Pehov | Der Nachtclan | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 416 Seiten

Reihe: Das Reich der blauen Flamme

Pehov Der Nachtclan

Das Reich der blauen Flamme 2
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-492-99833-8
Verlag: Piper ebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Das Reich der blauen Flamme 2

E-Book, Deutsch, Band 2, 416 Seiten

Reihe: Das Reich der blauen Flamme

ISBN: 978-3-492-99833-8
Verlag: Piper ebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Theo und seine Gefährten müssen den legendären Kriegshelden Thion finden, um die alte Magie in die Welt zurückzuholen und den Gebannten, der nur noch als Geist existiert, zu besiegen. Doch ihre Suche gestaltet sich immer mehr als Wettlauf gegen die Zeit. Theo erkennt, dass er durch das magische Zeichen auf seiner Schulter dem Tod geweiht ist. Er bemerkt die Veränderungen, die er durchlebt, als das Zeichen von ihm Besitz ergreift. Und die Assassinen des Nachtclans sind ihm dicht auf den Fersen, um Rache zu üben und ein finsteres Ritual zu vollziehen ...

Alexey Pehov, geboren 1978 in Moskau, studierte Medizin. Seine wahre Leidenschaft gilt jedoch dem Schreiben von Fantasy- und Science-Fiction-Romanen. Er ist neben Sergej Lukianenko der erfolgreichste phantastische Schriftsteller Russlands. »Die Chroniken von Siala« wurden zu millionenfach verkauften, mit mehreren Preisen ausgezeichneten Bestsellern. Zuletzt erschien seine epische Fantasyreihe »Die Beschwörer«. Gemeinsam mit seiner Ehefrau, die ebenfalls Schriftstellerin ist, lebt Pehov in Moskau.
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Kapitel 1


Das leere Haus

Ich rate Dir dringend davon ab, Dich mit ihr einzulassen. Solltest Du sie wirklich in den Bergen, in denen sie beheimatet ist, aufsuchen, wäre das für Dich von großem Nachteil, denn dort bist Du schwach. Lass Dich nicht durch ihr Äußeres täuschen! Mag sie auch zerbrechlich scheinen, sie weiß ihre eigenen Waffen, ihren Verstand und ihren Willen, vorzüglich einzusetzen. Noch ehe Du überhaupt begreifst, dass das Spiel begonnen hat, wirst Du die Partie bereits verloren haben. Denn das Opfer, das sie zu bringen willens ist, hat noch kein Mann bringen wollen.

Aus einem Schreiben des Gebannten an Cam,
in dem er sich über Arila auslässt
Ein Jahr vor dem Krieg des Zorns

Die Dienerin schluchzte in einem fort. Blanca Erbett vermochte ihren Zorn kaum mehr zu zügeln. Am liebsten hätte sie diesem jammernden Weibsbild eine Ohrfeige verpasst. Die würde in ihrem leeren Schädel sicher ein prachtvolles Echo auslösen …

Doch selbstverständlich beherrschte sich Blanca.

In ihren dunklen Augen lag sogar ein Hauch von Zuneigung, als sie der Dienerin ihr Spitzentaschentuch hinhielt. Dankbar nahm die junge Frau es an und schnäuzte sich geräuschvoll hinein.

Für dieses ungebührliche Verhalten hätte Blanca ihr nur zu gern eine Standpauke gehalten, doch auch diesmal wandte sie sich nur schweigend ab und trat ans Fenster.

Die Erbin Yasev Erbetts war eine Frau von betörender Schönheit. Ein schlanker Hals, eine schmale Taille und blasse rotgoldene Haare. Als ihr Vater nach zahllosen Anträgen schließlich dem Werben eines Mannes nachgegeben hatte, da hatte er sich von dieser Partie für die gesamte Familie eine Menge versprochen.

Blanca hatte an dem Gatten leider einiges auszusetzen gehabt. Er war dreißig Jahre älter als sie und interessierte sich ausschließlich für die Jagd, seine Hunde und guten Wein. Seine junge Frau beliebte er nur zur Kenntnis zu nehmen, wenn ihm einfiel, dass er einen rechtmäßigen Erben brauchte, prahlte der Widerling doch damit, dass sich sein Geschlecht bis in die Zeit vor dem Kataklysmus zurückverfolgen lasse.

Sobald er sich jedoch mit ihr langweilte, wurde er schier unerträglich. Mit ihren achtzehn Jahren hatte Blanca sehr klare Vorstellungen davon, was sie vom Leben wollte. Ihre Jugend an einen versoffenen Fettsack zu verschwenden, der mit seinen längst verreckten Vorfahren angab, gehörte ganz entschieden nicht dazu, mochte das ihrem Vater nun passen oder nicht.

Zu Beginn ihrer Ehe hatte sie noch gezögert, ihr Schicksal in die eigene Hand zu nehmen, doch nachdem ihr Mann sie grün und blau geschlagen und der Heiler ihr eröffnet hatte, dass sie niemals einem Kind das Leben schenken würde, waren jegliche Zweifel von ihr gewichen. Da galt es zu handeln, bevor der holde Gatte verstanden hatte, dass sie für ihn nicht länger von Wert war.

Blanca war eine Erbett. Die Tochter ihres Vaters. Mit einem klugen Kopf, einem festen Willen und einem harten Herzen. Niemals würde sie sich diesem ekelhaften Trunkenbold unterordnen. Sie bereitete alles bestens vor, er schluckte sämtliche Köder. Die Falle schnappte zu, und der werte Herr Gemahl wurde bei einem Festgelage erdolcht. Nachdem die Angelegenheit gründlich untersucht worden war, hatte die Stadtwache sechs vermeintliche Verschwörer in Gewahrsam genommen. Auf die arme Witwe fiel dagegen nicht einmal der Schatten eines Verdachts …

Selbst ihr Vater hatte nicht geahnt, dass sie hinter allem steckte. Lediglich Rynster hatte sie durchschaut. Aber er war ja schon immer klüger als sie gewesen, auch wenn sie an der Universität studiert hatte, nicht er.

Und jetzt war ihr Bruder tot. Genau wie ihre beiden anderen Geschwister. Und ihr Vater.

Ihr Elternhaus war buchstäblich ausgestorben. Noch konnte Blanca das kaum glauben.

»Anna!«, brachte sie eindringlich hervor, während sie vom Fenster zurücktrat. »Du musst dich daran erinnern! Das ist sehr wichtig!«

»Es war alles so schrecklich, Herrin.« Die Dienerin schluchzte neuerlich auf. »All das Blut … Dieser … der hat sie alle …«

Der Rest wurde von Gewimmer geschluckt. Blanca nahm der Frau behutsam das durchnässte Taschentuch aus den kraftlosen Händen, lächelte sanft – und verpasste ihr eine schallende Ohrfeige. Den fassungslosen Ausdruck in Annas Augen nahm sie mit Genugtuung zur Kenntnis.

Obendrein hatte das Geschluchze nun ein Ende. Anna sah sie stumm an und zog ein paarmal die Nase hoch.

»Reiß dich zusammen!« Blancas Worte flogen durch den Raum wie Fledermäuse, stießen gegen die Decke und klirrten geradezu in Annas Ohren. »Du bist die Einzige, die ihn gesehen hat! Beschreib ihn mir also gefälligst!«

»Aber ich habe wirklich kaum einen Blick auf ihn geworfen, denn ich musste ja den Tisch decken. Irgendwann ist Davek hereingekommen und hat gesagt, ein Mann wünsche den Herrn zu sehen. Dann bin ich aus dem Raum gegangen, und als ich zurückgekehrt bin, da war der Kampf schon in vollem Gange. Der Mann war schnell wie der Blitz! Eben noch stand er am Tisch, aber schon im nächsten Augenblick oben auf der Galerie. Alle haben geschrien. Herr Celg hat nach seiner Axt gegriffen und … und … Das konnte ich nicht mit ansehen. Ich bin einfach davongestürzt! Überhaupt haben sich alle in Sicherheit gebracht. Niemand hat versucht, diesen Mörder aufzuhalten, nicht einmal Nevek, und Ihr wisst, wie stark und tapfer er war.«

»Du willst mir also weismachen, dass ein einziger Mann meine gesamte Familie umgebracht hat?! Ebenso wie alle anderen Männer im Haus? Dass er Celg, der mühelos ein Pferd hochheben konnte, ausgeschaltet hat?! Und auch Nevek, diesen alten und erfahrenen Soldaten?«

»Jedenfalls habe ich niemand sonst gesehen! Nur ihn! Er muss mit der anderen Seite im Bunde stehen! Vielleicht war es sogar ein Schahuter …«

Mit dieser Närrin verschwende ich bloß meine Zeit, schoss es Blanca durch den Kopf. Verängstigt, wie sie war, hätte sie nicht einmal mitbekommen, wenn eine ganze Armee in ihrem eigenen Bett über sie hergefallen wäre!

»Erinnerst du dich an seinen Namen?«

Anna schüttelte den Kopf.

»Dann beschreibe mir jetzt, wie er ausgesehen hat!«

»Sehr gut … Aua!«

Anna rieb sich die Wange.

»Reiß dich jetzt endlich zusammen!«, fuhr Blanca sie an. »Dass er sehr gut aussah, hilft mir nicht weiter! Wie groß war er? Was für eine Haarfarbe hatte er? Woher kam er?«

»Er war sehr groß und sah …« Sie verstummte, ihr verängstigter Blick huschte zu ihrer Herrin hinüber. »Mit braun gebrannter Haut, also wahrscheinlich ein Mann aus dem Süden. Seine Augen waren von leuchtendem Blau! Er sah wirklich …«

»Woher genau war er? Aus Dagewar vielleicht? Aus Solanka oder Trettin?«

»So leid es mir tut, Herrin, aber das weiß ich wirklich nicht.«

Blanca verließ der Mut. Das war doch aussichtslos. Völlig. Wie sollte sie etwas aus einer Frau herausbringen, deren Hirn nicht einmal die Größe einer Ameise aufwies?

»Gut, du kannst jetzt gehen. Falls dir noch etwas einfällt, lass es mich sofort wissen.«

Anna nickte nur schweigend und zog sich eilig zurück. Nicht einmal die Tür schloss sie hinter sich …

Blanca drehte sich wieder ihrem Leibwächter zu, Grenn, einem Mann, dem sie vorbehaltlos vertraute. Die blasse Haut wies ihn auf den ersten Blick als Alagorier aus. Obwohl er mittlerweile etwas in die Jahre gekommen war, hatte er sich seine muskulöse Erscheinung bewahrt. Die grauen, von geröteten Lidern halb verhangenen Augen ruhten in Erwartung eines Befehls auf ihr. Nevek hatte diesen Mann auf Bitten ihres Vaters ausgesucht, damit Blanca nichts geschah, wenn sie von ihrem ehelichen Gut zu ihrem Elternhaus zurückkehrte.

In all der Zeit war ihr Grenn zum unersetzbaren Gefährten geworden, und sie war froh, den einstigen Soldaten an ihrer Seite zu wissen.

»Kein Name. Nicht einmal eine brauchbare Beschreibung, wie der Kerl ausgesehen hat, geschweige denn ein Hinweis darauf, was er von meinem Vater wollte. Ich habe nicht einen einzigen Anhaltspunkt! Was hört man denn in den Straßen?«

»Niemand weiß, warum Euer Vater und Eure Brüder getötet worden sind, Herrin. Die Leute verbreiten bloß Gerüchte, von denen eines stets dümmer ist als das vorherige.«

»Und welches von diesen Gerüchten erfreut sich der größten Beliebtheit?«

»Dass ein Schahuter Eure Familie heimgesucht hat.«

Blanca presste die Lippen aufeinander. Sie hasste solch Gerede ebenso wie all die Narren, die darauf hereinfielen. Sicher, auch sie hatte sich als kleines Mädchen davor gefürchtet, am Stadtrand durch die Ruinen unmittelbar hinterm Steinbruch zu streifen. Ian hatte sie deswegen immer ausgelacht. Wie lange das jetzt her war … Nun war Ian tot, war bei einer Auseinandersetzung mit irgendeinem Kerl vom Zirkus vom Dach gestürzt. Er war immer leichtsinnig gewesen und hatte gern einen über den Durst getrunken, aber dieses Schicksal hatte er nicht verdient. Und auch Rynster nicht. Sogar um Celg, den sie nie besonders in ihr Herz geschlossen hatte, tat es ihr leid.

»Hätte ein einziger Mann mit den Leuten meines Vaters fertig werden können?«

»Wenn ich in den langen Jahren, in denen ich meinen Dienst an der Grenze zu Dagewar abgeleistet habe, eines begriffen habe, dann wohl, dass sich stets ein noch tüchtigerer Mann als man selbst findet«, erwiderte Grenn. »Oder ein verschlagenerer, ganz wie Ihr es sehen wollt, Herrin.«

Blanca ließ sich in den Sessel fallen, griff nach dem goldumrandeten Kristallpokal und trank einen Schluck Wasser.

»Mein Vater hatte ein Händchen dafür, die richtigen Männer für sich auszuwählen. Nevek, Davek und all die anderen waren unübertroffen in ihrem Metier. Glaubst du...



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