genauso feige wie Jeremiah.

Ich schob diese Gedanken beiseite und bewegte die Maus, um den Computerbildschirm zu wecken. Dann tauchte ich in meine E-Mails ab und versuchte zu arbeiten. Sobald die Werkstatttruppe mitbekam, dass ich hier war und nicht allein daheim, würden sie ins Büro kommen. Sie würden den ganzen Tag nach mir sehen und darauf achten, dass ich keinen Zusammenbruch bekam. Ich würde nichts bearbeitet bekommen, weil ich zu sehr damit beschäftigt sein würde, ein tapferes Gesicht aufzusetzen, während sie Jeremiah verfluchten. Ich würde ihnen sagen, dass es mir gut ginge, auch wenn sie wüssten, dass das eine Lüge war. Mir ging es schon eine ganze Weile nicht mehr gut.

Es waren nur noch drei unbeantwortete E-Mails übrig, als ich Schritte von draußen vernahm. Die Metalltreppe, die zu der kleinen Wohnung über dem Büro führte, vibrierte, als Isaiah, einer unserer Mechaniker und ein Freund von mir, herunterkam. Ich holte tief Luft und drehte meinen Stuhl herum, als die Tür aufging.

„Guten Morgen.“

„Hey, Presley.“ Isaiah trat ein. Er trug ein schwarzes T-Shirt und zerschlissene Jeanshosen. Sein dunkelbraunes Haar war feucht. Er setzte sich auf den Stuhl vor meinem Schreibtisch und stützte die Ellbogen auf den Knien ab.

„Es tut gut, dich auf diesem Stuhl zu sehen“, sagte ich.

Er grinste. „Es tut gut, wieder hier zu sitzen.“

Isaiah und seine Frau, Genevieve, hatten die letzten drei Jahre in Missoula gewohnt, da sie dort die juristische Fakultät besucht hatte. Jetzt waren sie zurück und Isaiah würde wieder hier in der Werkstatt arbeiten. Genevieve würde als Anwältin an der Seite ihres Mentors in einer kleinen Anwaltskanzlei anfangen.

„Wie geht es Genevieve?“

„Gut“, sagte er und blickte zur Decke. „Sie wird auch gleich herunterkommen. Sie freut sich auf ihren ersten Arbeitstag.“

„Wie war es, wieder in der Wohnung oben zu übernachten?“

„Wie in guten alten Zeiten. Verrat es nicht, aber ich hoffe, das Bauunternehmen braucht etwas länger als geplant, sodass wir noch ein paar Tage mehr oben wohnen müssen.“

Vor einigen Jahren war die kleine Wohnung ihr Zuhause gewesen und es wurde während ihrer Abwesenheit nicht weitervermietet. Genau wie ihre Jobs, hatte es auf ihre Rückkehr gewartet. Nur würden sie dort jetzt nicht mehr permanent wohnen, denn sie hatten sich ein neues Haus gekauft, in das sie bald einziehen würden. Aber egal, wie viel Zeit verstreichen würde, ich würde die Wohnung immer als Isaiahs sehen.

„Ich freue mich schon auf euer Haus.“

„Du kannst die erste Besichtigungstour buchen.“ Er grinste noch breiter. Ich betrachtete ihn genau. Es war seltsam, ihn lächeln zu sehen. Aber hochwillkommen. Er war nicht mehr die gleiche verwundete Seele, wie damals, als er hier anfing zu arbeiten. Das hatte er Genevieve zu verdanken. Sie hatte meinen guten Freund gerettet und Lebendigkeit in seine Augen gezaubert. Sie hatte in dieser kleinen Wohnung ein Wunder vollbracht.

„Was ist?“ Er fuhr sich über den Mund. „Hab ich was im Gesicht?“

„Nein. Es tut nur so gut, dich glücklich zu sehen.“

Er seufzte und sein Lächeln versiegte. „Wie geht es dir?“

„Gut.“ Das war das erste Gut an diesem Tag. Ich würde es bestimmt noch zwanzig Mal wiederholen, bevor ich um fünf Feierabend machte. „Ich möchte nicht darüber reden.“

„Okay.“

Isaiah wäre der Einzige, der mich heute nicht bedrängen würde. Ich hätte ihn dafür am liebsten umarmt. Wir beide hatten uns damals sofort angefreundet. Wir waren die beiden Außenseiter in einer Werkstatt, in der...



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